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Zum 110. Geburtstag von Bruno Kreisky – Cornelius Obonya liest Franz Schuh
NOBODY IS PERFECT
BRUNO KREISKY UND DER BEGRIFF DES POLITISCHEN

Festvortrag von Franz Schuh, Philosoph, Schriftsteller, Literaturkritiker
gelesen von
Cornelius Obonya, Schauspieler

In Bruno Kreiskys Denken und Wollen spielte – wie er es selbst formulierte – „Der Mut zum Unvollendeten“ eine große Rolle. Das hatte nichts mit Zögerlichkeit oder Halbherzigkeit zu tun. Der Mut zum Unvollendeten bedeutete vielmehr, dass Ideologien und gesellschaftliche Strukturen für ihn kein in sich geschlossenes endgültiges System waren und schon gar kein Endstadium der Geschichte. Es war ein Bekenntnis zum Neuen, zur schrittweisen Reform, ein Bekenntnis zur Überprüfbarkeit politischer Entscheidungen im Sinne von Karl Popper. Und es war eine Abgrenzung gegenüber dogmatischen oder gar totalitären Positionen.
Jedes politische und gesellschaftliche System ist unvollendet und muss unvollendet sein. Denn, was Menschen machen, kann auch von Menschen zum Besseren verändert werden. Die Freiheit dazu darf man ihnen nicht nehmen.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 18.1.2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko und Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

Arab Changes online. Kuratiert von Gudrun Harrer
ÄGYPTEN – 10 JAHRE NACH BEGINN DES ARABISCHEN FRÜHLINGS

Karim El-Gawhary, leitet seit Mai 2004 das ORF Büro in Kairo und betreut von dort für den ORF den gesamten arabischen Raum. Der Nahostexperte ist darüber hinaus Autor zahlreicher Bücher.

Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien.

„Es ist das unselige arabische Dreigespann von Armut, Ungleichheit und Machtlosigkeit, das immer mehr Araberinnen und Araber zur Verzweiflung und manchmal auf die Barrikaden bringt“, fasst der ORF Korrespondent Karim El-Gawhary die Situation im arabischen Raum pointiert zusammen. In seinem jüngsten Buch beschreibt El-Gawhary den arabischen Wettlauf der letzten zehn Jahre zwischen Repression und Rebellion. Wie sich der arabische Raum in der vergangenen Dekade entwickelt hat, darüber unterhalten sich zwei renommierte Journalisten und Nahostexperten in diesem Gespräch. Sie richten dabei besonderes Augenmerk auf Ägypten, dessen Volk den langjährigen Herrscher Hosni Mubarak vor zehn Jahren im Februar 2011 zu Fall brachte.

Karim El-Gawhary
Repression und Rebellion. Arabische Revolution – was nun?
ISBN: 9783218012324; Verlag Krenmayr & Scheriau, Wien, September 2020

ZOOM Livetalk 19.1.2021

 

Nina Khrushcheva on the return of Alexei Nawalny to „Mother Russia“

Russian opposition leader Alexei Nawalny has returned to Russia, facing immediate arrest and a speedy trial upon arrival in his home country.
For a background leading up to the current events and why Nawalny is no longer a local problem, but an international one, hear the analysis of Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs at the New School University, New York and Bruno Kreisky Forum´s curator of RUSSIA ON THE WORLD STAGE.

 

WESTSAHARA, DIE LETZTE KOLONIE AFRIKAS
Geschichte und Gegenwart eines vergessenen Konflikts
Andreas Pfeifer im Gespräch mit Paul Huemer

Die Westsahara gilt als letzte Kolonie Afrikas. Fast 30 Jahre lang herrschte mitten in der Wüste ein fragiler Waffenstillstand zwischen dem Königreich Marokko und der westsaharischen Befreiungsbewegung „Frente Polisario“. Doch seit Mitte November überschlagen sich die Ereignisse. Nach dem Wiederaufflammen der Kämpfe und dem Ende des Waffenstillstandes, hat der scheidende US-Präsident Donald Trump die marokkanischen Gebietsansprüche auf die Westsahara anerkannt.
Gleichzeitig mangelt es in den von der Polisario betriebenen Flüchtlingslagern an Nahrung, Medikamenten und vor allem Perspektiven. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Was steckt hinter den Ankündigungen Donald Trumps? Wie profitieren Österreich und die Europäische Union von der Situation in der Westsahara? Und wie nahe stehen wir am Beginn eines ausgewachsenen Krieges?
Der Journalist Paul Huemer hat sich in den Flüchtlingslagern und den besetzten Gebieten der Wüste umgesehen und nach Antworten auf diese Fragen gesucht. Gemeinsam wollen wir einen Blick auf diesen vergessenen Konflikt wagen.

Paul Huemer ist freier Journalist und arbeitet für die Auslandsredaktion der Nachrichtensendung Zeit im Bild. Als Reporter berichtet er aus den verschiedenen Ländern des Nahen Ostens. Seine letzte Reise führte ihn in die Flüchtlingslager und befreiten Gebieten der westsahrauischen Befreiungsbewegung „Frente Polisario“

Andreas Pfeifer ist außenpolitischer Ressortleiter im aktuellen Dienst des ORF-Fernsehens

ZOOM Live Talk 18.1.2021

Das Bruno Kreisky Forum gibt in der neuen Reihe Without Blueprint: Young Internationals jungen Männern und Frauen die Gelegenheit, mit erfahrenen Gesprächspartnern ihre Recherchen zu präsentieren.

 

Tessa Szyszkowitz im Gespräch mit GÉRALDINE SCHWARZ
ERINNERT EUCH!
Ein Plädoyer, wie Europa der Nationalismus-Falle entkommen kann.

Was braucht es, damit eine Gesellschaft zum Komplizen politischer Verbrechen wird? In ihrem Buch “Die Gedächtnislosen” erzählt Géraldine Schwarz die Geschichte ihrer Familie: Ihr deutscher Großvater war Mitläufer, er arisierte 1938 ein jüdisches Geschäft und weigerte sich nach dem Krieg, dem einzigen Überlebenden Reparationen zu zahlen. Ihr französischer Großvater diente unter dem Vichy-Regime als Gendarm. Über drei Generationen hinweg bettet die Autorin ihre deutsch-französische Familiengeschichte in das große Ganze ein und diskutiert den Unterschied in der Aufarbeitung der Geschichte in Deutschland und in Frankreich, aber auch Österreich und Italien. Sie stellt Zusammenhänge zur Gegenwart her: Wo es an historischem Bewusstsein mangelt, haben Demagogen und Populisten umso mehr Erfolg. Ein Plädoyer für die Erinnerungsarbeit, um Nationalismus und Populismus entgegenzuwirken.

Die deutsch-französische Autorin, Journalistin und Filmemacherin Géraldine Schwarz hat mit ihrem ersten Roman einen internationalen Erfolg gelandet: “Die Gedächtnislosen – Erinnerungen einer Europäerin” (im Französischen Original “Les Amnésiques”) wurde in viele Sprachen übersetzt und mit dem Europäische Buchpreis 2018 ausgezeichnet. Die ehemalige amerikanische UN-Botschafterin Samantha Powers nennt das Buch “einen dringenden Weckruf, der die Gefahren des schleichenden Autoritarismus aufzeigt, und davor warnt, welcher Rückstoß droht, wenn die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit nicht beleuchtet und bearbeitet werden.”

Géraldine Schwarz, deutsch-französische Journalistin und Dokumentarfilmerin. Die langjährige Deutschland-Korrespondentin der Agence France Presse (afp) publiziert heute in verschiedenen internationalen Medien

Moderation: Tessa Szyszkowitz, Autorin (Echte Engländer. Britannien nach dem Brexit, Picus Verlag, 2018) und Journalistin für PROFIL, Falter und Cicero ist auch Senior Associate Fellow am Royal United Services Institute in London.

ZOOM Livetalk 12.1.2021

 

LEISTUNGSKLASSE
Wie Frauen uns unbedankt und unerkannt durch alle Krisen tragen
Veronika Bohrn Mena im Gespräch mit Robert Misik

Frauen halten unsere Gesellschaft am Laufen, sie tragen unsere Gemeinschaft. Ihre Arbeit ist in vielfacher Hinsicht „systemrelevant“, denn ohne sie geht gar nichts. Sie leisten die Erziehungs- und emotionale Sorgearbeit, sie helfen, pflegen, sie sind unermüdlich im Einsatz, meist unterbezahlt, oftmals gänzlich unbezahlt. Und sie arbeiten vielfach in den Berufen, deren Dienstleistungen für uns alle unverzichtbar sind, die jedoch trotzdem nicht entsprechend entlohnt werden.
Würden Frauen nur einen Tag die Arbeit niederlegen, wäre ein Zusammenbruch unserer Zivilisation unausweichlich. Von früh bis spät, egal ob Zuhause oder am Arbeitsplatz, arbeiten sie de facto rund um die Uhr. Sie bilden das Fundament unserer Wirtschaft, unbedankt und vielfach unerkannt. Frauen opfern ihre Zeit und nicht selten auch ihr eigenes körperliches wie psychisches Wohlbefinden, von ihrer Jugend an bis ins hohe Alter. Sie tragen uns durch alle Krisen.
Wenn auch nicht entsprechend präsent, so war die extreme Schieflage in der Verteilung von Zeit und Geld schon vor der Corona-Krise ein Faktum. Die Krise hat diesen Missstand weiter verschärft. Die Auswirkungen dieser Schieflage beeinflussen jeden Lebensbereich und sind mitunter verheerend – insbesondere für Frauen.
Wie geht es Frauen aktuell in der Arbeitswelt, im Alter, als pflegenden Angehörigen oder als Müttern? In ihrem aktuellen Buch „Leistungsklasse“ geht Veronika Bohrn Mena auf Basis persönlicher Perspektiven und Fakten diesen Fragen nach und plädiert für eine Umverteilung von Zeit, Arbeit und Geld.

Veronika Bohrn Mena (* 1986 in Salzburg) ist Autorin, Arbeitsmarktexpertin und Kolumnistin. Sie beschäftigt sich seit zehn Jahren mit prekären Arbeitsverhältnissen, atypischer Beschäftigung, Segmentierungsprozessen und Veränderungen in der Arbeitswelt mitsamt ihren Auswirkungen.
Seit 2013 hauptberuflich in der Gewerkschaft. Zuvor als Vorsitzende der Plattform Generation Praktikum und beginnend im Referat für Sozialpolitik in der ÖH Bundesvertretung.

Veronika Bohrn Mena:
Leistungsklasse. Wie Frauen uns unbedankt und unerkannt durch alle Krisen tragen.
ÖGB Verlag, November 2020, ISBN: 978-3-99046-473-1, 19. 90 €

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 7.1.2020
Technische Produktion: Maximilian Hofko und Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

WHAT TO EXPECT FROM THE INCOMING US ADMINISTRATION
Renewed Multilateral Relations and Global Perspectives? Views from China/Southeast-Asia, Russia and Europe

The election of Joseph Biden, a member of the Democratic Party, as the 46th President of the United States and the incoming US Administration present a new strategic space for multilateral relations. In this conversation, Raimund Loew will discuss with experts on China and South East Asia, Russia and Europe, which paradigm shifts we may—or may not—expect in regard to global alliances, partnerships, and competition.

Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs at The New School, New York
Steven Lee Myers, Journalist, Bureau Chief of the New York Times in Beijing
Eva Nowotny, Board Member of Bruno Kreisky Forum, Amb. ret., Chair of the Vienna University Board
Moderator: Raimund Löw, Historian and Journalist, Director of Falter Radio. Previously, Mr. Loew was the correspondent of the Austrian broadcasting company ORF in Beijing, Moscow and Washington.

In Cooperation with Falter Radio and W 24
Recorded at the end of December 2020 in the Kreisky Forum

 

Christoph Zielinski: ENGAGIERTER ARZT, STREITBARER BÜRGER

Genial dagegen online. AUS KREISKYS WOHNZIMMER

Christoph Zielinski im Gespräch mit Robert Misik über Gesundheitssystem, Gerechtigkeit und Bürgerrechte in der „pandemischen Gesellschaft“

Er ist seit Jahrzehnten eine der führenden medizinischen Kapazitäten Österreichs – der Onkologe Christoph Zielinski. Universitätsprofessor für internistische Onkologie und klinische Immunologie, bis 2017 Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Klinik für Innere Medizin I in Wien, früher auch Vizerektor der MedUni Wien. Der berühmteste Krebsforscher und -Arzt des Landes. Oder wie man in Wien sagt: Der Zielinski vom AKH. Zugleich machte er aber immer als streitbarer Bürger und als „Public Intellectual“ von sich reden. Zielinski engagierte sich in Gesundheitskampagnen, in der Anti-Krebs-Aufklärung. Wenn es um Diskriminierung und Hasspolitik geht, erhebt er seine Stimme. „Es ist Zeit für ein neues Lichtermeer“, sagte Zielinski unlängst. Eine liberale freie Gesellschaft, ein optimales öffentliches Gesundheitswesen, Medizin und Gerechtigkeit, das sind Fragen, denen er sich immer wieder widmet – und die in Zeiten der Pandemie umso dringender besprochen gehören.

