ÖKONOMISCHES „LONG-COVID“?

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT JENS SÜDEKUM
ÖKONOMISCHES „LONG-COVID“?
In den unmittelbaren Pandemie-Monaten und -Jahren haben die Regierungen durch Kurzarbeit, Hilfsmaßnahmen und Konjunkturprogramme die Wirtschaft stabilisiert, sodass ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit, eine Welle von Firmenpleiten und ein Wirtschaftseinbruch ausblieb. Aber droht das dicke Ende erst in Zukunft? Die Gefahr besteht jedenfalls. Schon steigt die Inflation auf ein lange nicht gekanntes Niveau, mit dem die Einkommensentwicklung bisher nicht mitkommt. Das Geld der normalen Leute wird weniger Wert. Auch viele Klein- und Mittelbetriebe haben Rücklagen aufgezehrt – auch wenn es da und dort Überförderung gegeben haben mag. Städte und Gemeinden haben sehr viel Geld ausgegeben und haben jetzt angespanntere Finanzen. Und ganz generell hat die Investitionstätigkeit der Unternehmen nachgelassen – was gut verständlich ist angesichts von unsicheren Geschäftsaussichten. All das zusammen kann aber bedeuten, dass in den nächsten Jahren deutlich weniger Innovationen geschehen, Unternehmen weiter weniger investieren, sich neue Produktionsverfahren langsamer durchsetzen und weniger Arbeitsplätze geschaffen werden, als das ansonsten der Fall gewesen wäre. Wie groß ist die Gefahr einer langfristigen Stagnation und eines nachhaltigen Wohlstandsverlustes? Was kommt da noch auf uns zu? Liegt das Härteste gar noch vor uns?
Jens Südekum, Ökonom
Robert Misik, Autor und Journalist
Jens Südekum (geb. 24. August 1975 in Goslar) ist ein deutscher Ökonom. Er ist Universitätsprofessor für internationale Volkswirtschaftslehre des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Daneben ist er Research Fellow beim Centre for Economic Policy Research (CEPR), dem CESifo Institut, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und beim Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Außerdem war er von 2016 bis 2020 Vorsitzender des Ausschusses für Regionaltheorie und -politik beim Verein für Socialpolitik (VfS) und von 2015 bis 2018 Herausgeber des Journal of Regional Science.