DO03. November, 19:00UHR

JAFFA – GESTERN UND HEUTE

Reihe: 2022: Migration - Diaspora - Flucht
Vortragende: Timna Brauer, Nadine Sayegh

Timna Brauer und Nadine Sayegh im Gespräch
JAFFA – GESTERN UND HEUTE

Nicolas Sayegh, ein palästinensischer „Tom Sawyer“, streift mit seinen Freunden durch die sonnenübergossenen Straßen des nach Orangenblüten duftenden Jaffa der 1940er-Jahre. Doch seine unbeschwerte Kindheit endet abrupt, als im Jahr 1948 seine Familie mit vielen anderen aus ihrer Heimatstadt flüchten muss. Nadine Sayegh ist Nicolas Tochter. In ihrem Buch Orangen aus Jaffa hat sie die Erinnerungen ihres Vaters an seine Kindheit in Jaffa aufgeschrieben; sie erzählt vom Leben und der Kultur einer bürgerlichen palästinensischen Familie vor ihrer Vertreibung aus Palästina und der Staatsgründung Israels. Nadine lebt in Wien, das Jaffa der Gegenwart kennt sie kaum.
Timna Brauer ist die Tochter von Neomi, einer jemenitischen Israelin, und dem österreichischen Maler Prof. Arik Brauer. Gemeinsam mit dem israelischen Jazz-Pianisten Elias Meiri gründet sie 1985 ein Ensemble, das bis heute regelmässig international auftritt. Timna Brauer lebt einen Teil des Jahres in Tel Aviv-Jaffa.

Timna Brauer und Nadine Sayegh, die einander seit vielen Jahren kennen und schätzen, sprechen im Kreisky Forum über das Jaffa von damals und heute, über israelisch-jüdische und palästinensisch-christliche Familienerinnerungen und darüber, was sie verbindet und was sie trennt.

Nadine Sayegh, geboren in Beirut, wuchs in Wien auf, studierte Betriebswirtschaft an der McGill University in Kanada und arbeitete über zwanzig Jahre lang europaweit als Managerin für Coca-Cola in den Bereichen Finanzen, Risikomanagement und Personalwesen. Jetzt lebt sie mit ihrer Familie in Wien.

Timna Brauer, geboren in Wien, wuchs in Wien, Paris und Israel auf. Sie studierte am Wiener Konservatorium Gitarre, Klavier und Gesang, danach absolvierte sie ein Studium der Musikwissenschaften an der Pariser Sorbonne und Meisterkurse in Klassik, Jazz und indischem Gesang. An der Universität unterrichtete sie Jazz-Gesang. Seit 2010 leitet sie die Kunstsammlung Prof. Arik Brauer in der Villa ihrer Eltern in Wien-Währung. Schwerpunkte ihres musikalischen Schaffens sind Cross Over-Projekte, Chansons, Kinderprogramme und vor allem Jüdische Musik in all ihren Facetten. Vor kurzem erschien ihre erste Songwriter-CD, ein Liebeslieder-Zyklus mit dem Titel Minnesang & Drang.

 

Buchtipp:
Nadine Sayegh: Orangen aus Jaffa – Eine wahre Geschichte über das Ende der goldenen Ära Palästinas

Verlag edition a, Wien, 2022, ISBN: 978-3-99001-554-4

Musiktipp:
Timna Brauer: Minnesang und Drang. Mit dem Vienna Tango Quintet. Preiser Records

 

DI08. November, 19:30UHR

WHATEVER HAPPENED TO ANTISEMITISM?

Reihe: Grenzen
KuratorIn: Hanno Loewy
Vortragende: Antony Lerman

Eine Veranstaltung im Jüdischen Museums Hohenems, Schweizer Straße 5, 6845 Hohenems und
Online Live Übertragung über den Facebook-Kanal des Bruno Kreisky Forums

Hanno Loewy im Gespräch mit Antony Lerman

WHATEVER HAPPENED TO ANTISEMITISM?
Redefinition and the Myth of the “Collective Jew”

In seinem neuen Buch erklärt Antony Lerman, wie der Antisemitismus zu einem der kontroversesten Themen unserer Zeit wurde. Die Öffentlichkeit, Akademiker*innen, Journalist*innen, Aktivist*innen und Jüdinnen und Juden selbst sind über seine Bedeutung zerstritten wie noch nie. Dies ist das Ergebnis eines 30-jährigen Prozesses der Neudefinition, die Antisemitismus und Kritik an der Politik Israels immer mehr miteinander gleichsetzt. Die Folgen dieser Neudefinition sind alarmierend: Die fortschreitende Dämonisierung universalistischer Positionen und eine populistische Legitimierung von Islamophobie und Nationalismus. Das Ergebnis ist auch eine Bedrohung von Jüdinnen und Juden in aller Welt.