Christoph Zielinski wurde am 20. Mai 1952 in Wieliczka bei Krakau/Polen geboren. Er ist der Sohn des Schriftstellers Adam und der Slawistin Sophie Zielinski. 1957 ging die Familie nach Wien, wo Christoph Zielinski 1970 ein Medizinstudium begann.

Aufgezeichnet am 14.12.2020 im Kreisky Forum
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

AUS KREISKYS WOHNZIMMER

Manfred Matzka: HOFRÄTE, EINFLÜSTERER, SPINDOKTOREN
300 Jahre graue Eminenzen am Ballhausplatz
Eine republikanische Geschichtsstunde

Manfred Matzka, ehemaliger Sektionschef im Bundeskanzleramt
im Gespräch mit
Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Ob Kaiser oder Kanzler: Sie alle hörten auf ihre Einflüsterer, die mit ihrem Rat die Geschicke des Staates beeinflussten. Mancher Hofrat entschied über Krieg oder Frieden. Einige Schattenfürsten übertrafen ihre Herrscher an Macht. Andere versetzten der Demokratie den Todesstoß. Und dann gab es jene, die Ämter anhäuften – und verarmt starben.

Manfred Matzka, Kenner des politischen Betriebs in Hofburg und Kanzleramt, holt die grauen Eminenzen vor den Vorhang. Von den Beratern Maria Theresias bis zum Expertenkabinett von Kanzlerin Bierlein erhellt Matzka in ebenso tiefgehenden wie kurzweiligen Porträts ihre Strategien und analysiert den Einfluss moderner Berater: der anonymen Spin-Doktoren und Consulter.
Eine kenntnisreiche Geschichte der Hintergründe der Staatsmacht, erzählt mit der 40-jährigen Erfahrung eines Spitzenbeamten, der die Mechanismen der Macht präzise zu verstehen und zu nutzen gelernt hat.

Manfred Matzka
langjähriger Präsidialchef des Bundeskanzleramtes und zuletzt Berater der Bundeskanzlerin, ist Kulturmanager und Kunstliebhaber. Er hat zahlreiche juristische Publikationen verfasst sowie Monografien zum Datenschutz und zur Nationalratswahl publiziert.

Manfred Matzka: Hofräte, Einflüsterer, Spin-Doktoren. 300 Jahre graue am Ballhausplatz
Ein Blick hinter die geheimnisvollen Tapetentüren am Ballhausplatz
Brandstätter, Wien September 2020; ISBN978-3-7106-0466-9; 28,- €

Aufgenommen am 10.12.2020 im Kreisky Forum
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

Ewald Nowotny
GELD UND LEBEN

Wenige Menschen haben in ihrem Berufsleben so vielfältige Lebenswelten erleben können wie Ewald Nowotny. In diesem Buch geht es ihm nicht nur um die Analyse zentraler wirtschaftlicher Ereignisse der letzten Jahrzehnte, sondern auch um die Darstellung der handelnden Personen und ihrer Motive. Es ist ein Bericht aus österreichischer und internationaler Perspektive über persönliche Erfahrungen aus den Bereichen der Wissenschaft, der Politik und des Bankwesens. Gleichzeitig ist es auch eine persönliche Erzählung über den Werdegang, das Umfeld und die gesellschaftspolitischen Überlegungen eines international anerkannten österreichischen Ökonomen.

Ewald Nowotny, geb. 1944, Universitätslehrer an den Universitäten Linz, Harvard und der Wirtschaftsuniversität Wien, wo er zeitweise auch als Vizerektor wirkte. Verfasser von 12 wissenschaftlichen Büchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Mitglied des österreichischen Nationalrates, dabei 11 Jahre Vorsitzender des Finanzausschusses. Ab 1999 leitende Funktionen im Bankwesen als Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg und später als Generaldirektor der BAWAG-PSK. 20082019 Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und Mitglied des Gouverneurrates der Europäischen Zentralbank. Nach seinem Ausscheiden Präsident der Österr. Gesellschaft für Europapolitik und Lehrtätigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Universität Wien. Ewald Nowotny ist Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums.

Moderation: Robert Misik, Autor and Journalist

Ewald Nowotny: Geld und Leben
€ 22,00, ISBN: 978-3-99100313-7, Braumüller Verlag Oktober 2020

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 2.12.2020
Produtkion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

Kurt Langbein und Elisabeth Tschachler: DAS VIRUS IN UNS
Motor der Evolution

Sie sind keine Killer: Viren. Diese raffinierten Überlebenskünstler, so alt wie das Leben selbst, haben die Evolution entscheidend vorangetrieben, auch die des Menschen. Rund 50 Prozent unseres Erbguts stammen von Viren. Sie gestalten das Immunsystem mit, verhelfen uns zu einem Langzeitgedächtnis und machen sich in unserem Verdauungstrakt nützlich. Aber sie können gefährlich werden, wenn wir Menschen die natürlichen Lebensräume von Tieren verändern und die Artenvielfalt zerstören. Bestsellerautor Kurt Langbein erzählt in seinem neuen Buch gemeinsam mit Elisabeth Tschachler die minutiös recherchierte Geschichte der Corona- Pandemie: Wann und wo genau begann sie wirklich? Wie kamen Länder wie Südkorea ohne Lockdown durch die Krise? Und was lernen wir aus alldem – auch für die Zukunft? Zugleich ist das Buch ein echter Wissenschaftskrimi, denn die neuesten Erkenntnisse der noch relativ jungen Viren-Forschung sind atemberaubend: Stand das Virus womöglich am Anfang allen Lebens? Warum kann virenreiches Essen gesund sein? Die winzigen Eiweißpartikel, in die die Erbinformation verpackt ist, sind viel mehr als Bedrohung, sondern unerlässliche Architekten sämtlichen Lebens.

Kurt Langbein, Soziologe, Bestsellerautor (u.a. „Bittere Pillen“, „Radieschen von oben“, „Weissbuch Heilung“), vielfach preisgekrönter Dokumentarfilmer („Landraub“, „Wunder Heilung“, „Anders essen – das Experiment“) und streitbarer Wissenschaftsjournalist ist erfolgreicher Produzent und Regisseur zahlreicher Dokumentarfilme und TVReportagen. Zweimal mit der „Goldenen Romy“ ausgezeichnet, erhielt er u.a. auch den Axel-Corti-Preis sowie den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis für sein Lebenswerk.

Elisabeth Tschachler, freie Journalistin, Lektorin und Übersetzerin, Chefredakteurin eines gesundheitspolitischen Fachmagazins, hat mehrere erfolgreiche Sachbücher verfasst (u.a. „Wa(h)re Schönheit“ und „Gesundheit – Eine Frage des Geschlechts“) sowie zahlreiche TV-Dokumentationen gestaltet.

Moderation: Robert Misik, Autor and Journalist

Kurt Langbein, Elisabeth Tschachler: Das Virus in uns. Motor der Evolution
€ 24,00, ISBN 978-3-222-15063-0, Molden Verlag September 2020

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 2.12.2020
Produtkion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

Henri Barkey in conversation with Walter Posch:
AFTER THE US-ELECTIONS
PERSPECTIVES ON TURKEY, NATO AND THE MIDDLE EAST REGION

Henri J. Barkey is an adjunct senior fellow for Middle East studies at the Council on Foreign Relations, New York, and the Bernard L. and Bertha F. Cohen Chair in International Relations at Lehigh University, Pennsylvania. At CFR he works on the strategic future of the Kurds in the Middle East. Previously he was the Director of the Middle East Center at the Woodrow Wilson Center for International Scholars (2015-2017). Currently he also serves as the chair of the Academic Committee on the Board of Trustees of the American University in Iraq, Sulaimani. He has written extensively on Turkey, the Kurds and other Middle East issues.
Walter Posch, Iranist and Islamic Scholar, Institute for Peace Support and Conflict Management, National Defense Academy, Austria

 

Hubertus Heil: SICHERHEIT UND CHANCEN. Wert und Wandel der Arbeit

Hubertus Heil, Deutscher Bundesminister für Arbeit und Soziales im Gespräch mit Robert Misik, Autor und Journalist

Mit der Pandemie und der Wirtschaftskrise bricht noch mehr Unsicherheit in die Leben vieler Menschen ein. Zugleich werden Prekaritäten durch die Pandemie noch sichtbarer: etwa in den Fleischindustrie, die Zustände in den Arbeiterwohnanlagen, die Lage der Paketzusteller*innen, der Pfleger*innen. Aber die Unsicherheiten und Abstiegsängste ziehen längst auch weitere Kreise: Strukturwandel bedroht auch scheinbar sichere Arbeitsplätze, lässt aber zugleich neue entstehen. So wird das „Bedürfnis nach Sicherheit“ wieder zentral. Arbeit ist auch mehr als nur ein Job, der sicheres Einkommen garantiert: Sie gibt uns eine Identität, webt Menschen in soziale Netzwerke ein, ist Quelle von Status und Selbstrespekt – und nicht zuletzt Quelle von Wohlstand und Fortschritt. Hubertus Heil, der Bundesminister für Arbeit und Soziales der Bundesrepublik Deutschland, skizziert den „Wert und den Wandel der Arbeit“ und die Aufgaben zeitgenössischer Sozialpolitik.

Hubertus Heil, 49, ist seit 2018 deutscher Bundesminister für Arbeit und Soziales. Der SPD-Politiker ist seit 1998 Abgeordneter zum Bundestag und war unter anderem auch Generalsekretär der deutschen Sozialdemokratie. Heil bekleidet seit 2019 zudem das Amt des stellvertretenden Parteivorsitzenden der SPD.

ZOOM Live Talk 27.11.2020

 

Ellen Lapison, Raimund Löw, Eva Nowotny:
THE US AFTER THE PRESIDENTIAL ELECTIONS. HOW TO HEAL A DIVIDED COUNTRY

The US presidential election has been fought and Joe Biden has been declared winner. However, quite a number of questions prevail. What needs to be done to bring the country back together after this period of bitter confrontation? Is this possible at all or will brutal stratagems for party power dominate the political process in the future? What are the chances for Joe Biden’ political projects and goals with a democratic majority in the House of Representatives, but without a majority in the Senate? And, finally, what will happen, if Trump refuses to accept the election result and refuses to concede? These and related questions Eva Nowotny and Raimund Löw will explore in a conversation with Ellen Laipson, specialist in the American political process.

Ellen Laipson is a Distinguished Fellow and President Emeritus of the Washington-based think tank Stimson Center. Laipson joined Stimson in 2002, after 25 years of government service. Her last post was Vice Chair of the National Intelligence Council (1997-2002). She also served on the State Department’s policy planning staff and was a specialist in Middle East affairs for the Congressional Research Service. She is a member of the Council on Foreign Relations, and serves on the International Advisory Council of the International Institute of Strategic Studies. She served on the board of the Asia Foundation (2003-2015). She was a member of President Obama’s Intelligence Advisory Board from 2009-2013, and on the Secretary of State’s Foreign Affairs Policy Board 2011-2014.

Raimund Löw, Historian and Journalist, is currently Director of Falter Radio. Previously he was correspondent of the Austrian broadcasting company ORF in Beijing, Moscow and Washington.

Moderation: Eva Nowotny, Board Member of Bruno Kreisky Forum, Amb. ret. , Chair of the Vienna University Board

In cooperation with FALTER Radio

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 28.11.2020
Produtkion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

Hanno Loewy im Gespräch mit Gerald Knaus
WELCHE GRENZEN BRAUCHEN WIR? Zwischen Empathie und Angst – Flucht, Migration und die Zukunft von Asyl

„Widerlegt sowohl ‚linke‘ wie ‚rechte‘ Klischees der Migrationsdebatte.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Ob dieses Buch etwas bewirkt? Es ist viel gewonnen, wenn es alle lesen, die in der Migrationsdebatte mitreden und -denken möchten.“ Süddeutsche Zeitung

Kein anderes Thema hat die europäische Politik in den letzten Jahren so beeinflusst wie die Debatte um Geflüchtete, Asyl und Migration. Dabei wird die Diskussion dominiert von Schlagworten, falschen Tatsachenbehauptungen und Scheinlösungen. Gerald Knaus erklärt in seinem im Oktober 2020 im Piper-Verlag erschienenen Buch »Welche Grenzen brauchen wir?«, worum es tatsächlich geht, und zeigt, dass humane Grenzen möglich sind.
Der Migrationsexperte, dessen Analysen Regierungen in ganz Europa beeinflusst haben, erläutert, welche Grundsatzprobleme wir dafür lösen müssten und wie aus abstrakten Prinzipien mehrheitsfähige umsetzbare Politik werden kann. Er erklärt außerdem, warum das vielen Gesellschaften schwerfällt und selbst viele Bürger mit widersprüchlichen Emotionen ringen – hier Empathie, da Angst vor Kontrollverlust – und wie eine Politik, die Fakten und Emotionen ernst nimmt, möglich wird.

Gerald Knaus, Soziologe und Migrationsforscher, ist Gründungsdirektor der Denkfabrik European Stability Initiative (ESI). Er berät Regierungen und Institutionen in Europa bei den Themen Flucht, Migration und Menschenrechte. Gerald Knaus studierte Philosophie, Politik und Internationale Beziehungen in Oxford, Brüssel und Bologna, ist Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations und war für fünf Jahre Associate Fellow am Carr Center for Human Rights Policy der Harvard Kennedy School – John F. Kennedy School of Governance in den USA. Gerald Knaus lebt in Berlin.

