Arab/Jewish Engagements: Regionalism and Borders

Bashir Bashir Kurator des Kreisky Forums

Kurator: Bashir Bashir

Außerordentlicher Professor an der Open University Israel, Senior Research Fellow am Van Leer Jerusalem Institute

Das Engagement und die umfassenden und wertvollen Erfahrungen des Bruno Kreisky Forums in der politischen Analyse des Nahen Ostens und Europas stehen im Zentrum des Programms „Regionalismus und Grenzen“. Ziel ist es, dieses Wissen aktiv zu nützen. Im Rahmen dieser Veranstaltungen werden führende Intellektuelle und Politiker zu einer Reihe von Workshops eingeladen, um in einem geschützten Umfeld die aufkeimende neue politische Ordnung und die dringlichsten und kritischsten Fragen und Herausforderungen, mit denen die Menschen in der Region konfrontiert sind, zu diskutieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage Israel/Palästina, die als regionale und nicht so sehr als lokale oder nationale Frage behandelt werden sollte.

Über Jahrhunderte wurde die Weltpolitik politisch, wirtschaftlich und kulturell von der  imperialen Logik dominiert, derzufolge Imperien das Kernstück der internationalen politischen Ordnung bildeten. Als mächtige politische Einheiten breiteten sich diese territorial und wirtschaftlich über Kriege, Imperialismus und Kolonialismus aus und erweiterten so ihren Machtbereich. Doch sollte diese imperiale Ordnung und Entwicklung keinesfalls allumfassend der ganzen Welt übergestülpt werden oder gar überall so fortgeführt werden. Auch darf man nie die Dynamik noch die sich ändernden Kompetenzen, Einflussbereiche, Grenzen und das Wesen dieser imperialen Kräfte aus den Augen verlieren. Jahrhundertelang wurden große Teile des Nahen Ostens vom Osmanischen Reich kontrolliert. In Folge des Ersten Weltkriegs und des Sykes-Picot-Abkommens (Aufteilung der arabischen Provinzen des Osmanischen Reiches unter den europäischen Imperialmächten) wurde die imperiale politische Ordnung brüchig. Auf ihren Niedergang folgte der Aufstieg einer neuen politischen Ordnung, die sich zum Teil in der Gründung des Völkerbundes manifestierte. Sykes-Picot ebnete nicht nur den Weg für die Balfour-Deklaration sondern auch für die Einführung des Mandatsystems sowie des Westfälischen Systems und des damit verbundenen Souveränitätsbegriffs.

Vor diesem Hintergrund fand die Dekolonialiserung in der Dritten Welt statt und entwickelten sich nationale Befreiungs- und Unabhängigkeitsbewegungen. Das Zusammentreffen von Dekolonialisierung und Nationalismus hat in einigen Teilen der Welt wesentlich zum Aufstieg der nationalen Ordnung beigetragen, der Nationalstaat wurde hier zum Hauptakteur und zur wichtigsten Kraft. Die nationale Ordnung zog neue Grenzen, schuf Identitäten, schnitt und spaltete Gemeinschaften verbunden mit exzessiver Gewaltanwendung, die Unterdrückung, Vertreibung und manchmal auch ethnische Säuberungen miteinschloss. Die nationale Ordnung, die auf staatlicher Souveränität und Grenzen basierte und entsprechend operierte, entwickelte sich auch im Nahen Osten zur dominanten Ordnung. Darauf aufbauend wurden also Grenzen und Einheiten geschaffen, die Gemeinschaften und Gruppen trennten bzw. über diese hinweg definiert wurden, im Widerspruch zu altbewährten Strukturen, Austausch und übergreifenden Interaktionen standen und diese durchtrennten. Im Rahmen dieser nationalen Ordnung und ihrer kolonialen Koordinaten waren verschiedene Gruppen (Palästinenser, Kurden und zahlreiche Minderheiten) von Unterdrückung und Fragmentierung betroffen. Darüber hinaus wurden alternative und möglicherweise mit dem System des Nationalstaats und seinen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Koordinaten konkurrierende politische Konfigurationen ausgegrenzt, zum Schweigen gebracht, geschwächt oder ausgelöscht.

Arab/Jewish Engagements – Programm