Antony Lerman ist ein britischer Schriftsteller, der sich auf das Studium des Antisemitismus, des israelisch-palästinensischen Konflikts, des Multikulturalismus und des Platzes der Religion in der Gesellschaft spezialisiert hat. Er ist Senior Fellow beim Bruno Kreisky Forum für Internationalen Dialog und Honorary Fellow of the Parkes Institute for the Study of Jewish/non-Jewish Relations an der Universität Southampton. Er ist der Autor von „The Making and Unmaking of a Zionist: A Personal and Political Journey“ (London, 2012) und Herausgeber von „Do I Belong?“ (London, 2017).

Hanno Loewy, Literatur- und Medienwissenschaftler, Publizist, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems

Eine Zusammenarbeit des Jüdischen Museums Hohenems und des Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog

Buchtipp:
Antony Lerman: Whatever Happened to Antisemitism? Redefinition and the Myth of the ‚Collective Jew‘
Pluto Press, Juni 2022, ISBN: 9780745338774, e-book: ISBN 9781786806307

 

MI09. November, 19:00UHR

WAS WILL KATAR?

Reihe: Arab/Middle East Changes
KuratorIn: Gudrun Harrer
Vortragende: Leo Wigger

ZOOM Live / Facebook Live

GUDRUN HARRER IM GESPRÄCH MIT LEO WIGGER

WAS WILL KATAR?
Die erste arabische WM und die Geopolitik am Golf

Der Nahost- und Fußballexperte Leo Wigger spricht über die politische Kraft des Fußballs im Nahen Osten – nicht nur in Katar, sondern auch in anderen Staaten, besonders sichtbar auch im Iran – und versucht zu erklären, wie Katar eigentlich „tickt“, was es mit einem sportlichen Engagement beabsichtigt und was nicht und worauf in der Berichterstattung in Europa mehr geachtet werden sollte.

Leo Wigger studierte Internationale Politik an der Londoner School of Oriental and African Studies (SOAS) und absolvierte u. a. Studienaufenthalte in Bulgarien und Pakistan. Beim zenith-Magazin und dem Berliner Think-Tank Candid Foundation ist er Fachmann für Süd- und Zentralasien sowie die Schwarzmeerregion. Außerdem befasst sich Wigger mit internationaler Sportpolitik. Gemeinsam mit Robert Chatterjee hat er das Buch So eine WM gab es noch nie: Katar 2022 geschrieben, welches im Juli 2022 erschienen ist.

Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien

 

Buchtipp:
Robert Chatterjee & Leo Wigger: So eine WM gab es noch nie: Katar 2022
Deutscher Levante Verlag, ISBN ‎ 978-3943737905, € 14,90,-

DO10. November, 19:00UHR

GEKRÄNKTE FREIHEIT

Reihe: Genial Dagegen
KuratorIn: Robert Misik
Vortragende: Oliver Nachtwey

In Kooperation mit Karl Renner-Institut und Sir Peter Ustinov-Institut

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT OLIVER NACHTWEY

GEKRÄNKTE FREIHEIT

 

Corona-Kritiker mit Blumenketten, Künstlerinnen, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse infrage stellen, Journalisten, die sich als Rebellen gegen angebliche Sprechverbote inszenieren: Der libertäre Autoritäre hat Einzug gehalten in den politischen Diskurs. Er sehnt sich nicht nach einer verklärten Vergangenheit oder der starken Hand des Staates, sondern streitet lautstark für individuelle Freiheiten. Etwa frei zu sein von Rücksichtnahme, von gesellschaftlichen Zwängen – und frei von gesellschaftlicher Solidarität.
Der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler Oliver Nachtwey und die Literatursoziologin Carolin Amlinger sind in ihrem aktuellen Buch diesem „libertären Autoritarismus“ nachgegangen. Sie definieren ihn als eine Folge der Freiheitsversprechen der Spätmoderne: Mündig soll er sein, der Einzelne, dazu noch authentisch und hochgradig eigenverantwortlich. Gleichzeitig erlebt er sich als zunehmend macht- und einflusslos gegenüber einer komplexer werdenden Welt. Das wird als Kränkung erfahren und äußert sich in Ressentiment und Demokratiefeindlichkeit.
Im Kreisky Forum spricht Robert Misik mit Oliver Nachtwey über einen neuen Protesttypus der Spätmoderne, dessen Ruf nach individueller Souveränität eine Bedrohung ist für eine Gesellschaft der Freien und Gleichen: die Verleugnung einer geteilten Realität.