Hanno Loewy, Literatur- und Medienwissenschaftler, Publizist und Direktor des Jüdischen Museums Hohenems.

Gerald Knaus: Welche Grenzen brauchen wir? Zwischen Empathie und Angst – Flucht, Migration und die Zukunft von Asyl
Erschienen am 12.10.2020 im Piper-Verlag, 336 Seiten, EAN 978-3-492-05988-6

ZOOM Live Talk 23.11.2020

 

Genial dagegen online. Kuratiert von Robert Misik

STEPHANIE KELTON
THE DEFICIT MYTH
Why states can – and must – afford substantial economic stimulus programs

The global economy is in a serious crisis, with governments launching programs to rescue companies and stabilize the economy. Budget deficits are reaching substantial amounts. Are government bankruptcies or hyperinflation looming on the horizon?
Stephanie Kelton takes a refreshing, systematic –and eye-opening – perspective at government spending. The question, she argues, is not what a state may afford, as unlike private households it can afford anything. The question is what a state is supposed to deliver. The wealth of a society is measured in terms of prosperity, job security, the production of goods, and inclusive social welfare of all citizens. Economies cannot „save themselves rich“, they can only „invest richly“. Therefore, a sole focus on the budgetary deficits is misplaced. Globally, we observe a new macroeconomic paradigm emerging; one, which considers „budgetary discipline“ as secondary to impact. The „Modern Monetary Theory“, of which Stephanie Kelton is the most prominent representative, constitutes a radical manifestation of this new consensus with a strong potential to shake up the political agenda. Having worked for Bernie Sanders in the US Senate and in her present function as one of Joe Biden’s economic advisors Kelton is well positioned to influence decision makers. Stephanie Kelton´s book „The Deficit Myth“ has been on the New York Times bestseller list for months.

Sephanie Kelton is an US-American economist. One of the leading representatives of Modern Monetary Theory, she is also a supporter of the idea of job guarantees. During the primaries for the US presidential election in 2016, she was one of the advisors and supporters of Bernie Sanders‘ campaign. Before that, she was already his chief economist on the Senate Budget Committee. Kelton is a professor at the State University of New York at Stony Brook.

Moderation: Robert Misik, author and journalist

ZOOM Live November 16, 2020

 

Ruth Wodak im Gespräch mit Philipp Blom:
POLITIK MIT DER ANGST. Die schamlose Normalisierung rechtsextremer und rechtspopulistischer Diskurse

Ruth Wodak hat ihren Bestseller „Politik mit der Angst“ grundlegend neu gefasst und die vielen Entwicklungen rechtspopulistischer Parteien in den letzten fünf Jahre eingearbeitet. Was an sprachlichem Rowdytum, an Beleidigung und Ausgrenzung von Minderheiten, an Verlogenheit noch vor wenigen Jahren undenkbar war, ist heute in den Mainstream vorgedrungen, ist vielfach „normalisiert“. Hass und Rassismus sind salonfähig geworden. Für Lügen muss man sich nicht mehr entschuldigen, schlechtes Benehmen wird als ansprechendes, attraktives Mittel zum Protest gegen sogenannte „Eliten“ geschätzt. Dies alles steht im Zusammenhang mit einem „Rechtsruck“ des politischen Spektrums in vielen europäischen Ländern (und auch darüber hinaus). Schrittweise werden pluralistische Demokratien ausgehöhlt. Im Bruno Kreisky Forum diskutiert Ruth Wodak mit Philipp Blom über ihre Beobachtungen und Erkenntnisse.

Ruth Wodak ist Sprachwissenschaftlerin und Emeritus Distinguished Professor for Discourse Studies an der Lancaster University (Großbritannien) und weiterhin affiliiert an der Universität Wien, an die sie 1991 als ordentliche Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft berufen wurde. 2020 wurde sie zur Ehrensenatorin der Universität Wien ernannt. Abgesehen von vielen anderen Auszeichnungen, erhielt sie 1996 als erste Frau und Sozialwissenschaftlerin den Wittgenstein Preis. Sie besitzt Ehrendoktorate der Universität Örebro (Schweden, 2010) und Warwick (GB, 2020). Sie ist Mitglied der Academia Europaea und der British Academy of Social Sciences. Ruth Wodak hat sich u.a. intensiv mit Identitäts- und Vergangenheitspolitik, Populismus und politischer Kommunikation wie auch Vorurteilsforschung auseinandergesetzt.

Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

Ruth Wodak: Politik mit der Angst. Die schamlose Normalisierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Diskurse Völlig neu bearbeitete Ausgabe, Edition Konturen, 336 Seiten, ISBN 978-3-902968-56-2

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 16.11.2020
Produtkion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

China im Blick online. Kuratiert von Irene Giner-Reichl

Irene Giner-Reichl in conversation with Chi Lo: UP-DATE ON HONGKONG

The conversation follows-up on Chi Lo’s in-person presentation at the Kreisky Forum on 13 January 2020. During that dialogue, Chi Lo saw strong head-winds coming towards Hong Kong; he deplored that Hong Kong had missed opportunities to diversify away from the concentration on financial services and saw Hong Kong’s future in a stronger integration with the economic development of the Greater Bay area and engagement with China’s Belt and Road Initiative.
In this conversation, we explore how Hong Kong managed the Covid-19 pandemic health-wise and when a recovery can be expected from the heavy set-back its services-based economy suffered. We will also examine how the National Security Law passed by China on 30 June impacts the mood and operations of stakeholders in Hong Kong and why the Legislative Council Elections might have been postponed. Will Chi have a different outlook for Hong Kong’s future than in January?

Chi Lo, Economist, Lecturer at the Chinese University of Hong Kong, Author of eleven books on Chinese and Asian economic development and markets, commentator on international media and featured speaker at international conferences.
Moderation: Irene Giner Reichl, Ambassador

 

Guido Steinberg im Gespräch mit Gudrun Harrer:
TERROR IN WIEN. Was läuft schief?
11.11.2020 Facebook Live

Paris, Nizza, Dresden – und nun Wien. Seit September sind wir mit einer neuen Welle von islamistischen Attentaten in Europa konfrontiert. Die österreichische Hauptstadt blieb lange verschont, obwohl die Geheimdienste von einer starken jihadistischen Szene wussten, in der sich auch die geografische Nähe des Balkans widerspiegelt. Aber der 20-jährige Attentäter von Wien wurde, auch wenn seine Familie aus Nordmazedonien stammt, in Österreich geboren und sozialisiert und war nach seinem Versuch, sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen, in Haft und in Deradikalisierungsprogramme eingebunden. Was lief in diesem Fall schief, was funktioniert generell nicht in der Terrorismusbekämpfung? War es ein Fehler anzunehmen, dass der IS erledigt ist und seine Mobilisierungskraft verloren hat?

Guido Steinberg ist promovierter Islamwissenschaftler und war Terrorismusreferent im Bundeskanzleramt. Seit 2005 forscht er in der Stiftung Wissenschaft und Politik über die Politik des Nahen Ostens, u.a. zu den Schwerpunkten Persischer Golf und islamistischer Terrorismus.
Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien

Gudrun Harrer, leitende Redakteurin „Der Standard“, Nahost-Expertin

Eine Kooperation mit dem FALTER Radio

 

Melisa Erkurt im Gespräch mit Robert Misik: GENERATION HARAM
10.11.2020 Facebook Live

„Das Buch von Melisa Erkurt sollte Lektüre werden in der Ausbildung von Pädagog*innen und Lehrkräften. Es zeigt präzise, pragmatisch, konstruktiv die Verfehlungen und Unwegsamkeiten der Bildungssysteme, in denen viele Kinder aus ‚bildungsfremden‘ Familien auf der Strecke bleiben … Eine Wucht!“ Saša Stanišic

Melisa Erkurt ist als Kind mit ihren Eltern aus Bosnien nach Österreich gekommen. Sie hat studiert. Sie arbeitet als Lehrerin und Journalistin. Sie hat es geschafft.
Doch sie ist eine Ausnahme. Denn am Ende eines Schuljahres entlässt sie die Klasse mit dem Wissen, dass die meisten ihrer Schülerinnen und Schüler nie ausreichend gut Deutsch sprechen werden, um ihr vorgezeichnetes Schicksal zu durchbrechen. Hier wächst eine Generation ohne Sprache und Selbstwert heran, der keiner zuhört, weil sie sich nicht artikulieren kann. Über den „Kulturkampf“ im Klassenzimmer befinden einstweilen andere. Melisa Erkurt leiht ihre Stimme den Verlierern des Bildungssystems. Nicht sie müssen sich ändern, sondern das System Schule muss neue Wege gehen.

Moderation:Robert Misik, Autor und Journalist

Meilsa Erkurt,
geboren 1991 in Sarajevo, war Redakteurin beim Magazin biber und zwei Jahre mit dem biber Schulprojekt „Newcomer“ an Wiener Brennpunktschulen unterwegs. Erkurt unterrichtete an einer Wiener AHS und ist seit September 2019 Redakteurin beim Report (Innenpolitik) im ORF. Sie schreibt eine wöchentliche Kolumne im Falter und ihre Kolumne in der taz heißt „Nachsitzen“.

Meilsa Erkurt
Generation Haram. Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben
ISBN: 9783552072107 Zsolay Verlag, Wien, August 2020

 

Peter Hacker: GESUNDHEIT UND GERECHTIGKEIT

Aus Kreiskys Wohnzimmer
Genial dagegen online. Kuratiert von Robert Misik

Jahrzehntelang war Peter Hacker als städtischer Manager im Bürgerdienst, in der Sozial- und Jugendbetreuung, später als Leiter des Fonds Soziales Wien dafür zuständig, dass die Sozial- und Gesundheitsverwaltung in der Stadt Wien wie am Schnürchen laufen, ohne im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu stehen. Das änderte sich mit Hackers Bestellung zum Sozial- und Gesundheitsstadtrat, und schlagartig noch einmal mit dem Ausbruch der Corona-Krise. Plötzlich wurde sichtbar: Der „Macher“ ist auch ein streitbarer Gesellschaftspolitiker, der weiß, dass es nie allein um das neutrale Funktionieren von Institutionen geht, sondern dass etwa Gesundheitsfragen immer mit Gerechtigkeitsfragen verbunden sind und die Sozialpolitik immer von einem Menschenbild geprägt ist. In der Gesprächsreihe „Aus Kreiskys Wohnzimmer“ berichtet Peter Hacker aus dem Maschinenraum der Anti-Pandemie-Politik.

Peter Hacker trat 1982 in den Dienst der Stadt Wien ein. 1985 wechselte er als Mitarbeiter in das Team von Bürgermeister Helmut Zilk mit den Tätigkeitsschwerpunkten Bürgeranliegen, Jugend und Soziales.
Von 1992 bis 2003 war er Drogenkoordinator der Stadt Wien, ab 2001 Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien, dem Träger von sozialen Dienstleistungen für Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf, Behinderung, Wohnungslose und Flüchtlinge. Seit dem Jahr 2015 war er als Wiener Flüchtlingskoordinator tätig. Am 24. Mai 2018 folgte Peter Hacker Sandra Frauenberger als Stadtrat für Gesundheit und Soziales, von Andreas Mailath-Pokorny übernahm er die Sportagenden.

Robert Misik ist Autor und Journalist.

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 9.11.2020
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

FALTER Diskussion: TERROR IN WIEN UND US-WAHL

Eine Falter Radio Sendung von und mit Raimund Löw, in Kooperation mit dem Kreisky Forum
Weltweites Echo auf den Terror in Wien. Sowie: Amerikanische Turbulenzen. Analysen nach dem Wahltag in den USA.
Zu hören: Historiker Mitchell Ash, ehemalige Washington-Botschafterin und Kuratorin des Kreisky Forum für Internationalen Dialog, Eva Nowotny, Sängerin und DJ Cassy Britton sowie FALTER-Herausgeber Armin Thurnher.

 

Viola Raheb, Melissa Mujanayi, Salma Nims: UNSCR 1325 – TWENTY YEARS DOWN THE ROAD8

Recognizing the necessity for international dialog and cooperation on Security Council Resolution 1325 and the Women Peace and Security Agenda, the Kreisky Forum for International Dialogue, Carnegie Middle East and the Austrian Federal Ministry of Defence had planned to contribute with a workshop focusing on the MENA Region for November 2020 but had to postpone to 2021:

UNSCR 1325 Twenty Years down the Road. A regional view on Participation, Protection, Prevention, Relief and Recovery

Dr. Viola Raheb, University of Vienna, Curator of the workshop
Melissa Mujanayi, Austrian Federal Ministry of Defence, Curator of the workshop
Dr. Salma Nims, Secretary-General, Jordanian National Commission for Women: Implementation of NAP within the Jordanian Armed Forces.

 

Ferdinand Lacina im Gespräch mit Wolfgang Maderthaner: DIE INSEL DER SELIGEN
Eine republikanische Geschichtsstunde

1970 geschieht in Österreich etwas, das bis dahin für viele unvorstellbar war. Ein Sozialist wird Bundeskanzler. Ein Intellektueller, ein Emigrant, ein Jude, ein überzeugter Österreicher. Ein Mann, der das Land modernisieren und durchlüften will, ein „Roter“ mit politischen Visionen, dessen Name das ganze Jahrzehnt prägen wird: Bruno Kreisky.
Die 70er sind für unser Land prägend und unvergesslich. Es werden Jahre des Aufbruchs, des Fortschritts, der Vollbeschäftigung, eine Zeit unglaublicher sportlicher Erfolge. „Eine Insel der Glückseligen“, meint der Papst in Rom. Goldene Jahre – mit den Schattenseiten der Konsum- und Wohlstandsgesellschaft – ziehen ins Land.

