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JEFFREY SACHS in conversation with Robert Misik
BIDENOMICS

One hundred days into the tenure of the Presidential office, US President Joe Biden has tabled a set of ambitious and progressive policies. In concretu, the Biden Administration has put forward a $ 1.9 trillion economic stimulus program to fight the post-pandemic crisis and is promising higher minimum wages and family support. It has assigend more than $ 4 trillion to modernise the country´s ailing infrastructure, has set out to promote re-industrialization, and has made a call to push climate change research and climate action. Biden´s determination for change has led some commentators to draw comparisons with the New Deal under the legendary presidency of Franklin D. Roosevelt.
Having these programs approved in a divided Senate will certainly not be an easy ride for President Biden. However, the paradigm shift in the political and economic debate is already undeniably evident; To he extent that one might argue that the political argumentation put forward by some economists in America appears more “left” than the current economic debate in Europe. In his “State of the Union” speech, Joe Biden articulated his vision of a society that should be stabilized “from below and from the center”. It appears the Biden Adminstration is ready to take on the ideological battle that is now required turn this vision into a reality.
In this talk, Jeffrey Sachs, one of the world´s leading economists, will analyze “Bidenomics”, the extent to which America will see a course of action under President Biden and provide his assessment whether the new president has a chance to realize his radical program.

Jeffrey Sachs is a world-renowned American economist, academic, public policy analyst. He serves as the Director of the Center for Sustainable Development at Columbia University, where he holds the title of University Professor. Jeffrey Sachs is one of the world’s most prominent voices on economic development and the fight against global poverty and President of the UN Sustainable Development Solutions Network. Sachs has authored and edited numerous books, including three New York Times bestsellers: The End of Poverty (2005), Common Wealth: Economics for a Crowded Planet (2008), and The Price of Civilization (2011), and most recently, The Ages of Globalization: Geography, Technology, and Institutions (2020). He was twice named among Time magazine’s 100 most influential world leaders and has received 35 honorary degrees.

Robert Misik, Author and Journalist

ZOOM Talk, recorded September 13, 2021

Robert Misik im Gespräch mit MANFRED MATZKA, GERD VALCHARS UND NURTEN YILMAZ:
STAATSBÜRGERSCHAFTSRECHT UND INTEGRATION

Etwa über die Frage des Zugangs zur österreichischen Staatsbürgerschaft. Rund 1,5 Millionen ausländischer Bürger und Bürgerinnen leben in Österreich, mehr als 16 Prozent der Wohnbevölkerung. Das ist teilweise ein Gerechtigkeitsproblem, denn der Zugang zur Staatsbürgerschaft ist für die Reichen leichter, für die Armen schwerer, es ist aber auch ein Demokratieproblem. Wir haben eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, in jenen gespalten, die mitbestimmen dürfen und jene, über die nur bestimmt wird. Mehr als eine Viertelmilliarde Menschen leben heute weltweit als „Ausländer“ ohne Staatsbürgerschaft in dem Land, in dem sie ihren Lebensmittelpunkt haben. Nur sieben von 1000 Ausländerinnen und Ausländern werden regelmäßig eingebürgert, damit Österreich sterben rote Laterne unter den modernen Demokratien, selbst die restriktive Schweiz schafft mehr als das Doppelte.
580.000 Österreicher und Österreicherinnen leben ihrerseits im Ausland, und haben damit dasselbe Problem, dass sie nur minimale demokratische Mitbestimmungsrechte in den Ländern haben, in denen sie leben. Die hohen juristischen und bürokratischen Hürden zum Zugang zur Staatsbürgerschaft müssen reduziert werden, aber auch doppelte Staatsbürgerschaften dürfen kein Tabu bleiben, wenn wir keine Zwei-Klassen-Demokratie zulassen wollen.

Manfred Matzka, Präsidialchef des Bundeskanzleramts a. D.
Gerd Valchars, Politikwissenschaftler, Univ. Wien
Nurten Yilmaz, Abgeordneter zum Nationalrat, Bereichssprecherin für Integration im SPÖ-Parlamentsklub
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 9. September 2021
Technische Produktion Maximilian Hofko

 

Helmut Konrad im Gespräch mit Wolfgang Maderthaner
DAS PRIVATE IST POLITISCH
Eine republikanische Geschichtsstunde über Marianne und Oscar Pollak

Selten haben zwei Menschen eine Bewegung, ein Land, eine Zeit so sehr geprägt wie die Journalistin Marianne und der Journalist Oscar Pollak. Selten finden sich auch Lebensläufe, in denen das Private so sehr vom Politischen – von politischen Überzeugungen und deren Vermittlung – durchsetzt war. Die beiden prägten den österreichischen Journalismus der Zwischen- und Nachkriegszeit, Marianne Pollak als eine der ersten sozialistischen Nationalratsabgeordneten, die sich nicht nur für die Frauenrechte, sondern auch für das Recht auf Abtreibung engagieren, und als Chefredakteurin der Frau, Oscar Pollak als langjähriger Chefredakteur des Zentralorgans der SPÖ, der Arbeiter-Zeitung. Helmut Konrads Doppelbiografie zeichnet nicht nur das Leben und Wirken der beiden nach, sondern wirft auch einen Blick auf den Umgang der Sozialistischen Partei mit Emigrantinnen und Emigranten.
Eine umfassende politische Doppelbiografie zweier wegweisender österreichischer Persönlichkeiten und damit ein Kapitel der Geschichte der frühen Jahre der Zweiten Republik.

Moderation: Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Helmut Konrad, 1948 geboren, war 1993 bis 1997 Rektor der Karl-Franzens-Universität Graz und Leiter des dortigen Instituts für Geschichte. Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, zur politischen Geschichte der Ersten Republik und zur Alltagsgeschichte. Zahlreiche Veröffentlichungen. Im Picus Verlag erschien 2019 in der Reihe Wiener Vorlesungen als Band 193 gemeinsam mit Gabriella Hauch »Hundert Jahre Rotes Wien«. Die Doppelbiografie »Das Private ist politisch. Marianne und Oscar Pollak« erscheint im Herbst 2021.

In Kooperation mit dem PICUS Verlag

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 9. September 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

GUDRUN HARRER IM GESPRÄCH MIT MAGDALENA KIRCHNER
AFGHANISTAN – WIE GEHT ES WEITER?

Parallel zum Abzug der US- und NATO-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban, die vor 20 Jahren als Reaktion auf die Al-Kaida-Anschläge in den USA gestürzt wurden, wieder die Macht ergriffen. Die afghanische Armee hat ihnen nichts entgegengesetzt. Noch sind die Vorstellungen vage, wie das neue „Islamische Emirat Afghanistan“ der Taliban aussehen könnte. Aber ihre Rückkehr bedeutet nicht nur eine Zeitenwende für Afghanistan selbst – und eine akute Gefährdung für jene Afghanen und Afghaninnen, die mit den ausländischen Kräften zusammengearbeitet haben -, sondern für das Machtgefüge der gesamten Region.

Magdalena Kirchner, Politologin, Büroleiterin Friedrich-Ebert-Stiftung in Afghanistan
Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien

ZOOM Livetalk
8. September 2021

 

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT HELENE KLAAR
FÜR LIEBE BIN ICH NICHT ZUSTÄNDIG

„Von Beruf bin ich Rechtsanwalt, Feministin sein ist mein Hobby, aber es deckt sich natürlich zu einem gewissen Bereich.“

Helene Klaar, die Tochter eines Anwaltes, der 1947 aus der Emigration nach Wien zurückgekehrt war, schloss ihr Studium der Rechtswissenschaften 1972 mit der Promotion ab und übernahm 1976 die Kanzlei ihres pensionierten Vaters.
Zu den Scheidungsangelegenheiten kam sie eher per Zufall: „Wer wollte sich schon in den 1970ern von einer jungen Frau in Rechtssachen beraten lassen?“ Also nahm sie die Klient*innen, die sie kriegen konnte: arme Frauen. Seit über 40 Jahren vertritt sie – insbesondere, aber nicht ausschließlich Frauen – in Scheidungsverfahren. 1982 wurde sie von Frauenministerin Johanna Dohnal mit dem Verfassen eines Scheidungsratgebers für Frauen zum damals neuen Familienrecht beauftragt, der sich ab Erscheinen großer Beliebtheit erfreute und seither in mehreren aktualisierten Auflagen erschien.
Sie ist dafür bekannt, ihren Mandant*innen von der Scheidung abzuraten, wenn ihre Lage nicht unerträglich ist. „Für Männer ist die Scheidung ein finanzielles Problem. Für Frauen ein existenzielles“, ist sie überzeugt. „Besser eine Ehe ohne Liebe als eine Scheidung ohne Geld“, lautet einer ihrer Leitsprüche.
2004 erhielt Helene Klaar den Wiener Frauenpreis für ihre „besonderen Verdienste um Frauen im Scheidungsfall“ und 2019 den Frauen-Lebenswerk-Preis. 2020 wurde sie mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien für ihr Engagement beim Verein Wiener Frauenhäuser ausgezeichnet, wo sie seit vielen Jahren im Vorstand aktiv war.
Robert Misik, Autor und Journalist

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 7. September 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Gideon Levy in conversation with Alexandra Föderl-Schmid
HAS ISRAEL CROSSED A LINE?

Israel has controlled the West Bank for over 50 years. How has the country changed as a result? The award-winning Israeli journalist Gideon Levy (Tel Aviv), who has been writing for the daily „Haaretz“ since 1982, warns about „apartheid“ against the Palestinians.

Gideon Levy is a Haaretz columnist and a member of the newspaper’s editorial board. Levy joined Haaretz in 1982, and spent four years as the newspaper’s deputy editor. He was the recipient of the Euro-Med Journalist Prize for 2008; the Leipzig Freedom Prize in 2001; the Israeli Journalists’ Union Prize in 1997; and The Association of Human Rights in Israel Award for 1996. In 2016 Gideon Levy won the Olof Palme Prize, shared with Palestinian pastor Mitri Raheb, for their „fight against occupation and violence.
In 2021, Levy was awarded Israel’s top journalism award, the Sokolow Prize. In its citation, the prize committee wrote that Levy „presents original and independent positions that do not surrender to convention or social codes, and in doing so enriches the public discourse fearlessly.

Alexandra Föderl-Schmid has been deputy editor-in-chief since July 2020. Before that, she was a correspondent for Israel and the Palestinian Territories. She moved to Süddeutsche Zeitung in 2017, before that she was editor-in-chief for ten years and later also co-editor of the Austrian daily newspaper Der Standard and the news portal derStandard.at. She studied journalism, political science and history and did her doctorate on the dual broadcasting system in Germany; she was also a Reuters / APA Geiringer Fellow in 2005 and is on the board of the Reuters Institute for the Study in Journalism in Oxford. She was awarded the Austrian Kurt Vorhofer Prize for Political Journalism, the Constitution Prize and the Ari Rath Prize. In addition, she played a key role in the re-establishment of the Press Council in Austria.

Recorded on June 21, 2021 at Kreisy Forum
Technical production:: Maximilian Hofko

 

Thomas Seifert im Gespräch mit Rubina Möhring:
JOURNALISMUS ALS DER ERSTE ENTWURF VON GESCHICHTE

Thomas Seifert ist vielen Leserinnen und Lesern als außenpolitischer Experte und Wirtschaftsfachmann bekannt. Der heutige stellvertretende Chefredakteur der Wiener Zeitung war zuvor für News, aber auch Welt am Sonntag und Sunday Telegraph als Reporter in zahlreichen Krisenregionen der Welt unterwegs und hat beeindruckende Berichte verfasst: sei es im Jahr 2000 aus der Ebola Station des Spitals in Gulu, Uganda, oder aus Sierra Leone über Kindersoldaten oder über den Krieg in Tschetschenien. Mutig und engagiert berichtete er aus Afghanistan und 2003 aus dem Irak-Krieg in Mitten des US-Bombardements.
Immer stellt Seifert neben der Gesamteinschätzung der Krisensituation das Schicksal der betroffenen Menschen ins Zentrum seiner Artikel, Berichte und Kommentare. Dem ist auch hinzuzufügen, dass er immer die menschliche Perspektive der von Kriegen, Flucht und Vertreibungen und Naturkatastrophen geplagten Individuen hervorhebt, und damit den Verfolgten in dieser Welt eine Stimme verleiht.
Rubina Möhrng ist Präsidentin von REPORTER OHNE GRENZEN.
Am 21. Juni 2021 wurde Thomas Seifert im Bruno Kreisky Forum mit dem Ari Rath Preis für kritischen Journalismus ausgezeichnet.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 21. Juni 2021
Technische Produktion: Maximilia Hofko

 

Ari Rath Preise für kritischen Journalismus 2021 an Thomas Seifert und Gideon Levy

Begrüßung: Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., Gründungs- und Ehrenpräsident des Kreisky Forums
Begründung der Jury: Gertraud Borea d’Olmo, Generalsekretärin des Kreisky Forums

Preisträger: Thomas Seifert, stv. Chefredakteur Wiener Zeitung
Laudator: Oliver Rathkolb, Univ.-Prof. am Institut für Zeitgeschichte der Universität WieN

Ehrenpreis: Gideon Levy, Kolumnist und Mitglied der Redaktion der Tageszeitung Ha’aretz
Laudatorin: Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredakteurin Süddeutsche Zeitung

Musik: Isabel Frey, Yiddish singer and social justice activist

Mit freundlicher Unterstützung von Wien Energie

Aufgezeichnet am 21. Juni 2021 im Kreisky Forum
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Nathalie Luftensteiner im Gespräch mit Ilkim Erdost, Rihab Toumi und Nadine Cobbina
WEM GEHÖRT DIE STADT?

Nathalie Luftensteiner diskutiert gemeinsam mit Ilkim Erdost, Rihab Toumi und Nadine Cobbina über die Bedeutung des öffentlichen Raums in Wien. Nach 1,5 Jahren Corona-Pandemie können wir eine Wiederaneignung öffentlicher Plätze seitens junger Menschen beobachten, die allerdings auch mit einer sukzessiven Vertreibung und Einschränkung einhergeht. Wie erlebt die „Corona-Jugend“ die Stadt, was bedeuten konsumfreie Räume in pandemischen Zeiten und warum polarisiert es dermaßen, wenn junge Menschen öffentlich zugängliche Plätze wieder für sich entdecken? Die vergangenen 1,5 Jahre Corona-Pandemie werden aus der Perspektive junger Menschen rekapituliert. Außerdem sprechen die Diskutantinnen darüber, was nötig ist, um den Bedürfnissen der oft ungehörten Jugend, gerecht zu werden.

Nadine Cobbina, freie Journalistin, Medienfachfrau, Mitbegründerin der IG Clubkultur
Ilkim Erdost, Geschäftsführerin der Wiener Jugendzentren
Nathalie Luftensteiner, Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog
Rihab Toumi, Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Wiens

Aufgezeichnet am 22. Juni 2021 im Kreisky Forum
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

ELISABETH SCHARANG IM GESPRÄCH MIT BETINA AUMAIR UND ESRA ÖZMEN
VERERBTE BILDUNGSCHANCEN. WIE DIE SOZIALE HERKUNFT UNSER LEBEN PRÄGT

Dass es für den sozialen Aufstieg in Österreich viel mehr braucht als Leistung, thematisiert das Buch „Klassenreise.“ Die soziale Selektion des Bildungswesens ist längst statistisch erfasst. Nur 15% aus einkommensschwachen Familien schaffen es von unten nach oben. Doch was bedeutet dieser Aufstieg für Menschen aus (Gast)arbeiterfamilien? Durch Entfremdung vom alten sozialen Umfeld und Klassismus in einer neuen Welt, die nicht für sie gemacht zu sein scheint, werden Zugehörigkeiten ständig neu verhandelt. Die Reise in ein bürgerliches Milieu ist nicht mit dem formalen Bildungsabschluss beendet. Ein Blick in die Porträts der Klassenreisenden verrät, dass soziales Kapital nicht mit einem Studium erworben wird und wie sozialer Aufstieg von Geschlecht, Migration und Stadt-Land Gefällen geprägt ist.

Elisabeth Scharang diskutiert mit der Autorin Betina Aumair und der Rapperin Esra Özmen über Bildungschancen in Österreich, welche Rolle der Zufall für Menschen aus einkommensarmen Haushalten spielt und was hinter dem Mythos „Aufstieg durch Leistung“ steckt.

Betina Aumair, Schreibpädagogin, Projektleiterin und Gender und Diversity-Beauftrage in der Erwachsenenbildung mit dem Fokus Jugendliche und junge Erwachsene
Esra Özmen, Rapperin, bildende Künstlerin, Performerin, Songwriter, Kulturarbeiterin, Workshopleiterin in Rap/Gesang/Reimen/Texten
Elisabeth Scharang, freischaffende Filmemacherin, Drehbuchautorin und Journalistin in Wien

TIPP:
Klassenreise. Wie die soziale Herkunft unser Leben prägt
von Betina Aumair Brigitte Theißl
ÖGB-Verlag, 2020

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 11. Juni 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Robert Misik im Gespräch mit Sighard Neckel
KONFLIKTE UM NACHHALTIGKEIT

Nachhaltigkeit, also die Umsteuerung in Richtung Dekarbonisierung und der Kampf gegen den Klimawandel, eröffnen unzählige neue Felder von Konflikten. Wer trägt die Hauptlasten, wer muss zahlen, wer muss verzichten? Dabei geht es um gesellschaftliche Auseinandersetzungen und ideologische Muster, man denke nur an die Forderung, „verantwortungsvolle Konsumentinnen und Konsumenten“ sollten die ökologischen Probleme möglichst durch ihre Entscheidungen beim Einkauf lösen. Es geht aber auch um ganz handfeste ökonomische und verteilungspolitische Fragen, etwa, wie Maßnahmen aufgesetzt werden können, die vor allem den Wohlhabenden Verzicht abverlangen, ohne das Leben für einkommensärmere Bevölkerungsteile zu erschweren. Was sind hier die richtigen Formen? Eine CO-2-Steuer? Wie muss sie ausgestaltet sein, dass primär jene zahlen, die einen größeren ökologischen Fußabdruck haben? Oder ist „steuern durch Steuern“ sowieso der falsche Weg und es muss einfach mit Regeln und Verboten operiert werden? Sozialökologische Transformation darf kein Projekt selbstgerechter Gesinnungsethik sein, Nachhaltigkeit muss im Gegenteil als kollektives Gut gedacht werden, das den Schwächsten und Ärmsten nützen muss. Etwaiger Verzicht sollte den Wohlhabenden und Reichen auferlegt werden, und die Transformation darf nicht primär auf individuellen Konsum setzen, sondern auf massive Investitionen in Infrastruktur, Technologie usw.

Sighard Neckel, geb. 1956 in Gifhorn, ist Professor für Gesellschaftsanalyse an der Universität Hamburg. Er hatte nach dem Studium der Soziologie, Rechtswissenschaften und Philosophie in Bielefeld und an der FU Berlin Professuren in Siegen, Wuppertal, Gießen, Wien und Frankfurt.
Unter seinen jüngsten Büchern sind die 2020 von ihm mitherausgegebenen Bände „Gesellschaftstheorie im Anthropozän“ und „Imaginationen von Nachhaltigkeit. Katastrophe. Krise. Normalisierung“ (beide bei Campus).

Robert Misik, Autor und Journalist

ZOOM Live, aufgezeichnet am 29. Juni 2021

 

Walter Posch im Gespräch mit Guido Steinberg
DSCHIHADISMUS IN ÖSTERREICH
EINE GEFÄHRLICHE SZENE MIT GROSSER IDEOLOGISCHER STRAHLKRAFT

Im Jahr 2020 wurde deutlich, dass die von Organisationen wie dem Islamischen Staat (IS) und al-Qaida ausgehende Gefahr von Terrorattacken nicht gebannt ist. Dass auch Europa weiterhin im Visier dieser Organisationen bleibt, zeigten die Anschläge in Österreich und Frankreich. Im Rahmen einer konsekutiven Studienreihe der Konrad Adenauer Stiftung mit dem Titel Islamistischer Terrorismus in Europa analysieren renommierte Experten die dschihadistische Bedrohungslage sowie die entsprechenden Bekämpfungsstrategien und die politische Debatte in verschiedenen Ländern. Guido Steinberg hat Österreich unter die Lupe genommen, das im November 2020 in Wien den schwerwiegendsten islamistischen Terroranschlag seiner Geschichte erlebt hat. In diesem Gespräch mit Walter Posch präsentiert und diskutiert Guido Steinberg seine Erkenntnisse.

Guido Steinberg, Islamwissenschafter und Autor, Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin
Walter Posch, Senior Fellow Institute for Peace Support and Conflict Management (IFK)

ZOOM Live, aufgezeichnet am 24. Juni 2021

 

Rudolf Scholten im Gespräch mit Ercan Nik Nafs
DER WIENER JUGENDANWALT
Über Extremismusprävention und Demokratieförderung

Der Aufgabenbereich des Kinder- und Jugendanwalts ist breit gefächert. Er umfasst sämtliche Kinderrechtsthematiken im Bildungsbereich sowie der außerschulischen Jugendarbeit. Ebenso gehören Themenbereiche wie der Jugendschutz, das Monitoring von Haftanstalten, Gewaltprävention, Jugenddelinquenz, Kriminalität, Gerichtsbarkeit, Religion und Umwelt zum Sachgebiet des Kinder- und Jugendanwalts. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Kinder- und Jugendanwalts stellt darüber hinaus die Extremismusprävention sowie die Förderung der Demokratiekultur im Rahmen des Wiener Netzwerks Demokratiekultur und Prävention dar. Mit welchen gesellschaftlichen Massnahmen Kinder und Jugendliche in Österreich vor Extremismus geschützt werden, darüber spricht Rudolf Scholten mit dem Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs.

Ercan Nik Nafs studierte Politikwissenschaft und war viele Jahre im Bereich der Jugendarbeit tätig. Er ist seit 2014 Kinder- und Jugendanwalt der Stadt Wien.
Rudolf Scholten, Präsident des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog

Aufgezeichnet am 10. Juni 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Raimund Löw im Gespräch mit John Kornblum und Eva Nowotny
WAS TUN WIR MIT EUROPA?
in Kooperation mit FALTER und W 24

Bei seiner ersten großen außenpolitischen Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2021 deutete Präsident Biden an, dass zu viel Harmonie mit Europa den USA nicht dienlich wäre. Biden schien direkt zu Merkel und Macron zu sprechen und stellte Europa vor eine Herausforderung: „Hört auf mit den Hirngespinsten über die „strategische Souveränität“ von Amerika, stärkt die zunehmend dysfunktionale Diplomatie und helft dabei, den Westen unter amerikanischer Führung zu stützen. Meine Regierung wird ihren Teil tun, aber ihr müsst auch euren tun.“
In den vergangenen Tag, bei seiner ersten Europa-Reise als US-Präsident, die ihn nach Großbritannien zum G7-Gipfel, nach Brüssel zum NATO-Gipfel und zu Gesprächen mit EU-Vertretern und nach Genf zum Treffen mit Russlands Präsident Putin geführt hat, sind Bidens Vorstellungen und Erwartungen deutlicher geworden.
Wie werden sich die transatlantischen Beziehungen in den kommenden Jahren gestalten? Welche konkreten Erwartungen haben Biden und seine Administration an Europa und wie geht Europa damit um?
Raimund Löw hat darüber zu Beginn von Bidens Europa-Reise mit dem amerikanische Außenpolitik-Experten John Kornblum gesprochen und zu deren Ende mit unserer Transatlantica-Kuratorin Eva Nowotny.

