WIE DESPOTEN ZU MASSENMÖRDERN WERDEN

Tessa Szyszkowitz im Gespräch mit Julia Ebner
WIE DESPOTEN ZU MASSENMÖRDERN WERDEN
Noch am 23. Februar 2022 hat kaum jemand gedacht, dass der russische Präsident Wladimir Putin seine Soldaten tatsächlich am nächsten Tag Richtung Kiew schicken würde. Hätte man das nicht voraussagen können? Wie ernst soll man die aggressive Rhetorik von Staatsmännern nehmen? Die österreichische Extremismusexpertin Julia Ebner erforscht derzeit an der Universität Oxford die Früherkennung von Massenmördern: "When Despots Become Deadly" am Calleva Centre for Evolution and Human Science (Magdalen College). Ebner baut auf ihren bisherigen Recherchen auf. Sie hat die Sprache der Gewalt von Extremisten im Netz analysiert. Ihre ganz eigene Forschungsmethode, sich under cover in Extremistenkreise zu begeben, hat ihr tiefe Einblicke in die Radikalisierungsmechanismen von Gruppen gegeben. Sie hat untersucht, wie explosiv es sein kann, wenn die persönliche Identität mit einer Gruppenidentität fusioniert wird. Und wie diese vor einer tatsächlichen Gewaltanwendung de-radikalisiert werden könnten. Könnten Kriege verhindert werden, wenn die sozio-psychologischen Beweggründe von Potentaten analysiert werden?
Julia Ebner, Wissenschaftlerin, Investigativ-Journalistin, Autorin und Politikberaterin; arbeitet am Calleva Centre for Evolution and Human Science des Magdalen College der Universität Oxford. Ihre Bücher Wut (2018), Radikalisierungsmaschinen (2019), Massenradikalisierung (2023) waren Bestseller.
Tessa Szyszkowitz, Falter-Kolumnistin und Autorin, war Korrespondentin in Moskau, Brüssel, Jerusalem, London. Kuratorin der Reihe Philoxenia im Kreiskyforum, Senior Associate Fellow Royal United Services Institute in London.