Ferdinand Lacina studiert an der Hochschule für Welthandel und promovierte 1965 zum Dipl.-Kfm. 1973 wurde er Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der AK Wien und 1980 Kabinettschef von Bruno Kreisky. Von 1982 bis 1984 war er als Staatssekretär im Bundeskanzleramt u. a. für Wirtschaftsfragen zuständig. Als Minister für öffentliche Wirtschaft und Verkehr (1984–86) beschäftigte ihn auch die Krise der verstaatlichten Unternehmen. 1986 wurde Lacina Finanzminister unter Franz Vranitzky, nach seinem Rücktritt 1995 war er bis 1997 Generaldirektor der GiroCredit Bank AG der Sparkassen.

Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Aufgezichnet im Bruno Kreisky Forum.
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

ARAB CHANGES. Kuratiert von Gudrun Harrer

Daniel Gerlach: DER NAHE OSTEN IM HEISSEN HERBST

Krisen im Libanon, in Syrien und im Irak, der US-Wahlkampf und der ungewisse Ausgang der amerikanischen Präsidentenwahl im November, der Showdown zum Nuklearabkommen mit dem Iran, die Annäherung zwischen Israel und den Golfstaaten, und als dunkle Wolke über allem die Corona-Pandemie. Der Nahe Osten erlebt einen heissen Herbst. Wohin steuert die Region?

Daniel Gerlach ist ein deutscher Autor, Publizist, Orientalist und Nahost-Experte. Er ist Mitherausgeber und Chefredakteur des Magazins Zenith – Zeitschrift für den Orient sowie Mitgründer und Geschäftsführer der Candid Foundation.
Gudrun Harrer ist leitende Redakteurin bei „Der Standard“ und Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien.

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

KREISKY FORUM SPECIAL in Zusammenarbeit mit dem ecowin-Verlag

Ulrich Brunner im Gespräch mit Johannes Kunz:
LERNEN´S GESCHICHTE, HERR REPORTER! BRUNO KREISKY – EPISODEN EINER ÄRA

Der Journalist Ulrich Brunner begleitete die Ära Kreisky mit dem Herzen und mit der Feder. Nach seinem Wechsel zum ORF wurde das Verhältnis zu Bundeskanzler Kreisky angespannter, was letztlich beim berühmten Pressefoyer in einem Eklat gipfelte, als Kreisky eine Frage mit der Aufforderung parierte, die zum bekanntesten Politikerzitat der Zweiten Republik wurde.
Er hat seine Erinnerungen an den Jahrhundertkanzler aus den direkten Kontakten und Einschätzungen über Kreiskys komplexe Persönlichkeit, das bahnbrechende politische Vermächtnis und sein unmittelbares Erleben niedergeschrieben. Als Zeitzeuge und reflektierender Beobachter zeichnet Ulrich Brunner ein Bild der Ikone Kreisky, das den Mythos erklärt und die Widersprüchlichkeit dieser Persönlichkeit beleuchtet.

Ulrich Brunner, geboren 1938 in Wien, stammt aus einfachen Verhältnissen, absolvierte nach der Pflichtschule eine Schriftsetzerlehre und holte die Matura nach. Er nahm eine Karriere im Journalismus auf, die ihn von der Arbeiterzeitung in den ORF, zuletzt Intendant des Landesstudio Burgenland, führte. Die Debatte, in der der titelgebende ikonische Satz fiel, ist legendär und symbolhaft für die Ära Kreisky, an der bis heute in der Politik Maß genommen wird. Ulrich Brunner lebt in Wien.

Johannes Kunz ist Kulturmanager und ehemaliger Pressesprecher von Bundeskanzler Burno Kreisky.

Ulrich Brunner: Lernen S‘ Geschichte, Herr Reporter! Bruno Kreisky – Episoden einer Ära
Ecowin Verlag 2020, 220 Seiten; ISBN 9783711002631, www.ecowin.at

 

AUS KREISKYS WOHNZIMMER
GENIAL DAGEGEN online. Kuratiert von Robert Misik
Anlässlich des Geburtstages von Franz Vranitzky

CORONAKONTROLLE. Nach der Krise, vor der Katastrophe
Franz Vranitzky im Gespräch mit Georg Seeßlen

Zu Beginn der Pandemie, die als «Coronakrise» in die Geschichte eingehen soll, gab es noch eine Reihe von Hoffnungen. Die Krise würde zu mehr Einsicht in die Notwendigkeit gesellschaftlich-solidarischer Einrichtungen führen, zu mehr Wertschätzung für Ärzte und Pflegepersonal, zu mehr Solidarität in den Bevölkerungen.
Als kleines Nebenprodukt würde sie die Frage erlauben, ob der Kapitalismus in seiner aktuellen Form wirklich die beste Weltordnung liefere, sie würde Autokraten enttarnen, den Populismus überflüssig machen, die Wertschätzung für
Kultur und Kritik wieder beleben, soziales Verantwortungsgefühl und ein Bewusstsein für den Kampf gegen die Umweltzerstörung erzeugen … Kurz: Die Krise wäre zugleich mit den Gefahren vielleicht auch eine Geburtshilfe für neue Chancen.
Mit zunehmender Dauer müssen wir uns indes auch von den Hoffnungen auf eine bessere Post-Krisen-Welt verabschieden. Die Hoffnungsblasen platzen und es zeichnet sich ab: Die Gewinner der Vor-Krise werden wieder die Gewinner der Nach-Krise sein. Die Verlierer sollen weitere Verluste in Kauf nehmen – ganz im Dienste des «Systems».
Möglicherweise aber ist der Kipppunkt noch nicht erreicht, noch sind die Chancen, die für Kritik und Widerstand in einer Krise stecken, nicht endgültig vertan.

Georg Seeßlen, freier Autor, Feuilletonist und Filmkritiker. Sein neues Buch „Coronakontrolle“ erschien im August 2020 im Verlag bahoe books.
Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., Gründungs- und Ehrenpräsident des Bruno Kreisky Forums
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist
Einleitende Worte: Eva Nowotny, Diplomatin, Vorstandsmitglied des Kreisky Forums

Wir entschuldigen teilweise technsiche Störungen, die sich während der Zuschaltung von Georg Seeßlen ergeben haben.

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog am 8.10.2020
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

PHILOXENIA online. Curated by Tessa Szyszkowitz

Tessa Szyszkowitz in conversation with Alison Smale: FREEDOM OF PRESS UNDER PRESSURE

Three decades ago Alison Smale covered the fall of the Berlin Wall and the breakup of the Soviet Union – a period of democratic development and for the media a time of hope and a true beginning of freedom of expression. Later Smale became executive editor of the International Herald Tribune in Paris and bureau chief of the New York Times in Berlin. She also experienced 9/11 in New York and viewed the Trump presidency through the lens of the UN in New York. Alison Smale is one of the most experienced reporters and editors who worked during this extraordinary period of democratic awakening, which turned into an era of rising nationalist populism and authoritarianism. In her Philoxenia talk Alison Smale will explore how working as a female reporter has changed over the decades and under changing political circumstances. And how the danger to the freedom of press came back to editorial offices in Moscow, Budapest and New York.

Alison Smale is a British journalist. From 2017 until 2019, she served as the Under-Secretary-General for Global Communications, United Nations Department of Public Information. She has almost 40-years of journalism experience gained in an international career that has included holding some of the most prestigious posts in the profession such as Executive Editor of the International Herald Tribune and Bureau chief of The New York Times in Berlin.
Tessa Szyszkowitz, Author and Journalist for PROFIL, Falter and Cicero; since 1989 she covered international politics based in Vienna, Jerusalem (1994-1998), Brussels (1998-2002), Moscow (2002-2010) and London. She is Senior Associate Fellow at the Royal United Services Institute in London.

 

Russia on the World Stage online. Curated by Nina Khrushcheva

Nina Khrushcheva in converstaion with Shaun Walker:
PUTIN, NAVALNY AND THE FUTURE OF RUSSIA´S GEOPOLITICS

On October 5, 2020, Bruno Kreisky Forum for International Dialogue hosted a virtual conversation between Shaun Walker, correspondent for The Guardian (UK) and Nina Khrushcheva, BFK fellow and professor at the New School University in New York.
Walker, the author of The Long Hangover: Putin’s New Russia and the Ghosts of the Past (2018)—before moving to his current base in Budapest—had reported from Moscow for over ten years. In recent months he has covered the Belarus protests against Alexander Lukashenko, who usurped power after the August 9 presidential elections. In September, Walker returned to Russia to report on the poisoning of the opposition leader Alexei Navalny and the current Russian political landscape, which Navalny has tried to change. In view of these developments, what is the future of Vladimir Putin´s state? These and other topic are discussed in Nina Khrushcheva´s conversation with Shaun Walker recorded in Moscow.

Shaun Walker is the Guardian’s central and eastern Europe correspondent. Previously, he spent more than a decade in Moscow and is the author of The Long Hangover: Putin’s New Russia and the Ghosts of the Past
Nina Khrushcheva is Professor of International Affairs in the Graduate Program of International Affairs at The New School in New York. She is a senior fellow of the World Policy Institute and an editor of and contributor to Project Syndicate: Association of Newspapers Around the World and senior fellow of the Kreisky Forum.

 

GENIAL DAGEGEN. Kuratiert von Robert Misik

ALBENA AZMANOVA IN CONVERSATION WITH IVAN KRASTEV
CAPITALISM ON EDGE

The wake of the financial crisis has inspired hopes for dramatic change and stirred visions of capitalism’s terminal collapse. Yet capitalism is not on its deathbed, utopia is not in our future, and revolution is not in the cards. In Capitalism on Edge, Albena Azmanova demonstrates that radical progressive change is still attainable, but it must come from an unexpected direction.

Albena Azmanova teaches political and social theory at the University of Kent’s Brussels School of International Studies. She is author of The Scandal of Reason: A Critical Theory of Political Judgment (Columbia, 2012) and coeditor of Reclaiming Democracy: Judgment, Responsibility, and the Right to Politics (2015). She has also been a policy adviser to the United Nations, the Council of Europe, the European Parliament, the European Commission, and Transparency International.
Her newest book was published in Columbia University Press in January 2020.
Ivan Krastev, Chairman of the Centre for Liberal Strategies, Sofia, Permanent Fellow of the Institute for Human Sciences (IWM), Vienna
Moderation:
Robert Misik, Author and Journalist

 

Ulrike Guérot im Gespräch mit Franz Fischler
NICHTS WIRD SO BLEIBEN, WIE ES WAR? EUROPA NACH DER KRISE

In Kooperation mit dem MOLDEN Verlag

In Krisenzeiten werden außerordentliche Maßnahmen angeordnet. Der Staat funktioniert und lotst uns durch, überall in Europa rückt die Gesellschaft zusammen, Solidarität ist das Gebot der Stunde, aber die EU scheint handlungsunfähig, die Schäden in Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm.
Die Frage ist: Was kommt danach? Wird es ein back to normal geben, zum Binnenmarkt, zu offenen Grenzen? Was geschieht mit dem großen Friedensprojekt Europa? Und woran werden wir uns erinnern? Daran, dass wir einander geholfen oder daran, dass wir einander im Stich gelassen haben?
Ulrike Guérot, langjährige Europa-Expertin geht mit dem ehemaligen österreichischen EU-Kommissar und versierten Europapolitiker Franz Fischler der Frage nach, wie ein #PostCoronaEuropa aussehen sollte. Und spricht mit ihm über ihr neues Buch.

Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin und Publizistin, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, Gründerin des European Democracy Lab (EDL)
Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forum Albpach, ehem. EU-Kommissar für Landwirtschaft, Entwicklung des ländlichen Raumes und Fischerei
Moderation: Pascal Günsberg, POLEDU, Verein Politics and Education

Ulrike Guérot:
Nicht wird so bleiben, wie es war? Europa nach der Krise. Eine Zeitreise
Hardcover, 20.- €, ISBN 978-3-222-15062-3
September 2020, MOLDEN Verlag

 

Heinz Fischer im Gespräch mit Wolfgang Maderthaner
100 JAHRE ÖSTERREICHISCHE BUNDESVERFASSUNG

ES IST EIN GUTES LAND aus Kreiskys Wohnzimmer. Kuratiert von Wolfgang Maderthaner

1920 hat Hans Kelsen der „Jahrhundertjurist“, wie ihn DIE ZEIT betitelt, als parteiunabhängiger Verfassungsrichter die republikanische Bundesverfassung des neuen Österreich ertüftelt.
Es war Karl Renner, der nach dem Zusammenbruch der Monarchie den ao. Universitätsprofessor, Berater des k.u.k. Kriegsministers und des Kaisers Hans Kelsen im November 1918 in die Staatskanzlei geholt und mit der Arbeit an einer Bundesstaatsverfassung für die junge Republik beauftragt hatte. Schon am 1. Oktober 1920 beschloss die Konstituierende Nationalversammlung das neue Bundes-Verfassungsgesetz einstimmig. Und heuer feiert sie ihren 100. Geburtstag.
Die klare und nüchterne Sprache des österreichischen Bundes-Verfassungsgesetzes wurde oft gewürdigt; sie entspricht der „Reinen Rechtslehre“ Kelsens, in deren Zentrum eine „von aller politischen Ideologie gereinigte“ Auffassung des Rechts steht. Rechtsnormen beschreiben laut Kelsen ein „Sollen“, das im Unterschied zu religiösen und ethischen Normen generell durchsetzbar ist. Den Staat definierte Kelsen dementsprechend als eine Rechtsordnung.

