DIE VERWEIGERER

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Robert Schindel im Gespräch mit Wolfgang Maderthaner
DIE VERWEIGERER (©Wolfgang Benz)
Jüdisch-kommunistischer Widerstand - eine republikanische Geschichtsstunde
In der Erinnerung an den Widerstand gegen Hitler gibt es Konjunkturen, Meinungen, Diskurse, Kontroversen. Das hat politische, wissenschaftliche und emotionale Gründe. Ein Bereich, der in der Geschichtsschreibung weitgehend ausgeklammert ist, ist der Widerstand jüdischer Kommunist*innen.
Der österreichische Schriftsteller Robert Schindel wurde am 4. 4. 1944 in Bad Hall bei Linz geboren und in die Urkunden mit dem Familiennamen Soël eingetragen. Seine Eltern, Gerti Schindel und René Hajek, österreichische Kommunisten jüdischer Herkunft, waren im Sommer 1943 von Frankreich aus als "elsässische Fremdarbeiter" unter den Decknamen Susanne Soël und Pierre Lutz nach Österreich eingeschleust worden, um im Auftrag der Exil-KPÖ in Linz eine Widerstandsgruppe aufzubauen.
Nach der Entdeckung der Mission im August 1944 wurden die Eltern nach Auschwitz deportiert, der Vater wurde im März 1945 in Dachau ermordet, die Mutter überlebte Auschwitz und Ravensbrück, kehrte 1945 nach Wien zurück und fand ihren Sohn bei kommunistischen Pflegeeltern wieder. Die Zeit des Nationalsozialismus hatte er im jüdischen Spital (Ferdinandstrasse später Mohapelgasse/Tempelgasse) überlebt.
Moderation: Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung
Robert Schindel besuchte von 1950 bis 1954 die Volksschule, danach das Bundesrealgymnasium in Wien und begann 1959 eine Buchhändlerlehre im Wiener Verlag Globus, die er abbrach, um u.a. nach Paris zu reisen und sich in Schweden als Tellerwäscher durchzuschlagen. 1967 holte er die Externistenmatura nach, begann ein Philosophiestudium und war in der Studentenbewegung aktiv. Aufgewachsen im Umfeld der KPÖ und deren Jugendverbänden, war Schindel von 1961 bis 1967 Parteimitglied.
Schindels Schreiben hat frühe Wurzeln in lyrischen Versuchen in den späten fünfziger Jahren. 1992 veröffentlichte er seinen Debütroman „Gebürtig“ im Suhrkamp Verlag – einen der wichtigsten Romane der Nachkriegsliteratur. Mitte der achtziger Jahre trat Schindel wieder in die Israelitische Kultusgemeinde ein.
2006 gründete er gemeinsam mit Rudolf Scholten in Heidenreichstein das Literaturfestival Literatur im Nebel. Von 2009 - 2012 leitete er das Institut für Sprachkunst auf der Universität für Angewandte Kunst und ist dort seitdem Universitätslektor. Für sein schriftstellerisches Werk erhielt er zahlreiche Preise.