 

Oliver Nachtwey, geboren 1975, ist Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel. 2016 erhielt er den Hans-Matthöfer-Preis.
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

 

Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey:
Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus
Suhrkamp Verlag, Oktober 2022, 28,80 €

MO14. November, 19:00UHR

EXIT. Warum Menschen aufbrechen

Reihe: 2022: Migration - Diaspora - Flucht
Vortragende: Thomas Faist

Martin Staudinger im Gespräch mit Thomas Faist

EXIT. Warum Menschen aufbrechen

Die Frage, auf welchem Fleckchen Erde man geboren wurde, ist längst zum Bestimmungsfaktor individueller Lebenschancen geworden. In manchen Weltregionen brechen heute immer mehr Menschen auf, um ihr Glück dauerhaft woanders zu suchen. Was macht das mit ihrer Heimat – und was folgt daraus für die reichen Zielländer im globalen Norden? Der Soziologe Thomas Faist bringt Licht ins Dunkel – und räumt mit einigen grassierenden Mythen zur globalen Migration im 21. Jahrhundert auf.

Der Begriff «Exit» bezeichnet die Entscheidung, die eigene Heimat zu verlassen, weil es dort schlichtweg keine Perspektiven mehr gibt. Sie ist zum politischen Massenphänomen unserer Zeit und vor allem im globalen Süden zu einer Alternative zum sozialen Protest geworden. Die Abwanderung etwa auf dem afrikanischen Kontinent verschärft sich nicht zuletzt infolge des Klimawandels, der den globalen Süden ungleich härter trifft als den globalen Norden. Dadurch entstehen sowohl in den Immigrations- als auch in den Emigrationsländern neue politische Konfliktkonstellationen. Auf der anderen Seite wird die weltweite soziale Ungleichheit, die Schere zwischen Nord und Süd, durch immer rigidere Migrationsregime zementiert statt abgemildert. Es bedarf folglich einer neuen, fairen Migrationspolitik, um den Exit im globalen Süden in eine für alle Beteiligten gewinnbringende Mobilität zu lenken.

Im Gespräch mit Martin Staudinger spricht Thomas Faist, einer der führenden Migrationsexperten in Europa, über Erkenntnisse seiner Forschung zu globaler Migration.

 

Thomas Faist ist Professor für Transnationale Beziehungen, Entwicklungs- und Migrationssoziologie an der Universität Bielefeld. Faist ist Mitglied in Deutschlands Rat für Migration und wurde 2020 in die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste gewählt.
Sein Buch „Exit“ ist im September 2022 im Verlag C.H. Beck erschienen (ISBN 978-3-406-78235-0).

Martin Staudinger, Journalist, arbeitete bis 1998 beim Falter, wechselte danach zuerst zum Format, dann zum Profil, wo er zum Chef des Auslandsressorts avancierte. Seit 2021 ist er zurück beim Falter und leitet das tagesaktuelle Newsletter-Projekt FALTER.morgen.

 

Buchtipp:
Thomas Faist: EXIT. Warum Menschen aufbrechen
Verlag C. H. Beck, September 2022, 978-3-406-78235-0, Hardcover, € 32,oo

MO21. November, 19:00UHR

US MIDTERM ELECTIONS – EINE ANALYSE

Reihe: Transatlantica
KuratorIn: Eva Nowotny
Vortragende: Reinhard Heinisch

Eva Nowotny im Gespräch mit Reinhard Heinisch
US MIDTERM ELECTIONS – EINE ANALYSE