Heinz Fischer war 12 Jahre lang österreichischer Bundespräsident (2004-2016). Zuvor hatte er verschiedene politische Ämter inne: So war er Abgeordneter der SPÖ im Nationalrat, Wissenschaftsminister und Präsident des Österreichischen Nationalrates (1990-2002)
2018 war er Regierungskoordinator des „Gedenk- und Erinnerungsjahres“, in dem die Republik Österreich ihren 100. Geburtstag feierte. Seit 2018 ist er Co-Vorsitzender des Ban Ki-Moon Centre for Global Citizens. Er ist Verfassungsrechtler und Univ. Prof. für Poltikwissenschaft.

Moderation: Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

 

ZERRISSENE JAHRE online. Kuratiert von Philipp Blom

DAS GROSSE WELTTHEATER
Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs
Philipp Blom im Gespräch mit Petra Herczeg und Rainer Rosenberg

„Das große Welttheater ist ein Ort, an dem die Welt sich neu erfinden kann.“
Philipp Bloms Analyse der gegenwärtigen Umbrüche

Wir leben in der besten aller Welten: Nie zuvor gab es so lange Frieden bei uns, nie waren wir so reich, so sicher. Diese Geschichten erzählen wir uns selbst. Was aber, wenn sie nicht der Wirklichkeit entsprechen? Wenn die Demokratien bröckeln, der Hass zwischen den sozialen Gruppen wächst, das Wirtschaftswachstum stagniert, die Gefahr einer Klimakatastrophe steigt? In seinem großen Essay zeigt Philipp Blom, wie es möglich ist, dass der Westen nicht trotz, sondern wegen Frieden und Wohlstand in einer Krise steckt. Nichts in unserer Vergangenheit hat uns darauf vorbereitet. Die Zeichen stehen auf Sturm, und der Kampf um die Zukunft wird auch ein Kampf der Geschichten sein, vor aller Augen, auf der Bühne des Welttheaters.

Petra Herczeg ist Senior Lecturer am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien und freie Autorin beim ORF.
Rainer Rosenberg ist Journalist beim ORF, Blogger und Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.
Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien und schreibt regelmäßig für europäische und amerikanische Zeitschriften und Zeitungen.

Das Große Welttheater. Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs ist im Mai 2020 bei Zsolnay erschienen. 128 Seiten, ISBN 978-3-552-05980-1

 

PHILOXENIA online. Curated by Tessa Szyszkowitz

Tessa Szyszkowitz in conversation with Sophy Roberts
THE LOST PIANOS OF SIBIRIA

Siberia, enormous vastness, grim cold, harsh landscape, Siberia, a prison without a roof, but also of astonishing beauty.
Siberia’s story is traditionally one of exiles, penal colonies and unmarked graves. Yet there is another tale to tell. Dotted throughout this remote land are pianos – grand instruments created during the boom years of the nineteenth century, and humble, Soviet-made uprights that found their way into equally modest homes. They tell the story of how, ever since entering Russian culture under the influence of Catherine the Great, piano music has run through the country like blood. How these pianos travelled into this snow-bound wilderness in the first place is testament to noble acts of fortitude by governors, adventurers and exiles. That stately instruments might still exist in such a hostile landscape is remarkable. That they are still capable of making music in far-flung villages is nothing less than a miracle. But this is Siberia, where people can endure the worst of the world — and where music reveals a deep humanity in the last place on earth you would expect to find it. The important role that pianos play here of all places as a symbol of European culture is demonstrated by the British pianist Sophy Roberts in her extravagant search for traces. She not only succeeds in locating numerous once famous instruments between the Urals and Sakhalin Island, but also in reconstructing their stories: from the pianomania of the Tsarist era to the passion of the pilot of the Aeroflot, from the Soviet manufacture „Red October“ to the young Mongolian pianist Odgorel, who plays Bach in her yurt. Sophy Roberts‘ explorations lead deep into the heart of history and tell us no less about the present.

Sophy Roberts studied in Oxford and at Columbia University, New York, and has worked for Condé Nast Traveller, The Economist and Financial Times Weekend. She lives in West Dorset (GB).

Tessa Szyszkowitz, UK correspondent for PROFIL, Falter, Cicero and author (Echte Engländer. Britain and Brexit, in German, Picus Verlag, 2018), Senior Associate Fellow of the Royal united Services Institute in London.

The German translation of Sophy Robert’s book The Lost Pianos of Siberia (Sibiriens vergessene Klaviere) was published by Zsolnay Verlag on 21 September 2020. The event took place in cooperation with Zsolnay Publishing House.

 

GENIAL DAGEGEN online. Kuratiert von Robert Misik
GEGENSTEUERN
Eine neue Wirtschaftspolitik für die Post-Corona-Ära

ZOOM Live Gespräch mit Gustav Horn*

Robert Misik, Autor und Journalist im Gespräch mit Gustav Horn, Wirtschaftswissenschaftler

Durch die Corona-Pandemie, den Shutdown und die Gesundheitskrise ist die Weltwirtschaft in die schwerste Krise seit langer Zeit geschlittert. Es droht eine langanhaltende Depression, wenn jetzt nicht mit neuen Konzepten entschlossen gegengesteuert wird. Nach der Finanzkrise saß der Neoliberalismus schnell wieder fest im Sattel – das darf nicht noch einmal geschehen. Mit den veralteten Doktrinen muss aufgeräumt werden.
Gustav Horn, Professor an der Universität Duisburg-Essen, langjähriger Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und Mitglied des Parteivorstandes der SPD, brachte sein Buch „Gegensteuern“ am Höhepunkt der Corona-Krise heraus. Er zeigt: Falsche Wirtschaftspolitik hat zwanzig Jahre lang den Aufstieg des rechten Populismus begünstigt.
Gustav A. Horn meint: Jahrzehnte neoliberaler Politik und das Versagen der sozialdemokratischen Parteien haben den Boden für den Rechtspopulismus bereitet. Und er zeigt konkret, wie ein Politikwechsel aussehen muss, der die Demokratie stärkt und unser Land in eine soziale und ökologische Zukunft führt.

Gustav Horns aktuelles Buch „Gegensteuern“ ist im April 2020 im CH. Links Verlag als ebook erschienen.

*Wir entschuldigen die technischen Unstimmigkeiten und hoffen auf Ihr Verständnis.

 

ARI RATH PREIS FÜR KRITISCHEN JOURNALISMUS 2020
FLUCHT – VERTREIBUNG – ASYL

Begrüßung: Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., Gründungs- und Ehrenpräsident des Kreisky Forums
Begründung der Jury: Gertraud Borea d’Olmo, Generalsekretärin des Kreisky Forums

Preisträgerin: Irene Brickner, Der Standard
Laudatorin: Rubina Möhring, Reporter ohne Grenzen

Ehrenpreis: Anneliese Rohrer, Journalistin
Laudator: Oliver Rathkolb, Univ.-Prof. am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Moderation: Birgit Fenderl, ORF

Lesung aus Ari Raths Buch „Ari heißt Löwe. Erinnerungen“: Elisabeth Orth, Schauspielerin
Musik: Shmuel Barzilai, Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien in Wien

Mit freundlicher Unterstützung von WIEN ENERGIE

 

China im Blick online. Kuratiert von Irene Giner-Reichl
DAS KLAVIER
Eine österreichisch-chinesische Liaison

Bai Lin, Leiterin des Taiji Studios Familie Bai, Ko-Gründerin der Klavier-Galerie in Wien und Sandra Gu, Stv. Generalmanagerin der Hailun Art Co. , Ningbo, Gründerin der Hailun Musik-Zentren im Gespräch mit Irene Giner-Reichl, Botschafterin

Rund 500 000 Klaviere werden pro Jahr weltweit erzeugt; 80 % davon werden in China gekauft. Chinas Mittelklasse ist bekannt für ihre Affinität zu klassischer Musik. Auf das Neujahrs-Konzert der Wiener Philharmoniker und den Goldenen Saal des Musikvereins wird man als Vertreter Österreichs in China regelmäßig angesprochen. Internationale Architekten der Star-Klasse haben Opernhäuser und Konzerthallen in ganz China gebaut – Paul Andreu das National Centre of Performing Arts in Peking, Zaha Hadid das Opernhaus in Guangzhou –, in denen die internationale Elite von Solisten, Dirigenten, Orchester routinemäßig vor ausverkauften Rängen auftreten. Unter den 25 ausgewählten Pianisten des Tschaikowsky-Wettbewerbs 2019 waren 5 chinesische; und ein besonderer vierter „Preis für Selbstbeherrschung und Mut“ ging an den 20-jährigen chinesischen Finalisten Tianxu An, dem das Orchester durch einen Logistik-Fehler die beiden Klavierkonzerte nicht in der angekündigten Ordnung spielte, und der trotzdem weder die technische noch die emotionelle Kontrolle verlor.
Die chinesische Klavier-Erzeugung hat in den letzten Jahren durch eine Kooperation zwischen der Wiener Klaviermanufaktur Feurich und Hailun Pianos in Ningbo eine neue Wendung genommen. Das Gespräch zeichnet die Stationen dieser Kooperation auf, fragt nach, wie der Zugang zur Musikerziehung in China ist und welche Veränderungen der chinesische Luxusgüter-Markt im Gefolge der Corona-Pandemie erfährt.

 

Gertraud Borea d’Olmo, Generalsekretärin:
Sommergrüße aus dem Kreisky Forum

 

GENIAL DAGEGEN online LIVE
WER SOLL DAS ALLES ZAHLEN?

Robert Misik im Gespräch mit Jens Südekum, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Düsseldorf

„Der Ökonom der Mächtigen“, nannte unlängst die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ den Volkswirtschaftsprofessor von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. In der größten ökonomischen Krise seit langem hören sowohl der Berliner Finanzminister als auch der Wirtschaftsminister auf den Wirtschaftsforscher, der schon seit Jahren darauf drängt, dass der deutsche Staat mehr investiert, um marode Infrastruktur zu ersetzen oder neue Technologien zu unterstützen. Immer wieder hat Südekum sich kritisch über die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse geäußert, zudem wirbt er für eine stärkere Integration in der Währungsunion. „Dieses Konjunkturprogramm hat wirklich Wumms“, sagt er jetzt und warnt davor, sich allzu sehr auf die Frage zu kaprizieren, wie die aufgenommenen Schulden wieder zurück gezahlt werden sollen. Denn Staaten zahlen ihre Schulden üblicherweise gar nicht zurück. Ob ein Staat „zu sehr“ verschuldet ist, hängt am wenigsten von der Höhe der Schulden ab, sondern von vielen Faktoren. Südekum wird auch für interessierte Laien verständlich erklären, was ein gutes Konjunkturprogramm auszeichnet und warum Staatsschulden unser geringstes Problem sein sollten.
Jens Südekum (geboren 1975 in Goslar) ist seit dem Jahr 2014 Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre am Düsseldorfer Institute for Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Außerdem ist er Research Fellow beim Centre for Economic Policy Research (CEPR), dem CESifo Institut, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und beim Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA).
Robert Misik spricht mit ihm über Politik mit „Wumms“, Konjunkturprogramme und die verbreiteten Ängste, dass den Staaten das Geld ausgehen und eine Schuldenkrise drohen könnte.

 

*** Genial dagegen online LIVETALK ***

THE SWEDISH WAY OF DEALING WITH THE CRISIS

Robert Misik, Author and Journalist
in conversation with
Joakim Palme, Professor of Poltical Science, Uppsala University

During the first few months of the pandemic, the Swedish government followed a path that differed from that of many European countries: a less rigid, partial shutdown that kept large parts of the economy running, balancing anti-pandemic measures and citizen self-responsibility. At times, therefore, Sweden was regarded as highly controversial, a model for some, a dead end for others. The interim results are now much higher lethality rates, but the great catastrophe did not occur either. On the other hand, the Swedish economy has not come through the first phase of the epidemic significantly better than other economies – and may even have to expect more severe shocks. What is behind the Swedish special path? What is its balance? And what has Sweden to expect now in terms of the economy, employment and health risks?

Joakim Palme (born 18 May 1958) is a Swedish political scientist and sociologist. Since 2009, Palme is a professor of political science at Uppsala University. Since 2002 he has been CEO of the Institute for Future Studies. Between 2003 and 2009, he was adjunct professor of sociology at Stockholm University. He is the eldest son of Olof Palme, who was Prime Minister of Sweden until his assassination in 1986, and his wife Lisbeth Palme.

