TANZ AUF DEM VULKAN. Destruktivität im zeitgenössischen Autoritarismus

„Politik der Gefühle“ nannte der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger seinen vor bald vierzig Jahren erschienenen zeitdiagnostischen Großessay, dessen Titel seither zu einem geflügelten Wort geworden ist. Politische Emotionen und Affekte sind auch für den heutigen Autoritarismus zentral. Vera King beleuchtet in ihrer Keynote und im Gespräch mit Robert Misik sozialpsychologische Dimensionen gegenwärtiger rechtspopulistischer und autoritärer Mobilisierungen als destruktive Spielarten des Aufbegehrens. Emotionalisierung gewinnt dabei eine neue Qualität und Dynamik: „Inszenierung von Grandiosität beispielsweise dient der Stabilisierung von Macht und bindet die Anhängerschaft. Sie ermutigt oder legitimiert nie dagewesene Regelüberschreitungen“, sagt King. „Diese Inszenierung erzeugt Zustimmung zum Machtverhältnis aus Begeisterung, nicht aus Zwang.“ Die Lust an Zerstörung und triumphierender Grenzüberschreitung wird pausenlos geschürt und erweist sich zugleich als „Tanz auf dem Vulkan“. King unterzieht diese und andere sozialpsychologische Aspekte des neuen Autoritarismus einer Analyse.
Vera King ist eine deutsche Soziologin und Sozialpsychologin. Sie ist seit 2016 Professorin für Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt sowie Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main.
Moderation:
Robert Misik, Autor und Journalist
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