MI23. Oktober 2019

#gegendasvergessen

Im Garten des Kreisky Forum für Internationalen Dialog haben mit Ende September 2019 vier Exponate der Ausstellung „Gegen das Vergessen“ von Luigi Toscano eine neue Heimat gefunden. Die Portraits von Eleanor Chroman, Eva Gewitsch, Viktor Klein und Zdislaw Swiniarski sind als permanente Installation für alle Besucher*innen zugänglich.
Das Kreisky Forum schließt sich mit dieser Initiative dem Ausspruch von Susan Cernyak-Spatz, in Wien geborene, mittlerweile 96-jährige US-Amerikanerin und Auschwitz-Überlebende an: “Wenn wir die Vergangenheit vergessen, sind wir verdammt, sie zu wiederholen“.

Die Installation „Gegen das Vergessen“ zeigt große Porträtfotos von Überlebenden der NS-Verfolgung.

Die Foto-Ausstellung wurde vom deutsch-italienischen Fotografen und Filmemacher Luigi Toscano initiiert. Toscano hatte für sein Projekt mehr als 300 Überlebende porträtiert und stellt diese rund zwei Meter hohen Porträts in mehreren Städten in Europa und den USA aus. Im Mai waren die Bilder auch auf der Wiener Ringstraße vor dem Heldenplatz zu sehen.

Die Ausstellung in Wien wurde mehrmals schwer geschändet. Nicht einmal drei Tage nach der Eröffnung wurden die Bilder das erste Mal mit einem Messer zerschnitten, wenige Tage später mit Beschmierungen in der Form von Hakenkreuzen degradiert. Im Zuge einer dritten Attacke an der Installation wurden am 27. Mai mehrere Portraits großflächig verwüstet. Mit Messern haben unbekannte Täter sieben der übermannshohen Fotos von Juden und Jüdinnen, Roma und Sinti, russischen Kriegsgefangenen und anderen von den Nazis Verfolgten zerfetzt und die gezeigten Gesichter unkenntlich gemacht. Die abgeschnittenen Gesichtsteile hingen wie Hautfetzen herunter.

In der Folge haben spontane Mahnwachen aus den Reihen der Zivilgesellschaft die Ausstellung bis zu ihrem Abbau rund um die Uhr bewacht. Die zerstörten Bilder wurden restauriert.

Viktor Klein
Viktor Klein
Eva Gewitsch
Eva Gewitsch
Elanor Chroman
Elanor Chroman

 

 

 

FR20. September 2019

70 JAHRE MICHAEL HÄUPL

Am 12. September 2019 fand im Kreisky Forum eine besondere Veranstaltung statt. Gemeinsam mit Bürgermeister Michael Ludwig luden wir zu einem Spätsommerabend in unserem Garten ein, um den 70. Geburtstag von Michael Häupl, dem langjährigen und legendären Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien, zu feiern. Unter Häupls Motto „Mei Wien is ned deppat!“, waren zahlreiche FreundInnen, WeggefährtInnen und MedienvertreterInnen der Einladung gefolgt.

Nach der Begrüßung durch unseren Gründungs- und Ehrenpräsidenten sowie Bundeskanzler a.D. Franz Vranitzky folgte die Festrede von Michael Ludwig, ein Talk mit Gitti Ederer, Renate Brauner. Grete Laska und Rudolf Edlinger. Der Höhepunkt war dann schließlich ein Gespräch des Journalisten Herbert Lackner mit Michael Häupl. Durch den Abend führte führte die wunderbare Moderatorin Sonja Kato.

Wir gratulieren nochmals sehr herzlich und wünschen Michael Häupl für das neue Lebensjahrzehnt alles Gute!

DI10. September 2019

150 JAHRE KARL SEITZ – BAUMEISTER DES ROTEN WIEN

„KARL SEITZ WAR VICTOR ADLERS „BESTES PFERD IM STALL“ UND ALS BÜRGERMEISTER DES ROTEN WIEN EINE ZENTRALFIGUR DES EUROPÄISCHEN SOZIALISMUS. AM 4. SEPTEMBER WÄRE ER 150 JAHRE ALT GEWORDEN.“

Unser Kurator Robert Misik hat den ehemaligen Bürgermeister und Baumeister des Roten Wien in einem Portrait gewürdigt. Prädikat: Lesenswert!

