Fundamentalismus und Moderne

   kuratiert von Isolde Charim

 

 

 

Das Aufkommen fundamentalisistischer Bewegungen im Allgemeinen und des „Islamischen Staats“ (IS) im Besonderen ist ein Ereignis von allerhöchster Dringlichkeit und symptomatisch für eine neue Bedrohung der liberalen Gesellschaft. Der Konflikt des Mittleren Ostens, ausgehend von seinem syrisch-irakischen Schauplatz, hat sich bis in unsere Breitengrade ausgedehnt. Mit der gezielten und erfolgreichen Anwerbung westlich sozialisierter Jugendlicher stellt er unsere pluralen Gesellschaften vor eine neue Herausforderung. Mit dem Phänomen des „Djihad-Tourismus“ und der dazugehörigen – weitaus größeren – Sympathisantenszene wird die österreichische/europäische Gesellschaft doppelt herausgefordert.
Zum einen verläuft die mittel-östliche Front mittlerweile quer durch hiesige Berufsschulen und Jugendszenen – wenn etwa Jugendliche kurdischer Herkunft mit fanatisierten moslemischen Jugendlichen in Konflikt geraten.
Zum anderen stellt sich die Frage, wie mit der zunehmenden Radikalisierung muslimischer oder konvertierter junger Leute – also die Wahl einer fundamentalistischen Zweitidentität, die meist wenig mit dem Elternhaus zu tun hat – umzugehen ist. Wie reagiert man auf diese Ablehnung der hiesigen Sozialisation? Die Problematik einer möglicher De- Radikalisierung ist keinesfalls nur sicherheitstechnisch zu lösen. Es ist dies nicht nur das Scheitern einer „Integration“ – also das Versagen einer Anpassung -; es ist auch das Versagen einer Gesellschaft, mit ihrem real existierenden Pluralismus umzugehen.
Das Kreisky Forum möchte sich dieser Problematik in einer neuen Reihe widmen. Hier soll sowohl den konkreten Fragen nach Strategien zur Prävention vor dem Abdriften in die Radikalisierung nachgegangen werden, als auch der grundlegenden Problematik vor der sich die liberale Gesellschaft befindet:
• Wie geht eine liberale Gesellschaft mit politischer Gewalt um?
• Wie geht eine liberale Gesellschaft mit der Bedrohung ihrer eigenen Liberalität um?
• Wie verhindert eine offene Gesellschaft ihre Schließung?
Diese doppelte Bedrohung – von außen und von innen steckt den thematischen Bogen dieser Reihe ab.

Daniel Bax

ANGST UMS ABENDLAND. Warum wir uns nich vor Muslimen, sondern vor den
Islamfeinden fürchten sollten. Daniel Bax, Journalist bei der taz
18. Februar 2016

Ahmed Mansour

GENERATION ALLAH. Über die Ursachen jugendlicher Radikalisierung und
warum wir im Kampf gegen den religiösen Extremismus umdenken müssen.
Ahmad Mansour, palästinensisch-israelischer Autor, Diplom-Psychologe und
Programme Director bei der European Foundation for Democracy
13. November 2015

Beller Rabinovici

MUSLIM ANTI-JEWISH HOSTILITY: IS ANTISEMITISM THE RIGHT WORD FOR IT?
Steven Beller, Washington-based historian, independent scholar and
Doron Rabinovici: historian, author, essayist
15. September 2015

Salman Sayyid

A FUNDAMENTAL FEAR: EUROCENTRISM AND THE EMERGENCE OF ISLAMISM
Salman Sayyid, Reader in Rhetoric, School of Sociology and Social Policy, University of Leeds
Respondent:  Viola Raheb, theologian, researcher, University of Vienna
19. Mai 2015

Oliver Roy

VIOLENCE AND FUNDAMENTALISM IN A EUROPEAN CONTEXT.
WHY DO WESTERN EDUCATED YOUTH JOIN ISIS?
Olivier Roy, Professor at the European University Institute in Florence, Italy
13. April 2015

 

 

 

 


ISLAM IN EUROPA: CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN DER „MUSLIMISCHEN KRISE“

Arab Changes: The Role of Islam
kuratiert von Gudrun Harrer

ARI RATH

Zur Erinnerung