CORONAKONTROLLE

GENIAL DAGEGEN online. Kuratiert von Robert Misik
Anlässlich des Geburtstages von Franz Vranitzky
In Kooperation mit bahoe books
CORONAKONTROLLE
Nach der Krise, vor der Katastrophe
Georg Seeßlen, Autor
Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., Gründungs- und Ehrenpräsident des Buno Kreisky Forums
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist
Zu Beginn der Pandemie, die als «Coronakrise» in die Geschichte eingehen soll, gab es noch eine Reihe von Hoffnungen. Die Krise würde zu mehr Einsicht in die Notwendigkeit gesellschaftlich-solidarischer Einrichtungen führen, zu mehr Wertschätzung für Ärzte und Pflegepersonal, zu mehr Solidarität in den Bevölkerungen.
Als kleines Nebenprodukt würde sie die Frage erlauben, ob der Kapitalismus in seiner aktuellen Form wirklich die beste Weltordnung liefere, sie würde Autokraten enttarnen, den Populismus überflüssig machen, die Wertschätzung für
Kultur und Kritik wieder beleben, soziales Verantwortungsgefühl und ein Bewusstsein für den Kampf gegen die Umweltzerstörung erzeugen ... Kurz: Die Krise wäre zugleich mit den Gefahren vielleicht auch eine Geburtshilfe für neue Chancen.
Mit zunehmender Dauer müssen wir uns indes auch von den Hoffnungen auf eine bessere Post-Krisen-Welt verabschieden. Die Hoffnungsblasen platzen und es zeichnet sich ab: Die Gewinner der Vor-Krise werden wieder die Gewinner der Nach-Krise sein. Die Verlierer sollen weitere Verluste in Kauf nehmen – ganz im Dienste des «Systems».
Möglicherweise aber ist der Kipppunkt noch nicht erreicht, noch sind die Chancen, die für Kritik und Widerstand in einer Krise stecken, nicht endgültig vertan.
Georg Seeßlen
geboren 1948 in München, studierte Semiotik, Malerei und Kunstgeschichte und arbeitet als freier Autor, Feuilletonist und Filmkritiker. Sein neues Buch „Coronakontrolle“ erschien im August 2020 im Verlag bahoe books.