In den amerikanischen Midterm Elections werden das gesamte Abgeordnetenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt.
Entscheidend ist, wie generell bei amerikanische Wahlen, die Wahlbeteiligung. Der, dessen Anhänger eher zu den Urnen gehen, gewinnt. Wahlkämpfe sind daher weniger Überzeugungskampagnen, sondern Mobilisierungsschlachten. Dabei spielen Emotionen und das Schüren der Angst vor dem Gegner die Hauptrolle.
Bis auf zwei Fälle haben alle Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg bei Midterms Niederlagen eingefangen. Denn zur Mitte der Amtszeit sind die eigenen Wähler mit den politischen Verhältnissen noch eher zufrieden und daher weniger zu mobilisieren. Dagegen brennen die politischen Gegner darauf, es endlich dem Präsidenten und seiner Partei zu zeigen. Allerdings wird das Ganze noch durch lokal relevante Themen und Personen beeinflusst, denn ohne den Präsidenten als Zugpferd auf dem Stimmzettel wird anderes plötzlich wichtiger.
Der Ausgang dieser Wahlen hat große Auswirkungen auf die US-Innenpolitik und vor allem auf die restlichen zwei Jahre der Präsidentschaft von Joe Biden.

Reinhard Heinisch, Universitätsprofessor für Österreichische Politik in vergleichender europäischer Perspektive und Leiter des Fachbereichs Politikwissenschaft und Soziologie, Paris Lodron Universität Salzburg

Eva Nowotny, Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums, Diplomatin i.R., Vorsitzende des Universitätsrates der Universität Wien

DI22. November, 19:00UHR

ANGST UND ANGSTMACHEREI

Reihe: Genial Dagegen
KuratorIn: Robert Misik
Vortragende: Markus Marterbauer

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT MARKUS MARTERBAUER

ANGST UND ANGSTMACHEREI

Wie bezahlen wir die wirtschaftlichen Folgen von Pandemie und Krieg?
Markus Marterbauers und Martin Schürz’ Plädoyer für einen besseren Sozialstaat

Neoliberale Wirtschaftspolitik betrachtet Angst als mobilisierenden Faktor. Sie schürt Angst vor Altersarmut, sozialem Abstieg und dem bevormundenden Staat. Doch ist es das, was wir angesichts von Pandemie, Krieg und Klimakrise brauchen?
Markus Marterbauer und Martin Schürz plädieren für eine Wirtschaftspolitik, die begründeten Ängsten gezielt entgegenwirkt, die Verängstigten bestärkt, Hoffnung weckt und Freiheit schafft. In einer Gesellschaft, in der Wenige Milliarden besitzen, darf es keine Armut geben, und es darf nicht mit Angstmacherei Politik betrieben werden. Ein Plädoyer für hohe Mindeststandards in einem besseren Sozialstaat, Löhne, von denen man gut leben kann, und eine Begrenzung des Reichtums.

Markus Marterbauer, Chefökonom der Arbeiterkammer Wien
Robert Misik, Autor und Journalist


In Kooperation mit dem Zsolnay Verlag

Markus Marterbauer, Martin Schürz
Angst und Angstmacherei

Verlag Zsolnay, September 2022, € 26,80
ISBN 978-3-552-07311-1

DO24. November, 19:00UHR

BUCH WIEN 22: DAS ENDE DES KAPITALISMUS

Reihe: Genial Dagegen
KuratorIn: Robert Misik
Vortragende: Ulrike Hermann

ULRIKE HERMANN

DAS ENDE DES KAPITALISMUS

Die Menschheit ruiniert den gesamten Planeten, und besonders bedrohlich ist die Klimakrise. Politik und Wirtschaft hoffen daher auf „grünes Wachstum“. Doch das ist eine Illusion. Der Ökostrom aus Solarpaneelen und Windrädern wird nicht reichen, um permanentes Wachstum zu befeuern.
Die Wirtschaft muss schrumpfen. Dies wäre jedoch das Ende des Kapitalismus, weil er nur stabil ist, solange es Wachstum gibt. Die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann beschreibt, wie die Zukunft aussieht – ohne Wachstum, ohne Gewinne, ohne Autos, ohne Flugzeuge, ohne Banken, ohne Versicherungen und fast ohne Fleisch.

Ulrike Hermann, Wirtschaftsredakteurin bei der „tageszeitung“ (taz)
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

 

Ulrike Hermann ist ausgebildete Bankkauffrau und hat Geschichte und Philosophie an der FU Berlin studiert. Von ihr stammen mehrere Bestseller. Ihr neuestes Buch ist: „Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden“ ist im September 2022 im Verlag Kiepenhauer & Witsch erschienen.


Ulrike Hermann:

Das Ende des Kapitalismus.
Verlag Kiepenhauer & Witsch, 2022
ISBN 978-3-462-00255-3

 

In Kooperation mit Buch Wien 2022