MI02. Oktober, 19:00UHR

FÜR, GEGEN UND OHNE KOMMUNISMUS

Reihe: Genial Dagegen
KuratorIn: Robert Misik
Vortragende: György Dalos

György Dalos

FÜR, GEGEN UND OHNE KOMMUNISMUS

Als der 1943 als Sohn ungarisch-jüdischer Eltern in Budapest geborene György Dalos im Frühjahr 1960 dem Kommunistischen Jugendverband beitrat, war er plötzlich von Gleichaltrigen umgeben, die sich als Avantgarde der Nachkriegsgeneration begriffen. Das schien der Ausweg aus der von den Toten umgebenen Einsamkeit des Jüdischseins. Der glühende Kommunist wurde mit einem Studienplatz in Moskau belohnt. Aber dann kam alles ganz anders.

Der mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnete Publizist und Historiker Dalos hat in seinem neuen Buch die Geschichte seines Lebens und zugleich die Geschichte der großen Lebenslüge namens real existierender Sozialismus von 1956 bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 nachgezeichnet. Eine schonungslose Rückschau.

Moderation:
Robert Misik, Autor und Journalist

György Dalos
ist freier Autor und Historiker. 1995 wurde er mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. 2010 erhielt er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Sein Buch „Für, gegen und ohne Kommunismus. ERINNERUNGEN“ erscheint im September 2019 im C.H. Beck Verlag

MO07. Oktober, 19:00UHR

POLITIK & FRAUEN

Reihe: Philoxenia
KuratorIn: Tessa Szyszkowitz
Vortragende: SIBYLLE HAMANN und SARA COSTA

SIBYLLE HAMANN und SARA COSTA
im Gespräch mit TESSA SYZSYKOWITZ

POLITIK & FRAUEN

Adelheid Popp war die erste Frau, die am 4. März 1919 im österreichischen Parlament das Wort ergriff. Sie stammte aus einer bettelarmen, patriarchalen, gewalttätigen und bildungsfernen Einwandererfamilie. Wie gelang es ihr, zur Pionierin der österreichischen Frauenbewegung zu werden? Haben Frauen, die Politikerinnen werden, heute immer noch höhere Hürden zu überwinden als Männer? Zu Beginn wurden Politikerinnen gerne auf Frauenpolitik reduziert. Ist das heute anders? Beeinflusst das Geschlecht ihre Politik? Anlässlich der Neuauflage des Schlüsselwerks der sozialdemokratischen Frauenbewegung ADELHEID POPP. JUGEND EINER ARBEITERIN in einer politisch kommentierten Ausgabe stellt Herausgeberin Sibylle Hamann die Sozialdemokratin hundert Jahre nach deren Einzug ins österreichische Parlament noch einmal vor.

Sibylle Hamann, Herausgeberin „Jugend einer Arbeiterin“, ist neuerdings auch grüne Politikerin. Bis Juli 2019 arbeitete die freie Journalistin und Publizistin für u.a. Falter und Die Presse.

Sara Tavares da Costa, SJ Wien 3, Kandidatin für den Nationalratswahlen 2019, Vizepräsidentin der Young European Socialists.

Das Buch Adelheid Popp, Jugend einer Arbeiterin, ist im September 2019 im Picus Verlag erschienen ISBN:978-3-7117-5407-3.

 

DO10. Oktober, 19:00UHR

IM BRAND DER WELTEN

Reihe: Zerrissene Jahre
KuratorIn: Philipp Blom
Vortragende: Michael Martens

Michael Martens im Gespräch mit Philipp Blom

IM BRAND DER WELTEN
IVO ANDRIĆ. EIN EUROPÄISCHES LEBEN

Michael Martens zeichnet in seinem Buch Im Brand der Welten anhand der Biographie des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić einen außergewöhnlichen – europäischen – Lebensweg nach: geboren 1892, die Kindheit in Bosnien, das Attentat in Sarajevo im Jahr 1914, der Erste Weltkrieg, Andrićs Studium der Philosophie, Geschichte und Slawistik in Wien, Zagreb und Graz, seine Promotion an der Karl-Franzens-Universität 1924, die Zeit als außerordentlicher Gesandter des Königreiches Jugoslawien in Paris, Brüssel, Madrid, Genf und Berlin bis zum Jahr 1941. Nach der Internierung des Personals der jugoslawischen Botschaft und der Konsulate am Bodensee von April bis Mai 1941, zog Andrić es vor, nach Belgrad zurückzukehren, wo er aus dem diplomatischen Dienst ausschied und zurückgezogen an seinen großen Romanen arbeitete. 1961 erhielt er den Literaturnobelpreis „für die epische Kraft, mit der er Motive und Schicksale aus der Geschichte seines Landes gestaltet“.

