VERANSTALTUNG

PLÄDOYER FÜR EINEN PRAGMATISCHEN MULTILATERALISMUS

Eva Nowotny im Gespräch mit BM Alexander Schallenberg
ORT:
Bruno Kreisky Forum
Podiumsdiskussion

Eva Nowotny im Gespräch mit Außenminister Alexander Schallenberg

PLÄDOYER FÜR EINEN PRAGMATISCHEN MULTILATERALISMUS

„Die Welt befindet sich in einem traurigen Zustand." Dieses Fazit hat der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg im September 2023 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York gezogen. Aus seiner Sicht gehört die aktuelle Zeit "unbestreitbar zu den schwierigsten der jüngeren Geschichte“: Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die Klimakrise, Armut und soziale Spaltungen seien enorme Herausforderungen. Verschiebungen und Risse in den Systemen, die Handel, Sicherheit und die multilaterale Kooperation organisieren, seien bereits zu bemerken. Das verursache, sagte Schallenberg, bei vielen Menschen ein „Gefühl der Unsicherheit und des Unbehagens, ein Gefühl, in einem permanenten Ausnahmezustand zu leben".

Für den Außenminister steht fest, dass eine Erneuerung und Neuausrichtung der internationalen Zusammenarbeit unumgänglich ist. Möglichst rasch müsse ein "vernünftiger und pragmatischer Multilateralismus Einzug halten“, etwa durch eine Umgestaltung des UN-Sicherheitsrats. Das aktuelle multilaterale System agiert aus seiner Sicht nicht proaktiv und effektiv genug. Das nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufene Gremium spiegele die Welt von heute nicht mehr wieder und müsse Ländern, die bei seiner Gründung ausgeschlossen wurden, einen Sitz anbieten - auch Staaten aus Afrika. Auch Österreich werde sich bei den Wahlen im Jahr 2026 für einen nicht-ständigen Sitz bewerben.

Alexander Schallenberg blieb in New York trotz aller Herausforderungen optimistisch: "Wir werden aus dieser Ära der Transformation gestärkt, wohlhabender und widerstandsfähiger hervorgehen." Wird sich diese Prognose bewahrheiten? Kann es gelingen, die Vereinten Nationen hin zu einem Raum für echten Dialog und weg von einer Echokammer oder einem Club von Gleichgesinnten zu entwickeln? Wie geht es weiter mit der internationalen Zusammenarbeit in globalen Krisenzeiten?


Alexander Schallenberg
, Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten

Eva Nowotny, Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums, Diplomatin i.R.

 

Mag. Alexander Schallenberg, LL.M ist seit Dezember 2021 Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten der Republik Österreich. Er wurde am 20. Juni 1969 in Bern, als Sohn eines österreichischen Diplomaten, geboren. Von 1989 - 1994 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und an der Université Paris II Panthéon-Assas. Anschließend absolvierte er ein Studium des Europäischen Rechts am Collège d’Europe in Brügge.
Schallenberg trat 1997 in den diplomatischen Dienst der Republik Österreich ein. Seine erste Auslandsverwendung führte ihn als EU-Rechtsexperte an die Ständige Vertretung Österreichs bei der Europäischen Union in Brüssel. Später diente er als Pressesprecher mehrerer Außenminister, als Leiter der Stabsstelle für strategische Planung und als Europa-Sektionsleiter. Ab März 2018 leitete er die EU-Koordinationssektion im Bundeskanzleramt.
Im Juni 2019 wurde Alexander Schallenberg erstmals zum Außenminister in der Bundesregierung Bierlein ernannt. Zeitgleich war er mit der Leitung der Agenden für EU, Kunst, Kultur und Medien betraut. Ab Jänner 2020 war Alexander Schallenberg Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten in der Bundesregierung Kurz II, bis er am 11. Oktober 2021 das Amt des Bundeskanzlers der Republik Österreich übernahm.