Bruno Kreisky
Bruno Kreisky
Bruno Kreisky war zweifellos der prominenteste und einflussreichste Politiker im Österreich der Nachkriegsjahre und der Zweiten Republik. Seine Themen, seine Kämpfe, seine Methode waren oftmals unbequem, aber immer dem Humanismus, der Suche nach Frieden und Wohlstand verpflichtet. Kreiskys Leben umfasst bzw. war geprägt von der Monarchie und der Ersten Republik, dem autoritären Ständestaat der Zwischenkriegszeit ebenso wie dem Zweiten Weltkrieg und der Erfahrung des Exils.
Geboren am 22. Jänner 1911 in Österreich in eine jüdische Mittelklassefamilie trat Bruno Kreisky - empört durch die Armut und Gewalt, die er im Österreich der Zwischenkriegszeit erlebte - im Alter von sechzehn Jahren der sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) bei. Unter dem autoritären Schuschnigg-Regime wurde Kreisky im Jahr 1935 verhaftet und verbrachte eineinhalb Jahre im Gefängnis, eine Zeit, die seine Position zum politischen Widerstand prägte. Unter dem nationalsozialistischen Regime wurde Kreisky bereits im März 1938 erneut, diesmal von der Gestapo, inhaftiert. Er konnte fliehen und nach Schweden emigrieren, wo er Vera Fürth heiratete und seine beiden Kinder, Peter und Suzanne, geboren wurden. Trotz Kreiskys Bemühungen, 1946 nach Österreich zurückzukehren, wurde er in Schweden als Diplomat der österreichischen Gesandtschaft zugeteilt und kehrte erst 1951 in seine Heimat zurück. Er begann seine politische Karriere als Berater des damaligen Präsidenten Theodor Körner. Nach seiner Ernennung zum Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten des Bundeskanzleramtes (1953-1958) nahm Kreisky an entscheidenden Verhandlungen teil, die zum österreichischen Staatsvertrag und zur Annahme des Neutralitätsgesetzes führten und einen zehnjährigen Zeitraum beendeten, während dessen Österreich von den vier Alliierten verwaltet wurde.
In den folgenden mehr als dreißig Jahren gestaltete Kreisky maßgeblich die Politik Österreichs; sein Verständnis einer „aktiven Neutralitätspolitik“ prägte die internationalen Beziehungen des Landes. Unter Kreisky erlangte Österreich weltweit ein bis dato noch nie dagewesenes Ansehen, für das er als Außenminister (1959-1966) und Vorsitzender der damals in der Opposition befindlichen sozialdemokratischen Partei und schließlich als Bundeskanzler (1970 bis 1983) maßgeblich verantwortlich zeichnete. Wirtschafts- und sozialpolitisch erreichte Österreich während seiner langen Amtszeit einen bis dahin noch nie gekannten Wohlstand. Kreisky nutzte diese Entwicklung, um Reformen des Wahlrechts, des Erziehungssystems und der Justiz vorzunehmen. Kreisky versuchte, die Demokratie in Österreich gleichermaßen zu erweitern und zu vertiefen und den Dialog auf internationaler Ebene zu verstärken.
Kreiskys analytischer Geist, seine Belesenheit und Intelligenz, aber auch sein tief verwurzelter Humanismus, seine Integrität und sein unermüdliches Eintreten für Toleranz und soziale Gerechtigkeit, sein profundes Verantwortungsgefühl wurden von Politikern in Ost und West wie von Wissenschaftlern gleichermaßen geschätzt. Dies brachten ihm Vertrauen, Respekt, auch Bewunderung von internationalen Führungspersönlichkeiten seiner Zeit wie Willy Brandt, Olof Palme Indira Ghandi, John F. Kennedy, Charles de Gaulle, Anwar al-Sadat, Henry Kissinger und François Mitterrand ein. Seine internationalen Verbindungen und seine Position als Bundeskanzler eines neutralen Staates ermöglichten es Kreisky, als Vermittler für Frieden, Menschenrechte und Entwicklungsinitiativen auf internationaler Ebene tätig zu werden.
In Memoriam Bruno Kreisky
„Der Sinn des Lebens ist das Unvollendete.“ Bruno Kreisky 21. Jänner 1911 – 29.7.1990
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Mehr InformationenQuelle: Politik und Leidenschaft. BRUNO KREISKY. Ein Film von Helene Maimann, Dor Film/ORF 2011
"Von Freund/Feind-Begriffen in der Politik halte ich gar nichts. Den politisch Andersdenkenden begreife ich als das, nicht aber als Feind."






