Michael Martens, geboren 1973 in Hamburg, lebte von 1995 bis 2000 in St. Petersburg, Kiew und anderen Städten Osteuropas. Seit 2002 ist er politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er verbrachte sieben Jahre in Belgrad, sechs in Istanbul, drei in Athen. Seit 2019 lebt er in Wien. Sein Buch Im Brand der Welten. Ivo Andrić. Ein europäisches Leben ist im August 2019 im Zsolnay Verlag erschienen.

Philipp Blom, Autor, Historiker und Journalist kuratiert und moderiert die Veranstaltungsreihe Zerrissene Jahre. In Gesprächen mit internationalen Gästen werden die „zerrissenen“ letzten hundert Jahre exemplarisch und an bestimmten Themen orientiert betrachtet.

In Zusammenarbeit mit dem Zsolnay Verlag.

MO14. Oktober, 19:00UHR

VON MUSSOLINI ZU SALVINI

Reihe: Philoxenia
KuratorIn: Tessa Szyszkowitz
Vortragende: Lorenz Gallmetzer

LORENZ GALLMETZER im Gespräch mit TESSA SZYSZKOWITZ

VON MUSSOLINI ZU SALVINI
ITALIEN ALS VORREITER DES MODERNEN NATIONALPOPULISMUS

Ist Matteo Salvinis Lega eine klassisch rechtsradikale, nationalistische Partei? Was beschreibt den neuen starken Mann Italiens am besten: Präfaschistisch, totalitär, autokratisch, illiberal, souveränistisch oder einfach nur populistisch? Lorenz Gallmetzer zeigt in seinem soeben erschienenen Buch auf, welche historischen Faktoren die derzeitige Entwicklung möglich machten und welche zweifelhafte „Vorreiterrolle“ Italien stets einnahm. Benito Mussolinis politische Massenbewegung und Diktatur diente als Vorbild für den Faschismus von Portugal bis Jugoslawien und inspirierte Hitler, während der Medienzar und dezidierte Nicht-Politiker Silvio Berlusconi Donald Trumps Politstil vorweg genommen hat.

 

Lorenz Gallmetzer, Südtiroler Journalist und Buchautor. Von 1981 bis 2011 arbeitete er für den Österreichischen Rundfunk u. a. als Auslandskorrespondent in Paris und Washington. Gallmetzer lebt als freier Publizist in Wien.

Tessa Szyszkowitz, Journalistin und Autorin des Buches Echte Engländer. Britannien nach dem Brexit, Picus Verlag.

Lorenz Gallmetzers Buch Von Mussolini zu Salvini. Italien als Vorreiter des modernen Nationalpopulismus ist im September 2019 bei Kremayr & Scheriau erschienen (ISBN-13: 9783218011822)

DI15. Oktober, 19:00UHR

VON DER SCHULDENBREMSE GEFESSELT

Reihe: Genial Dagegen
KuratorIn: Robert Misik
Vortragende: Gustav Horn

GUSTAV HORN

VON DER SCHULDENBREMSE GEFESSELT
Droht die nächste, schwere Krise?

Ob Brexit oder Trump – die globale und europäische Wirtschaft kommt auch in politische Turbulenzen. Nach einigen Jahren der ökonomischen Erholung droht schon wieder die nächste Krise, Deutschland schlittert am Rande einer Rezession herum. Die Investitionen in der Industrie brechen ein, üblicherweise ein früher Indikator für eine Krise. Noch schlägt das nicht auf die Arbeitsmärkte durch, aber mit Turbulenzen ist zu rechnen.

Zugleich ist Deutschland mit seiner Schuldenbremse gefesselt, notwendige Investitionen bleiben seit Jahren schon aus. Und auch in Österreich soll eine solche Investitionsbremse verfassungsrechtlich verankert werden, was den Spielraum für eine aktive Wirtschaftspolitik arg einschränkt. Wirtschaftspolitische Kompetenz ist an der Regierungsspitze hierzulande sowieso seit Jahren keine mehr zu erkennen. In der öffentlichen Debatte bleibt all das viel zu sehr unter der Wahrnehmungsschwelle – dabei berührt nichts so sehr die Lebenschancen der normalen Menschen wie die Wirtschaftspolitik.