John Christian Kornblum ist ein pensionierter amerikanischer Diplomat und ehemaliger Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank Lazard.
Eva Nowotny, Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums, Diplomatin i.R., Vorsitzende des Universitätsrates der Universität Wien
Raimund Löw, Historiker und Journalist, Direktor „Falter Radio“ und früherer ORF Korrespondent

Sendung vom 17. Juni 2021

 

Robert Misik im Gespräch mit Finanzstaatssekretär Wolfgang Schmidt
„Wohin geht Deutschland?“

In einer der heikelsten Phasen der Nachkriegsära geht in Deutschland eine Epoche zu Ende: Angela Merkel tritt als Bundeskanzlerin ab, und bei der Bundestagswahl im September könnte das gesamte politische System im gewichtigsten Land der Europäischen Union durchgewirbelt werden. Gegenwärtig liefern sich Grüne und Union einen Zweikampf an der Spitze, die SPD will aus dem Duell noch einen Dreikampf machen. Das allein wäre schon historisch: Dass erstmals drei Parteien die realistische Aussicht auf den Spitzenplatz haben. Und das alles in einem politischen Gesamtumfeld, in dem sich in der Europäischen Union ein wirtschaftspolitischer Paradigmenwechsel anbahnt, weg von neoliberalen Konzeptionen, hin zu modernen Wohlfahrts- und Gleichheitskonzeptionen.
Der Sozialdemokrat Wolfgang Schmidt, Staatssekretär im deutschen Bundesfinanzministerium, ist eine Zentralfigur in all diesen Thematiken: als engster Vertrauter des SPD-Kanzlerkandidaten kann er erzählen, wie die Sozialdemokratie in diesem Wahlkampf noch einmal zurück ins Rennen um Platz eins kommen wollen, und als wesentlicher Architekt einer neuen EU-Wirtschafts- und Finanzpolitik kann er darüber Auskunft geben, wie man Schritt für Schritt einen Kurswechsel hinbekommt.

Wolfgang Schmidt (* 23. September 1970 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD) und Jurist. Er ist seit März 2018 Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen. Von März 2011 bis März 2018 war er Staatsrat der Hamburger Senatskanzlei und Bevollmächtigter der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, bei der Europäischen Union und für Auswärtige Angelegenheiten.
Schmidt ist ein enger Vertrauter und politischer Weggefährte des deutschen Bundesfinanzministers Olaf Scholz (SPD).

Robert Misik, Autor und Journalist

ZOOM Livetalk, 16.6.2021

 

Philipp Blom im Gespräch mit Kapka Kassabova
AM SEE. Reise zu meinen Vorfahren in Krieg und Frieden

Kapka Kassabova folgt am Ohridsee den Spuren ihrer Familie. Wie in Die letzte Grenze (Zsolnay, 2018) reist sie in ihrem neuen Buch, Am See, auf den Weg in den Osten und in ihre eigene Vergangenheit.
Fischer, Hausierer, Witwen, Waisen – Opfer, Täter und jene, denen es gelungen ist, sich aus den Verstrickungen zu befreien. Wie in einem Brennglas werden die Konflikte und Tragödien von Nationalstaaten in jenem Winkel Europas sichtbar, in den uns Kapka Kassabova führt: das zwischen Nordmazedonien, Albanien und Griechenland aufgeteilte Gebiet um den Ohrid- und Prespasee. Es ist verbunden mit ihrer eigenen Familiengeschichte, und so wird aus der Erkundung einer wunderschönen Gegend, ihrer Historie und politischen Verwerfungen eine Reise in die eigene Vergangenheit. Kassabova versteht es, die Zusammenhänge zwischen Topografie und Biografie bloßzulegen und Menschen zum Erzählen zu bringen, deren Schicksale die Zerrissenheit der Jahrhunderte spiegeln.

Kapka Kassabova wurde 1973 in Sofia geboren und lebt heute in den schottischen Highlands. Sie schreibt unter anderen für The Sunday Times, The Guardian und Vogue. Für Die letzte Grenze (Zsolnay 2018) wurde sie mit dem Nayef Al-Rodhan Prize der British Academy ausgezeichnet. Am See ist im März 2021 in der Übersetzung von Brigitte Hilzensauer bei Zsolnay erschienen .

Philipp Blom lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien und schreibt regelmäßig für internationale Zeitschriften und Zeitungen.

ZOOM Live Talk, 15. Juni 2021

 

ELISABETH SCHARANG IM GESPRÄCH MIT CAROLIN EMCKE
WELCHE BEDINGUNGEN MUSS EINE GESELLSCHAFT SCHAFFEN, UM FEMIZIDE ZU VERHINDERN?

Elisabeth Scharang diskutiert mit der Publizistin Carolin Emcke über Strukturen der Misogynie und die
Frage, wie sich Gewalt entlarven und verhindern lässt. Welche Bilder und Begriffe prägen unsere
Vorstellung von Lust und Unlust? Welche Mechanismen greifen, um sexualisierter Gewalt im
öffentlichen Bewußtsein zu verleugnen? In den USA haben sich Frauen im Zuge der #MeToo Bewegung
über Sammelklagen zusammengeschlossen, um sich gegen sexuelle Gewalt, die ihnen im Arbeitsleben
widerfahren ist, zu wehren und die Täter vor Gericht zu bringen. Die Debatte hat die Perspektive auf
sexuelle Übergriffe und die Definition dessen, was gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert wird
verändert; und sie hat eine Welle der offenen Solidarität für Opfer von sexuellen Übergriffen ausgelöst.
Auf welcher Ebene wird diese Diskussion im deutschsprachigen Raum geführt? Die aktuelle öffentliche
Debatte um den Medienmann Wolfgang Fellner und seinen Umgang mit weiblichen Angestellten ist in
Österreich eine seltene Ausnahme. Es scheint, als habe die #MeToo Bewegung Österreich und den
deutschsprachigen Raum lediglich gestreift. Ein Gespräch über das komplexe Geflecht aus Ignoranz,
Verdrängung, Scham, Aggression und Kränkung und über die Fragen: Warum hat #MeToo in Österreich
nicht stattgefunden und warum werden in Österreich als einzigem Land in der EU mehr Frauen als
Männer ermordet?

Carolin Emcke war von 1998 bis 2006 Redakteurin beim „Spiegel“ und als Auslandsredakteurin in
Krisengebieten wie Afghanistan, Pakistan, Kosovo, Iraq, Kolumbien oder dem Libanon unterwegs.
Von 2007 bis 2014 schrieb sie als Autorin und internationale Reporterin für DIE ZEIT . Seit 2014 ist sie freie Publizistin und Kolumnistin bei der “Süddeutschen Zeitung” und “El Pais”.

Elisabeth Scharang, freischaffende Filmemacherin, Drehbuchautorin und Journalistin in Wien

ZOOM Live Talk, 11. Juni 2021

Tessa Szyszkowitz in conversation with Hella Pick
INVISIBLE WALLS
Die ehemalige diplomatische Korrespondentin des “Guardian” über ihr Leben zwischen den Heimaten Wien und London.

35 Jahre lang hat sie für den britischen Guardian die Weltgeschichte begleitet. Fast den gesamten Kalten Krieg hat die Britin, die aus Wien stammte, beschrieben. Die Journalistin hat von JFK bis Michail Gorbatschow die wichtigsten Politiker zwischen Washington und Warschau getroffen und war als eine der ersten Frauen in diesem Job eine stets – auch dank ihrer physischen Größe – herausragende Persönlichkeit.
Jetzt hat Hella Pick ihre Memoiren geschrieben, sie sind diesen Frühling in Großbritannien unter dem Titel Invisible Walls erschienen und haben die 91-jährige Legende des Auslandsjournalismus erneut auf die Bühne britischer Talkshows geholt. Als Kind vor den Nazis aus Wien per Kindertransport nach London geflohen, passte sich die Österreicherin der britischen Kultur so sehr an, dass sie eine der typisch englischen Eigenschaften übernommen hat: die Selbstironie. Sie zieht sich wie ein Leitfaden durch Picks Memoiren, über die sie in einem Live Onlinetalk aus London mit Tessa Szyszkowitz sprechen wird.

Hella Pick urde 1929 in Wien geboren und kam zehn Jahre später mit einem Kindertransport nach London. Nach ihrem Studium wurde Pick erst Afrikakorrespondentin im Magazin “WestAfrika”, ab 1961 arbeitete sie für ”The Guardian”. 35 Jahre lang blieb sie dessen diplomatische Korrespondentin. Danach wechselte sie zu Geroge Weidenfelds “Institute for Strategic Dialogue”. Sie schrieb eine Biografie über Simon Wiesenthal und eines über ihre alte Heimat: “Guilty victim – Austria from the Holocaust to Haider”.
Tessa Szyszkowitz, Historian, Journalist and Author; UK-Correspondent for PROFIL, Falter und Cicero.

Invisible Walls. A Journalist in Search of her life
by Hella Pick, Weidenfeld & Nicolson, ist auf Englisch auch als e-book erhältlich. ISBN-10: 147461373X.

 

Armin Thurnher und Franz Schuh im Gespräch zum Buch
LACHEN UND STERBEN

„Franz Schuh ist ein titanisch gebildeter Denker und sprachlicher Stilist von höchster Eleganz. Metaphern, Aphorismen, Wortwitz und Pointen in seiner Art hat es früher einmal gegeben, in den seligen Zeiten von Karl Kraus, Polgar, Kuh und Friedell – seither gibt es nur noch ihn.“
Eva Menasse, Die Zeit

Im Rausch fiel der Bänkelsänger Markus Augustin einst in die Pestgrube und wäre dort begraben worden, wäre sein Lallen nicht gehört worden. Man holte ihn heraus, und unversehrt zog er weiter um die Häuser. Franz Schuh ist in vielem das genaue Gegenteil des lieben Augustin. Was die beiden aber gemeinsam haben, beweist dieses unnachahmliche Buch: Lachend bietet es dem Schicksal die Stirn, rückt ihm zum einen metaphysisch, zum anderen ganz konkret auf den Leib, indem es die Dialektik von Lachen und Sterben an Beispielen aus der Populärkultur (Helmut Qualtinger, Otto Schenk, Lukas Resetarits u. a.) zeigt. Einzigartig und funkelnd ist die stilistische Brillanz von Schuhs schonungslosen Sätzen – „Alle vermehren sich, ich reduziere mich, jeden Tag werde ich weniger.“
Franz Schuh, geboren 1947 in Wien, studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik. Er ist Schriftsteller, Lehrbeauftragter an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und Kolumnist für Zeitschriften und Rundfunkstationen. Er erhielt u.a. 2006 den Preis der Leipziger Buchmesse und 2011 den Österreichischen Kunstpreis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt Sämtliche Leidenschaften (2014) und Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks (2017).
Armin Thurnher, Herausgeber des Falter, Autor

In Zusammenarbeit mit dem Zsolnay-Verlag

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 26. Mai 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Hanno Loewy in conversation with Brian Klug
“OH, WHAT A TANGLED WEB WE WEAVE”: UNASKING EUROPE’S JEWISH QUESTION

The idea of a post-war Europe, founded on universal values of human rights, justice and peace, goes by the name ‘Project Europe’ (or: ‘New Europe’). In a Jewish perspective Brian Klug offers, Jews, as Jews, are woven into the crisis of New Europe, which simultaneously is a crisis in Judaism. For New Europe is still haunted by Old Europe’s ‘Jewish Question’; and Jews are too. The general sense of this toxic question (whose roots lie in antiquity) is this: “What should Europe do with its Jews?” With the change from Old to New, Jews have gone from foil to model: from internal alien to “the first, the oldest Europeans” (Romano Prodi). The hyphen in ‘Judeo-Christian’ writes Judaism into the European self. At the same time, Europe is written into the Jewish state: “Europe ends in Israel. East of Israel, there is no more Europe” (Benjamin Netanyahu). This entwining of New Europe and the Jews entails the othering of both Islam and Palestinians. “Oh, what a tangled web we weave” (Walter Scott). The lecture will argue that, for the sake of the future, we need to take the web apart at the seams: unweaving it: unravelling Europe’s Jewish Question.

Brian Klug is Senior Research Fellow in Philosophy at St. Benet’s Hall, Oxford; member of the faculty of philosophy at the University of Oxford; Honorary Fellow of the Parkes Institute for the Study of Jewish/non-Jewish Relations, University of Southampton; and Fellow of the College of Arts and Sciences, Saint Xavier University, Chicago. He is Associate Editor of the journal Patterns of Prejudice, and a member of the International Advisory Boards for Islamophobia Studies Yearbook; ReOrient: The Journal of Critical Muslim Studies; and ‚Negotiating Jewish Identity: Jewish Life in 21st Century Norway‘ (a project of The Norwegian Center for Studies of the Holocaust and Religious Minorities). He has published extensively on Judaism, antisemitism, Islamophobia, racism and related topics.

Hanno Loewy, Lecturer on Literature and Media Sciences at the University of Konstanz, Director of the Jewish Museum Hohenems

ZOOM Live Talk, recorded on June 1, 2021

 

Ruth Wodak im Gespräch mit Jutta Bichl
„WIR“ GEGEN „SIE“
Diskurse über rechtspopulistische Geschlechterpolitik

Geschlechterpolitik ist seit einigen Jahren zentral für rechtspopulistische Mobilisierungsstrategien, immer im Zusammenhang mit einer Polarisierung zwischen dem sogenannten „echten Volk“ und den „anderen“. Auch in der internationalen Forschung spielt der komplexe Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Geschlechterpolitik eine immer wichtigere Rolle. Es zeigt sich, dass rechtspopulistische Parteien Geschlechterthemen als wesentlichen Bestandteil einer Symbolpolitik instrumentalisieren, um ihre andere, oft nativistische Agenda zu bewerben. Wie diese Strategien aussehen, welche Mittel rechtspopulistische Parteien hierfür anwenden und welche Standpunkte zu Geschlechterthemen zu finden sind, darüber sprechen Ruth Wodak und Jutta Bichl an Hand von Beispielen aus Österreich und Deutschland.

Jutta Bichl, Studium der Transkulturellen Kommunikation und der Politikwissenschaft an der Universität Wien, Abschlussarbeit über „We against them: How Gender Issues serve the Construction of Populist Radical Right Antagonisms“

Ruth Wodak, Sprachwissenschaftlerin und Emeritus Distinguished Professor for Discourse Studies an der Lancaster University (Großbritannien) und weiterhin affiliiert an der Universität Wien, an die sie 1991 als ordentliche Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft berufen wurde. 2020 wurde sie zur Ehrensenatorin der Universität Wien ernannt. Abgesehen von vielen anderen Auszeichnungen, erhielt sie 1996 als erste Frau und Sozialwissenschaftlerin den Wittgenstein Preis. Sie besitzt Ehrendoktorate der Universität Örebro (Schweden, 2010) und Warwick (GB, 2020). Sie ist Mitglied der Academia Europaea und der British Academy of Social Sciences. Rezente Buchveröffentlichung: Politik mit der Angst. Die schamlose Normalisierung rechtspopulistischen und rechtsextremen Diskurses (2020, Konturen Verlag).

Das Bruno Kreisky Forum gibt in der neuen Reihe Without Blueprint: Young Internationals jungen Frauen und Männern die Gelegenheit, mit erfahrenen Gesprächspartner*innen ihre Recherchen zu präsentieren.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 10. Mai 2021
Technische Produktion: Max Hofko

 

30 Jahre Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog

Das Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog feiert heute seinen 30. Geburtstag!
Mit unserem Videogruß blicken wir zurück und erzählen, wer wir sind: ein unabhängiges, dem internationalen Dialog verpflichtetes Forum, das für die Öffentlichkeit zugänglich und kollektiven Prozessen der Reflexion gewidmet ist.
Im Laufe der Jahre haben viele internationale Gäste durch ihre Anwesenheit zu seinem ausgezeichneten internationalen Ruf beigetragen. Das Forum im ehemaligen Wohnhaus des Kanzlers Bruno Kreisky ist ein Ort, an dem Vorträge und Seminare gehalten und – in geschütztem Rahmen – wesentliche Themen und Konflikte unserer Zeit diskutiert werden.
Gegründet wurde es am 25. Mai 1991 von Bundeskanzler a.D. Dr. Franz Vranitzky und weiteren Weggefährten Bruno Kreiskys. Im Jahr 2004 folgte Rudolf Scholten, ehemaliger Bundesminister für Unterricht, Kunst und Wissenschaft, Franz Vranitzky als Präsident nach.
Von Margit Schmidt, Bruno Kreiskys langjähriger Mitarbeiterin und engen Vertrauten, übernahm 2005 Gertraud Auer Borea d’Olmo die Funktion der Generalsekretärin. Ihr Motto: „Ich habe meine Arbeit mit der Absicht begonnen, ein Programm zu machen, das Bruno Kreisky interessiert, irritiert, angeregt, aufgeregt, aber niemals gelangweilt hätte. Gemeinsam mit dem besten Team der Welt, mit unseren Kurator*innen, beeindruckenden Gästen aus dem In- und Ausland und dank einer guten Zusammenarbeit mit den Institutionen ist uns das, denke ich, gelungen.“
Wir freuen uns auf viele weitere spannende Jahre!

25. Mai 2021

Technische Produktion: Maximilian Hofko
Musik: Marwan Abado

 

Wolfram Lacher im Gespräch mit Walter Posch
GRENZEN DER EINIGUNG IN LIBYEN

Die Bildung der Einheitsregierung unter Abdelhamid Dabeiba in Libyen verbirgt alte und neue Gräben. Zwar gelang ein Durchbruch in den Bemühungen, die politische Spaltung Libyens zu überwinden, doch die Kehrseite der Übereinkunft zeichnet sich bereits ab. Bislang haben sich die politischen Akteure lediglich darauf geeinigt, innerhalb der Regierung um den Zugang zu staatlichen Mitteln zu konkurrieren. Die Verteilungskämpfe könnten schnell zur Zerreißprobe werden. Spannungen zwischen Profiteuren und Gegnern der Regierung drohen eine neue politische Krise zu verursachen, falls Fortschritte hin zu den für Dezember 2021 geplanten Wahlen ausbleiben. Aber auch die Wahlen selbst bergen beträchtliches Konfliktpotential.

Wolfram Lacher, Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin
Walter Posch, Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK), Wien

ZOOM Live Talk, 20. Mai 2021

 

Kristen R. Ghodsee in conversation with Tessa Szyszkowitz
WHY WOMEN HAVE BETTER SEX UNDER SOCIALISM

A survey of East and West Germans after unification in 1990 found that women in East Germany had higher levels of sexual satisfaction than women in West Germany. Kristen R. Ghodsee argues that East German women had more personal autonomy in their romantic relations because they could rely on a better safety net. But Ghodsee’ analysis is more a critique of capitalism and certainly not a call to return to communism. Unregulated free markets disproportionately harm people who have primary responsibility for caregiving. Not only childbearing and child-rearing, but also care for the elderly and care for the sick. Free markets require or depend on the free labour that caregivers provide for free in the home, mostly because it’s very expensive to pay for. To move child care or elderly care more into the market, would require vast amounts of public resources – which means higher taxes – and many countries prefer not to do this. “Capitalism’s triumph is a calamity for most women”, writes Yanis Varoufakis: “Kristen Ghodsee’s incisive book brilliantly reveals their plight”.

Kristen R. Ghodsee is an award-winning Professor of Russian and East European Studies and a Member of the Graduate Group in Anthropology at the University of Pennsylvania. She is also the author of ten books, most recently: Second World, Second Sex: Socialist Women’s Activism and Global Solidarity during the Cold War (Duke University Press, 2019) Her latest book is Taking Stock of the Shock: Social Impacts of the 1989 Revolutions, co-authored with Mitchell A. Orenstein (Oxford University Press, July 2021. She is also the host of the podcast, A.K. 47 – Forty-seven Selections from the Works of Alexandra Kollontai.

Tessa Szyszkowitz, Historian, Journalist and Author; UK-Correspondent for PROFIL, Falter und Cicero. She is also Senior Associate Fellow at Royal United Services Institute in London.

ZOOM live Talk, May 12, 2021

 

ANDREAS BABLER UND ROBERT MISIK IM GESPRÄCH
EINER VON UNS
Der eigentümliche Erfolg des Bürgermeisters Andreas Babler

Als Bürgermeister von Traiskirchen ist Andreas Babler heute schon so etwas wie ein Role-Model für einen geradlinigen, volkstümlichen Sozialdemokraten, der Grundsatztreue, Basisnähe und Wahlerfolge zu verbinden vermag.
Bei seinem ersten Antreten holte er als Bürgermeister ein historische Marke von über 73 Prozent für die SPÖ, ein Ergebnis, das er fünf Jahre später mit knapp 72 Prozent beinahe wieder erreichte.
Krisen ist Babler gewohnt: Seine Stadt stand 2015 im Zentrum der sogenannten „Flüchtlingskrise“, und trotz des größten Erstaufnahmelagers konnte Babler in seiner Stadt den Geist der Solidarität mobilisieren. In der Covid-19-Krise packte der Bürgermeister von Beginn an für alle sichtbar an: ältere Bürgerinnen und Bürger wurden solidarisch versorgt, Bablers SPÖ besorgte Tests, die Versäumnisse der Bildungsbehörden wurden lokal einfach ausgeglichen, indem etwa für vergleichsweise sichere Schulen gesorgt wurde. Wo die Regierung versagte, handelten Babler und sein Team. Wo andere nur kritisieren, zeigen sie, wie man es besser macht. Bei all dem schlägt Babler auch eine Rhetorik an, die ihn für breite Bevölkerungsteile als „einer von uns“ empfinden lässt.
Im Gespräch mit Robert Misik teilt er Erfahrungen und Einschätzungen.

Andreas Babler (* 25. Februar 1973 in Mödling) ist Bürgermeister der Stadtgemeinde Traiskirchen.
Babler wuchs in einer Semperit-Arbeiterfamilie im Traiskirchner Stadtteil Wienersdorf auf. Er arbeitete als Maschinenschlosser und Schichtarbeiter für die Vöslauer Mineralwasser AG. Auf dem zweiten Bildungsweg studierte er politische Kommunikation an der Donau-Universität in Krems.
Zur SPÖ kam Babler im Jahr 1989, als er der Sozialistischen Jugend beitrat. Er wurde bald Landessekretär in Niederösterreich, später Bundessekretär und stieg weiter zum Vizepräsident und Europavorsitzenden der sozialistischen Weltjugendinternationale (IUSY) auf. Seit 1995 ist er Mitglied des Gemeinderats und seit April 2014 Bürgermeister von Traiskirchen.