Bei uns im Kreisky Forum fand an seinem 150. Geburtstag eine Gedenkveranstaltung statt, deren Gastgeber ebenfalls Robert war. Die Fest- und Gedenkrede hielt Michael Ludwig, Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien. Im Anschluss gab es eine Diskussion im voll besetzten Saal. Der Abend kann im Livestream nachgeschaut werden.

 

MO03. Juni 2019

FRANZ VRANITZKY EMPÖRT ÜBER SCHÄNDUNG VON HOLOCAUST DENKMALEN AUF DER WIENER RINGSTRASS

„Wir wollen und dürfen uns von rechtsextremen Exzessen wie jenem der Schändung von Holocaust Denkmalen auf der Wiener Ringstraße nicht gefallen lassen.
Nein: Wir werden immer stark auf der Seite der Wahrheit und der Gerechtigkeit stehen.“

Dr. Franz Vranitzky, Gründungs- und Ehrenpräsident des Kreisky Forums

FR24. Mai 2019

BRUNO-KREISKY-PREISE FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE

Der Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis ging am 20.5.2019 an die ägyptische Aktivistin Amal Fathy.
Fathy wurde von den Behörden monatelang in Untersuchungshaft gehalten, nachdem sie im vergangenen Mai in einem Facebook-Video dokumentiert hatte, wie sie sexuell belästigt wurde. Dem Mitglied der ägyptischen Kommission für Rechte und Freiheiten (ECRF), die Fälle von Folter, Verschleppungen und außergerichtlichen Tötungen dokumentiert, war in diesem Zusammenhang die Veröffentlichung eines „unanständigen Videos“ vorgeworfen worden. Im Gerichtsprozess verteidigte Fathy das Video als wahrheitsgetreu und argumentierte, dass sexuelle Belästigung in Ägypten weit verbreitet sei. Drei Tage nach ihrer bedingten Freilassung wurde am 30. Dezember eine zweijährige Gefängnisstrafe gegen Fathy verhängt, die somit jederzeit wieder festgenommen werden könnte.
Amal Fathy ist von der internationalen Jury einstimmig als diesjährige Preisträgerin ausgewählt worden. Sie erhielt die Auszeichnung „für ihre herausragenden Verdienste um die Sicherung der Menschenrechte“.

Neben dem Menschenrechtspreis werden noch weitere Preise an den Verein „Shalom Alaikum – Jewish Aid for Refugees“ und an das Projekt „KENNE DEINE RECHTE“ vergeben, die in Österreich einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Menschenrechte leisten.

„Shalom Alaikum“ hilft nach Wien geflüchteten Familien und begleitet sie längerfristig, ausgehend vom Schicksal der eigenen jüdischen Familien nach der NS-Machtergreifung in Österreich im März 1938, als ein Land nach dem anderen seine Grenzen für jüdische Flüchtlinge schloss.

„KENNE DEINE RECHTE“ ist ein Projekt des Menschenrechtsbeirats der Stadt Graz, bei dem das Interesse junger Menschen für die Menschenrechte geweckt und gefördert werden soll. Die Teilnehmerinnen im Alter von 14 bis 24 Jahren veröffentlichen dazu Artikel, Interviews, Videos und Fotostrecken auf der Plattform www.kennedeinerechte.at.

Der Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte wird von einer Stiftung vergeben, die anlässlich des 65. Geburtstags des damaligen österreichischen Bundeskanzlers im Jahr 1976 ins Leben gerufen und mit 700.000 Euro dotiert wurde. Der Preis wurde erstmals im Jahr 1979 vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen etwa der Anti-Apartheid-Kämpfer, Friedensnobelpreisträger und Staatspräsident Nelson Mandela aus Südafrika, die pakistanische Ex-Ministerpräsidentin Benazir Bhutto, der südkoreanische Regimegegner sowie spätere Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung oder der frühere Wiener Erzbischof Kardinal Franz König. 2017 wurde die türkische Autorin Asli Erdogan geehrt.

