WAS AUTOKRATEN FÜRCHTEN

Serbien – Schlüsselland im Umbruch: Lange galt die Mehrheit der serbischen Bevölkerung als politisch desinteressiert. Proteste, die sporadisch aufflammten, scheiterten. Als im November 2024 das Vordach des Bahnhofs in Novi Sad einstürzte und mehrere Menschen starben, änderte sich das schlagartig. Landesweit entstand eine breite Protestbewegung: Die Menschen fordern Aufklärung, prangern Missstände in Regierung und Verwaltung an und verlangen Rechtsstaatlichkeit, öffentliche Kontrolle und echte Korruptionsbekämpfung. Seitdem gerät Präsident Vučić zunehmend unter Druck.
Balkan-Experte Florian Bieber zeigt anhand dieser starken Bewegung die Bedeutung von Bürgerprotesten. Für Serbien, aber auch für Europa, Russland und die USA. Denn weltweit fürchten Autokraten wie Vučić, Orbán, Putin und Trump zivilgesellschaftliche Proteste – und bekämpfen sie mit den immer gleichen Mitteln.
Doch der Blick soll nicht auf Serbien beschränkt bleiben. Auch in anderen Ländern der Region zeigt sich, wie zivilgesellschaftlicher Protest etablierte politische Machtverhältnisse herausfordern kann. In Ungarn endete mit der Parlamentswahl im April 2026 die 16-jährige Regierungszeit Viktor Orbáns und seiner Fidesz-Partei. In Albanien wiederum dauern seit Monaten die Proteste der sogenannten „Flamingo-Revolution“ an. Ausgelöst durch ein umstrittenes Luxusprojekt an der Adriaküste, an dem auch Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner beteiligt ist, richten sie sich mittlerweile zunehmend gegen Korruption, mangelnde Transparenz und die Regierung von Edi Rama.
Ausgehend von Serbien und mit Blick auf Ungarn, Albanien und weitere Länder der Region soll diskutiert werden, unter welchen Bedingungen zivilgesellschaftliche Bewegungen autoritäre und illiberale Strukturen herausfordern können. Welche Strategien nutzen Regierungen, um Protest einzudämmen? Wann gelingt es Protestbewegungen, über kurzfristige Mobilisierung hinaus politischen Wandel anzustoßen? Und welche Perspektiven eröffnen sich daraus für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den jeweiligen Ländern?
Florian Bieber, ist Professor für Südosteuropäische Geschichte und Politik am Zentrum für Südosteuropastudien der Universität Graz. Er koordiniert die Balkans in Europe Policy Advisory Group (BiEPAG). Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen Debating Nationalism (Bloomsbury 2026), Hvar in the Modern Age. Identity and Change in Southeast Europe (Bloomsbury 2026), sowie Was Autokraten fürchten: Aufstand in Serbien und die Krise autoritärer Regime (Ch. Links 2026).
Peter Techet, promovierter Jurist und Historiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) und Habilitand an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich.
Noljan Lole, Journalist, Chefredakteur Albanian Public Broadcaster RTSH.
Tanja Topić, Korrespondentin und Redaktionsmitglied der Belgrader Wochenzeitung Vreme sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Banja Luka. Sie hat Politikwissenschaft studiert.
Moderation:
Gregor Mayer, lebt als Autor und Journalist in Belgrad und Budapest. Er studierte an der Universität Graz Philosophie und Mathematik.
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