Robert Misik, Autor und Journalist

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 10. Mai 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

ELISABETH SCHARANG IM GESPRÄCH MIT ULRIKE GUÉROT
MEHR FREIHEITEN FÜR GEIMPFTE ODER BESCHRÄNKUNGEN FÜR ALLE?
Über die neue Freiheit in einer Post-Corona Gesellschaft und die Solidarität in Zeiten von „Impfprivilegien“

2019 wussten wir noch nicht, dass unser Leben und unsere individuelle Freiheit in Europa vor geschlossene Grenzen und Ausgangsbeschränkungen aufgrund einer weltweiten Pandemie stehen würden. Wir diskutieren derzeit über die Einführung eines digitalen europäischen Impfpasses, der die Grundrechtseinschränkungen für geimpfte Personen aufheben soll. In den einzelnen EU-Staaten besteht allerdings bislang keine Einigkeit darüber, welche genauen Auswirkungen der Nachweis für die Bewegungsfreiheit der Bürger haben wird. Gemäß dem Grundrecht ist jedoch jeder Mensch mit denselben Rechten ausgestattet. Privilegien und Sonderrechte sind somit ausgeschlossen – zumindest theoretisch. Der französische Schriftsteller Bernard-Henri Lévy schreibt in seinem Essay „Ce virus qui rend fou“, dass der „contrat social“ (Gesellschaftsvertrag) durch einen „contrat vital“ (Gesundheitsvertrag) ersetzt werde: Statt wie bisher einen Teil seiner Einzelinteressen zugunsten des Allgemeininteresses abzutreten, tausche der Bürger seine Freiheit gegen eine „Anti-Virusgarantie“ ein – und akzeptiere damit den Übergang vom Sozial- zum Überwachungsstaat. Wie schnell wir bereit sind, diesen Sozialvertrag aufzukündigen?

Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, Gründerin des European Democracy Lab (EDL) in Berlin
Elisabeth Scharang, freischaffende Filmemacherin, Drehbuchautorin und Journalistin in Wien

 

Zum „Tag der Befreiung“ am 8. Mai

ROBERT SCHINDEL IM GESPRÄCH MIT WOLFGANG MADERTHANER
DIE VERWEIGERER. (©Wolfgang Benz)
Jüdisch-kommunistischer Widerstand – eine republikanische Geschichtsstunde

In der Erinnerung an den Widerstand gegen Hitler gibt es Konjunkturen, Meinungen, Diskurse, Kontroversen. Das hat politische, wissenschaftliche und emotionale Gründe. Ein Bereich, der in der Geschichtsschreibung weitgehend ausgeklammert ist, ist der Widerstand jüdischer Kommunist*innen.
Der österreichische Schriftsteller Robert Schindel wurde am 4. 4. 1944 in Bad Hall bei Linz geboren und in die Urkunden mit dem Familiennamen Soël eingetragen. Seine Eltern, Gerti Schindel und René Hajek, österreichische Kommunisten jüdischer Herkunft, waren im Sommer 1943 von Frankreich aus als „elsässische Fremdarbeiter“ unter den Decknamen Susanne Soël und Pierre Lutz nach Österreich eingeschleust worden, um im Auftrag der Exil-KPÖ in Linz eine Widerstandsgruppe aufzubauen.
Nach der Entdeckung der Mission im August 1944 wurden die Eltern nach Auschwitz deportiert, der Vater wurde im März 1945 in Dachau ermordet, die Mutter überlebte Auschwitz und Ravensbrück, kehrte 1945 nach Wien zurück und fand ihren Sohn bei kommunistischen Pflegeeltern wieder. Die Zeit des Nationalsozialismus hatte er im jüdischen Spital (Ferdinandstrasse später Mohapelgasse/Tempelgasse) überlebt.

Moderation: Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Robert Schindel besuchte von 1950 bis 1954 die Volksschule, danach das Bundesrealgymnasium in Wien und begann 1959 eine Buchhändlerlehre im Wiener Verlag Globus, die er abbrach, um u.a. nach Paris zu reisen und sich in Schweden als Tellerwäscher durchzuschlagen. 1967 holte er die Externistenmatura nach, begann ein Philosophiestudium und war in der Studentenbewegung aktiv. Aufgewachsen im Umfeld der KPÖ und deren Jugendverbänden, war Schindel von 1961 bis 1967 Parteimitglied.
Schindels Schreiben hat frühe Wurzeln in lyrischen Versuchen in den späten fünfziger Jahren. 1992 veröffentlichte er seinen Debütroman „Gebürtig“ im Suhrkamp Verlag – einen der wichtigsten Romane der Nachkriegsliteratur. Mitte der achtziger Jahre trat Schindel wieder in die Israelitische Kultusgemeinde ein.
2006 gründete er gemeinsam mit Rudolf Scholten in Heidenreichstein das Literaturfestival Literatur im Nebel. Von 2009 – 2012 leitete er das Institut für Sprachkunst auf der Universität für Angewandte Kunst und ist dort seitdem Universitätslektor. Für sein schriftstellerisches Werk erhielt er zahlreiche Preise.

 

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT JULIA FRIEDRICHS
WORKING CLASS
Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können

Die Generation nach den Babyboomern ist die erste nach dem Zweiten Weltkrieg, die ihre Eltern mehrheitlich nicht wirtschaftlich übertreffen wird. Obwohl die Wirtschaft ein Jahrzehnt lang wuchs, besitzt die Mehrheit in diesem Land kaum Kapital, kein Vermögen. Doch sich Wohlstand aus eigener Kraft zu erarbeiten ist schwieriger geworden, insbesondere für die, die heute unter 45 sind. Die Hälfte von ihnen fürchtet, im Alter arm zu sein. Was sind die Ursachen für diesen großen gesellschaftlichen Umbruch, wann fing es an?
Julia Friedrichs hat in ihrem aktuellen Buch mit Wissenschaftlern, Experten und Politikern gesprochen. Vor allem aber hat sie Menschen begleitet, die dachten, dass Arbeit sie durchs Leben trägt, die reinigen, unterrichten, Tag für Tag ins Büro gehen und merken, dass es doch nicht reicht. Sie sind die ungehörte Hälfte des Landes. Julia Friedrichs erzählt ihre Geschichte.

Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

Julia Friedrichs, 1979 im westlichen Münsterland geboren, studierte Journalistik in Dortmund und Brüssel. Seitdem arbeitet sie als Autorin von Reportagen und Dokumentationen für die ARD, das ZDF und die Zeit. Mit dem Redaktionsteam „docupy“ brachte sie den Film „Ungleichland“ heraus. Sie hat mehrere hochgelobte Bücher verfasst, darunter die Bestseller „Gestatten: Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von morgen“ (2008), „Deutschland dritter Klasse. Leben in der Unterschicht“ (mit Eva Müller und Boris Baumholt, 2009), „Ideale. Auf der Suche nach dem, was zählt“ (2011) und zuletzt im Berlin Verlag „Wir Erben. Was Geld mit Menschen macht“ (2015).
Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten, den Nachwuchspreis des Deutsch-Französischen Journalistenpreises, den Dr. Georg Schreiber-Medienpreis sowie 2019 den Grimme-Preis.

Julia Friedrichs:
Working Class
Erschienen am 01.03.2021 im Piper Verlag; 320 Seiten, EAN 978-3-8270-1426-9, € 22,70 [A]

 

WAS FLUCHT UND EXIL MIT KINDER MACHEN

ONLINE SYMPOSIUM in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung
zum „Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 5. Mai
kuratiert von Ruth Wodak und Ernst Berger

Flucht und Exil bedeuten für Kinder fast immer schwere und nachhaltig wirksame Belastungen. Der Schutz des Kindeswohls wird daher in allen internationalen und nationalen Rechtsnormen als vorrangiges Prinzip definiert. Der Umgang damit in der Realität des politischen Alltags ist allerdings meist ein anderer und nimmt die Traumatisierung von Kindern in Kauf.
Anlässlich des 5. Mai, des „Gedenktages gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“, diskutieren österreichische Expert*innen in einer online Veranstaltung diese Zusammenhänge aus psychosozialer, historischer, soziologischer, soziolinguistischer und rechtlicher Perspektive.

Einleitung: Ruth Wodak, Ernst Berger

Panel 1: FLUCHT UND TRAUMA
Birgit Ulla Wurm: „Aspekte psychotherapeutischer/psycho-edukativer Arbeit mit Eltern aus dem Lager Kara Tepe – ein Erfahrungsbericht“
Lisa Wolfsegger: „Wir haben zwei Arten von Kindern – Kinder und Kinderflüchtlinge“
Nora Ramirez-Castillo: „Verletzt und stark zugleich: Geflüchtete Kinder und Jugendliche“
Diskutant: Christoph Reinprecht
Anschließend Diskussion

PANEL 2: FLUCHT UND MENSCHENRECHTE
Manfred Nowak: „Freiheitsentzug von Kindern“
Anna Sporrer: „Das Kindeswohl in asyl- und fremdenrechtlichen Verfahren“
Gerald Knaus: „Mitgefühl, Völkerrecht und Gewalt – Lässt sich die Flüchtlingskonvention noch retten?“
Diskutant: Philipp Ther
Anschließend Diskussion

 

FROM TRUMP TO BIDEN: ISOLATIONISM AND INTERNATIONALISM IN U.S. STATECRAFT
EVA NOWOTNY IN CONVERSATION WITH RAIMUND LÖW AND CHARLES KUPCHAN

In his Farewell Address of 1796, President George Washington admonished the United States „to steer clear of permanent alliances with any portion of the foreign world.“ Thereafter, isolationism became one of the most influential political trends in American history. From the founding era until the Japanese attack on Pearl Harbor, the United States shunned strategic commitments abroad, making only brief detours during the Spanish-American War and World War I. Amid World War II and the Cold War, Americans abandoned isolationism; they tried to run the world rather than run away from it. But isolationism made a distinct comeback during the presidency of Donald Trump. In the wake of Trump’s America First approach to statecraft, President Joe Biden is now seeking to navigate the isolationist and internationalist traditions in U.S. history. Drawing on his new book, Isolationism: A History of American’s Efforts to Shield Itself from the World, Charles Kupchan will examine how the Biden administration can go about crafting a US foreign policy that addresses international challenges while enjoying public support. He will discuss the ideological and political roots of America’s role in the world to shed light on the past, present, and future of US grand strategy.

Charles Kupchan, senior fellow at the Council on Foreign Relations (CFR), professor of international affairs at Georgetown University, advisor in the White House during the Obama and Clinton administrations
Raimund Löw, Historian and Journalist, Director of Falter Radio
Moderation:
Eva Nowotny, Board Member of Bruno Kreisky Forum, Amb. ret., Chair of the Vienna University Boar

Recorded at the Kreisky Forum, April 26, 2021
Technical production: Maximilian Hofko

 

WILLI MERNYI IM GESPRÄCH MIT ROBERT MISIK
„KAMPFTAG IST JEDER TAG“

Der 1. Mai, das ist der Festtag der Arbeit, der Kampftag der arbeitenden Klassen. Seit alters her, seit 1890 erstmals in Wien der 1. Mai begangen wurde. Mit Schrecken sahen wir in den vergangenen Jahren, wie aktuell heute wieder die Kämpfe der Vergangenheit geworden sind. Egoismus schlich sich mit dem neoliberalen Dogma in unsere Gesellschaften. Die arbeitenden Klassen wurden als Verschubmasse behandelt, als wären sie austauschbar. Arbeitnehmerrechte wurden als Hemmnisse gegenüber „Flexibilität“ dargestellt. Die Arbeitsmärkte wurden in Unordnung gebracht. Neben einigermaßen abgesicherter Regelarbeitsverhältnissen entstanden zunehmend prekäre Arbeitsverhältnisse: Teilzeit und Working Poor, Jobs, von denen man nicht überleben kann, neue Sektoren von Billiglöhnern, deren Rechte nun zäh durchgesetzt werden müssen. Seit Beginn der Pandemie ist viel sichtbar geworden, was vorher zwar bekannt war, aber viel zu lange toleriert wurde.

Es ist Zeit für mehr Solidarität. Nicht Investmentbanker und Wichtigtuer haben das Land am Laufen gehalten, sondern die Beschäftigten in Pflege und Gesundheitswesen, in den Supermärkten, in Industrie und Fabriken, die Leute der Müllabfuhr, die LKW-FahrerInnen. Die arbeitenden Klassen haben sich Respekt verdient, mehr Sicherheit im Leben und ein gerechtes Stück vom Wohlstand. Dafür ist jeden Tag Kampftag, nicht nur an einem Feiertag. Über die Lage der arbeitenden Klassen, was sie heute zusammen hält und wie mehr Gerechtigkeit erkämpft werden kann, darüber spricht Robert Misik mit Willi Mernyi, den coolen, wortgewaltigen Leitenden Sekretär des ÖGB und Geschäftsführer der Sozialdemokratischen Gewerkschafter.

Willi Mernyi, ist 1968 in Wien geboren und engagiert sich seit seinem 17. Lebensjahr für soziale Gerechtigkeit und gegen Ausgrenzung. Er ist Leitender Sekretär des ÖGB, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich und Mitglied im Publikumsrat des Österreichischen Rundfunks (ORF)

Robert Misik, Autor und Journalist

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 26. April 2021
Technische Produktion: Maximilan Hofko

 

FRANZ VRANITZKY UND HERBERT LACKNER IM GESPRÄCH ZUM BUCH

RÜCKKEHR IN DIE FREMDE HEIMAT
Die vertriebenen Dichter und Denker und die ernüchternde Wirklichkeit in Nachkriegseuropa

Nur ein Teil der 440.000 vor den Nazis aus Deutschland und Österreich Geflüchteten kehrt nach 1945 zurück. Willkommen sind sie nicht immer.
In diesem Buch geht es um die Rückkehr in Länder, die sich oft hartnäckig weigern, ihre jüngere Geschichte aufzuarbeiten. Es geht um Willy Brandt, Thomas Mann, Robert Stolz, Bruno Kreisky, Alma Mahler-Werfel, Bertolt Brecht und viele andere.
Es ist der dritte Teil von Herbert Lackners Kulturgeschichte-Trilogie. Bereits erschienen: Als die Nacht sich senkte. Europas Dichter und Denker am Vorabend von Faschismus und NS-Barbarei (ueberreuter, 2019).und Die Flucht der Dichter und Denker. Wie Europas Künstler und Wissenschaftler den Nazis entkamen (ueberreuter, 2017).

Herbert Lackner, geboren in Wien, studierte Politikwissenschaft und Publizistik, war stellvertretender Chefredakteur der “Arbeiter Zeitung” und danach 23 Jahre lang Chefredakteur des Nachrichtenmagazins profil. Er ist Autor zahlreicher zeithistorischer Beiträge in profil und Die Zeit.

Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., ist Gründungs- und Ehrenpräsident des Bruno Kreisky Forums

In Zusammenarbeit mit dem Carl Ueberreuter-Verlag

Herbert Lackner:
Rückkehr in die fremde Heimat. Die vertriebenen Dichter und Denker und die ernüchternde Wirklichkeit in Nachkriegseuropa
Ueberreuter, März 2021, ISBN: 978-3-8000-7765-6, 220 Seiten

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 13. April 2021 im Kreisky Forum
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Nina Khrushcheva: RUSSLAND UND DIE NAWALNY-PROTESTE

Am 21. April 2021 hielt der russische Präsident seine 17. Rede zur Lage der Nation hunderten Vertretern der politischen Elite des Landes, vor Vertretern aus Wirtschaft, Kultur und Religion. Auf den Straßen Moskaus protestierten parallel dazu rund 10.000 Menschen für die Freilassung Alexei Nawalnys, auch im übrigen Land kam es zu weitgehend friedlichen Solidaritätskundgebungen.
Hören Sie ein brandaktuelles Update unserer Kuratorin Nina Khrushcheva aus Moskau über „Putins Katz- und Mausspiele“ und wie es den Menschen im Land damit geht.

Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs at the New School University, New York and Bruno Kreisky Forum´s curator of Russia on the World Stage.

ZOOM Aufzeichnung, 22. April 2021

 

RUDOLF SCHOLTEN IM GESPRÄCH MIT CHRISTOPH WIEDERKEHR
BAUSTELLEN UND HERZENSANLIEGEN

Seit November 2020 wird Wien von einer sozialliberalen Fortschrittskoalition mit Bürgermeister Michael Ludwig an der Spitze regiert. NEOS-Landessprecher Christoph Wiederkehr ist Vizebürgermeister und als amtsführender Stadt für Bildung, Jugend und Integration zuständig. Bereiche, in denen für eine ständig wachsende Großstadt wie Wien große Herausforderungen zu bewältigen sind. Und dies ganz besonders in Zeiten, wo die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie und die Bewältigung ihrer Folgen Menschen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringt, die Infrastruktur auf eine harte Probe stellt und das Stadtbudget gewaltig belastet.
Wir haben Christoph Wiederkehr zum Gespräch mit Kreisky Forum-Präsident Rudolf Scholten in die Armbrustergasse eingeladen.

Christoph Wiederkehr, Vizebürgermeister von Wien, Stadtrat für Bildung, Jugend, Integration und Transparenz
Rudolf Scholten, Präsident des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog, Aufsichtsratspräsident der Wiener Festwochen und des Österreichischen Filminstituts

Christoph Wiederkehr, am 12. April 1990 in Salzburg geboren, ist der Sohn einer französischen Mutter und eines ungarischen Vaters. Sein Vater wurde von einer kommunistischen Diktatur aus seiner Heimat vertrieben. Diese Familiengeschichte hat ihn persönlich und politisch geprägt. Nach der Matura in Salzburg studierte er an der Universität Wien Jus und Politikwissenschaft, absolvierte Auslandssemestern an der University of Sussex und der Australian National University und war mehrere Jahre als studentischer Mitarbeiter am österreichischen Verfassungsgerichtshof tätig. Darüber hinaus war er in der liberalen Jugendorganisation JUNOS aktiv.Seit November 2015 Mitglied des Wiener Gemeinderats und Landtags, übernahm Christoph Wiederkehr im Herbst 2016 den NEOS-Klubvorsitz im Wiener Rathaus und wurde zum NEOS-Landessprecher gewählt. Bei den Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen im Oktober 2020 erreichten die NEOS – mit Christoph Wiederkehr als Spitzenkandidat – mit 7,41 Prozent ihr bis dahin bestes Ergebnis.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 7. April 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT MARKUS MARTERBAUER

MASSENARBEITSLOSIGKEIT, KLIMAKRISE, UNGLEICHHEIT
Die drei größten wirtschaftspolitischen Herausforderungen 2021

Österreich wurde in den letzten 70 Jahren von einem Armenhaus zu einem der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder Europas. Wir haben einen der besten Sozialstaaten und eine der besten öffentlichen Infrastrukturen Europas. Wir verfügen über alle Voraussetzungen, die drei großen Probleme der Zeit – Massenarbeitslosigkeit, Klimakrise, Ungleichheit und Armut – erfolgreich zu bewältigen. Wenn wir wollen und sofort mit faktenbasierter und zielgerichteter Politik beginnen.
Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der COVID-Krise sind jedenfalls enorm. Doch angesichts der hohen Wirtschaftskraft Österreichs, der stabilen sozialen Strukturen und günstiger Umstände – wie den negativen Zinssätzen für Staatsanleihen – können sie bewältigt werden, sofern die Wirtschaftspolitik faktenbasiert vorgeht und wohlstandsorientiert in die Zukunft investiert.

Markus Marterbauer, Ökonom
Robert Misik, Autor und Journalist

Markus Marterbauer
ist Chefökonom der Arbeiterkammer, Vizepräsident des Fiskalrates und Universitätslektor, Experte im Budgetausschuss des österreichischen Nationalrates und Mitglied im Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen. Seit Juli 2013 leitet er als Vorsitzender den Arbeitskreis Dr. Benedikt Kautsky. Marterbauers zahlreiche Publikationen befassen sich vorrangig mit der Budgetentwicklung und Fiskalpolitik Österreichs, mit Fragen der Einkommenspolitik und Umverteilung, mit makroökonomischen Fragen und sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 13. April 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Tessa Szyszkowitz in conversation with John Kampfner

WARUM DEUTSCHLAND ES BESSER MACHT
A British view of Germany in 2021

While the title of John Kampfer’S new book might make Germans cringe and Austrians frown, the British author has set out to analyse what makes a modern European country successful.
“Why Germany does it better – notes from a grown-up country” received huge attention in Britain when it was published last fall. At a time when Britain pulled away from the EU trying to overcome an identity crisis as former Empire with dreams of English exceptionalism and Global Britain Kampfner views Germany as a model democracy, a nation that overcame its disastrious errors during the Third Reich by rebuilding a country based on democratic values by being embedded in the union of European nations.

John Kampfner is a satirical author, broadcaster and commentator living in London. He started his career as foreign correspondent for Reuters in Moscow and Bonn watching the wall in Berlin 1989 and Soviet communism fall in 1991 in Russia. He was the editor fo the New Statesman from 2005 to 2008 and was chief executive of the freedom of expression organisation Index on Censorship from 2008 to 2012. He now is a columnist at The Times.
Tessa Szyszkowitz, Historian, Journalist and Author; UK-Correspondent for PROFIL, Falter und Cicero. She is also Senior Associate Fellow at Royal United Services Institute in London.

„Warum Deutschland es besser macht. Ein bewundender Blick von außen.“, übersetzt von Barbara Steckhan & Thomas Wollermann erscheint am 21. April 2021 bei Rowohlt auf Deutsch. ISBN: 978-3-498-00251-0

ZOOM Live Talk, April 19, 2021

 

BERND MARIN IM GESPRÄCH MIT ROBERT MISIK

DIE WELT DANACH
Leben, Arbeit und Wohlfahrt nach dem Corona-Camp

Vergleichende Analyse zum Seuchenmanagement in einem globalen Europa: Wie kann Leben, Arbeit und Wohlfahrt nach der akuten Gesundheits- und Wirtschaftskrise nachhaltig erneuert werden?
Das Buch bietet leichtfaßliche „Pop-Science“ zu einer Jahrhundert-Pandemie-Krise – in der Quarantäne und danach. Und sagt offen, was anderswo fehlt.
Aus Interviews entwickelt sich ein neues Format als Mix aus sozialwissenschaftlicher Studie, investigativer Recherche und Publizistik. Eine informative Chronik der Verschränkungen von objektivem Pech und institutionellem Versagen der westlichen Welt – etwa der „italienischen Tragödie“, ihrer europäischen Bedeutung und Beitragstäter.
Denn in der Pandemiepolitik interagiert schicksalshaft schierer Zufall, also Glück/ Unglück einerseits mit Geschick/ Ungeschick anderseits. Wir sehen kuriose bürokratische Fehlleistungen, Dummheit und Indolenz neben kollektivem Lernen, kluger Strategiewahl, intelligenter Steuerung und administrativer Improvisationsgabe.
Das Buch bietet verständliche Antworten auf häufige Fragen zur Corona-Krise; genaue evidenzbasierte Beobachtungen; Zahlen und Fakten; spannende Fallgeschichten; anregende Denkanstöße; und originelle Reflexionen über Europa’s mögliche Zukünfte inmitten großer Ungewissheiten und Halbwissen.
„Österreichs renommiertester Sozialforscher“ (trend) im Dialog über Quarantäne und Wege aus der Corona-Krise.

Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

Bernd Marin ist Direktor des Europäischen Bureau für Politikberatung und Sozialforschung in Wien. 2019/2020 war er Guest und Europe’s Futures Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen / IWM in Wien. Zudem war er Visiting Professor am Department for Social Welfare der Seoul National University (SNU), Visiting Scholar an der Jong Min Foundation in Südkorea (beide November 2019) und am Gaidar Forum sowie Visiting Professor an der Presidential Academy of National Economy and Public Administration (RANEPA) in Moskau (beide Jänner 2020).
Dezember 2020 bis April 2021 Vorlesungen am Postgraduate Public Health Program der MedUni Graz.