Der großartige Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovic hielt die Laudatio für SHALOM ALEIKUM.
Die Journalistin und Autorin Corinna Milborn, vorgesehen als Laudatorin für KENNE DEINE RECHTE, wurde von Gertraud Borea d’Olmo, Generalsekretärin des Kreisky Forum, vertreten.



FR10. Mai 2019

Ari Rath Preis für kritischen Journalismus 2019

Vor 25 Jahren wurde Silvana Meixner durch eine Briefbombe schwer verletzt. „Unbeeindruckt davon engagierte sie sich weiter journalistisch für geflüchtete Menschen, ethnische Minderheiten und Menschenrechte“, heißt es in der Begründung der Jury. „Sie hat im ORF ein Team erstklassig arbeitender Journalistinnen und Journalisten aufgebaut, die inzwischen weit über die Stammredaktion von ,Heimat Fremde Heimat’ hinausstrahlt.“

Die Auszeichnung für kritischen Journalismus wurde eingerichtet, um im Sinne des im Jänner 2017 verstorbenen renommierten ehemaligen Chefredakteurs der Jerusalem Post Journalistinnen und Journalisten auszuzeichnen, die sich in ihrer Arbeit um eine kritische und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete Berichterstattung über Flucht, Vertreibung und Asyl in hervorragender Weise verdient gemacht haben.

MI20. März 2019

„Der größte Brocken war das Njet Moskaus zum EU-Beitritt“

Dr. Franz Vranitzky, Altkanzler und Gründungs- und Ehrenpräsident des Kreisky Forums, im Interview mit dem KURIER:

Wie er das Njet der Russen zum EU-Beitritt aufbrach. Und warum er Schüssel nachträglich scharf widerspricht.

MO18. März 2019

Philipp Sands: RATLINES

How Justice got politicized and what to do against it

Philipp Sands, British and French lawyer at Matrix Chambers, and Professor at University College London, is President of English PEN. A specialist in international law, he appears as counsel before many international courts and tribunals, and sits as an international arbitrator.  He is the author of numerous books on international law, including Lawless World (2005) and Torture Team (2008).

His most recent book East West Street: On the Origins of Genocide and Crimes against Humanity (2016) has been awarded numerous prizes, including the 2016 Baillie Gifford Prize and the 2018 Prix Montaigne.

He is also a contributor to the Financial Times, The Guardian, London Review of Books and Vanity Fair, Sands recent work includes the BBC film My Nazi legacy: What our Fathers Did (2015, with Horst Wächter and Hans Frank) and a BBC Podcast series, The Ratline (2018, about the unexplained death of Otto Wächter).

FR15. Februar 2019

BREXIT

Splendid Isolation?

Tief gespalten taumelt das Vereinigte Königreich dem Brexit am 29. März entgegen. Alles ist möglich, niemand scheint einen Plan zu haben. Unsere Kuratorin Tessa Szyszkowitz, Autorin von „Echte Engländer. Britannien und der Brexit“, 2018 im Picus Verlag erschienen, glaubt noch nicht an den Austritt aus der EU.

MI23. Jänner 2019

Der Mut zum Unvollendeten

Festvortrag von Michael Ludwig, Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien, zum 108. Geburtstag von Bruno Kreisky

In Bruno Kreiskys Denken und Wollen spielte – wie er es selbst formulierte – „Der Mut zum Unvollendeten“ eine große Rolle. Das hatte nichts mit Zögerlichkeit oder Halbherzigkeit zu tun. Der Mut zum Unvollendeten bedeutete vielmehr, dass Ideologien und gesellschaftliche Strukturen für ihn kein in sich geschlossenes endgültiges System waren und schon gar kein Endstadium der Geschichte. Es war ein Bekenntnis zum Neuen, zur schrittweisen Reform, ein Bekenntnis zur Überprüfbarkeit politischer Entscheidungen im Sinne von Karl Popper. Und es war eine Abgrenzung gegenüber dogmatischen oder gar totalitären Positionen.
Jedes politische und gesellschaftliche System ist unvollendet und muss unvollendet sein. Denn, was Menschen machen, kann auch von Menschen zum Besseren verändert werden. Die Freiheit dazu darf man ihnen nicht nehmen.

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