 

*** ZERRISSENE JAHRE. Kuratiert von Philipp Blom online aus Kreiskys Wohnzimmer ***
IST HEUTE SCHON MORGEN?
Wie die Pandemie Europa verändert

Wie wird die Welt nach Corona aussehen? Ivan Krastev, bulgarischer Politologe und einer der wichtigsten Intellektuellen der Gegenwart, gibt Orientierung in Zeiten der Ungewissheit.
Es gibt Momente, in denen sich unsere Gewissheiten auflösen und sich unsere kollektive Vorstellung von dem, was möglich ist, dramatisch ändert. Die Menschen beginnen, die Gegenwart zu ignorieren und stattdessen über die Zukunft nachzudenken – die Zukunft, die sie sich erhoffen, oder die Zukunft, die sie fürchten.
Irgendwann im März 2020, in der zweiten Woche meiner Covid-19-Isolsation, mailte ein Freund mir ein amüsantes Mengendiagramm. Es zeigte zwölf einander überschneidende Kreise, die jeweils für eine bekannte Dystopie standen. Da waren sie alle: 1984, Schöne Neue Welt, Der Report der Magd, Clockwork Orange und Herr der Fliegen. In der kleinen Fläche, in der sie sich alle überschnitten, stand: „Sie befinden sich hier“. Und tatsächlich – genau dort befinden wir uns. Wir durchleben all diese Alpträume gleichzeitig.

Philipp Blom ist Historiker, Schriftsteller, Übersetzer und wissenschaftlicher Kurator des Bruno Kreisky Forums.

Ivan Krastevs Buch „Seven Lessons from the Corona Crisis“ ist am 15. Juni 2020 unter dem Titel „Ist heute schon morgen. Wie die Pandemie Europa verändert“ (Übersetzung: Karin Schuler) in der Reihe Wissen&Werte. Wirtschaft, Gesellschaft, Politik/Internationale Politik bei Ullstein erschienen.

Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.

 

Auf der Suche nach Europa – online. Kuratiert von Ulrike Guérot
GEDANKEN ZU EUROPA: DER STATUS QUO – Eine Zwischenbilanz zur Pandemie

Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, Gründerin des European Democracy Lab

Europa hat bis jetzt noch keine institutionellen Lehren aus der COVID 19 Krise gezogen. Ob eine europäische Solidarität eingelöst werden wird, ist offen.
Mit der jetzigen Digitalisierung- und Modernisierungsstrategie alleine ist jedenfalls „kein Staat“ zu machen. Wir brauchen dringend eine europäische Strategie, die uns durch die nächste Krise bringen kann. Ohne europäische Vergemeinschaftung ist das nicht möglich. Und dabei müssen die europäischen Bürger*innen im Mittelpunkt stehen.

 

AFRICA. Dimensions of a Continent ONLINE
Curated by Georg Lennkh
THE UPCOMING EU-AFRICA SUMMIT – WILL IT TAKE PLACE?

Georg Lennkh, former Austrian Special Envoy for Africa (2005-2010) and EU Special Representative in Chad (2006-2010)
in conversation with
Geert Laporte, Co-Director ECDPM – European Centre for Development Policy Management

Twenty-twenty should have been the year of a fundamentally new Africa-Europe partnership, culminating in the sixth EU-AU summit in October in Brussels. Ursula von der Leyen, with a delegation of some 20 European commissioners in her wake, recently traveled to Addis Ababa for meetings with their African Union counterparts. In early March, the European Commission and European External Action Service presented a joint communication for a comprehensive strategy with Africa.
But then the COVID-19 health crisis completely blew all that up in the air.
Experts and policymakers are now trying to anticipate the effects of the pandemic for countries in Europe and Africa, but not yet for Africa-Europe relations. Will the two continents be able to jointly deal with the expected health, economic and political consequences? Will the crisis also open new windows of opportunity? And who will be the winners and losers of this crisis?

 

*** GENIAL DAGEGEN online aus Kreisky Wohnzimmer***

Zur Lage der arbeitenden Klassen in Österreich

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian
im Gespräch mit
Robert Misik über Sozialstaat, Gewerkschaften und Solidarität in der Krise

Wolfgang Katzian ist seit zwei Jahren Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes ÖGB und wuchs gerade in den letzten Krisenmonaten in die Rolle der starken, volksnahen Stimme der arbeitenden Klassen hinein.

Die Sozialpartnerschaft, von den Regierungen Kurz I und II schon an den Rand gedrängt, spielte plötzlich wieder zumindest eine gewisse Rolle. Aber schon in den vergangenen Jahren wurden die Klassenkämpfe härter, man denke nur an die Einführung des 12-Stunden-Tages und die „Reform“ der Krankenkassen. Geradezu zwangsläufig werden Gewerkschaften, wenn der Ausgleich am grünen Tisch nicht mehr so gut gelingt, ein kämpferischeres Gesicht zeigen müssen. Zugleich sind sie nicht nur Interessensvertretung, sondern verkörpern auch ein Ideal, das Ideal von Solidarität und Gleichheit aller.

Die Strahlkraft dieser Ideale in die arbeitenden Klassen hinein hat aber in den vergangenen Jahrzehnten auch gelitten. Wie kann man unter diesen Umständen wieder allgemein anerkannte, authentische Stimme der einfachen, normalen Leute sein und das Ideal der Solidarität erneuern? Und was kommt in der schwersten ökonomischen Krise seit langem auf uns zu? Über all das wollen wir mit dem Präsidenten des ÖGB sprechen.

 

*** GENIAL DAGEGEN online aus Kreisky Wohnzimmer ***

DER NÄCHSTEN GENERATION DIE TÜREN AUFMACHEN!

Mireille Ngosso
im Gespräch mit
Robert Misik über #blacklivesmatter und ihr Engagement als schwarze Politikerin in der SPÖ

Mireille Ngosso, 1980 in Kinshasa geboren, ist Medizinerin und sozialdemokratische Politikerin. 1984 kam sie nach Wien und wuchs hier auf – und wie jedes schwarze Kind machte sie subtile und auch weniger subtile Diskriminierungserfahrungen.
Sie war stellvertretende Bezirksvorsteherin im ersten Wiener Gemeindebezirk, wurde dann aber bei den parteiinternen Vorwahlen nicht ausreichend unterstützt – womöglich auch, weil man sich als „fremd“ erscheinende Person bei uns doppelt und dreifach beweisen muss. Nun kandidiert sie bei der Wien-Wahl auf aussichtsreicher Stelle für den Gemeinderat.
Zuletzt war sie Mitorganisatorin der „BlackLivesMatter“-Demonstration, zu der überraschend 50.000 Menschen kamen.
Wir sprechen mit ihr über ihre Erfahrungen als schwarze Österreicherin, wie man immer wieder „fremd gemacht“ wird, wie wirksam Bilder und Stigmata des „Anderen“ sind, über die Mehrfachbelastung als Ärztin und Politikerin und auch darüber, wie eine junge Generation aus allen ethnischen Hintergründen gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung aufsteht.

 

Georg Lennkh über AFRIKA. DIMENSIONEN EINES KONTINENTS

Botschafter Georg Lennkh war langjähriger Leiter der Sektion Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium und österreichischer Sonderbotschafter für Afrika, insbesondere für den Tschad. Im Kreisky Forum für Internationalen Dialog kuratiert er die Reihe „Africa. Dimensions of a continent“.
Die seit 2009 bestehende Reihe beschäftigt sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit der Vielfalt und Vitalität von afrikanischer Politik und der Fokus liegt auf den unterschiedlichen Blickwinkeln und Dimensionen des Kontinents und den entwicklungspolitischen Strategien Österreichs sowie der EU-Afrika-Strategie.

 

TRANSATLANTICA online
“WE NEED A PRESIDENT WHO CHOOSES HOPE OVER FEAR”

Eva Nowotny, former Austrian Ambassador in Washington, Curator of the Kreisky Forum
in conversation with
Steven Beller, Historian and Author

A stable transatlantic partnership, albeit never without problems and occasional frictions, used to be a reliable and fundamental factor in the EU’s external relations. In the last three years this has been challenged and we have been dealing with a transatlantic partner, fraught with internal rifts and divisions, which put into question rule of law, reliability of treaties, multilateral diplomacy, the whole structure of international relations and the institutions on which they are grounded. A few months before an important American presidential election, it is thus a good moment for a reality check.
What is happening inside the US, beleaguered as the country is by racism, deep political fractures, growing social injustice?
Is democracy really in danger, as some commentators argue, or are the democratic system and its institutions strong and solid enough to withstand authoritarian flirtations?
What will be the impact of these internal developments on the world at large and on the European partners in particular?
These and some other issues will be explored in a conversation with the distinguished American historian and political commentator Steven Beller.

 

AUS KREISKY WOHNZIMMER online
ES IST EIN GUTES LAND. Kuratiert von Wolfgang Maderthaner

WIEN IN DER NACHKRIEGZEIT
Ein Zeitzeuginnengespräch

Barbara Coudenhove-Kalergi, Journalistin und Herausgeberin
Emmy Werner, Schauspielerin, Theaterdirektorin und Regisseurin
Moderation:
Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Am 13. April 1945 wird in Moskau aus 324 Kanonen Salut geschossen, zum Zeichen, dass die Rote Armee Wien befreit hat – eine Stadt, die vom Kriegsgeschehen schwer gezeichnet ist. Mehr als 20 Prozent des Hausbestandes sind ganz oder teilweise zerstört. Beinahe 87.000 Wohnungen sind unbewohnbar. Im Stadtgebiet werden mehr als 3.000 Bombentrichter gezählt. Zahlreiche Brücken liegen in Trümmern. Kanäle, Gas- und Wasserleitungen haben schwere Schäden erlitten. Vor den Lebensmittelgeschäften bilden sich lange Schlangen, um wenigstens irgendeine Kleinigkeit zu erstehen.
Im August 1945 kommen die Westalliierten nach Wien, am 1. September übernehmen die Truppen der vier Besatzungsmächte ihre Zonen und bleiben bis zur Ratifizierung des Österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955.
Barbara Coudenhove-Kalergi, Jahrgang 1932 und Emmy Werner, Jahrgang 1938 haben diese schwierigen Jahre in Wien erlebt. Mit Wolfgang Maderthaner sprechen sie über ihren Alltag im Nachkriegswien. Und darüber, wie sie diese Zeit geprägt hat.

 

Kooperations-Diskussion von SOHO in Ottakring mit dem Kreisky Forum für Internationalen Dialog
KUNST, DEMOKRATIE UND FREIHEIT NACH DER PANDEMIE

Ruth Wodak, Sprachwissenschaftlerin
Oliver Ressler, Künstler und Filmemacher
Gerhild Steinbuch, Dramaturgin und aktives Mitglied im Verein Die Vielen.
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist, Kurator des Kreisky Forums

Wie „die Welt nach Corona“ aussehen wird, ist völlig unklar.
Wie kann verhindert werden, dass ein autoritärer Kapitalismus zum Gewinner der Krise wird? Oder kann gar eine progressive Agenda, mit Umverteilung und Ausbau von Sozialstaaten reüssieren, weil jetzt wieder der Wert einer guten öffentlichen Infrastruktur allgemein anerkannt ist, einer Infrastruktur, die dem Markt entzogen ist?
Welche Rolle können in diesen Auseinandersetzungen Kunst und Kultur spielen? Und wie agieren Kulturschaffende auf globaler Ebene im Kampf für mehr Demokratie und Meinungsfreiheit gegenwärtig?

Das Festival Soho in Ottakring 2020 findet aufgrund der COVID 19 Pandemie online statt. Es steht unter dem Titel “Wie meinen? Über Meinungsfreiheit und das Ringen um sie”. Von 6. Juni – 20. Juni 2020 wird täglich eine neue künstlerische Arbeit präsentiert. Die veröffentlichten Beiträge sind auch nach dem Festival bis 5. Juli zu sehen.

 

CoronaCast Transatlantica
Vivien Schmidt: EUROPE´S CRISIS OF LEGITIMACY. Governing by Rules and Ruling by Numbers in the Eurozone

In ihrem aktuellen Buch „Governing by Rules and Ruling by Numbers in the Eurozone“ nimmt Vivien Schmidt grundsätzliche Fragen in den Bewegungen der Europäischen Union in den Fokus und analysiert die verschiedenen Ebenen von Legitimität. Auch die Auswirkungen der COVID-19 Krise werden beleuchtet.
Vivien Schmidt ist eine renommierte und gewichtige Stimme aus den USA. Sie beschäftigt sich seit langem mit dem US-Blick auf Europa und war bereits mehrmals Gast im Kreisky Forum.