Bernd Marin:
Die Welt danach. Leben, Arbeit und Wohlfahrt nach dem Corona-Camp
ISBN: 978-3-85439-693-2, 140 Seiten, 12,- €; März 2021, FALTER Verlag

Aufgezeichnet im Kreisky Forum 8. April 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT MICHAEL HÄUPL
„JEDER MENSCH HAT DAS RECHT AUF EIN GUTES LEBEN.“

Für die jüngeren Generationen war er eigentlich „immer da“ – Michael Häupl, Wiener Bürgermeister von 1994 bis 2018. Sagenhafte 24 Jahre führte er die Geschicke der Stadt, seit 1993 war er Parteivorsitzender der Wiener SPÖ. Er führte Alleinregierungen, große Koalitionen mit der ÖVP und machte Rot-Grün zum progressiven Modell.
Als Ökologe war ihm Klima- und Umweltpolitik ja auch selbst nicht fremd, schon als Umweltstadtrat setzte er Akzente.
Aber wenn etwas den Typus Häupl während seiner Amtszeit auszeichnete, dann die Prinzipientreue.
Wenn es um Menschenrechte, Flüchtlinge, Menschenwürde oder bloßen Anstand ging, dann wackelte er nie oder schielte nie opportunistisch auf Umfragewerte – und es nützte ihm praktisch immer. Noch am Höhepunkt der Flüchtlingskrise fuhr er deshalb wider alle Erwartungen einen furiosen Wahlsieg ein.
Heute ist Michael Häupl Vorsitzender des Kuratoriums des Fußballklubs Austria Wien und seit 2020 Präsident der Volkshilfe Wien. Als solcher sagt er: „Wir haben ein zentrales Ziel, das auch mein persönliches Ziel ist: Ungerechtigkeit und Armut, besonders Kinderarmut entgegenzuwirken. Wir sind für jene in unserer Gesellschaft da, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Jeder Mensch hat das Recht auf ein gutes Leben“.

Michael Häupl, Präsident der Volkshilfe Wien
Robert Misik, Autor und Journalist

Michael Häupl (* 14. September 1949 in Altlengbach, Niederösterreich) war von 7. November 1994 bis 24. Mai 2018 Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien sowie von 1995 bis 2018 Präsident des Österreichischen Städtebundes. Von 1993 bis 2018 war er Landesparteiobmann der SPÖ Wien.
Häupl ist Präsident des WWTF – Wiener Wissenschafts-, Forschungs-und Technologiefonds und seit September 2020 Präsident der Volkshilfe Wien.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 7. April 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Tessa Szyszkowitz in conversation with Elif Shafak
HÖRT EINANDER ZU!
How to stay sane in a world of division

Elif Shafak is one of the most important intellectual voices in the pan-European debate about identity, multiculturalism, gender equality and free speech. In her latest pamphlet “How to stay sane in an age of division” – in German published in March 2021 under the name “Hört einander zu!” the Turkish-British author and activist dissects the angers and anxieties of contemporary society in order to find methods to deal with the deepest divisions in this age of social media. The promise of social media to give everyone a voice has turned into the fear of having created a monster which is especially threateningly violent – certainly verbally – to women. Shafak sings the praise of complex thinking over believing in simple solutions. And she asks to channel anger into a productive force. Her plea is to stop shouting and start listening to each other.

Elif Shafak, is an award-winning British-Turkish novelist. She writes in both Turkish and English, and has published 18 books, 11 of which are novels. Her work has been translated into 54 languages. Her latest novel 10 Minutes 38 Seconds in this Strange World was shortlisted for the Booker Prize and RSL Ondaatje Prize; and chosen Blackwell’s Book of the Year. Her previous novel, The Forty Rules of Love was chosen by BBC among 100 Novels that Shaped Our World. Shafak holds a PhD in political science and she has taught at various universities in Turkey, the US and the UK, including St Anne’s College, Oxford University, where she is an honorary fellow. Shafak is a Fellow and a Vice President of the Royal Society of Literature. She is a member of Weforum Global Agenda Council on Creative Economy and a founding member of ECFR (European Council on Foreign Relations).
Tessa Szyszkowitz, Historian, Journalist and Author; UK-Correspondent for PROFIL, Falter und Cicero. She is also Senior Associate Fellow at Royal United Services Institute in London.

Elif Shafak – Hört einander zu!
Original: How to Stay Sane in a World of Division
Aus dem Englischen von Michaela Grabinger
ISBN: 978-3-0369-5844-6, Verlag KEIN & ABER, Erscheinungstermin 16. März 2021; 12,40 EUR

ZOOM Live Talk, April 9, 2021

 

GUDRUN HARRER IM GESPRÄCH MIT STEFAN WEIDNER
GROUND ZERO
Können wir mit 9/11 abschließen?

Ausgehend von seinem neuen Buch „GROUND ZERO. 9/11 und die Geburt der Gegenwart“ (Hanser Verlag), skizziert der Islamwissenschafter und Publizist Stefan Weidner die wechselseitigen Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre zwischen der arabischen Welt und den nordatlantischen Gesellschaften vor dem Hintergrund der langen Nachwirkungen von 9/11, die auch die arabischen Revolutionen und ihr Scheitern betreffen. Die Geisteshaltung, die nach 9/11 die internationale Politik bestimmt hat, wirkt zudem noch in der Coronakrise nach. Es ist dringend nötig, sie zu überwinden, wenn wir den inneren und äußeren Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts gewachsen sein wollen.

Stefan Weidner, Islamwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer

Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien

TIPP:
Stefan Weidner: „Ground Zero. 9/11 und die Geburt der Gegenwart“
Hanser, München 2021; 256 Seiten, 23 Euro

ZOOM Live Talk 8. April 2021

 

Irene Giner-Reichl in conversation with Yan Xuetong
SUPER POWER RELATIONS AND GLOBAL GOVERNANCE IN TIMES OF DIGITALIZATION

Under the Trump administration, super power politics exacerbated trade and technology rivalries between the United States and China. In our conversation we will explore, how digitalization is reconfiguring this bipolar rivalry. How will the moral leadership of nations – a term also coined by Prof. Yan – be impacted by the rise of the digital economy and cyber-security ? States reacted to the global health crisis of Covid-19 mostly with individual national responses, arguably at much greater cost than in a multilateral approach. What lies ahead for rules-based global governance as championed by – among others – the European Union, as the world seeks to emerge from the pandemic ? What role in the new (dis-)order for the African and Latin American continent ?

YAN Xuetong, Political Scientist, Professor and Dean of the Institute of International Relations at Tsinghua University, Beijing; Secretary General of the World Peace Forum
Moderation: Irene GINER-REICHL, Ambassador

ZOOM Talk recorded in March 2021

 

Amr Hamzawy im Gespräch mit Gudrun Harrer
PAX AUTOCRATICA

Der Prozess der Demokratisierung in Ägypten, das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Unterdrückung im öffentlichen Raum, politische Bewegungen und die Zivilgesellschaft – das sind die Hauptthemen der wissenschaftlichen Forschung von Amr Hamzawy an der Stanford University. Dazu, und zu Fragen aktueller Relevanz im Arabischen Raum, der Situation der Menschenrechte und des Rechtsstaats in der Region im Rahmen der Taktik der „Blokadepolitik“ spricht Gudrun Harrer mit Amr Hamzawy in diesem online live Gespräch.

Amr Hamzawy, Ägyptischer Politologe und Senior Research Scholar am Zentrum für Demokratie und Entwicklung an der Stanford University, USA
Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien

Amr Hamzawy
Senior Research Scholar am Zentrum für Demokratie und Entwicklung an der Stanford University, USA. Hamzawy wurde in den ersten parlamentarischen Wahlen in Ägypten nach der Revolution im Jänner 2011 als Volksvertreter ins nationale Parlament gewählt und war Mitglied der ersten Ägyptischen Volksversammlung. Er gehörte auch dem Ägyptischen Nationalrat für Menschenrechte an.

ZOOM Live Talk, March 25, 2021

 

Tessa Szyszkowitz in conversation with Noreena Hertz
THE LONELY CENTURY
How We can Come Together in a World that is Pulling Us Apart

Combining a decade of research with first-hand reporting the British economist Noreena Hertz analyses in her book “The Lonely Century” how loneliness destroys our health, our communities, our economies and our political securities. “Hertz cites research that links loneliness – or perhaps more accurately, marginalisation – to the rise of right-wing politics…This book is not so much about the emotional ache we call loneliness as it is about the fragmentation of community.” (The Guardian)
Hertz, an Honorary Professor at the Institute for Global Prosperity at University College London since 2014, also offers a hopeful and empowering vision for how to heal our fractured communities and restore connection in our lives. Bold solutions range from compassionate Artificial Intelligence to innovative models for urban living to new ways of reinvigorating our neighbourhoods and reconciling our differences.

Noreena Hertz, economist, renowned thought leader, academic, author and broadcaster. She has a PhD from Cambridge University and an MBA from the Wharton School of the University of Pennsylvania. Having spent 10 years at the University of Cambridge, in 2014 she moved to University College London where she is an Honorary Professor at the Institute for Global Prosperity. Noreena Hertz advises corporations globally and sits on the board of Warner Music Group. Her previous books The Silent Takeover, The Debt Threat and Eyes Wide Open are published in more than twenty countries. Her latest book, The Lonely Century – Coming Together in a World That’s Pulling Apart is being published across the world.

Tessa Szyszkowitz, UK correspondent for PROFIL, Falter, Cicero and author of Echte Engländer. Britain and Brexit (in German, Picus Verlag, September 2018) is also a Senior Associate Fellow of the Royal United Services Institute in London.

Noreena Hertz will present the German version of her book The Lonely Century – Das Zeitalter der Einsamkeit – in conversation with Tessa Szyszkowitz.

ZOOM Live Talk, Tuesday, 23 March 2021

 

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT TAMARA EHS
KRISENDEMOKRATIE

Demokratie ist systemrelevant! Die Akutphase der Coronakrise ermöglichte wie ein Brennglas den Blick auf die Stärken und Schwächen der österreichischen Demokratie. Jene Bereiche, in denen das politische System schon in Normalzeiten holprig lief, gerieten in der Krise zum Stolperstein. Beherrschen zudem Parteien und Politiker*innen das Geschehen, die der autoritären Versuchung ohnehin nicht abgeneigt sind, besteht eine Gefahr für das demokratische Zusammenleben, die über den Anlassfall hinausgeht.
Tamara Ehs erörtert in ihrem Essay in sieben Lektionen, was wir beim nächsten Mal besser machen müssen. Denn das nächste Mal kommt bestimmt. Sei es abermals eine virusverursachte Pandemie, ein terroristischer Anschlag oder – und am wahrscheinlichsten – ein Klimanotstand. Umso wichtiger ist es, eine krisenfeste Demokratie zu etablieren und die Sicherstellung ihrer sozialen Grundlagen noch mehr als bisher zur Daseinsvorsorge zählen.

Tamara Ehs, Politikwissenschafterin und Demokratieberaterin
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

Tamara Ehs ist Demokratieberaterin für Städte und Gemeinden und politische Bildnerin. Aktuell nimmt sie Forschungsaufträge von der Sigmund Freud-Universität Wien sowie vom iac der Robert Bosch-Stiftung wahr und lehrt an der Universität Wien. Sie war Dozentin u.a. an der Hebräischen Universität Jerusalem, Comenius Universität Bratislava, Freie Universität Berlin, außerdem Gastforscherin an der Harvard Law School sowie an der New York Public Library. Ihre Forschung und Lehre konzentrieren sich auf die sozialen Fragen von Demokratie und Verfassung. Sie ist Trägerin des Wissenschaftspreises des österreichischen Parlaments und des Ludo Hartmann-Preises des Verbands Österreichischer Volkshochschulen.

Tamara Ehs
KRISENDEMOKRATIE. Sieben Lektionen aus der Coronakrise
108 Seiten; ISBN: 978385476-893-7; 12.00 €; Mandelbaum Verlag 2020

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 9. März 2021
Technische Produktion: Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT MILO RAU
KUNST. KULTUR. REVOLUTION

Gesellschaftlicher Wandel und Revolutionen des Zeitgeistes waren immer auch von ästhetischen Umbrüchen, von einem Beginnergefühl in den Künsten und von radikalen Utopien begleitet – oder besser: Sie gingen ihnen voran. Aber was kann radikale Kunst heute noch?
Grenzüberschreitungen und Provokationen können heute kaum mehr provozieren, sie dienen oft selbst der Unterhaltung in einer kapitalistischen Kommerzkultur. Direkte, radikale politische Kunst wird leicht auch unter Agitprop-Verdacht gestellt. Oder sie dient einfach der Bespaßung eines sich kritisch wähnenden satten Publikums.

Der Ausnahmekünstler Milo Rau ist seit nunmehr rund zwei Jahrzehnten einer, der der radikalen, politischen Kunst neue Türen aufmacht. Politisch radikal ist er so explizit, dass er der Entertainmentfalle entgeht, in der Entwicklung neuer, bisher unbekannter Stile gelingt ihm die Schaffung neuer Situationen, in denen relevant Neues geschieht.
Im Gespräch mit Robert Misik lotet der Theatermacher, Autor, Filmemacher aus, was die Kunst zur Weltveränderung beitragen kann – insbesondere in Hinblick auf eine Tabula Rasa in der Post-Corona-Ära.

Milo Rau, 44, gilt heute als der wohl innovativste, interessanteste Theaterregisseur Europas. Seit 2018 leitet er das Niederländische Theater Gent, davor – und bis heute – entwickelte er mit seinem „International Institut of Political Murder“ packende und oft auch verstörende Inszenierungen. Eine seiner frühen Sensationen war „Hate Radio“ über den Bürgerkrieg in Ruanda. Produktionen wie die „Moskauer Prozesse“, die „Zürcher Prozesse“ und das „Kongo Tribunal“ kombinieren realistische Dokumentation und theatrale Inszenierung. Bei den Wiener Festwochen 2019 triumphierte er mit „Orest in Mossul“. Zuletzt sorgte er mit „Das Neue Evangelium“ für Aufsehen, einem filmischen „Dokudrama“ ganz eigener Art. Bisher realisierte er um die 50 große Produktionen. 2017 wurde er von einer deutschen Kritikerjury zum „Regisseur des Jahres“ gewählt.

Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

ZOOM Live Talk, 17. März 2021

 

DIE VON EUROPA TRÄUMEN. Wie Flucht und Migration ablaufen
Melita H. Šunjić im Gespräch mit Edith Meinhart

Die ganze Welt spricht über Flüchtlinge und Migranten, Melita H. Šunjić, langjährige Pressesprecherin des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen, spricht mit ihnen.

In den vergangenen Jahren führte Melita H. Šunjić Interviews in Asien, Afrika und Europa. Sie sprach mit Menschen, die die Absicht hatten, nach Europa zu kommen, die sich auf dem Weg befanden oder schon angekommen waren. In ihrem Buch erörtert sie die wichtigsten Begriffe und Zusammenhänge der Migrationsdebatte und geht mit der europäischen Migrationspolitik ins Gericht, die seit Jahren erfolglos auf der Stelle tritt. Darüber hinaus gibt sie Betroffenen eine Stimme und lässt sie von Flucht und Migration erzählen: Warum kommen sie, wie kommen sie, was haben sie sich erträumt und was finden sie tatsächlich vor? Prototypische Fallgeschichten führen dramatische Lebensrealitäten vor Augen und zeigen, wie Schlepper- und Menschenhändlerringe funktionieren und welche Rolle soziale Medien dabei spielen

Melita H. Šunjić, hat Publizistik und Politikwissenschaft studiert und war zwanzig Jahre Pressesprecherin und leitende Kommunikationsexpertin des UN Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR). Sie ist 1957 selbst als Flüchtlingskind aus dem damaligen Jugoslawien nach Österreich gekommen. Ihr Buch »Die von Europa träumen. Wie Flucht und Migration ablaufen« ist im Februar 2021 im Picus Verlag erschienen.
Edith Meinhart, Journalistin, Redakteurin beim Profil

In Zusammenarbeit mit dem Picus-Verlag

Melita H. Šunjić
Die von Europa träumen
Wie Flucht und Migration ablaufen
Picus Verlag, ISBN: 978-3-7117-2095-5
200 Seiten, gebunden

Aufgezeichnet am 2. März 2021 im Kreisky Forum
Technische Produktion: Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

DER LANGE SCHATTEN. 12. MÄRZ 1938
PHILIPP BLOM UND HELENE MAIMANN IM GESPRÄCH

Der 12. März 1938 hat sich in die Weltgeschichte und in das Weltgedächtnis eingeschrieben. „Ich hatte in meinem Leben“ schreibt Carl Zuckmayer in seinen Erinnerungen „einiges an menschlicher Entfesselung, Entsetzen oder Panik gesehen. Nichts davon war mit diesen Tagen in Wien zu vergleichen. Die Stadt verwandelte sich in ein Alptraumgemälde des Hieronymus Bosch.
Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neids, der Missgunst, der Verbitterung, der blinden, böswilligen Rachsucht – und alle anderen Stimmen waren zum Schweigen verurteilt.“ Bis heute prägen diese Märztage das Bild von Österreich unter der NS-Herrschaft.

Was ist von diesem März 1938 geblieben, vom Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, Hitler in Wien, Gewalt, Terror und Euphorie auf den Straßen? Tagen des Schreckens für die einen, der Resignation und der Hoffnungen für die anderen? Das Leben der Österreicher wurde von einem Tag auf dem anderen umgestürzt. Ein Riss in der Zeit. Waren diese Märztage das? Und wenn ja – haben die 83 Jahre seither diesen Riss nicht längst schwinden lassen aus dem Gedächtnis der Menschen, vor allem der jungen? Verschwunden im Schwemmsand der ungeheuren Änderungen der Welt seither und nur zu den gewissen Gedächtnistagen hervorgeholt? Oder sind sie nach wie vor präsent in Unterstrom unseres Lebens?

Helene Maimann, Historikerin, ist freie Autorin, Kuratorin und Filmemacherin und unterrichtet an der Filmakademie der Universität für Musik und Darstellende Kunst.
Philipp Blom, studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 9 März 2021
Technische Produktion: Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

ARABELLION. JEMEN – 10 JAHRE DANACH
GUDRUN HARRER IM GESPRÄCH MIT MARIE-CHRISTINE HEINZE

10 Jahre nach den Aufständen gehört der Jemen zu den Ländern der ‚Arabellion‘, die in deren Folge in einen Bürgerkrieg mit regionaler Beteiligung hinabgeglitten sind. Seit nunmehr sechs Jahren bekämpfen sich im Jemen verschiedene politische Fraktionen, während die Zivilbevölkerung hungert und kaum noch darauf hoffen kann, dass sich die Wünsche, Träume und Ziele von 2011 für sie oder ihre Kinder erfüllen. In diesem Gespräch wollen wir die Entwicklungen im Jemen seit 2011 erörtern und versuchen, den derzeit stattfindenden Konflikt im Lande besser zu verstehen. Wir wollen aber auch zu den Zielen der Revolutionäre von 2011 zurückkehren und gemeinsam darüber nachdenken, was geschehen muss, damit ihnen kommende Generationen vielleicht wieder ein wenig näherkommen.

Marie-Christine Heinze, Islamwissenschaftlerin, Friedens- und Konfliktforscherin mit Schwerpunkt Jemen und Vorsitzende von CARPO (Center for Applied Research in Partnership with the Orient)
Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien

ZOOM Live Talk, 10.3.2021

 

EUROPAS PLATZ IN EINER MULTIPOLAREN WELT
EVA NOWOTNY IM GESPRÄCH MIT STEFAN LEHNE

Der Diskurs über den Platz der EU in der Welt hat sich im letzten Jahrzehnt verändert. Sprach man früher über Außenpolitik im Sinne des Aufbaus einer globalen liberalen Ordnung, der Stärkung der transatlantischen Partnerschaft und der Sicherung eines effektiven Multilateralismus, so konzentriert man sich heute eher auf die Entwicklung der europäischen Souveränität, die Sicherung der strategischen Autonomie und den Schutz des europäischen Lebensstils. Das Selbstverständnis als Vorbild und Vorreiter einer erneuerten regelbasierten internationalen Ordnung ist einer defensiven Haltung, geringeren Ambitionen und einem engeren regionalen Fokus gewichen. Gibt es heute nach den Ausscheiden Großbritanniens und dem Amtsantritt Präsident Bidens eine neue Chance, die EU zu einem Angelpunkt erfolgreicher multilateraler Diplomatie zu machen?

Stefan Lehne, Gastwissenschaftler bei Carnegie Europe. Seine Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung der EU-Außenpolitik nach dem Vertrag von Lissabon, mit besonderem Schwerpunkt auf die Beziehungen zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten

Eva Nowotny, Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums, Diplomatin i.R., Vorsitzende des Universitätsrates der Universität Wien

Aufgezeichnet am 2. März im Kreisky Forum
Technische Produktion: Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

Rudolf Scholten im Gespräch mit Bogdan Roščić
GEWISSHEIT IST HOCH IM KURS. ALLE WOLLEN SIE HABEN.
(© Bogdan Roščić)

Rudolf Scholten, Präsident des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog
Bogdan Roščić, Direktor der Wiener Staatsoper

Mehr als ein Jahr kein regulärer Betrieb wäre für jede Organisation schwer zu bewältigen, noch viel komplizierter ist das in einer so sensiblen Institution wie der Wiener Staatsoper. Was ist die Position der Kunst in einer Gesellschaft, die so sehr mit sich zu kämpfen hat, wie es derzeit allgegenwärtig ist? Zugleich ist der Planungshorizont der Oper so weit in die Zukunft gerichtet, dass es jetzt dringend notwendig ist, über die Zeit nach Corona zu diskutieren. Die ewige Frage der Rolle der Kunstform Oper, aber zugleich neue Wege der Kunstvermittlung werden dabei ebenso zur Sprache kommen.“

Bogdan Roščić (* 18. April 1964 in Belgrad, SFR Jugoslawien) ist ein österreichischer Musikmanager. 1989 begann Roščić als freier Mitarbeiter für das Kulturressort der Wiener Tageszeitung Die Presse zu schreiben, mit den Hauptthemen Medien und Popmusik. 1991 wurde Roščić Ressortleiter für Medien, Medienpolitik und Pop beim Wiener Kurier. 1993 wechselte er als Musikchef zu Österreichs größtem Radiosender Ö3, 1996 wurde er dort zum Senderchef ernannt und baute das Programm konsequent in ein Formatradio um, mit den Schwerpunkten Popmusik, aktuelle Information und Comedy.
Roščić verließ den ORF und wechselte als Managing Director zu Universal Music Austria. Ab 2006 war er Managing Director der Decca Music Group in London. Von April 2009 bis August 2019 leitete er die Klassik-Sparte von Sony Music. Seit Juli 2020 ist er in Nachfolge von Dominique Meyer Direktor der Wiener Staatsoper.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 26. Februar 2021
Technische Produktion: Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

WIR
ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT JUDITH KOHLENBERGER

Wir. Wie leicht uns dieses Wort über die Lippen kommt. Wir sind ein Paar, wir sind eine Familie, wir sind Freunde, wir sind eine Gemeinschaft, wir sind eine Nation. Wir sind nicht die Anderen. Oder?
Judith Kohlenberger sieht genau hin: Wer ist das Wir in welchem Kontext? Welches Wir wählen wir selbst, welches wird uns zugeschrieben durch Herkunft, Beruf, Status? Wann wird das Wir zu einem Werkzeug der Ausgrenzung? Und wie beschreiten wir den Weg hin zu einem inklusiveren Wir?
Dieser klarsichtige Essay räumt auf mit der Annahme, dass das von der Politik vielbeschworene und instrumentalisierte Wir selbstverständlich und festgeschrieben ist. Es ist vielmehr flüchtig, schwer fassbar, wandelbar– und ein ständiger Streit, den es auszuhalten gilt.
Judith Kohlenberger plädiert in klaren Worten und mit Feingefühl für ein starkes, wagemutiges Wir, das Wachstumsschmerzen nicht scheut, das Unterschiede als Chance auf Weiterentwicklung und echte Teilhabe begreift.