Mit Gustav Horn analysiert einer der führenden Wirtschaftsexperten des deutschsprachigen Raums die viel zu unterschätzten Gefahren und macht Vorschläge, wie Regierungen und insbesondere auch die Sozialdemokratie mit dieser heiklen Lage wirtschaftspolitisch umgehen sollen.

Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

Gustav A. Horn ist einer der bekanntesten deutschen Ökonomen. Er studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn und an der London School of Economics. Von 2005 bis 2019 war er Direktor des damals neu gegründeten Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Im Jahr 2012 wurde er als Professor an die Universität Duisburg-Essen berufen. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Keynes Gesellschaft. Seine Tätigkeitschwerpunkte sind Makroökonomie, Konjunkturanalyse und Europäische Wirtschaftspolitik. Mit zahlreichen Medienauftritten hat er sich als eine der markantesten Stimmen gegen die vorherrschende marktliberale Ökonomie etabliert.

DO17. Oktober, 19:00UHR

TOGETHER OR ALONE?

Reihe: Auf der Suche nach Europa
KuratorIn: Ulrike Guérot
Vortragende: Miroslav Lajčák

TOGETHER OR ALONE?

The Crisis of Multilateralism and the Chances for Global Governance

Globalisation and its many accompanying challenges in the fields of economy, security and the climate crisis would seem to call for strong multilateral institutions. However, we are faced with the rise of nationalism in the global order, cloaked in slogans like America First or the lies of the Brexiteers. In a reverse logic, the ideologues of the do-it-alone approach to international diplomacy call themselves “realists”. In contrast, Miroslav Lajčák argued consistently for the mutual benefits of international cooperation in his long and successful career in national and international diplomacy. Currently at the helm of the OSCE, Minister Lajčák is confronted on a daily basis with the conundrum of how to overcome the member states’ divisions.

Lecture
Miroslav Lajčák, Minister of Foreign and European Affairs of the Slovak Republic, Chairperson-in-Office of the OSCE

Followed by a discussion with
Helfried Carl, Senior Director at The Innovation in Politics Institute, Vienna, former Austrian Ambassador to the Slovak Republik

Miroslav Lajčák has dedicated his professional life to diplomacy, representing both the Slovak Republic and the international community. He joined the Foreign Service in 1988 and since then has held various positions, including as Slovak Ambassador to Japan, Executive Assistant to the UN Secretary-General’s Special Envoy for the Balkans and Slovak Ambassador to the Federal Republic of Yugoslavia, to the former Yugoslav Republic of Macedonia and to Albania. In 2016, Mr. Lajčák was Slovakia’s candidate for the position of UN Secretary-General. When Slovakia assumed for the first time ever the Presidency of the EU in the second half of 2016, Mr. Lajčák chaired the General Affairs Council and Foreign Affairs Council. From 2017 to 2018, Mr. Lajčák served as President of the 72nd Session of the UN General Assembly, where he advocated for dialogue, strengthening multilateralism and serving the needs of all people. With Slovakia at the helm of the Organisation for Security and Co-operation in Europe (OSCE) during 2019, Mr. Lajčák currently exercises the function of Chairperson-in-Office of the world’s largest regional security organization.
Mr. Lajčák is currently in his fourth mandate as Minister of Foreign and European Affairs of the Slovak Republic, a position he first held from 2009 to 2010. From 2012 to 2016, he served as Foreign Minister and Deputy Prime Minister of Slovakia. He was reappointed as Foreign Minister in 2016 and 2018 respectively.
A key figure in the mediation of the post-conflict crises in the Western Balkans, Mr. Lajčák negotiated, organized and supervised the referendum on the independence of Montenegro in 2006 on behalf of the European Union. From 2007 to 2009, he served as High Representative of the International Community and Special Representative of the European Union in Bosnia and Herzegovina. From 2010 to 2012, Mr. Lajčák helped shape the newly formed diplomatic service of the European Union, the European External Action Service, as its Managing Director for Europe and Central Asia.
Mr. Lajčák is a graduate of the Moscow State Institute for International Relations and has a law degree from the Comenius University in Bratislava.