Introduction: Eva Nowotny, former Austrian Ambassador in Washington, Curator of the Kreisky Foru
Vivien Schmidt, Jean Monnet Professor of European Integration, Professor of International Relations in the Frederick S. Pardee School of Global Studies and Professor of Political Science at Boston University

 

Olaf Scholz und Robert Misik: MIT ALLER KRAFT DAGEGEN HALTEN

Genial dagegen / Facebook Live Gespräch
MIT ALLER KRAFT DAGEGEN HALTEN
Ein Bericht aus dem Maschinenraum der Wirtschaftsrettung

Robert Misik, Autor und Journalist
im Gespräch mit
Olaf Scholz, Vizekanzler und Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland

Er ist wahrscheinlich der wichtigste Wirtschaftspolitiker des Kontinents: Olaf Scholz, deutscher Finanzminister und Vizekanzler. In seinem Amt laufen viele Fäden zusammen: mit einem gigantischen Stützungsprogramm („das ist unsere Bazooka“) versucht die deutsche Regierung, die Unternehmen in der Phase des Shutdowns und der Anti-Seuchen-Politik über Wasser zu halten, zugleich muss schon an Konjunkturprogrammen für die Zeit danach gestrickt werden. Und das ohne jede Vorlage: „Es gibt kein Drehbuch für diese Krise“, sagt Olaf Scholz. Zugleich arbeiten die Kanzlerin Angela Merkel und der Finanzminister mit den europäischen Partnern an einem Neustart in der Europäischen Union, an einem Wiederaufbauplan, der ein neuer „Meilenstein“(„Die Zeit“) für die europäische Zusammenarbeit werden soll.
Olaf Scholz ist – zugeschaltet aus dem Berliner Finanzministerium – Gast des Wiener Kreisky Forums und erklärt im Gespräch mit Robert Misik, was getan werden muss, um Unternehmen und Beschäftigung zu stabilisieren und eine Abwärtsspirale zu vermeiden – und welche Ziele wir uns für eine Post-Corona-Ära jetzt schon setzen sollen.

 

PHILOXENIA online
WHO ARE THE WINNERS OF THE CORONA CRISIS? AUTOCRATS OR FEMINISTS?

Tessa Szyszkowitz, UK Correspondent for Profil, Falter, Cicero
in conversation with
Eva Illouz, Sociologist, Hebrew University, Jerusalem; School for Advanced Studies in Social Sciences, Paris

The lessons of the pandemic should be learned fast and furiously. It can help governments and societies worldwide to push reforms in public space and private homes.

Eva Illouz teaches at the School for Advanced Studies in the Social Sciences EHESS in Paris and holds the Rose Isaac Chair in sociology at the Hebrew University in Jerusalem. Born in Fez, Morocco, Illouz today divides her time between Jerusalem and Paris. In 2009, the German newspaper Die Zeit chose her as one of the 12 thinkers most likely to „change the thought of tomorrow“. In 2013, she received the Annaliese Meier International Award for Excellence in Research from the Alexander von Humboldt Foundation. Her book Why Love Hurts. A Sociological Explanation (2013) won the best book award of the Alpine Philosophy Society in France. She also received the 2014 Sociology of Emotions Outstanding Recent Contribution Award and in 2018 the E.M.E.T award, the highest scientific distinction in Israel. Illouz is the author of numerous books and articles that have been translated into eightheen languages.

 

RESILIENZ IN DER KRISE
Isolde Charim im Gespräch mit Stefanie Graefe

In Zeiten wie diesen, wo die Welt aus den Fugen ist, wird der Ruf nach Formen der Krisenbewältigung laut. Das erklärt den Siegeszug eines neuen Konzepts: der Resilienz. Resilienz – das sind Techniken der Widerstandsfähigkeit. Wer resilient ist, so die Botschaft, bleibt auch in unsicheren Zeiten erfolgreich, glücklich und gesund. Was es mit Versprechen und politischen Schattenseiten der Resilienz auf sich hat, das lotet Stefanie Graefe, Autorin des Buches „Resilienz im Krisenkapitalismus. Wider das Lob der Anpassungsfähigkeit„, im Gespräch mit der Philosophin Isolde Charim aus.

 

Irene Giner Reichl/Tatjana Rosito: Spotlights on Current Brazil – China Relations

Brazil and China, both members of BRICS, enjoy intense political and economic relations. In 2019, President Jair BOLSONARO visited Beijing and President XI Jinping attended the BRICS Summit in Brazil. China is Brazil’s most important trading partner with Brazil achieving a year-after-year surplus. China invests significantly in Brazil.
The current COVID-19 pandemic which has undone the slight recovery of the Brazilian economy and ushered in another major recession, the trade frictions between Washington and Beijing now heightened by the US Administrations’ allegations against China connected to the outbreak of the pandemic, strategic interests of both countries and multilateral cooperation: these and other topics will be explored in the conversation with the Coordinator of the China Analysis Group at the Brazilian Center for International Relations (CEBRI), Tatiana Rosito.

Tatiana Rosito , Senior Fellow and Coordinator of the China Analysis Group at the Brazilian Center for International Relations (CEBRI). She is a diplomat and an economist, having worked over ten years in Asia, where she served at the Brazilian Embassies in Beijing and Singapore. She was Petrobras’ Chief-Representative in China and General Manager for Business Development in Asia from 2017 to 2019. Previously, she was Executive Secretary at the Brazilian Foreign Trade Board (CAMEX) and Special Advisor to the Ministers of Finance and Planning, among other roles in the public service. She holds a Master’s degree in International Development from the Harvard Kennedy School and an Executive MBA from INSEAD and Tsinghua University.
Moderation: Irene Giner Reichl
, Ambassador

 

BÜROKRATISCHE DEMOKRATIE, DEMOKRATISCHE BÜROKRATIE
Philipp Blom im Gespräch mit Iris Rauskala und Raoul Kneucker

In Zeiten von Krisen – wie aktuell COVID-19 – erwarten wir, dass die staatliche Verwaltung perfekt funktioniert, zeitgemäß arbeitet und rasch Hilfe organisiert. Doch kaum sind akute Probleme bewältigt, lebt das ewige Paradoxon der Bürokratie wieder auf: Zwar wissen wir, dass es ohne Bürokratie nicht geht, gleichzeitig wird sie als überbordend und teuer kritisiert. Kaum jemand fragt sich, wie Verwaltungsstrukturen mit der rasanten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung Schritt halten können.
Der Verwaltungswissenschaftler und ehemalige Sektionschef Raoul Kneucker hat ein – keineswegs trockenes – Werk über Geschichte und Struktur der Bürokratie in Österreich und Europa verfasst: Bürokratische Demokratie, Demokratische Bürokratie (Böhlau Wien, 2019).
Mit ihm und Iris Rauskala, Wirtschaftswissenschaftlerin und Leiterin der Präsidialsektion im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, spricht unser Kurator Philipp Blom über die Entwicklung von Österreichs Bürokratie von den großen Verwaltungsreformen der Habsburger im 19. Jahrhundert, die das große Kaiserreich zusammenhielten und organisierten, bis zu den staatlichen Strukturen der demokratischen Gegenwart.
Wie hat sich Bürokratie durch Europäisierung, Globalisierung und Digitalisierung verändert? Wie wappnet sich Verwaltung in Bund, Ländern und Gemeinden für aktuelle Herausforderungen der Sozialpolitik, Innovationspolitik oder Ökologie? Stehen betriebswirtschaftliche Kriterien über allem oder misst sich der Erfolg staatlichen Handels nicht doch eher an gelungener Krisenbewältigung, sozialer Stabilität oder kulturellen Leistungen?

 

Isolde Charim: Die smarte Differenzierung

Nach den langen Wochen der strikten Regelungen für alle haben wir nun einen Übergang von Verordnungen zu Eigenverantwortung, vom Gruppenrisiko zum individuellen Risiko. Aber wirklich entlassen sind wir nur bedingt. Wir sehen uns einer smarten Differenzierung gegenüber, deren anderer Name Selektion ist. Es entsteht eine Parallelgesellschaft neuer Art. Und die neuen COVID-19 Gesetze leisten dieser Parallelgesellschaft Vorschub. Wenn man so vorgeht, dann muss man mit offenen Karten spielen. Man muss benennen, was das heißt. Die Schutzselektion ist nur das nette Gesicht, sie ist die freundliche Hülle, die verbirgt, dass es immer auch um eine Effizienzselektion geht.

 

Nina Khrushcheva: RUSSIA IN TIMES OF COVID-19

Russia has currently the second highest number of COVID-19 infections after the USA. Is the Russian leadership following the Chinese model to deal with the crisis or is it following the example of European leaders? Which communication strategy has President Putin chosen?
And how has Russia celebrated the 75th anniversary of the end of World War II in times of pandemic lockdown, while the May 9th commemorations are usually demonstrations of Russia´s military strength?
Listen to the curator of our programme Russia on the World Stage Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs at The New School, New York.

 

Aus Kreiskys Wohnzimmer zu 65 Jahre Staatsvertrag:
Bürgermeister Michael Ludwig und Robert Misik

Robert Misik, Autor und Journalist
im Gespräch mit
Michael Ludwig, Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien

Am 15. Mai feiern wir 65 Jahre Staatsvertrag. Österreich hat damit seine Souveränität wiedererlangt. Genauso wichtig war aber auch das Bekenntnis zur Demokratie und zum Rechtsstaat. Und bleibt es bis heute.
Machen Sie mit Robert Misik und unserem Gast Bürgermeister Michael Ludwig, passionierter Historiker und Politikwissenschaftler, einen spannenden Streifzug von den historischen Momenten der Unterzeichnung des Staatesvertrages im Mai 1955 durch die folgenden Jahrzehnte bis in unser Wien der Gegenwart. Natürlich kommen auch aktuelle politische Fragen in der Diskussion nicht zu kurz.

 

China im Blick – online. Kuratiert von Irene Giner-Reichl

BUILDING BACK BETTER

Wie wird Chinas Politik in Europa wahrgenommen, was denkt China über Europa? Wie entwickelt sich internationale Zusammenarbeit in Zeiten von Corona? Wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen den USA und China? Und was kommt nach der Pandemie? „BUILDING BACK BETTER“ muss die Devise sein. In Politik und Wirtschaft. „Business as usual“ wird nach Corona nicht möglich sein.
Irene Giner-Reichl, Kuratorin unserer China im Blick-Reihe, war von 2012-2017 Österreichs Botschafterin in Peking, seither vertritt sie Österreich in Brasilia. Sie berichtet auch kurz über die Situation Brasiliens. Das Land befindet sich im Spannungsfeld zwischen China als wichtigstem Handelspartner und den USA, deren Präsident Trump für Brasiliens Staatschef Bolsonaro das große Vorbild ist.

 

Auf der Suche nach Europa – online. Kuratiert von Ulrike Guérot

GEDANKEN ZU EUROPA: ERINNERUNGEN FÜR DIE ZUKUNFT

Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, Gründerin des European Democracy Lab
Für das Kreisky Forum hat Ulrike Guérot in insgesamt fünf kurzen Videos Gedanken zu Europa im Lichte der Corona-Krise formuliert. Das neueste dieser Videos – Erinnerungen für die Zukunft – präsentieren wir Ihnen hier.

 

Konzert aus Kreisky Wohnzimmer: THERE´S A PLACE FOR US

Ein musikalischer Beitrag zum Fest der Freude am 8. Mai aus Kreisky’s Wohnzimmer
Am Klavier: Klaus Laczika, Intensivmediziner am Wiener AKH und Musiker

Das mittlerweile traditionelle Fest der Freude am 8. Mai, veranstaltet vom Mauthausen Komitee Österreich im Gedenken an die Opfer von Krieg und Diktatur und die Freude über die Befreiung von der NS-Terrorherrschaft, muss heuer virtuell stattfinden.
Klaus Laczika hat seinen musikalischen Beitrag zum Fest der Freude 2020 in Kreiskys Wohnzimmer aufgezeichnet. Er spannt seinen musikalischen Bogen von Beethoven über Gershwin zu Gulda.

 

Aus Kreiskys Wohnzimmer: FLUCHT UND VERTREIBUNG
8. Mai – Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht

Ruth Wodak, Sprachwissenschaftlerin, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Bruno Kreisky Forums
im Gespräch mit
Ernst Berger, Psychiater, Professor an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien, Autor

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit einer bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Ruth Wodak und Ernst Berger im Gespräch über Vertreibung, Flucht und Exil damals und heute, über „zeitlose Orte“, Warten ohne Perspektive und die Rückkehr in das Land der Täter*innen
Es geht in dem Gespräch einerseits um das Schicksal von Kindern, die nach dem November Progrom 1938 mit den sogenannten Kindertransporten – übrigens von Privatpersonen initiiert, da die große Konferenz von Evian keine Entscheidung treffen konnte -, alleine das Land verlassen konnten, nicht wissend, ob und wann sie ihre Familie wiedersehen würden. Und in Analogie um die vielen unbegleiteten Minderjährigen und Kinder, die im Flüchtlingslager Moria festsitzen und nur in wenigen europäischen Ländern aufgenommen werden. Österreich weigert sich bis heute, auch nur einige wenige aufzunehmen. Sie wissen nicht, wie es um ihre Zukunft steht, der Verlust von Heimat, Sprache, Familie wird ihr Leben bestimmen – und wieder wird eine Generation mit diesen Belastungen und Traumata aufwachsen.
„Nicht in meinem Namen“ ist ein Appell, diese Kinder nach Österreich zu bringen.

 

ARAB CHANGES – online. Kuratiert von Gudrun Harrer

Ulrike Freitag: SAUDIARABIEN IM WANDEL: HOFFNUNGEN UND ÄNGSTE
Einführung: Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens
Video-Statement: Ulrike Freitag, Direktorin des Zentrums Moderner Orient und Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin
Wie sind die jüngsten Entwicklungen in Saudiarabien zu bewerten? Einerseits sind Fortschritte bei Frauenrechten, Reformen im Strafrecht oder Maßnahmen gegen Korruption positive Signale, andererseits steigt der Druck auf Kritiker des Saudi-Herrschers Mohammed bin Salman. Gudrun Harrer und die deutsche Islamwissenschaftlerin Ulrike Freitag über Hoffnungen und Ängste vor konservativen Rückschritten und brutaler Repression in Saudiarabien.