Judith Kohlenberger, geboren 1986, ist promovierte Kulturwissenschafterin und derzeit am Institut für Sozialpolitik der WU Wien tätig. Sie forscht zu Fluchtmigration, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe. Kurt-Rothschild-Preis 2019 für eine der europaweit ersten Studien zum Fluchtherbst 2015. Lehrtätigkeit an der WU Wien und der FH Wien. Mitglied im FALTER Think Tank und im Expertenrat Migration. Integration.Teilhabe. Mehrere Vorstandsund Beiratstätigkeiten, u. a. für migrant und frida Asyl- und Fremdenrechtsberatung.

Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

Judith Kohlenberger: WIR
112 Seiten, ISBN: 978-3-218-01255-3, 18,00 € inkl. MwSt., auch als e-book erhältlich
Kremayr & Scheriau, Februar 2021

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 26. Februar 2021
Technische Produktion: Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

„WANN HABEN WIR ES ÜBERSTANDEN, HERR DOKTOR WENISCH?“
ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT CHRISTOPH WENISCH

Als Leiter der Infektionsabteilung der Klinik Favoriten steht Christoph Wenisch seit einem Jahr gewissermaßen an der „Front“ der Corona-Bekämpfung. Kein „Gott in Weiß“, sondern einer, der auch auf Augenhöhe mit der Bevölkerung erklärt, was man weiß, welche Fortschritte bei den Behandlungen es gibt, und was mach auch nicht weiß. Einer, der Optimismus ausstrahlt, während sich rundherum gelegentlich schon Missmut breit macht. Als er als einer der ersten Österreicher Ende 2020 geimpft wurde, ging das Foto um die Welt, wurde zum kanonischen Bild. Erleichterung, Freude, auch dieses „wir lassen uns nicht unterkriegen“.

Mit Robert Misik spricht er über die Wahrheiten hinter den Schlagzeilen, über die Überforderung des Gesundheitspersonals, die Gegenwärtigkeit des Todes, die Fortschritte bei den Behandlungsmethoden. Aber auch die Zusammenhänge von Medizin und Gesellschaft, die Verwüstungen des Alltags, das Leid der Kinder, die monatelang keine Schule hatten usw. Und über sein Selbstbild als Arzt und die Bedeutung eines solidarischen Gesundheitssystems. Und über die Frage, wie eine Pandemie eigentlich endet…?

Dr. Christoph Wenisch (* 1967 in St. Pölten, Österreich, Ausbildung an der Medizinischen Fakultät Wien) ist Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin an der Klinik Favoriten (vormals Kaiser-Franz-Josef-Krankenhaus) in Wien. Zudem ist er außerordentlicher Professor für Medizin an der Universität Wien. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Intensivmedizin, Infektionskrankheiten und Tropenmedizin.
Christoph Wenisch ist Mitglied des Vorstands der Österreichischen Gesellschaft für antimikrobielle Chemotherapie, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und ehemaliger Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten.

Robert Misik, Autor und Journalist

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 25. Februar 2021
Technische Produktion: Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

SOS BALKANROUTE
Menschenrechtsverletzungen vor unserer Haustür

Nina Horaczek im Gespräch mit Hasan Ulukisa

Wir alle kennen die Bilder. Seit Jahren werden Menschen beim Versuch, die Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien zu übertreten, gewaltsam daran abgehalten und zurückgedrängt. Oft sind ebenjene Menschen damit konfrontiert, monate- bis jahrelang im Grenzgebiet im Raum Bihac bzw. im Kanton Una Sana festzusitzen. Sie müssen in menschenunwürdigen und elenden Verhältnissen um ihr Überleben kämpfen.
Am 23. Dezember gipfelte sich die humanitäre Krise in den Flammen des IOM-Camps Lipa, das rund 25 Kilometer entfernt von Bihać versteckt hinter einer Waldlandschaft liegt. Das Camp war als Übergangslösung für rund 1400 Menschen gedacht und bestand aus mehreren Mannschaftszelten. Es war von vornherein klar, dass das Lager nicht winterfest gemacht werden kann, da nicht einmal der Zugang zu Wasser- und Stromversorgung vorhanden war. Die IOM entschied sich nach mehreren Ankündigungen zurück zu ziehen – mit fatalen Folgen: 1400 Menschen sind nun mit der bitteren Kälte des bosnischen Winters konfrontiert. Schätzungen zur Folge sind nun etwa 4000 Geflüchtete im Kanton Una-Sana Obdachlos und ohne Versorgung

Hasan Ulukisa organisiert als Aktivist bei SOS Balkanroute humanitäre Hilfe in den Flüchtlingscamps in Bosnien und Herzegowina. Außerdem arbeitet er bei der Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung der Volkshilfe. In den bosnischen Flüchtlingscamps dokumentiert er seit Längerem die menschenunwürdigen Zustände.

Nina Horaczek ist Politologin, Autorin und Chefreporterin der Wiener Wochenzeitung „Falter“.

Das Bruno Kreisky Forum gibt in der neuen Reihe Without Blueprint: Young Internationals jungen Männern und Frauen die Gelegenheit, mit erfahrenen Gesprächspartnern ihre Recherchen zu präsentieren.

Aufgezeichnet am 23. Februar 2021 im Kreisky Forum
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

BELLINGCAT: HOW TO FIND REAL FACTS IN A POST-TRUTH WORLD
Tessa Szyszkowitz in conversation with Eliot Higgings
Book presentation “We are Bellingcat” in German: “Digitale Jäger”.

Eliot Higgins is the founder of Bellingcat and the Brown Moses Blog. During the Arab Spring the English online researcher started to locate atrocities in Libya and Syria in his free time. He focused on the weapons used in the conflict with open source investigation tools and techniques. His blog has morphed into one of the most important tools of holding regimes to account. President Assad in Syria lied about not using chemical weapons against his civilian population – Bellingcat proved him wrong. Higgins and his growing team of experts investigated the poisoning of Sergej Skripal and of Alexej Navalny. These “Digitale Jäger”, so the German title of the book, try to find the real facts in an increasingly fake news world. With success.

Eliot Higgins, Author, Founder of Bellingcat and the Brown Moses Blog
Moderation:
Tessa Szyszkowitz, Historian, Journalist and Author; UK-Correspondent for PROFIL, Falter und Cicero. She is also Senior Associate Fellow at Royal United Services Institute in London.

Elliot Higgins:
Digitale Jäger:
Ein Insiderbericht aus dem Recherchenetzwerk Bellingcat
Quadriga Verlag, 288 Seiten,
ISBN-10 3869951060

ZOOM Live Talk February 26, 2021

 

PATHOS
ROBERT MISIK IM GESPRÄCH MIT SOLMAZ KHORSAND

Pathos ist überall. Permanent sind wir bewegt, empört und berührt von der Welt – und wollen das auch mit allen teilen. Pathos bedeutet Macht. Wenn die eigene Bewegtheit andere bewegt, kommen erst die Dinge ins Rollen. Dann kann Pathos Veränderung bedeuten. Gleichzeitig spiegelt sein Einsatz auch die herrschenden Machtverhältnisse wider.
Scharf und pointiert seziert Solmaz Khorsand die einzelnen Tonlagen des uns stets umgebenden Pathoskonzerts. Sie misst die Lautstärke der Wortführer und hört bei den leisen Äußerungen der Ausgeschlossenen genau hin. Sie spürt, wessen aufgeregtes Geheul Gewicht hat und wem man rät, doch bitte nicht so pathetisch zu sein. Sie zeigt den fein balancierten Kipppunkt, an dem sich entscheidet, ob Pathos zu Achtsamkeit führt oder zu Radikalisierung. Und nicht zuletzt tritt sie ein für ein Innehalten, ein Dämpfen unseres eigenen Lärms und einen realistischen Blick auf uns selbst, der dazu ermutigt, im richtigen Moment einfach mal den Mund zu halten.

Solmaz Khorsand, geboren 1985, ist Journalistin und arbeitet derzeit beim Schweizer Magazin Republik. Stationen bei der Wiener Zeitung, Die Zeit, derStandard.at und Datum. Master in Internationalen Beziehungen und Wirtschaft an der Johns Hopkins University (USA). Khorsands Arbeiten reichen von Essays zur österreichischen Innenpolitik über Reportagen aus Weißrussland bis hin zu Wahlberichterstattung aus dem Iran. Ihr Essay „Die iranische Verwandlung“ zählte zu den besten Storys des Jahres 2017. Für ihre Arbeit wurde sie u. a. mit dem Wiener Journalistinnenpreis 2018 ausgezeichnet.

Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist

Solmaz Khorsand:
PATHOS
128 Seiten, ISBN: 978-3-218-01256-0, 18,00 € inkl. MwSt.; auch als e-book erhältlich; Kremayr & Scheriau, Februar 2021

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 23. Februar 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Hanno Loewy im Gespräch mit Avraham Burg: IRGENDWO ZWISCHEN EUROPA UND ISRAEL
in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems

Schon immer waren Konflikte um die Zukunft Europas damit verbunden, über die Rolle der europäischen Juden zu streiten. Ihre Emanzipation galt als Testfall der liberalen Hoffnungen des 19. Jahrhunderts, und ihr grenzüberschreitender Kosmopolitismus als Vorläufer europäischer Einigung – oder als Sündenbock für nationalistische Ideologien.
Heute scheint der Staat Israel symbolisch an diese Stelle zu treten – freilich unter umgekehrten Vorzeichen, als Lieblingskind rechtspopulistischer und nationalistischer Politiker.
Avraham Burg hat in seinem Leben schon viele Grenzen überschritten. Nach seiner politischen Karriere engagiert sich Avraham Burg publizistisch und in verschiedenen politischen Initiativen für einen ethnisch und religiös neutralen Staat seiner Bürgerinnen und Bürger, ein Staat der den Idealen der Europäischen Union folgen würde. Während diese Ideale im Europa der Gegenwart freilich zunehmend unter Druck geraten.
In einem Interview mit der Zeitung Haaretz hat er unlängst erklärt, warum er nicht länger den Eintrag „Jüdisch“ als „Nationalität“ im israelischen Melderegister tragen will.

Avraham Burg
ist ein israelischer Autor und ehemaliger hochrangiger Politiker
Hanno Loewy, Literatur- und Medienwissenschaftler, Publizist und Direktor des Jüdischen Museums Hohenems

ZOOM Live Talk, 23. Februar 2021

 

Dan Steinbock: CORONA, CHINA AND THE WORLD – MISSED OPPORTUNITIES, NEW BEGINNINGS?

The current Covid19 pandemic seems to be favoring a strong emphasis on national decision-making (manifested, inter alia by border closings), mounting rivalry between major nations, including the use of vaccines to strengthen alliances and a weakening of multilateralism. As could be expected, the impact of the pandemic is worst on under-privileged segments of the world’s population and on emerging economies. Two reports authored by Dan Steinbock, Founder of The Difference Group, for the Shanghai Institutes for International Studies, explore the globally missed opportunities.
In a conversation with Dan Steinbock, we will explore how the reports were received in China and overseas, what insights could be useful for Europe as it struggles to move through a second wave and what lessons – if any – can be drawn for multilateral cooperation.

Dan Steinbock, Economist, Non-Resident Fellow of Shanghai Institutes for International Studies, Founder of the global consultancy Difference Group
Moderation: Irene Giner-Reichl, Ambassador

Dan Steinbock, economist, is an internationally recognized expert of the multipolar world. He focuses on international business, international relations, investment and risk among the major advanced economies and large emerging economies. He is founder of the global consultancy Difference Group (www.differencegroup.net). In addition to advisory activities, he has served in the India China and America Institute (US), the Shanghai Institutes for International Studies (China) and the EU Center (Singapore). As a Senior Fulbright scholar, he has been affiliated with Stern School of Business/New York University, Columbia Graduate School of Business and has cooperated with Harvard Business School. Previously, he has consulted for the OECD, the European Commission, the Nordic Council and European government agencies.
In 2020, Dan Steinbock has authored the following two reports for the Shanghai Institutes for International Studies:
The Tragedy of Missed Opportunities. (May 2020)
The Tragedy of more Missed Opportunities. Covid-19 Human Costs and Economic Damage in Emerging and Developing Economies (August 2020)

 

Henda Chennaoui: TUNISIA. TEN YEARS OF REVOLUTION

In the decade following the revolution, Tunisia organised local and national free elections and adopted a new constitution. Nevertheless, most Tunisians, especially the young generation, remain dissatisfied and angry, as little has changed for them in their daily life. Structural challenges, such as corruption, bureaucracy, social injustice, poverty, lack of health care and education persist despite of all the efforts of the civil society and people to push the political elite towards basic reforms, resulting in daily demonstrations. Is the time ripe to discuss the necessity of negotiating a new social contract for Tunisia? If so, how could it look like and what can the new generation do to impose it?

Henda Chennaoui, Tunesian blogger and freelance journalist. She has been one of the most important activists in the struggle for the rights and the empowerment of women since the beginning of the revolution in Tunesia.

Gudrun Harrer, Senior Editor at Der Standard, Lecturer on Modern History and Politics of the Middle East, University of Vienna and Diplomatic Academy of Vienna

ZOOM Live Talk February 18, 2021

 

Robert Misik: DIE NEUE (AB)NORMALITÄT
Unser verrücktes Leben in der pandemischen Welt

„Nichts bringt die Verrücktheit dieser Zeit mehr auf den Begriff als das Wort der „Risikobegegnung“.
Die Begegnung, also die soziale Interaktion schlechthin, das Soziale selbst wird mit dem Begriff des Risikos verbunden, um nicht zu sagen: infiziert.“
Robert Misik

Soziale Nähe, Berührungen, Angreifen, der Kuss, andere in den Arm nehmen: Diese Kette des Lebens ist zu einer Kette des Todes geworden.
In Zeiten der Ansteckung sind wir infiziert, bevor wir uns einen Virus fangen. Kontroll- und Autonomieverlust, Angst, Gereiztheit prägen die – buchstäbliche – pandemische Gesellschaft. Die Corona-Pandemie ist ein Stresstest für Gemeinschaften und Demokratie. Regeln greifen tief in unsere Freiheit ein. Werden sie als nicht nachvollziehbar und gerecht angesehen, führt das zu Aufständen. Robert Misik beschreibt wie ein Flaneur und »Geschichtsschreiber der Gegenwart«, was all das mit uns macht. Können wir wirklich auf stärkeren Zusammenhalt, »ein Neues Wir«, auf die »Krise als Chance« hoffen?
Die Post-Corona-Ära wird von einem neuen wirtschaftspolitischen Paradigma geprägt sein, aber auch von Lebensappetit und Erlebnishunger.

Robert Misik, Autor und Journalist
Elisabeth Scharang, Drehbuchautorin, Filmemacherin, Dramaturgin, Radio- und Fernsehmoderatorin

Robert Misik
Die neue (Ab)normalität
Unser verrücktes Leben in der pandemischen Gesellschaft
ISBN: 978-3-7117-2107-5, 160 Seiten, gebunden; 16,- €; auch als E-Book erhältlich
PICUS Verlag, Februar 2021

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 5. Februar 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Caroline Gudenus: DEMOKRATIE IN AFRIKA
Kann der Senegal ein Beispiel sein?

Zuletzt meist überschattet von der Covid-Problematik kommen seit einiger Zeit auch aus Afrika wieder vermehrt Meldungen über negative Trends bis offene Konflikte bei demokratiepolitischen Entwicklungen. Im Vordergrund stehen dabei Fragen wie friedlicher Machtwechsel, Gewaltenteilung, Journalistenarbeit und freie Meinungsäußerung, Korruption, die Rolle der Zivilgesellschaft im öffentlichen Leben, und die Versuchung der Machthaber, sich dabei auch mit Einsatz von Gewalt durchzusetzen. Wahlen sind nicht länger formale und wenig aufregende Fortschreibungen, oder Änderungen politischer Machtverhältnisse. Sie sind zu Brenngläsern (Fokalpunkten) sämtlicher Spannungen, Ungleichheiten und aufgestautem Zorn über die sich ganz offensichtlich bereichernden Eliten, und damit zu politischen Krisenereignissen mit unbestimmtem Ausgang geworden. Beispiele dafür sind die in den letzten Monaten abgehaltenen Wahlen in Tansania, Côte d’Ivoire, der Zentralafrikanischen Republik und Uganda. Für 2021 stehen zumindest neun weitere kritische Wahlen bevor. Vor diesem Hintergrund wollen wir heute zunächst ein Land, den Senegal, diskutieren, dem es gelungen ist, trotz aller Spannungen einen weitgehend friedlichen demokratiepolitischen Kurs zu steuern, dann aber auch andere Beispiele vor allem im westlichen Afrika unter diesem vorgegebenen Blickwinkel untersuchen.

Caroline Gudenus, ehemalige österreichische Botschafterin in mehreren afrikanischen Ländern

Georg Lennkh, Vorstandsmitglied des Kreisky Forums, ehemaliger österreichischer Sonderbotschafter der Bundesregierung für Afrika

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 8. Februar 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Thomas Stelzer: UNITE AGAINST CORRUPTION!
Eine globale Anstrengung gegen Korruption

Während der vier Jahre Trump-Regierung in den USA wurden die multilaterale Zusammenarbeit und die Aufrechterhaltung eines auf Rechtstaatlichkeit und globaler Governance basierten Systems, das die USA und Europa in der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut und aufrechterhalten hatten, stark in den Hintergrund gerückt. Die Außenpolitik wurde auf eine Art Abkommen zwischen politischen Führern auf der Grundlage nationaler Interessen reduziert. In der Komplexität des 21. Jahrhunderts entspricht dieser Ansatz nicht den Herausforderungen, vor denen wir stehen und die mehr und nicht weniger Multilateralismus und internationale Zusammenarbeit erfordern. Der weltweite Kampf gegen Korruption, der eng mit Demokratie, Völkerrecht und Menschenrechten verbunden ist, bietet einen guten Ausgangspunkt, um diese und andere damit zusammenhängende Fragen zu untersuchen.

Thomas Stelzer, österreichischen Diplomaten mit umfassender multilateraler Erfahrung, wurde im Februar 2020 vom Gouverneursrat zum Dekan der Internationalen Antikorruptions-Akademie IACA mit Sitz in Laxenburg bei Wienernannt. Die Amtszeit beträgt vier Jahre. Davor war Thomas Stelzer Ständiger u.a. Vertreter Österreichs beim Büro der Vereinten Nationen in Wien, der Internationalen Atomenergie-Organisation, der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung und der Vorbereitungskommission der Organisation für das umfassende Verbot von Nuklearversuchen und in jüngerer Zeit als Botschafter in Portugal. Er war außerdem Stellvertretender Generalsekretär für politische Koordinierung und interinstitutionelle Angelegenheiten bei den Vereinten Nationen und Sekretär des Chief Executives Board der Vereinten Nationen. Vor seinem Eintritt in den Auswärtigen Dienst arbeitete er als freier Journalist und politikwissenschaftlicher Forscher in Lateinamerika.
Eva Nowotny, Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums, Diplomatin i.R., Vorsitzende des Universitätsrates der Universität Wien

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 8.2.2021 im Kreisky Forum
Technische Produktion: Maiximilian Hofko

 

Selim Yenel: TURKEY’S TRIALS AND ERRORS (©ICG)

On the making of a regional power, the costs of undercutting dialogue with hard-power moves, the imperative of undergoing reforms at home, and what can be done to revive Turkey’s EU accession process

Selim Yenel, President of Global Relations Forum, Istanbul
Moderation:
Walter Posch, Senior Fellow Institute for Peace Support and Conflict Management (IFK)

Ambassador Selim Yenel, Turkish ambassador to the EU until 2017 and now president of the Istanbul-based think-tank Global Relations Forum, on of what is driving Ankara in a changing world.
While the world in general, Europe and the core NATO countries, are relieved by Joe Biden’s election, there remain some serious problems that will present the new administration with early foreign policy challenges. Turkey itself poses a myriad of additional challenges; ranging from the aquisition of Russian made S-400 missiles (which the US Congress is intent on applying sanctions for), to involvement in Northern Syria, mounting tensions in the Eastern Mediterranean and Erdogan’s intent on pushing the boundaries of foreign policy activism.

Join Selim Yenel and Walter Posch in their talk on the making of a regional power, the costs of undercutting dialogue with hard-power moves, the imperative of undergoing reforms at home, and what can be done to revive Turkey’s EU accession process

ZOOM Live Talk, February 9, 2021
in cooperation with Global Relations Forum

 

ZUM 85. GEBURTSTAG VON ELISABETH ORTH
AUS KREISKYS WOHNZIMER

Elisabeth Orth, Doyenne des Burgtheaters
im Gespräch mit
Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Elisabeth Orth wurde am 8. Februar 1936 als Tochter von Paula Wessely und Attila Hörbiger in Wien geboren.
Ihre Berufslaufbahn begann sie als Filmcutterin, daneben studierte sie Sprachen und war als Regieassistentin tätig, ehe sie das Max Reinhardt Seminar besuchte. Sie übernahm als Künstlernamen den Mädchennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits: Orth.
1968 wurde sie fixes Ensemblemitglied am Burgtheater und ist es, obwohl sie von 1995 bis 1999 an der Berliner Schaubühne engagiert war, bis heute. 2014 brachten die Salzburger Festspiele in einer Koproduktion mit dem Burgtheater Die letzten Tage der Menschheit zur Aufführung. Elisabeth Orth übernahm in dieser Dramatisierung mehrere Rollen. Neben ihrem Bühnenengagement ist Orth auch für Film und Fernsehen tätig.
Elisabeth Orth macht aber nicht nur als Schauspielerin von sich reden, sondern auch durch ihr sozialpolitisches Engagement gegen Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Sie ist Präsidentin der Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich. Am 11. Jänner 2015 verlas sie gemeinsam mit Peter Matić bei der Demonstration „Gemeinsam gegen den Terror“ am Wiener Ballhausplatz vor 12.000 Demonstrationsteilnehmern einen Text der österreichischen Bundesregierung. Sie ist auch in früheren Jahren immer wieder gegen Rassismus und für Menschenrechte eingetreten.
Neben zahlreichen Auszeichnungen wie dem Kritikerpreis Bad Hersfeld und dem Bayerischen Staatspreis erhielt Elisabeth Orth von Judith Holzmeister den Liselotte-Schreiner-Ring. Im Jahr 2006 erhielt sie das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, 2010 wurde Orth mit dem Preis der Hörspiel-Schauspielerin des Jahres 2009 ausgezeichnet und im Jahre 2011 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. 2014 wurde sie Ehrenmitglied des Burgtheaters. Nach dem Tod Annemarie Düringers wurde Elisabeth Orth im Februar 2015 zur Doyenne des Burgtheaters ernannt.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 27. Jänner 2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Nina Khrushcheva: RUSSIAN ROULETTE

Tessa Szyszkowitz in conversation with Nina Khrushcheva

Since the Russian opposition leader Alexej Navalny was poisoned with the nerve agent Novichok in August 2020 the world is watching the increasingly tense fight between Alexej Navalny and the Russian president Vladimir Putin. In conversation with Tessa Szyszkowitz Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs at The New School in New York and curator at Kreiskyforum, will analyse what the return of Navalny to Moscow means for Putin, how a longer jail sentence for Navalny could change his anti-corruption movement and with which methods European countries can react to the crackdown on the Russian opposition by the Russian government.

Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs, New School, New York; Senior Fellow of the World Policy Institute, Author. She lives in New York and Moscow
Szyszkowitz Tessa, Historian, Journalist and Author; UK-Correspondent for PROFIL, Falter und Cicero. She is also Senior Associate Fellow at Royal United Services Institute in London

ZOOM Live Talk February 4, 2021

 

James K. Galbraith: THE US AND THE GLOBAL ECONOMY AFTER COVID-19

The global Covid-19 pandemic has effected a revolution in world economic affairs. The liberal (or more properly, neo-liberal) economic systems of Europe, North America and Latin America have handled the crisis poorly. China, Vietnam, South Korea, Taiwan and Cuba have done remarkably well. Why is this so? What does it portend?
James Galbraith argues that it was precisely the most celebrated features of the liberal Western systems – decentralization, post-industrialism, the hegemony of finance and advanced technologies, reliance on markets, willingness to trade public health against economic objectives – that brought them low in the face of the pandemic. Success occurred in those countries that mounted an immediate, centralized public health response, that could effectively lock down in whole or part, that were willing to sacrifice all economic activity temporarily to public health, and that dominated the production of basic manufactures such as personal protective equipment and so were able immediately to underpin behavioral mandates with material capacity. It was a matter, in other words, of whether it was possible to mobilize the whole society to protect public health, or not.
Looking forward, the new Biden administration in the United States will launch a large, coordinated public health initiative, together with patchwork fiscal assistance and income support, to get the United States through the immediate crisis. Success is far from certain. And in the aftermath, even if the pandemic is contained over the next year, the American (and European) economic model will face a profound restructuring in three major areas: the advanced sectors, which provide US strength in world trade; the services sectors, which provide the jobs; and the financial sector, as unpayable private debts will have to be written down.

James Kenneth Galbraith is an American economist, with a chair at the Lyndon B. Johnson School of Public Affairs, the University of Texas at Austin. He has advised political campaigns in America and governments in China and Greece. He served in the early 1980s as Executive Director of the Joint Economic Committee of the United States Congress. His father, John Kenneth Galbraith, was one of the most celebrated economists of all time, and a participant and adviser in US governments from Roosevelt through Kennedy and Johnson.

Robert Misik, Author and Journalist

ZOOM Live Talk, February 1, 2021

 

Oliver Rathkolb: SCHIRACH

„Ein Augenöffner über eine der zwielichtigsten Figuren des NS-Regimes.“
Joachim Riedl, DIE ZEIT

Das Angebot des „Führers“ an den 18-jährigen Baldur von Schirach ist verlockend: „Solche jungen Männer braucht die Partei, braucht Deutschland!“ Der angehende Student der Germanistik und Kunstgeschichte kann diesem Ruf Hitlers nicht widerstehen, es beginnt eine steile Karriere.1930 wird er zum Reichsjugendführer ernannt, als treuer Paladin seines Herrn schwört er die „Hitlerjugend“ auf die „braune Revolution“ ein. Er träumt von einem faschistischen Europa unter deutscher Führung und lässt als Gauleiter von Wien die jüdische Bevölkerung in die Todeslager deportieren.1946 wird Baldur von Schirach, inzwischen Vater von vier Kindern, in Nürnberg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seine Familie muss mit den düsteren Schatten der NS-Verstrickungen leben …

Oliver Rathkolbs aktuelles Buch über den ehemaligen Reichsjugendführer des NS-Regimes und Gauleiter von Wien, Baldur von Schirach, wurde von einer Experten- und Expertinnenjury in die Top 5 bei der Wahl zum Wissenschaftsbuch des Jahres nominiert.

Oliver Rathkolb: Schirach – Eine Generation zwischen Goethe und Hitler.
Molden Verlag, Wien 2020; ISBN 978-3-222-15058-6, 352 S., 32,– €

Oliver Rathkolb,
Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte und Mitglied des Senats der Universität Wien. Vorsitzender der Wissenschaftlichen Beiräte im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel beim ERP und im Haus der Geschichte Österreich. Ehemaliger Leiter der Stiftung Bruno Kreisky Archiv und 1992–2004 Wissenschaftskoordinator des Bruno Kreisky Forums. Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. Die Paradoxe Republik. Österreich 1945-2015 (Paul Zsolnay Verlag), die mit dem Donauland-Sachbuchpreis Danubius und dem Bruno Kreisky Preis für das politische Buch ausgezeichnet wurde.

Cathrin Kahlweit,
Studium Russisch und Politik in Eugene (USA), Tübingen, Göttingen und Moskau; danach Hamburger Journalistenschule (Gruner & Jahr). Seit 1989 Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung, 2012 bis 2017 SZ-Korrespondentin für Zentraleuropa mit Sitz in Wien. Von 2017 bis 2020 Korrespondentin für das Vereinigte Königreich mit Sitz in London; seit September 2020 zurück in Wien als Korrespondentin für Mittel- und Osteuropa. Buchautorin.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 26.1.2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

Johannes Kopf: DER PERSONALCHEF
Der AMS-Vorstand über den Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit und die Aufgaben staatlicher Arbeitsmarktpolitik

Er ist eine Schlüsselfigur bei der Bewältigung der Corona-Wirtschaftskrise: Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice AMS. Eine Herkulesaufgabe: Mit dem Instrument Kurzarbeit müssen so viele Menschen wie möglich in Beschäftigung gehalten werden. Menschen, die arbeitslos werden, haben im Augenblick eingetrübte Aussichten, einen Job zu finden. In einigen Branchen verstärken sich die übliche saisonale Arbeitslosigkeit mit dem Regeln von „sanften“ oder „harten“ Lockdowns. Die Langzeitarbeitslosigkeit steigt geradezu logischerweise. Welche Pläne und Programme kann man auflegen, damit das nicht fürchterliche Langzeitfolgen über die Pandemie hinaus hat? Denn Langzeitarbeitslosigkeit entwertet Qualifikationen und sie ist nicht zuletzt eine schwere psychische Belastung.

Wäre es an der Zeit, über radikale Alternativen nachzudenken? Was ist, beispielsweise, mit einer staatlichen Beschäftigungsgarantie, wie sie allenthalben bereits debattiert und lokal erprobt wird? Wie können wir nach dem Ende der Pandemie den Skandal der Massenarbeitslosigkeit bekämpfen?

Johannes Kopf, Wiener, Jurist, Familienvater, Vorstandsmitglied des AMS (Arbeitsmarktservice). Seit 1. Juli 2019 auch Vorsitzender des Netzwerks der europäischen Arbeitsmarktverwaltungen. Von 2003 bis 2006 Arbeitsmarktexperte im Kabinett von Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein. Davor Referent der Industriellenvereinigung mit Schwerpunkt Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, stellvertretendes Mitglied des Verwaltungsrates des AMS. Von 2001 bis 2002 Österreichs Arbeitgeber-Verhandler in Brüssel im Sozialen Dialog der EU zu den Themen Leiharbeit und Telearbeit.
Ausgezeichnet mit dem Dr. Heinrich Treichl Preis für humanitäres Engagement (Rotes Kreuz Österreich).

Robert Misik, Autor und Journalist

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 26.1.2021 im Kreisky Forum
Technische Produktion: Maximilian Hofko

 

THE ARAB AND JEWISH QUESTIONS: GEOGRAPHIES OF ENGAGEMENT IN PALESTINE AND BEYOND
BOOK LAUNCH
in cooperation with the Department of History, Central European University, CEU Vienna

This book talk discusses the attempts of leading scholars to consider how the “Jewish Question” and the “Arab Question” are entangled historically and in the present day. It offers critical analyses of Arab engagements with the question of Jewish rights alongside Zionist and non-Zionist Jewish considerations of Palestinian identity and political rights. Together, the essays of the book under discussion show that the Arab and Jewish questions, and the Israeli-Palestinian conflict in which they have become subsumed, belong to the same thorny history. Despite their major differences, the historical Jewish and Arab questions are about the political rights of oppressed groups and their inclusion within exclusionary political communities—a question that continues to foment tensions in the Middle East, Europe, and the United States. Shedding new light on the intricate relationships among Orientalism, anti-Semitism, Islamophobia, colonialism, and the impasse in the Israeli-Palestinian conflict, this book reveals the inseparability of Arab and Jewish struggles for self-determination and political equality. The book is an outcome of nearly a decade of direct engagement and dialogue between editors, contributors and experts hosted by the Bruno Kreisky Forum, Vienna.

Bashir Bashir, Associate professor in the Department of Sociology, Political Science, and Communication at the Open University of Israel, a senior research fellow at the Van Leer Jerusalem Institute and at the Bruno Kreisky Forum. He is the co-editor of The Holocaust and the Nakba: A New Grammar of Trauma and History (Columbia University Press, 2018).

Leila Farsakh, Associate professor of political science at the University of Massachusetts Boston. Among her publications are Palestinian Labour Migration to Israel: Labour, Land and Occupation (second edition, 2012) and Commemorating the Naksa, Evoking the Nakba (2008). Her forthcoming book, Rethinking Statehood in Palestine, is due to be published in 2021 with University of California press.

Alon Confino, Pen Tishkach Chair of Holocaust Studies, Departments of History and of Jewish and Near Eastern Studies, Director, Institute for Holocaust, Genocide, and Memory Studies, University of Massachusetts, Amherst. Among his books is A World Without Jews: The Nazi Imagination from Prosecution to Genocide (Yale University Press, 2015).

Aziz Al-Azmeh University Professor Emeritus and Distinguished Visiting Professor at the Central European University, Vienna. He has served on many academic-related and academic committees, including the Advisory Board of the Excellence Cluster on Religion and Politics, University of Münster, and the Advisory Council of the UNDP Arab Human Development Reports. Since 2017, he has been co-directing the international research project Striking from Margins – State, Religion and Reconstitution in the Arab World. Forthcoming in English and Arabic simultaneously the co-edited volume Striking from the Margins – State, Religion and Devolution of Authority in the Middle East (Saqi Books February 2021).

Moderator: Nadia Al-Bagdadi, Professor of History at Central European University, Vienna and Director of the Institute of Advanced Studies CEU. Since 2017, she co-directs the international research project Striking from Margins – State, Religion and Reconstitution in the Arab World. Forthcoming in English and Arabic simultaneously the co-edited volume Striking from the Margins – State, Religion and Devolution of Authority in the Middle East. (Saqi Books February 2021).

Chair: Gertraud Borea d’Olmo, Secretary General, Bruno Kreisky Forum, Vienna

The book can be purchased as hard cover, paperback or e-book at Coumbia University Press 

ZOOM Live Talk 25.1.2021

 

Zum 110. Geburtstag von Bruno Kreisky – Cornelius Obonya liest Franz Schuh
NOBODY IS PERFECT
BRUNO KREISKY UND DER BEGRIFF DES POLITISCHEN

Festvortrag von Franz Schuh, Philosoph, Schriftsteller, Literaturkritiker
gelesen von
Cornelius Obonya, Schauspieler

In Bruno Kreiskys Denken und Wollen spielte – wie er es selbst formulierte – „Der Mut zum Unvollendeten“ eine große Rolle. Das hatte nichts mit Zögerlichkeit oder Halbherzigkeit zu tun. Der Mut zum Unvollendeten bedeutete vielmehr, dass Ideologien und gesellschaftliche Strukturen für ihn kein in sich geschlossenes endgültiges System waren und schon gar kein Endstadium der Geschichte. Es war ein Bekenntnis zum Neuen, zur schrittweisen Reform, ein Bekenntnis zur Überprüfbarkeit politischer Entscheidungen im Sinne von Karl Popper. Und es war eine Abgrenzung gegenüber dogmatischen oder gar totalitären Positionen.
Jedes politische und gesellschaftliche System ist unvollendet und muss unvollendet sein. Denn, was Menschen machen, kann auch von Menschen zum Besseren verändert werden. Die Freiheit dazu darf man ihnen nicht nehmen.

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 18.1.2021
Technische Produktion: Maximilian Hofko und Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

Arab Changes online. Kuratiert von Gudrun Harrer
ÄGYPTEN – 10 JAHRE NACH BEGINN DES ARABISCHEN FRÜHLINGS

Karim El-Gawhary, leitet seit Mai 2004 das ORF Büro in Kairo und betreut von dort für den ORF den gesamten arabischen Raum. Der Nahostexperte ist darüber hinaus Autor zahlreicher Bücher.

Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien.

„Es ist das unselige arabische Dreigespann von Armut, Ungleichheit und Machtlosigkeit, das immer mehr Araberinnen und Araber zur Verzweiflung und manchmal auf die Barrikaden bringt“, fasst der ORF Korrespondent Karim El-Gawhary die Situation im arabischen Raum pointiert zusammen. In seinem jüngsten Buch beschreibt El-Gawhary den arabischen Wettlauf der letzten zehn Jahre zwischen Repression und Rebellion. Wie sich der arabische Raum in der vergangenen Dekade entwickelt hat, darüber unterhalten sich zwei renommierte Journalisten und Nahostexperten in diesem Gespräch. Sie richten dabei besonderes Augenmerk auf Ägypten, dessen Volk den langjährigen Herrscher Hosni Mubarak vor zehn Jahren im Februar 2011 zu Fall brachte.

Karim El-Gawhary
Repression und Rebellion. Arabische Revolution – was nun?
ISBN: 9783218012324; Verlag Krenmayr & Scheriau, Wien, September 2020

ZOOM Livetalk 19.1.2021

 

Nina Khrushcheva on the return of Alexei Nawalny to „Mother Russia“

Russian opposition leader Alexei Nawalny has returned to Russia, facing immediate arrest and a speedy trial upon arrival in his home country.
For a background leading up to the current events and why Nawalny is no longer a local problem, but an international one, hear the analysis of Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs at the New School University, New York and Bruno Kreisky Forum´s curator of RUSSIA ON THE WORLD STAGE.

 

WESTSAHARA, DIE LETZTE KOLONIE AFRIKAS
Geschichte und Gegenwart eines vergessenen Konflikts
Andreas Pfeifer im Gespräch mit Paul Huemer

Die Westsahara gilt als letzte Kolonie Afrikas. Fast 30 Jahre lang herrschte mitten in der Wüste ein fragiler Waffenstillstand zwischen dem Königreich Marokko und der westsaharischen Befreiungsbewegung „Frente Polisario“. Doch seit Mitte November überschlagen sich die Ereignisse. Nach dem Wiederaufflammen der Kämpfe und dem Ende des Waffenstillstandes, hat der scheidende US-Präsident Donald Trump die marokkanischen Gebietsansprüche auf die Westsahara anerkannt.
Gleichzeitig mangelt es in den von der Polisario betriebenen Flüchtlingslagern an Nahrung, Medikamenten und vor allem Perspektiven. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Was steckt hinter den Ankündigungen Donald Trumps? Wie profitieren Österreich und die Europäische Union von der Situation in der Westsahara? Und wie nahe stehen wir am Beginn eines ausgewachsenen Krieges?
Der Journalist Paul Huemer hat sich in den Flüchtlingslagern und den besetzten Gebieten der Wüste umgesehen und nach Antworten auf diese Fragen gesucht. Gemeinsam wollen wir einen Blick auf diesen vergessenen Konflikt wagen.

Paul Huemer ist freier Journalist und arbeitet für die Auslandsredaktion der Nachrichtensendung Zeit im Bild. Als Reporter berichtet er aus den verschiedenen Ländern des Nahen Ostens. Seine letzte Reise führte ihn in die Flüchtlingslager und befreiten Gebieten der westsahrauischen Befreiungsbewegung „Frente Polisario“

Andreas Pfeifer ist außenpolitischer Ressortleiter im aktuellen Dienst des ORF-Fernsehens

ZOOM Live Talk 18.1.2021

Das Bruno Kreisky Forum gibt in der neuen Reihe Without Blueprint: Young Internationals jungen Männern und Frauen die Gelegenheit, mit erfahrenen Gesprächspartnern ihre Recherchen zu präsentieren.

 

Tessa Szyszkowitz im Gespräch mit GÉRALDINE SCHWARZ
ERINNERT EUCH!
Ein Plädoyer, wie Europa der Nationalismus-Falle entkommen kann.

Was braucht es, damit eine Gesellschaft zum Komplizen politischer Verbrechen wird? In ihrem Buch “Die Gedächtnislosen” erzählt Géraldine Schwarz die Geschichte ihrer Familie: Ihr deutscher Großvater war Mitläufer, er arisierte 1938 ein jüdisches Geschäft und weigerte sich nach dem Krieg, dem einzigen Überlebenden Reparationen zu zahlen. Ihr französischer Großvater diente unter dem Vichy-Regime als Gendarm. Über drei Generationen hinweg bettet die Autorin ihre deutsch-französische Familiengeschichte in das große Ganze ein und diskutiert den Unterschied in der Aufarbeitung der Geschichte in Deutschland und in Frankreich, aber auch Österreich und Italien. Sie stellt Zusammenhänge zur Gegenwart her: Wo es an historischem Bewusstsein mangelt, haben Demagogen und Populisten umso mehr Erfolg. Ein Plädoyer für die Erinnerungsarbeit, um Nationalismus und Populismus entgegenzuwirken.

Die deutsch-französische Autorin, Journalistin und Filmemacherin Géraldine Schwarz hat mit ihrem ersten Roman einen internationalen Erfolg gelandet: “Die Gedächtnislosen – Erinnerungen einer Europäerin” (im Französischen Original “Les Amnésiques”) wurde in viele Sprachen übersetzt und mit dem Europäische Buchpreis 2018 ausgezeichnet. Die ehemalige amerikanische UN-Botschafterin Samantha Powers nennt das Buch “einen dringenden Weckruf, der die Gefahren des schleichenden Autoritarismus aufzeigt, und davor warnt, welcher Rückstoß droht, wenn die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit nicht beleuchtet und bearbeitet werden.”

Géraldine Schwarz, deutsch-französische Journalistin und Dokumentarfilmerin. Die langjährige Deutschland-Korrespondentin der Agence France Presse (afp) publiziert heute in verschiedenen internationalen Medien

Moderation: Tessa Szyszkowitz, Autorin (Echte Engländer. Britannien nach dem Brexit, Picus Verlag, 2018) und Journalistin für PROFIL, Falter und Cicero ist auch Senior Associate Fellow am Royal United Services Institute in London.

ZOOM Livetalk 12.1.2021

 

LEISTUNGSKLASSE
Wie Frauen uns unbedankt und unerkannt durch alle Krisen tragen
Veronika Bohrn Mena im Gespräch mit Robert Misik

Frauen halten unsere Gesellschaft am Laufen, sie tragen unsere Gemeinschaft. Ihre Arbeit ist in vielfacher Hinsicht „systemrelevant“, denn ohne sie geht gar nichts. Sie leisten die Erziehungs- und emotionale Sorgearbeit, sie helfen, pflegen, sie sind unermüdlich im Einsatz, meist unterbezahlt, oftmals gänzlich unbezahlt. Und sie arbeiten vielfach in den Berufen, deren Dienstleistungen für uns alle unverzichtbar sind, die jedoch trotzdem nicht entsprechend entlohnt werden.
Würden Frauen nur einen Tag die Arbeit niederlegen, wäre ein Zusammenbruch unserer Zivilisation unausweichlich. Von früh bis spät, egal ob Zuhause oder am Arbeitsplatz, arbeiten sie de facto rund um die Uhr. Sie bilden das Fundament unserer Wirtschaft, unbedankt und vielfach unerkannt. Frauen opfern ihre Zeit und nicht selten auch ihr eigenes körperliches wie psychisches Wohlbefinden, von ihrer Jugend an bis ins hohe Alter. Sie tragen uns durch alle Krisen.
Wenn auch nicht entsprechend präsent, so war die extreme Schieflage in der Verteilung von Zeit und Geld schon vor der Corona-Krise ein Faktum. Die Krise hat diesen Missstand weiter verschärft. Die Auswirkungen dieser Schieflage beeinflussen jeden Lebensbereich und sind mitunter verheerend – insbesondere für Frauen.
Wie geht es Frauen aktuell in der Arbeitswelt, im Alter, als pflegenden Angehörigen oder als Müttern? In ihrem aktuellen Buch „Leistungsklasse“ geht Veronika Bohrn Mena auf Basis persönlicher Perspektiven und Fakten diesen Fragen nach und plädiert für eine Umverteilung von Zeit, Arbeit und Geld.

Veronika Bohrn Mena (* 1986 in Salzburg) ist Autorin, Arbeitsmarktexpertin und Kolumnistin. Sie beschäftigt sich seit zehn Jahren mit prekären Arbeitsverhältnissen, atypischer Beschäftigung, Segmentierungsprozessen und Veränderungen in der Arbeitswelt mitsamt ihren Auswirkungen.
Seit 2013 hauptberuflich in der Gewerkschaft. Zuvor als Vorsitzende der Plattform Generation Praktikum und beginnend im Referat für Sozialpolitik in der ÖH Bundesvertretung.

Veronika Bohrn Mena:
Leistungsklasse. Wie Frauen uns unbedankt und unerkannt durch alle Krisen tragen.
ÖGB Verlag, November 2020, ISBN: 978-3-99046-473-1, 19. 90 €

Aufgezeichnet im Kreisky Forum am 7.1.2020
Technische Produktion: Maximilian Hofko und Maria-Anna Fuchs-Grünbühel

 

WHAT TO EXPECT FROM THE INCOMING US ADMINISTRATION
Renewed Multilateral Relations and Global Perspectives? Views from China/Southeast-Asia, Russia and Europe

The election of Joseph Biden, a member of the Democratic Party, as the 46th President of the United States and the incoming US Administration present a new strategic space for multilateral relations. In this conversation, Raimund Loew will discuss with experts on China and South East Asia, Russia and Europe, which paradigm shifts we may—or may not—expect in regard to global alliances, partnerships, and competition.

Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs at The New School, New York
Steven Lee Myers, Journalist, Bureau Chief of the New York Times in Beijing
Eva Nowotny, Board Member of Bruno Kreisky Forum, Amb. ret., Chair of the Vienna University Board
Moderator: Raimund Löw, Historian and Journalist, Director of Falter Radio. Previously, Mr. Loew was the correspondent of the Austrian broadcasting company ORF in Beijing, Moscow and Washington.

In Cooperation with Falter Radio and W 24
Recorded at the end of December 2020 in the Kreisky Forum

 

Christoph Zielinski: ENGAGIERTER ARZT, STREITBARER BÜRGER

Genial dagegen online. AUS KREISKYS WOHNZIMMER

Christoph Zielinski im Gespräch mit Robert Misik über Gesundheitssystem, Gerechtigkeit und Bürgerrechte in der „pandemischen Gesellschaft“

Er ist seit Jahrzehnten eine der führenden medizinischen Kapazitäten Österreichs – der Onkologe Christoph Zielinski. Universitätsprofessor für internistische Onkologie und klinische Immunologie, bis 2017 Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Klinik für Innere Medizin I in Wien, früher auch Vizerektor der MedUni Wien. Der berühmteste Krebsforscher und -Arzt des Landes. Oder wie man in Wien sagt: Der Zielinski vom AKH. Zugleich machte er aber immer als streitbarer Bürger und als „Public Intellectual“ von sich reden. Zielinski engagierte sich in Gesundheitskampagnen, in der Anti-Krebs-Aufklärung. Wenn es um Diskriminierung und Hasspolitik geht, erhebt er seine Stimme. „Es ist Zeit für ein neues Lichtermeer“, sagte Zielinski unlängst. Eine liberale freie Gesellschaft, ein optimales öffentliches Gesundheitswesen, Medizin und Gerechtigkeit, das sind Fragen, denen er sich immer wieder widmet – und die in Zeiten der Pandemie umso dringender besprochen gehören.

