DAS GROSSE BEGINNERGEFÜHL

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT THOMAS EDLINGER
DAS GROSSE BEGINNERGEFÜHL
„Die Künstler, die Schriftsteller sind Seismographen gesellschaftlicher Veränderungen und Erschütterungen“, schrieb der große österreichische Kommunist Ernst Fischer einst. Viele Werke „geben Auskunft über bedeutende Probleme eines Zeitalters und tragen dazu bei, die kapitalistische Welt zu unterminieren“. Konventionen zertrümmern, Wahrnehmung revolutionieren, Neues imaginieren – das war der Geist der radikalen Moderne. Bert Brecht sprach vom großen „Beginnergefühl“.
Robert Misik beschreibt in seinem Großessay die Wechselwirkungen von revolutionären Ideen, neuen Wahrnehmungsformen, radikalen Schreibweisen und Formsprachen, von Avantgarde und gesellschaftlichen Fortschritt. Er zeichnet die, im Doppelsinn, „rote Linie“ der Moderne. Es ist eine linke Geschichte von zweihundert Jahren moderner Kunst. Und Misik beschreibt, wie sich, in den besten Momenten, radikale Kunst, revolutionäre Ideen und utopische Politik zu einem „Zeitgeist“ fügen, zu diesen eigentümlichen Atmosphären, die ein Zeitempfinden prägen.
Ein Parforceritt: von Balzac und Heinrich Heine bis Elfriede Jelinek, von Patti Smith bis Soap & Skin, vom Bauhaus bis zum Gemeindebau, von Margarete Schütte-Lihotzky bis Milo Rau. Das Aufbegehren gegen das Überholte und die Revolutionierung der Stile sind auch heute die große Aufgabe der Kunst, genauso wie Exzess und Intensität. „Ändere die Welt, sie braucht es“, sagt Misik mit dem alten BB. Er skizziert ein ästhetisches Programm jenseits von Kommerz, Entertainment und dem ewig schon Dagewesenen.
Über sein druckfrisches neues Buch spricht der Autor, Journalist und Kurator des Kreisky Forums mit dem Kulturjournalisten und künstlerischen Leiter des Donaufestivals Thomas Edlinger.
Robert Misik, Autor und Journalist
Thomas Edlinger, Radiomacher (FM4-Im Sumpf, Ö1), freier Kulturjournalist, Buchautor und ab 2017 künstlerischer Leiter des Donaufestivals in Krems