 

CoronaCast mit Isolde Charim: Demokratische Politik im Krisenmodus

Demokratische Politik im Krisenmodus bedeutet nicht Konsens, sondern Entscheidung. Wir erfahren jetzt ganz deutlich, dass auch Politik auf roher Macht beruht. Dass sie als Macht wirkt, auftritt und vor allem entscheidet. Auch über Leben und Tod. Viele sehen darin ein mögliches Einfallstor für eine autoritäre Verfestigung. Deshalb muss gerade jetzt die Verfassung gewahrt werden. Es muss Kontrolle geben, damit die nackte Macht wieder eingefangen wird. Die Ausnahmesituation darf nicht zum Ausnahmezustand werden.

 

ARAB CHANGES online. Curated by Gudrun Harrer
Thomas Hegghammer: TRACING THE ROOTS OF GLOBAL JIHAD

Introduction: Gudrun Harrer, Author, Senior Editor, Der Standard
Video-Statement:Thomas Hegghammer, Senior Research Fellow at the Norwegian Defence Research Establishment (FFI) and Adjunct Professor of Political Science at the University of Oslo

For nearly two decades, al-Qaida and the Islamic State have held the world’s attention with spectacular acts of violence. But where does jihadism come from and why did it emerge when it did?
Thomas Hegghammer is a Middle East specialist who has worked on militant Islamism since before 9/11. He is the author of many articles and several books on militant Islamism, including Jihad in Saudi Arabia (Cambridge, 2010) and Jihadi Culture (Cambridge, 2017). In his new book The Caravan: Abdallah Azzam and the Rise of Global Jihad (Cambridge, 2020, ISBN 9780521765954), Thomas Hegghammer returns to the 1970s and 1980s in search of the roots of the transnational jihadi movement. The book centers on Abdallah Azzam, the Palestinian cleric who led the mobilization of Arab fighters to Afghanistan in the 1980s. Known as „Bin Laden’s Mentor“ and „the Godfather of Jihad“, Azzam played a crucial role in the internationalization of jihadism before being assassinated by unknown perpetrators in 1989.
In his video-statement, Thomas Hegghammer gives a short presentation. We hope to be able to welcome him personally at Bruno Kreisky Forum in autumn.

 

ES IST EIN GUTES LAND – Online. Kuratiert von Wolfgang Maderthaner
Wolfgang Maderthaner/Manfred Matzka: DIE REPUBLIK UND IHRE VERFASSUNG

Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der ArbeiterInnenbewegung
im Gespräch mit
Manfred Matzka, Verfassungs- und Verwaltungsrechtler, ehemaliger Sektionschef der Sektion I im Bundeskanzleramt, 2019 Sonderberater der Bundeskanzlerin, Verfasser zahlreicher juristischer und nicht-juristischer Publikationen

Krisen machen Regierungen stärker, schnelles Handeln ist gefragt. Doch das erhöht die Verantwortung, das demokratische Element ernst zu nehmen und das Parlament stark sein zu lassen. In einer Krise wie der momentanen kontrollieren Medien kaum, außerparlamentarische Aktivitäten können kaum stattfinden, die Kultur wird zurück genommen. Umso wichtiger ist es, dass die Maßnahmen nicht mit Erlässen sondern unter Wahrung der Grundrechte vom Parlament als Gesetze beschlossen werden. Handwerk und die Präzision des Managements sind gefragt.
Anlässlich des 75. Jahrestages der Gründung der Zweiten Republik am 27, April 2020 haben Wolfgang Maderthaner und Manfred Matzka im Wohnzimmer des Kreisky Forums ein Gespräch über die Bedeutung der Verfassung in Krisenzeiten geführt.
Wir danken Friedel Hans, ehem. technischer Leiter beim ORF, für Aufzeichung und Schnitt des Gesprächs.

 

Philoxenia CoronaCast: Tessa Szyszkowitz and Avivah Wittenberg-Cox

Why are female leaders particularly good at managing the Coronacrisis? Tessa Szyszkowitz talks to Avivah Wittenberg-Cox
Her recently published article on FORBES, „What do countries with the best coronavirus reactions have in common? Women Leaders“ is very worth reading.

Avivah Wittenberg-Cox is a French-Canadian-Swiss author, coach and the CEO of 20-first, a global gender-balance consultancy. She works with the management of companies to achieve real gender balance by reframing the issue: on leadership, culture and systems. She has written a number of books, including „Seven Steps to Leading Gender-Balanced Businesses,“ and „Why Women Mean Business: Understanding the Emergence of Our Next Economic Revolution.”

 

RUTH WODAK ÜBER POLITISCHE INSZENIERUNG IN CORONA ZEITEN

Ruth Wodak ist emeritierte Professorin für Diskursforschung an der Universität Lancaster und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Kreisky Forums.
Sie konstatiert: Mit der Corona Krise ist Wissenschaft wieder gefragt. Inhalte sind wichtig geworden. Und es geht um Fakten.
Wie allerdings gelingt es, die Bevölkerung zu überzeugen, sich an neue Regeln anzupassen, die sie bisher nicht gewohnt war? Dabei ist die Inszenierung der politischen Kommunikation ausschlaggebend. Und diese Inszenierung kann jeweils sehr unterschiedlich sein.

 

HEINZ FISCHER ÜBER DIE ÄRA KREISKY

Am 21. April 1970 – also vor genau 50 Jahren – wurde SPÖ-Vorsitzender Bruno Kreisky von Bundespräsident Franz Jonas zum Bundeskanzler der Republik Österreich ernannt. Das „Kabinett Kreisky I“ konnte mit seiner Arbeit beginnen. Zunächst als Minderheitsregierung und ab den nächsten Wahlen vom Oktober 1971 von den Wählerinnen und Wählern mit einer absoluten Mehrheit ausgestattet.
13 Jahre sollte Bruno Kreisky Regierungschef bleiben: eine Zeit der Öffnung des Landes, vieler weitreichender Reformen und einer aktiven Außenpolitik.
Heinz Fischer, über viele Jahre Weggefährte Bruno Kreiskys, erinnert in einem Video an die besonderen Momente vor 50 Jahren und die Regierungszeit von Bruno Kreisky.

 

CORONACAST MIT ROBERT MISIK: ÖSTERREICH IN DER KRISE

Österreich, wie viele andere, steckt mitten in einer Gesundheitskrise. Und Österreich, wie viele andere, steckt mitten in einer ökonomischen Krise. Erste Lockerungen der Regierungsmaßnahmen sind erfolgt, einzelne Geschäfte und Betriebe haben wieder geöffnet. Trotzdem wird es aus dieser Wrtschaftskrise auf absehbare Zeit für alle keinen raschen Ausweg geben. Und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Robert Misik zählt sie hier auf.

 

Ulrike Guérots Gedanken zu Europa in der Krise – DIE EU-ZUKUNFTSKONFERENZ

Am 9. Mai 2020 sollte der Startschuss für eine große, auf zwei Jahre angelegte Konferenz über die Zukunft der Europäischen Union erfolgen – und zwar im Austausch in Diskussionsforen mit europäischen Bürgerinnen und Bürgern in allen Mitgliedsländern. Der Beschluss dazu fiel am 4. Dezember 2019 im Europäischen Parlament.
Ob und wann dieser Prozess aufgrund der aktuellen Krise beginnen wird, ist offen. Es wäre jedenfalls eine reelle Chance, eine europäsiche Demokratie aufzubauen, in der die Entscheidungen nicht vom Europäischen Rat, sondern von den europäischen Bürgerinnen und Bürgern getroffen werden – mit einer neuen und starken Parlamentarisierung des europäischen Systems.

 

Ulrike Guérots Gedanken zu Europa in der Krise – AUSSETZUNG DER GRUNDRECHTE

Im Vertrag von Maastricht wurden im Jahr 1992 die Grundrechte der Unionsbürger*innen festgelegt. Durch die Entwicklungen in der aktuellen Krise sind diese Rechte de facto außer Kraft gesetzt. Wir können in Europa nicht mehr frei reisen, müssen an den Grenzen wieder unsere Pässe vorzeigen und dürfen mit einem deutschen Pass nicht mehr nach Frankreich einreisen. In unserer originärsten Defintion von Bürgerschaft sind wir derzeit keine europäischen Bürgerinnen und Bürger mehr.

 

Ulrike Guérots Gedanken zu Europa in der Krise – FEHLENDE RECHTSGLEICHHEIT DER EUROPÄISCHEN BÜRGER*INNEN

Die EU ist eine Rechtsgemeinschaft und hat immer als solche funktioniert. In der jetzigen Krise zeigt sich aber, dass es die Rechtsgleichheit der europäischen Bürgerinnen und Bürger in ihrer politischen Eigenschaft nicht gibt. Die Grenzen werden geschlossen. Und die Bürgerinnen und Bürger werden massiv nach ihrer Nationalität diskriminiert.
Europa kann so weder funktionieren noch souverän sein. Die nächste Stufe nach dem Binnenmarkt und dem EURO muss die Rechtsgleichheit der europäischen Bürgerinnen und Bürger in allen ihren bürgerlichen und politischen Belangen sein, damit in Europa in Zukunft nicht mehr nach Nationalität unterschieden wird. Dieses Freiheitsrecht muss verteidigt werden.

 

Ulrike Guérot ist Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau Universität Krems. Im Kreisky Forum kuratiert sie die Reihe AUF DER SUCHE NACH EUROPA und spricht mit ihren Gästen über politische Utopien für ein dezentrales, demokratisches, nachhaltiges und soziales Europa. In der aktuellen Krise vermisst sie europäische Solidarität. Solidarität und Souveränität gehören für sie hierbei zusammen. Gibt es keine europäische Souveränität, dann gibt es auch keine europäische Solidarität.

 

Hanno Loewy ist Direktor des Jüdischen Museums Hohenems. Im Kreisky Forum kuratiert er die Reihe GRENZEN.
Auch in einer globalisierten Welt werden permanent neue Grenzen und Mauern errichtet – manche sind weithin sichtbar, andere werden durch Sprachtests oder biometrische Verfahren gezogen.
In der aktuellen COVID 19 Krise sind Grenzen präsenter denn je. Es werden nicht nur Grenzen innerhalb der Europäischen Union geschlossen. Auch auch wir selbst sollen Abstand voneinander nehmen und uns distanzieren. Gerade das zeigt uns auf, wie wichtig Zusammenhalt und Solidarität sind.

 

Isolde Charim ist Philosophin und Autroin. In ihrer Reihe DEMOKRATIE RELOADED widmet sie sich jenen Phnänomenen, die unsere Demokratie in Frage stellen.
Mit ihren Gesprächspartner*innen analysiert Charim die gegenwärtigen Entwicklungen – nicht als Krise der Demokratie, sondern als „Zerfall der Ordnungen“, als neue gesellschaftliche Spaltung, die in den unterschiedlichsten Bereichen schlagend wird: im Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft, in Bezug auf die neue Mediensituation, die Religionen und die Thematik, die mit den Flüchtlingsbewegungen aufgetreten ist.

 

Gudrun Harrer ist Autorin und leitende Redakteurin bei der Tageszeitung „Der Standard“. Seit 2011 kuratiert sie die Reihe ARAB CHANGES. Mit ihren Gästen spricht sie über verschiedene Aspekte und Entwicklungen in der arabischen Welt, im Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika und des Islams.
Zur aktuellen Situation meint sie: „Ich selbst bin ziemlich in Sorge über meine Region. Sie können sich alle vorstellen wie es ist, wenn eine Krankheit wie Covid-19 auf völlig darniederliegende Gesundheitssysteme trifft wie zum Beispiel im Jemen, in Libyen oder in Syrien.“

 

Seit 15 Jahren kuratiert der Journalist und Autor Robert Misik im Kreisky Forum die Reihe GENIAL DAGEGEN.
Mit Gästen aus Nah und Fern spürt er diesen Fragen nach:
Was macht der soziale Wandel mit unserer Gesellschaft – und wie strukturiert er die Arbeitsgesellschaft der Zukunft?
Was sind die intellektuellen Grundlagen und praktischen Vorschläge einer linken Wirtschaftspolitik, die in Zukunft ökonomische Gleichheit, Wohlstand für alle und mehr Sicherheit garantieren will?
Und welche politischen Kräfte können in Zukunft Motor dafür sein, die Gesellschaft zu verbesern und voran zu bringen?

 

Tessa Szyszkowitz ist Historikerin, Journalistin und Autorin. Im Kreisky Forum für Internationalen Dialogkuratiert sie die Reihe PHILOXENIA. Das Wort bedeutet Liebe zum Fremden – oder auch: Gastfreundschaft. Besonders in Zeiten, in denen populistische Bewegungen Erfolge verbuchen können, ist Philoxenia von großer Wichtigkeit. Denn es braucht Alternativen zu Angst, Ablehnung und Ausschließung als treibende Kräfte politischer Prozesse. Nur so können Antworten auf die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gefunden werden.

 

Philipp Blom ist ein deutscher Schriftsteller, Historiker, Journalist und Übersetzer. Im Kreisky Forum kuratiert er die Reihe ZERRISSENE JAHRE.
Wie zerrissen sind unsere Gesellschaften? Entlang welcher Linien sind sie zerrissen? Und welche Strategien kann es geben, diese Risse zu heilen?