Christoph Zielinski wurde am 20. Mai 1952 in Wieliczka bei Krakau/Polen geboren. Er ist der Sohn des Schriftstellers Adam und der Slawistin Sophie Zielinski. 1957 ging die Familie nach Wien, wo Christoph Zielinski 1970 ein Medizinstudium begann.

Aufgezeichnet am 14.12.2020 im Kreisky Forum
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

AUS KREISKYS WOHNZIMMER

Manfred Matzka: HOFRÄTE, EINFLÜSTERER, SPINDOKTOREN
300 Jahre graue Eminenzen am Ballhausplatz
Eine republikanische Geschichtsstunde

Manfred Matzka, ehemaliger Sektionschef im Bundeskanzleramt
im Gespräch mit
Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Ob Kaiser oder Kanzler: Sie alle hörten auf ihre Einflüsterer, die mit ihrem Rat die Geschicke des Staates beeinflussten. Mancher Hofrat entschied über Krieg oder Frieden. Einige Schattenfürsten übertrafen ihre Herrscher an Macht. Andere versetzten der Demokratie den Todesstoß. Und dann gab es jene, die Ämter anhäuften – und verarmt starben.

Manfred Matzka, Kenner des politischen Betriebs in Hofburg und Kanzleramt, holt die grauen Eminenzen vor den Vorhang. Von den Beratern Maria Theresias bis zum Expertenkabinett von Kanzlerin Bierlein erhellt Matzka in ebenso tiefgehenden wie kurzweiligen Porträts ihre Strategien und analysiert den Einfluss moderner Berater: der anonymen Spin-Doktoren und Consulter.
Eine kenntnisreiche Geschichte der Hintergründe der Staatsmacht, erzählt mit der 40-jährigen Erfahrung eines Spitzenbeamten, der die Mechanismen der Macht präzise zu verstehen und zu nutzen gelernt hat.

Manfred Matzka
langjähriger Präsidialchef des Bundeskanzleramtes und zuletzt Berater der Bundeskanzlerin, ist Kulturmanager und Kunstliebhaber. Er hat zahlreiche juristische Publikationen verfasst sowie Monografien zum Datenschutz und zur Nationalratswahl publiziert.

Manfred Matzka: Hofräte, Einflüsterer, Spin-Doktoren. 300 Jahre graue am Ballhausplatz
Ein Blick hinter die geheimnisvollen Tapetentüren am Ballhausplatz
Brandstätter, Wien September 2020; ISBN978-3-7106-0466-9; 28,- €

Aufgenommen am 10.12.2020 im Kreisky Forum
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

Ewald Nowotny
GELD UND LEBEN

Wenige Menschen haben in ihrem Berufsleben so vielfältige Lebenswelten erleben können wie Ewald Nowotny. In diesem Buch geht es ihm nicht nur um die Analyse zentraler wirtschaftlicher Ereignisse der letzten Jahrzehnte, sondern auch um die Darstellung der handelnden Personen und ihrer Motive. Es ist ein Bericht aus österreichischer und internationaler Perspektive über persönliche Erfahrungen aus den Bereichen der Wissenschaft, der Politik und des Bankwesens. Gleichzeitig ist es auch eine persönliche Erzählung über den Werdegang, das Umfeld und die gesellschaftspolitischen Überlegungen eines international anerkannten österreichischen Ökonomen.

Ewald Nowotny, geb. 1944, Universitätslehrer an den Universitäten Linz, Harvard und der Wirtschaftsuniversität Wien, wo er zeitweise auch als Vizerektor wirkte. Verfasser von 12 wissenschaftlichen Büchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Mitglied des österreichischen Nationalrates, dabei 11 Jahre Vorsitzender des Finanzausschusses. Ab 1999 leitende Funktionen im Bankwesen als Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg und später als Generaldirektor der BAWAG-PSK. 20082019 Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und Mitglied des Gouverneurrates der Europäischen Zentralbank. Nach seinem Ausscheiden Präsident der Österr. Gesellschaft für Europapolitik und Lehrtätigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Universität Wien. Ewald Nowotny ist Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums.

Moderation: Robert Misik, Autor and Journalist

Ewald Nowotny: Geld und Leben
€ 22,00, ISBN: 978-3-99100313-7, Braumüller Verlag Oktober 2020

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 2.12.2020
Produtkion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

Kurt Langbein und Elisabeth Tschachler: DAS VIRUS IN UNS
Motor der Evolution

Sie sind keine Killer: Viren. Diese raffinierten Überlebenskünstler, so alt wie das Leben selbst, haben die Evolution entscheidend vorangetrieben, auch die des Menschen. Rund 50 Prozent unseres Erbguts stammen von Viren. Sie gestalten das Immunsystem mit, verhelfen uns zu einem Langzeitgedächtnis und machen sich in unserem Verdauungstrakt nützlich. Aber sie können gefährlich werden, wenn wir Menschen die natürlichen Lebensräume von Tieren verändern und die Artenvielfalt zerstören. Bestsellerautor Kurt Langbein erzählt in seinem neuen Buch gemeinsam mit Elisabeth Tschachler die minutiös recherchierte Geschichte der Corona- Pandemie: Wann und wo genau begann sie wirklich? Wie kamen Länder wie Südkorea ohne Lockdown durch die Krise? Und was lernen wir aus alldem – auch für die Zukunft? Zugleich ist das Buch ein echter Wissenschaftskrimi, denn die neuesten Erkenntnisse der noch relativ jungen Viren-Forschung sind atemberaubend: Stand das Virus womöglich am Anfang allen Lebens? Warum kann virenreiches Essen gesund sein? Die winzigen Eiweißpartikel, in die die Erbinformation verpackt ist, sind viel mehr als Bedrohung, sondern unerlässliche Architekten sämtlichen Lebens.

Kurt Langbein, Soziologe, Bestsellerautor (u.a. „Bittere Pillen“, „Radieschen von oben“, „Weissbuch Heilung“), vielfach preisgekrönter Dokumentarfilmer („Landraub“, „Wunder Heilung“, „Anders essen – das Experiment“) und streitbarer Wissenschaftsjournalist ist erfolgreicher Produzent und Regisseur zahlreicher Dokumentarfilme und TVReportagen. Zweimal mit der „Goldenen Romy“ ausgezeichnet, erhielt er u.a. auch den Axel-Corti-Preis sowie den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis für sein Lebenswerk.

Elisabeth Tschachler, freie Journalistin, Lektorin und Übersetzerin, Chefredakteurin eines gesundheitspolitischen Fachmagazins, hat mehrere erfolgreiche Sachbücher verfasst (u.a. „Wa(h)re Schönheit“ und „Gesundheit – Eine Frage des Geschlechts“) sowie zahlreiche TV-Dokumentationen gestaltet.

Moderation: Robert Misik, Autor and Journalist

Kurt Langbein, Elisabeth Tschachler: Das Virus in uns. Motor der Evolution
€ 24,00, ISBN 978-3-222-15063-0, Molden Verlag September 2020

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 2.12.2020
Produtkion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

Henri Barkey in conversation with Walter Posch:
AFTER THE US-ELECTIONS
PERSPECTIVES ON TURKEY, NATO AND THE MIDDLE EAST REGION

Henri J. Barkey is an adjunct senior fellow for Middle East studies at the Council on Foreign Relations, New York, and the Bernard L. and Bertha F. Cohen Chair in International Relations at Lehigh University, Pennsylvania. At CFR he works on the strategic future of the Kurds in the Middle East. Previously he was the Director of the Middle East Center at the Woodrow Wilson Center for International Scholars (2015-2017). Currently he also serves as the chair of the Academic Committee on the Board of Trustees of the American University in Iraq, Sulaimani. He has written extensively on Turkey, the Kurds and other Middle East issues.
Walter Posch, Iranist and Islamic Scholar, Institute for Peace Support and Conflict Management, National Defense Academy, Austria

 

Hubertus Heil: SICHERHEIT UND CHANCEN. Wert und Wandel der Arbeit

Hubertus Heil, Deutscher Bundesminister für Arbeit und Soziales im Gespräch mit Robert Misik, Autor und Journalist

Mit der Pandemie und der Wirtschaftskrise bricht noch mehr Unsicherheit in die Leben vieler Menschen ein. Zugleich werden Prekaritäten durch die Pandemie noch sichtbarer: etwa in den Fleischindustrie, die Zustände in den Arbeiterwohnanlagen, die Lage der Paketzusteller*innen, der Pfleger*innen. Aber die Unsicherheiten und Abstiegsängste ziehen längst auch weitere Kreise: Strukturwandel bedroht auch scheinbar sichere Arbeitsplätze, lässt aber zugleich neue entstehen. So wird das „Bedürfnis nach Sicherheit“ wieder zentral. Arbeit ist auch mehr als nur ein Job, der sicheres Einkommen garantiert: Sie gibt uns eine Identität, webt Menschen in soziale Netzwerke ein, ist Quelle von Status und Selbstrespekt – und nicht zuletzt Quelle von Wohlstand und Fortschritt. Hubertus Heil, der Bundesminister für Arbeit und Soziales der Bundesrepublik Deutschland, skizziert den „Wert und den Wandel der Arbeit“ und die Aufgaben zeitgenössischer Sozialpolitik.

Hubertus Heil, 49, ist seit 2018 deutscher Bundesminister für Arbeit und Soziales. Der SPD-Politiker ist seit 1998 Abgeordneter zum Bundestag und war unter anderem auch Generalsekretär der deutschen Sozialdemokratie. Heil bekleidet seit 2019 zudem das Amt des stellvertretenden Parteivorsitzenden der SPD.

ZOOM Live Talk 27.11.2020

 

Ellen Lapison, Raimund Löw, Eva Nowotny:
THE US AFTER THE PRESIDENTIAL ELECTIONS. HOW TO HEAL A DIVIDED COUNTRY

The US presidential election has been fought and Joe Biden has been declared winner. However, quite a number of questions prevail. What needs to be done to bring the country back together after this period of bitter confrontation? Is this possible at all or will brutal stratagems for party power dominate the political process in the future? What are the chances for Joe Biden’ political projects and goals with a democratic majority in the House of Representatives, but without a majority in the Senate? And, finally, what will happen, if Trump refuses to accept the election result and refuses to concede? These and related questions Eva Nowotny and Raimund Löw will explore in a conversation with Ellen Laipson, specialist in the American political process.

Ellen Laipson is a Distinguished Fellow and President Emeritus of the Washington-based think tank Stimson Center. Laipson joined Stimson in 2002, after 25 years of government service. Her last post was Vice Chair of the National Intelligence Council (1997-2002). She also served on the State Department’s policy planning staff and was a specialist in Middle East affairs for the Congressional Research Service. She is a member of the Council on Foreign Relations, and serves on the International Advisory Council of the International Institute of Strategic Studies. She served on the board of the Asia Foundation (2003-2015). She was a member of President Obama’s Intelligence Advisory Board from 2009-2013, and on the Secretary of State’s Foreign Affairs Policy Board 2011-2014.

Raimund Löw, Historian and Journalist, is currently Director of Falter Radio. Previously he was correspondent of the Austrian broadcasting company ORF in Beijing, Moscow and Washington.

Moderation: Eva Nowotny, Board Member of Bruno Kreisky Forum, Amb. ret. , Chair of the Vienna University Board

In cooperation with FALTER Radio

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 28.11.2020
Produtkion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

Hanno Loewy im Gespräch mit Gerald Knaus
WELCHE GRENZEN BRAUCHEN WIR? Zwischen Empathie und Angst – Flucht, Migration und die Zukunft von Asyl

„Widerlegt sowohl ‚linke‘ wie ‚rechte‘ Klischees der Migrationsdebatte.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Ob dieses Buch etwas bewirkt? Es ist viel gewonnen, wenn es alle lesen, die in der Migrationsdebatte mitreden und -denken möchten.“ Süddeutsche Zeitung

Kein anderes Thema hat die europäische Politik in den letzten Jahren so beeinflusst wie die Debatte um Geflüchtete, Asyl und Migration. Dabei wird die Diskussion dominiert von Schlagworten, falschen Tatsachenbehauptungen und Scheinlösungen. Gerald Knaus erklärt in seinem im Oktober 2020 im Piper-Verlag erschienenen Buch »Welche Grenzen brauchen wir?«, worum es tatsächlich geht, und zeigt, dass humane Grenzen möglich sind.
Der Migrationsexperte, dessen Analysen Regierungen in ganz Europa beeinflusst haben, erläutert, welche Grundsatzprobleme wir dafür lösen müssten und wie aus abstrakten Prinzipien mehrheitsfähige umsetzbare Politik werden kann. Er erklärt außerdem, warum das vielen Gesellschaften schwerfällt und selbst viele Bürger mit widersprüchlichen Emotionen ringen – hier Empathie, da Angst vor Kontrollverlust – und wie eine Politik, die Fakten und Emotionen ernst nimmt, möglich wird.

Gerald Knaus, Soziologe und Migrationsforscher, ist Gründungsdirektor der Denkfabrik European Stability Initiative (ESI). Er berät Regierungen und Institutionen in Europa bei den Themen Flucht, Migration und Menschenrechte. Gerald Knaus studierte Philosophie, Politik und Internationale Beziehungen in Oxford, Brüssel und Bologna, ist Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations und war für fünf Jahre Associate Fellow am Carr Center for Human Rights Policy der Harvard Kennedy School – John F. Kennedy School of Governance in den USA. Gerald Knaus lebt in Berlin.

Hanno Loewy, Literatur- und Medienwissenschaftler, Publizist und Direktor des Jüdischen Museums Hohenems.

Gerald Knaus: Welche Grenzen brauchen wir? Zwischen Empathie und Angst – Flucht, Migration und die Zukunft von Asyl
Erschienen am 12.10.2020 im Piper-Verlag, 336 Seiten, EAN 978-3-492-05988-6

ZOOM Live Talk 23.11.2020

 

Genial dagegen online. Kuratiert von Robert Misik

STEPHANIE KELTON
THE DEFICIT MYTH
Why states can – and must – afford substantial economic stimulus programs

The global economy is in a serious crisis, with governments launching programs to rescue companies and stabilize the economy. Budget deficits are reaching substantial amounts. Are government bankruptcies or hyperinflation looming on the horizon?
Stephanie Kelton takes a refreshing, systematic –and eye-opening – perspective at government spending. The question, she argues, is not what a state may afford, as unlike private households it can afford anything. The question is what a state is supposed to deliver. The wealth of a society is measured in terms of prosperity, job security, the production of goods, and inclusive social welfare of all citizens. Economies cannot „save themselves rich“, they can only „invest richly“. Therefore, a sole focus on the budgetary deficits is misplaced. Globally, we observe a new macroeconomic paradigm emerging; one, which considers „budgetary discipline“ as secondary to impact. The „Modern Monetary Theory“, of which Stephanie Kelton is the most prominent representative, constitutes a radical manifestation of this new consensus with a strong potential to shake up the political agenda. Having worked for Bernie Sanders in the US Senate and in her present function as one of Joe Biden’s economic advisors Kelton is well positioned to influence decision makers. Stephanie Kelton´s book „The Deficit Myth“ has been on the New York Times bestseller list for months.

Sephanie Kelton is an US-American economist. One of the leading representatives of Modern Monetary Theory, she is also a supporter of the idea of job guarantees. During the primaries for the US presidential election in 2016, she was one of the advisors and supporters of Bernie Sanders‘ campaign. Before that, she was already his chief economist on the Senate Budget Committee. Kelton is a professor at the State University of New York at Stony Brook.

Moderation: Robert Misik, author and journalist

ZOOM Live November 16, 2020

 

Ruth Wodak im Gespräch mit Philipp Blom:
POLITIK MIT DER ANGST. Die schamlose Normalisierung rechtsextremer und rechtspopulistischer Diskurse

Ruth Wodak hat ihren Bestseller „Politik mit der Angst“ grundlegend neu gefasst und die vielen Entwicklungen rechtspopulistischer Parteien in den letzten fünf Jahre eingearbeitet. Was an sprachlichem Rowdytum, an Beleidigung und Ausgrenzung von Minderheiten, an Verlogenheit noch vor wenigen Jahren undenkbar war, ist heute in den Mainstream vorgedrungen, ist vielfach „normalisiert“. Hass und Rassismus sind salonfähig geworden. Für Lügen muss man sich nicht mehr entschuldigen, schlechtes Benehmen wird als ansprechendes, attraktives Mittel zum Protest gegen sogenannte „Eliten“ geschätzt. Dies alles steht im Zusammenhang mit einem „Rechtsruck“ des politischen Spektrums in vielen europäischen Ländern (und auch darüber hinaus). Schrittweise werden pluralistische Demokratien ausgehöhlt. Im Bruno Kreisky Forum diskutiert Ruth Wodak mit Philipp Blom über ihre Beobachtungen und Erkenntnisse.

Ruth Wodak ist Sprachwissenschaftlerin und Emeritus Distinguished Professor for Discourse Studies an der Lancaster University (Großbritannien) und weiterhin affiliiert an der Universität Wien, an die sie 1991 als ordentliche Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft berufen wurde. 2020 wurde sie zur Ehrensenatorin der Universität Wien ernannt. Abgesehen von vielen anderen Auszeichnungen, erhielt sie 1996 als erste Frau und Sozialwissenschaftlerin den Wittgenstein Preis. Sie besitzt Ehrendoktorate der Universität Örebro (Schweden, 2010) und Warwick (GB, 2020). Sie ist Mitglied der Academia Europaea und der British Academy of Social Sciences. Ruth Wodak hat sich u.a. intensiv mit Identitäts- und Vergangenheitspolitik, Populismus und politischer Kommunikation wie auch Vorurteilsforschung auseinandergesetzt.

Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

Ruth Wodak: Politik mit der Angst. Die schamlose Normalisierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Diskurse Völlig neu bearbeitete Ausgabe, Edition Konturen, 336 Seiten, ISBN 978-3-902968-56-2

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 16.11.2020
Produtkion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

China im Blick online. Kuratiert von Irene Giner-Reichl

Irene Giner-Reichl in conversation with Chi Lo: UP-DATE ON HONGKONG

The conversation follows-up on Chi Lo’s in-person presentation at the Kreisky Forum on 13 January 2020. During that dialogue, Chi Lo saw strong head-winds coming towards Hong Kong; he deplored that Hong Kong had missed opportunities to diversify away from the concentration on financial services and saw Hong Kong’s future in a stronger integration with the economic development of the Greater Bay area and engagement with China’s Belt and Road Initiative.
In this conversation, we explore how Hong Kong managed the Covid-19 pandemic health-wise and when a recovery can be expected from the heavy set-back its services-based economy suffered. We will also examine how the National Security Law passed by China on 30 June impacts the mood and operations of stakeholders in Hong Kong and why the Legislative Council Elections might have been postponed. Will Chi have a different outlook for Hong Kong’s future than in January?

Chi Lo, Economist, Lecturer at the Chinese University of Hong Kong, Author of eleven books on Chinese and Asian economic development and markets, commentator on international media and featured speaker at international conferences.
Moderation: Irene Giner Reichl, Ambassador

 

Guido Steinberg im Gespräch mit Gudrun Harrer:
TERROR IN WIEN. Was läuft schief?
11.11.2020 Facebook Live

Paris, Nizza, Dresden – und nun Wien. Seit September sind wir mit einer neuen Welle von islamistischen Attentaten in Europa konfrontiert. Die österreichische Hauptstadt blieb lange verschont, obwohl die Geheimdienste von einer starken jihadistischen Szene wussten, in der sich auch die geografische Nähe des Balkans widerspiegelt. Aber der 20-jährige Attentäter von Wien wurde, auch wenn seine Familie aus Nordmazedonien stammt, in Österreich geboren und sozialisiert und war nach seinem Versuch, sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen, in Haft und in Deradikalisierungsprogramme eingebunden. Was lief in diesem Fall schief, was funktioniert generell nicht in der Terrorismusbekämpfung? War es ein Fehler anzunehmen, dass der IS erledigt ist und seine Mobilisierungskraft verloren hat?

Guido Steinberg ist promovierter Islamwissenschaftler und war Terrorismusreferent im Bundeskanzleramt. Seit 2005 forscht er in der Stiftung Wissenschaft und Politik über die Politik des Nahen Ostens, u.a. zu den Schwerpunkten Persischer Golf und islamistischer Terrorismus.
Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien

Gudrun Harrer, leitende Redakteurin „Der Standard“, Nahost-Expertin

Eine Kooperation mit dem FALTER Radio

 

Melisa Erkurt im Gespräch mit Robert Misik: GENERATION HARAM
10.11.2020 Facebook Live

„Das Buch von Melisa Erkurt sollte Lektüre werden in der Ausbildung von Pädagog*innen und Lehrkräften. Es zeigt präzise, pragmatisch, konstruktiv die Verfehlungen und Unwegsamkeiten der Bildungssysteme, in denen viele Kinder aus ‚bildungsfremden‘ Familien auf der Strecke bleiben … Eine Wucht!“ Saša Stanišic

Melisa Erkurt ist als Kind mit ihren Eltern aus Bosnien nach Österreich gekommen. Sie hat studiert. Sie arbeitet als Lehrerin und Journalistin. Sie hat es geschafft.
Doch sie ist eine Ausnahme. Denn am Ende eines Schuljahres entlässt sie die Klasse mit dem Wissen, dass die meisten ihrer Schülerinnen und Schüler nie ausreichend gut Deutsch sprechen werden, um ihr vorgezeichnetes Schicksal zu durchbrechen. Hier wächst eine Generation ohne Sprache und Selbstwert heran, der keiner zuhört, weil sie sich nicht artikulieren kann. Über den „Kulturkampf“ im Klassenzimmer befinden einstweilen andere. Melisa Erkurt leiht ihre Stimme den Verlierern des Bildungssystems. Nicht sie müssen sich ändern, sondern das System Schule muss neue Wege gehen.

Moderation:Robert Misik, Autor und Journalist

Meilsa Erkurt,
geboren 1991 in Sarajevo, war Redakteurin beim Magazin biber und zwei Jahre mit dem biber Schulprojekt „Newcomer“ an Wiener Brennpunktschulen unterwegs. Erkurt unterrichtete an einer Wiener AHS und ist seit September 2019 Redakteurin beim Report (Innenpolitik) im ORF. Sie schreibt eine wöchentliche Kolumne im Falter und ihre Kolumne in der taz heißt „Nachsitzen“.

Meilsa Erkurt
Generation Haram. Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben
ISBN: 9783552072107 Zsolay Verlag, Wien, August 2020

 

Peter Hacker: GESUNDHEIT UND GERECHTIGKEIT

Aus Kreiskys Wohnzimmer
Genial dagegen online. Kuratiert von Robert Misik

Jahrzehntelang war Peter Hacker als städtischer Manager im Bürgerdienst, in der Sozial- und Jugendbetreuung, später als Leiter des Fonds Soziales Wien dafür zuständig, dass die Sozial- und Gesundheitsverwaltung in der Stadt Wien wie am Schnürchen laufen, ohne im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu stehen. Das änderte sich mit Hackers Bestellung zum Sozial- und Gesundheitsstadtrat, und schlagartig noch einmal mit dem Ausbruch der Corona-Krise. Plötzlich wurde sichtbar: Der „Macher“ ist auch ein streitbarer Gesellschaftspolitiker, der weiß, dass es nie allein um das neutrale Funktionieren von Institutionen geht, sondern dass etwa Gesundheitsfragen immer mit Gerechtigkeitsfragen verbunden sind und die Sozialpolitik immer von einem Menschenbild geprägt ist. In der Gesprächsreihe „Aus Kreiskys Wohnzimmer“ berichtet Peter Hacker aus dem Maschinenraum der Anti-Pandemie-Politik.

Peter Hacker trat 1982 in den Dienst der Stadt Wien ein. 1985 wechselte er als Mitarbeiter in das Team von Bürgermeister Helmut Zilk mit den Tätigkeitsschwerpunkten Bürgeranliegen, Jugend und Soziales.
Von 1992 bis 2003 war er Drogenkoordinator der Stadt Wien, ab 2001 Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien, dem Träger von sozialen Dienstleistungen für Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf, Behinderung, Wohnungslose und Flüchtlinge. Seit dem Jahr 2015 war er als Wiener Flüchtlingskoordinator tätig. Am 24. Mai 2018 folgte Peter Hacker Sandra Frauenberger als Stadtrat für Gesundheit und Soziales, von Andreas Mailath-Pokorny übernahm er die Sportagenden.

Robert Misik ist Autor und Journalist.

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum am 9.11.2020
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

FALTER Diskussion: TERROR IN WIEN UND US-WAHL

Eine Falter Radio Sendung von und mit Raimund Löw, in Kooperation mit dem Kreisky Forum
Weltweites Echo auf den Terror in Wien. Sowie: Amerikanische Turbulenzen. Analysen nach dem Wahltag in den USA.
Zu hören: Historiker Mitchell Ash, ehemalige Washington-Botschafterin und Kuratorin des Kreisky Forum für Internationalen Dialog, Eva Nowotny, Sängerin und DJ Cassy Britton sowie FALTER-Herausgeber Armin Thurnher.

 

Viola Raheb, Melissa Mujanayi, Salma Nims: UNSCR 1325 – TWENTY YEARS DOWN THE ROAD8

Recognizing the necessity for international dialog and cooperation on Security Council Resolution 1325 and the Women Peace and Security Agenda, the Kreisky Forum for International Dialogue, Carnegie Middle East and the Austrian Federal Ministry of Defence had planned to contribute with a workshop focusing on the MENA Region for November 2020 but had to postpone to 2021:

UNSCR 1325 Twenty Years down the Road. A regional view on Participation, Protection, Prevention, Relief and Recovery

Dr. Viola Raheb, University of Vienna, Curator of the workshop
Melissa Mujanayi, Austrian Federal Ministry of Defence, Curator of the workshop
Dr. Salma Nims, Secretary-General, Jordanian National Commission for Women: Implementation of NAP within the Jordanian Armed Forces.

 

Ferdinand Lacina im Gespräch mit Wolfgang Maderthaner: DIE INSEL DER SELIGEN
Eine republikanische Geschichtsstunde

1970 geschieht in Österreich etwas, das bis dahin für viele unvorstellbar war. Ein Sozialist wird Bundeskanzler. Ein Intellektueller, ein Emigrant, ein Jude, ein überzeugter Österreicher. Ein Mann, der das Land modernisieren und durchlüften will, ein „Roter“ mit politischen Visionen, dessen Name das ganze Jahrzehnt prägen wird: Bruno Kreisky.
Die 70er sind für unser Land prägend und unvergesslich. Es werden Jahre des Aufbruchs, des Fortschritts, der Vollbeschäftigung, eine Zeit unglaublicher sportlicher Erfolge. „Eine Insel der Glückseligen“, meint der Papst in Rom. Goldene Jahre – mit den Schattenseiten der Konsum- und Wohlstandsgesellschaft – ziehen ins Land.

Ferdinand Lacina studiert an der Hochschule für Welthandel und promovierte 1965 zum Dipl.-Kfm. 1973 wurde er Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der AK Wien und 1980 Kabinettschef von Bruno Kreisky. Von 1982 bis 1984 war er als Staatssekretär im Bundeskanzleramt u. a. für Wirtschaftsfragen zuständig. Als Minister für öffentliche Wirtschaft und Verkehr (1984–86) beschäftigte ihn auch die Krise der verstaatlichten Unternehmen. 1986 wurde Lacina Finanzminister unter Franz Vranitzky, nach seinem Rücktritt 1995 war er bis 1997 Generaldirektor der GiroCredit Bank AG der Sparkassen.

Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Aufgezichnet im Bruno Kreisky Forum.
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

ARAB CHANGES. Kuratiert von Gudrun Harrer

Daniel Gerlach: DER NAHE OSTEN IM HEISSEN HERBST

Krisen im Libanon, in Syrien und im Irak, der US-Wahlkampf und der ungewisse Ausgang der amerikanischen Präsidentenwahl im November, der Showdown zum Nuklearabkommen mit dem Iran, die Annäherung zwischen Israel und den Golfstaaten, und als dunkle Wolke über allem die Corona-Pandemie. Der Nahe Osten erlebt einen heissen Herbst. Wohin steuert die Region?

Daniel Gerlach ist ein deutscher Autor, Publizist, Orientalist und Nahost-Experte. Er ist Mitherausgeber und Chefredakteur des Magazins Zenith – Zeitschrift für den Orient sowie Mitgründer und Geschäftsführer der Candid Foundation.
Gudrun Harrer ist leitende Redakteurin bei „Der Standard“ und Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien.

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

KREISKY FORUM SPECIAL in Zusammenarbeit mit dem ecowin-Verlag

Ulrich Brunner im Gespräch mit Johannes Kunz:
LERNEN´S GESCHICHTE, HERR REPORTER! BRUNO KREISKY – EPISODEN EINER ÄRA

Der Journalist Ulrich Brunner begleitete die Ära Kreisky mit dem Herzen und mit der Feder. Nach seinem Wechsel zum ORF wurde das Verhältnis zu Bundeskanzler Kreisky angespannter, was letztlich beim berühmten Pressefoyer in einem Eklat gipfelte, als Kreisky eine Frage mit der Aufforderung parierte, die zum bekanntesten Politikerzitat der Zweiten Republik wurde.
Er hat seine Erinnerungen an den Jahrhundertkanzler aus den direkten Kontakten und Einschätzungen über Kreiskys komplexe Persönlichkeit, das bahnbrechende politische Vermächtnis und sein unmittelbares Erleben niedergeschrieben. Als Zeitzeuge und reflektierender Beobachter zeichnet Ulrich Brunner ein Bild der Ikone Kreisky, das den Mythos erklärt und die Widersprüchlichkeit dieser Persönlichkeit beleuchtet.

Ulrich Brunner, geboren 1938 in Wien, stammt aus einfachen Verhältnissen, absolvierte nach der Pflichtschule eine Schriftsetzerlehre und holte die Matura nach. Er nahm eine Karriere im Journalismus auf, die ihn von der Arbeiterzeitung in den ORF, zuletzt Intendant des Landesstudio Burgenland, führte. Die Debatte, in der der titelgebende ikonische Satz fiel, ist legendär und symbolhaft für die Ära Kreisky, an der bis heute in der Politik Maß genommen wird. Ulrich Brunner lebt in Wien.

Johannes Kunz ist Kulturmanager und ehemaliger Pressesprecher von Bundeskanzler Burno Kreisky.

Ulrich Brunner: Lernen S‘ Geschichte, Herr Reporter! Bruno Kreisky – Episoden einer Ära
Ecowin Verlag 2020, 220 Seiten; ISBN 9783711002631, www.ecowin.at

 

AUS KREISKYS WOHNZIMMER
GENIAL DAGEGEN online. Kuratiert von Robert Misik
Anlässlich des Geburtstages von Franz Vranitzky

CORONAKONTROLLE. Nach der Krise, vor der Katastrophe
Franz Vranitzky im Gespräch mit Georg Seeßlen

Zu Beginn der Pandemie, die als «Coronakrise» in die Geschichte eingehen soll, gab es noch eine Reihe von Hoffnungen. Die Krise würde zu mehr Einsicht in die Notwendigkeit gesellschaftlich-solidarischer Einrichtungen führen, zu mehr Wertschätzung für Ärzte und Pflegepersonal, zu mehr Solidarität in den Bevölkerungen.
Als kleines Nebenprodukt würde sie die Frage erlauben, ob der Kapitalismus in seiner aktuellen Form wirklich die beste Weltordnung liefere, sie würde Autokraten enttarnen, den Populismus überflüssig machen, die Wertschätzung für
Kultur und Kritik wieder beleben, soziales Verantwortungsgefühl und ein Bewusstsein für den Kampf gegen die Umweltzerstörung erzeugen … Kurz: Die Krise wäre zugleich mit den Gefahren vielleicht auch eine Geburtshilfe für neue Chancen.
Mit zunehmender Dauer müssen wir uns indes auch von den Hoffnungen auf eine bessere Post-Krisen-Welt verabschieden. Die Hoffnungsblasen platzen und es zeichnet sich ab: Die Gewinner der Vor-Krise werden wieder die Gewinner der Nach-Krise sein. Die Verlierer sollen weitere Verluste in Kauf nehmen – ganz im Dienste des «Systems».
Möglicherweise aber ist der Kipppunkt noch nicht erreicht, noch sind die Chancen, die für Kritik und Widerstand in einer Krise stecken, nicht endgültig vertan.

Georg Seeßlen, freier Autor, Feuilletonist und Filmkritiker. Sein neues Buch „Coronakontrolle“ erschien im August 2020 im Verlag bahoe books.
Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., Gründungs- und Ehrenpräsident des Bruno Kreisky Forums
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist
Einleitende Worte: Eva Nowotny, Diplomatin, Vorstandsmitglied des Kreisky Forums

Wir entschuldigen teilweise technsiche Störungen, die sich während der Zuschaltung von Georg Seeßlen ergeben haben.

Aufgezeichnet im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog am 8.10.2020
Produktion: Videotechnik – Ing. Friedel Hans e.U.

 

PHILOXENIA online. Curated by Tessa Szyszkowitz

Tessa Szyszkowitz in conversation with Alison Smale: FREEDOM OF PRESS UNDER PRESSURE

Three decades ago Alison Smale covered the fall of the Berlin Wall and the breakup of the Soviet Union – a period of democratic development and for the media a time of hope and a true beginning of freedom of expression. Later Smale became executive editor of the International Herald Tribune in Paris and bureau chief of the New York Times in Berlin. She also experienced 9/11 in New York and viewed the Trump presidency through the lens of the UN in New York. Alison Smale is one of the most experienced reporters and editors who worked during this extraordinary period of democratic awakening, which turned into an era of rising nationalist populism and authoritarianism. In her Philoxenia talk Alison Smale will explore how working as a female reporter has changed over the decades and under changing political circumstances. And how the danger to the freedom of press came back to editorial offices in Moscow, Budapest and New York.

Alison Smale is a British journalist. From 2017 until 2019, she served as the Under-Secretary-General for Global Communications, United Nations Department of Public Information. She has almost 40-years of journalism experience gained in an international career that has included holding some of the most prestigious posts in the profession such as Executive Editor of the International Herald Tribune and Bureau chief of The New York Times in Berlin.
Tessa Szyszkowitz, Author and Journalist for PROFIL, Falter and Cicero; since 1989 she covered international politics based in Vienna, Jerusalem (1994-1998), Brussels (1998-2002), Moscow (2002-2010) and London. She is Senior Associate Fellow at the Royal United Services Institute in London.

 

Russia on the World Stage online. Curated by Nina Khrushcheva

Nina Khrushcheva in converstaion with Shaun Walker:
PUTIN, NAVALNY AND THE FUTURE OF RUSSIA´S GEOPOLITICS

On October 5, 2020, Bruno Kreisky Forum for International Dialogue hosted a virtual conversation between Shaun Walker, correspondent for The Guardian (UK) and Nina Khrushcheva, BFK fellow and professor at the New School University in New York.
Walker, the author of The Long Hangover: Putin’s New Russia and the Ghosts of the Past (2018)—before moving to his current base in Budapest—had reported from Moscow for over ten years. In recent months he has covered the Belarus protests against Alexander Lukashenko, who usurped power after the August 9 presidential elections. In September, Walker returned to Russia to report on the poisoning of the opposition leader Alexei Navalny and the current Russian political landscape, which Navalny has tried to change. In view of these developments, what is the future of Vladimir Putin´s state? These and other topic are discussed in Nina Khrushcheva´s conversation with Shaun Walker recorded in Moscow.

Shaun Walker is the Guardian’s central and eastern Europe correspondent. Previously, he spent more than a decade in Moscow and is the author of The Long Hangover: Putin’s New Russia and the Ghosts of the Past
Nina Khrushcheva is Professor of International Affairs in the Graduate Program of International Affairs at The New School in New York. She is a senior fellow of the World Policy Institute and an editor of and contributor to Project Syndicate: Association of Newspapers Around the World and senior fellow of the Kreisky Forum.

 

GENIAL DAGEGEN. Kuratiert von Robert Misik

ALBENA AZMANOVA IN CONVERSATION WITH IVAN KRASTEV
CAPITALISM ON EDGE

The wake of the financial crisis has inspired hopes for dramatic change and stirred visions of capitalism’s terminal collapse. Yet capitalism is not on its deathbed, utopia is not in our future, and revolution is not in the cards. In Capitalism on Edge, Albena Azmanova demonstrates that radical progressive change is still attainable, but it must come from an unexpected direction.

Albena Azmanova teaches political and social theory at the University of Kent’s Brussels School of International Studies. She is author of The Scandal of Reason: A Critical Theory of Political Judgment (Columbia, 2012) and coeditor of Reclaiming Democracy: Judgment, Responsibility, and the Right to Politics (2015). She has also been a policy adviser to the United Nations, the Council of Europe, the European Parliament, the European Commission, and Transparency International.
Her newest book was published in Columbia University Press in January 2020.
Ivan Krastev, Chairman of the Centre for Liberal Strategies, Sofia, Permanent Fellow of the Institute for Human Sciences (IWM), Vienna
Moderation:
Robert Misik, Author and Journalist

 

Ulrike Guérot im Gespräch mit Franz Fischler
NICHTS WIRD SO BLEIBEN, WIE ES WAR? EUROPA NACH DER KRISE

In Kooperation mit dem MOLDEN Verlag

In Krisenzeiten werden außerordentliche Maßnahmen angeordnet. Der Staat funktioniert und lotst uns durch, überall in Europa rückt die Gesellschaft zusammen, Solidarität ist das Gebot der Stunde, aber die EU scheint handlungsunfähig, die Schäden in Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm.
Die Frage ist: Was kommt danach? Wird es ein back to normal geben, zum Binnenmarkt, zu offenen Grenzen? Was geschieht mit dem großen Friedensprojekt Europa? Und woran werden wir uns erinnern? Daran, dass wir einander geholfen oder daran, dass wir einander im Stich gelassen haben?
Ulrike Guérot, langjährige Europa-Expertin geht mit dem ehemaligen österreichischen EU-Kommissar und versierten Europapolitiker Franz Fischler der Frage nach, wie ein #PostCoronaEuropa aussehen sollte. Und spricht mit ihm über ihr neues Buch.

Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin und Publizistin, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, Gründerin des European Democracy Lab (EDL)
Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forum Albpach, ehem. EU-Kommissar für Landwirtschaft, Entwicklung des ländlichen Raumes und Fischerei
Moderation: Pascal Günsberg, POLEDU, Verein Politics and Education

Ulrike Guérot:
Nicht wird so bleiben, wie es war? Europa nach der Krise. Eine Zeitreise
Hardcover, 20.- €, ISBN 978-3-222-15062-3
September 2020, MOLDEN Verlag

 

Heinz Fischer im Gespräch mit Wolfgang Maderthaner
100 JAHRE ÖSTERREICHISCHE BUNDESVERFASSUNG

ES IST EIN GUTES LAND aus Kreiskys Wohnzimmer. Kuratiert von Wolfgang Maderthaner

1920 hat Hans Kelsen der „Jahrhundertjurist“, wie ihn DIE ZEIT betitelt, als parteiunabhängiger Verfassungsrichter die republikanische Bundesverfassung des neuen Österreich ertüftelt.
Es war Karl Renner, der nach dem Zusammenbruch der Monarchie den ao. Universitätsprofessor, Berater des k.u.k. Kriegsministers und des Kaisers Hans Kelsen im November 1918 in die Staatskanzlei geholt und mit der Arbeit an einer Bundesstaatsverfassung für die junge Republik beauftragt hatte. Schon am 1. Oktober 1920 beschloss die Konstituierende Nationalversammlung das neue Bundes-Verfassungsgesetz einstimmig. Und heuer feiert sie ihren 100. Geburtstag.
Die klare und nüchterne Sprache des österreichischen Bundes-Verfassungsgesetzes wurde oft gewürdigt; sie entspricht der „Reinen Rechtslehre“ Kelsens, in deren Zentrum eine „von aller politischen Ideologie gereinigte“ Auffassung des Rechts steht. Rechtsnormen beschreiben laut Kelsen ein „Sollen“, das im Unterschied zu religiösen und ethischen Normen generell durchsetzbar ist. Den Staat definierte Kelsen dementsprechend als eine Rechtsordnung.

Heinz Fischer war 12 Jahre lang österreichischer Bundespräsident (2004-2016). Zuvor hatte er verschiedene politische Ämter inne: So war er Abgeordneter der SPÖ im Nationalrat, Wissenschaftsminister und Präsident des Österreichischen Nationalrates (1990-2002)
2018 war er Regierungskoordinator des „Gedenk- und Erinnerungsjahres“, in dem die Republik Österreich ihren 100. Geburtstag feierte. Seit 2018 ist er Co-Vorsitzender des Ban Ki-Moon Centre for Global Citizens. Er ist Verfassungsrechtler und Univ. Prof. für Poltikwissenschaft.

Moderation: Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

 

ZERRISSENE JAHRE online. Kuratiert von Philipp Blom

DAS GROSSE WELTTHEATER
Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs
Philipp Blom im Gespräch mit Petra Herczeg und Rainer Rosenberg

„Das große Welttheater ist ein Ort, an dem die Welt sich neu erfinden kann.“
Philipp Bloms Analyse der gegenwärtigen Umbrüche

Wir leben in der besten aller Welten: Nie zuvor gab es so lange Frieden bei uns, nie waren wir so reich, so sicher. Diese Geschichten erzählen wir uns selbst. Was aber, wenn sie nicht der Wirklichkeit entsprechen? Wenn die Demokratien bröckeln, der Hass zwischen den sozialen Gruppen wächst, das Wirtschaftswachstum stagniert, die Gefahr einer Klimakatastrophe steigt? In seinem großen Essay zeigt Philipp Blom, wie es möglich ist, dass der Westen nicht trotz, sondern wegen Frieden und Wohlstand in einer Krise steckt. Nichts in unserer Vergangenheit hat uns darauf vorbereitet. Die Zeichen stehen auf Sturm, und der Kampf um die Zukunft wird auch ein Kampf der Geschichten sein, vor aller Augen, auf der Bühne des Welttheaters.

Petra Herczeg ist Senior Lecturer am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien und freie Autorin beim ORF.
Rainer Rosenberg ist Journalist beim ORF, Blogger und Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.
Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien und schreibt regelmäßig für europäische und amerikanische Zeitschriften und Zeitungen.

Das Große Welttheater. Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs ist im Mai 2020 bei Zsolnay erschienen. 128 Seiten, ISBN 978-3-552-05980-1

 

PHILOXENIA online. Curated by Tessa Szyszkowitz

Tessa Szyszkowitz in conversation with Sophy Roberts
THE LOST PIANOS OF SIBIRIA

Siberia, enormous vastness, grim cold, harsh landscape, Siberia, a prison without a roof, but also of astonishing beauty.
Siberia’s story is traditionally one of exiles, penal colonies and unmarked graves. Yet there is another tale to tell. Dotted throughout this remote land are pianos – grand instruments created during the boom years of the nineteenth century, and humble, Soviet-made uprights that found their way into equally modest homes. They tell the story of how, ever since entering Russian culture under the influence of Catherine the Great, piano music has run through the country like blood. How these pianos travelled into this snow-bound wilderness in the first place is testament to noble acts of fortitude by governors, adventurers and exiles. That stately instruments might still exist in such a hostile landscape is remarkable. That they are still capable of making music in far-flung villages is nothing less than a miracle. But this is Siberia, where people can endure the worst of the world — and where music reveals a deep humanity in the last place on earth you would expect to find it. The important role that pianos play here of all places as a symbol of European culture is demonstrated by the British pianist Sophy Roberts in her extravagant search for traces. She not only succeeds in locating numerous once famous instruments between the Urals and Sakhalin Island, but also in reconstructing their stories: from the pianomania of the Tsarist era to the passion of the pilot of the Aeroflot, from the Soviet manufacture „Red October“ to the young Mongolian pianist Odgorel, who plays Bach in her yurt. Sophy Roberts‘ explorations lead deep into the heart of history and tell us no less about the present.

Sophy Roberts studied in Oxford and at Columbia University, New York, and has worked for Condé Nast Traveller, The Economist and Financial Times Weekend. She lives in West Dorset (GB).

Tessa Szyszkowitz, UK correspondent for PROFIL, Falter, Cicero and author (Echte Engländer. Britain and Brexit, in German, Picus Verlag, 2018), Senior Associate Fellow of the Royal united Services Institute in London.

The German translation of Sophy Robert’s book The Lost Pianos of Siberia (Sibiriens vergessene Klaviere) was published by Zsolnay Verlag on 21 September 2020. The event took place in cooperation with Zsolnay Publishing House.

 

GENIAL DAGEGEN online. Kuratiert von Robert Misik
GEGENSTEUERN
Eine neue Wirtschaftspolitik für die Post-Corona-Ära

ZOOM Live Gespräch mit Gustav Horn*

Robert Misik, Autor und Journalist im Gespräch mit Gustav Horn, Wirtschaftswissenschaftler

Durch die Corona-Pandemie, den Shutdown und die Gesundheitskrise ist die Weltwirtschaft in die schwerste Krise seit langer Zeit geschlittert. Es droht eine langanhaltende Depression, wenn jetzt nicht mit neuen Konzepten entschlossen gegengesteuert wird. Nach der Finanzkrise saß der Neoliberalismus schnell wieder fest im Sattel – das darf nicht noch einmal geschehen. Mit den veralteten Doktrinen muss aufgeräumt werden.
Gustav Horn, Professor an der Universität Duisburg-Essen, langjähriger Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und Mitglied des Parteivorstandes der SPD, brachte sein Buch „Gegensteuern“ am Höhepunkt der Corona-Krise heraus. Er zeigt: Falsche Wirtschaftspolitik hat zwanzig Jahre lang den Aufstieg des rechten Populismus begünstigt.
Gustav A. Horn meint: Jahrzehnte neoliberaler Politik und das Versagen der sozialdemokratischen Parteien haben den Boden für den Rechtspopulismus bereitet. Und er zeigt konkret, wie ein Politikwechsel aussehen muss, der die Demokratie stärkt und unser Land in eine soziale und ökologische Zukunft führt.

Gustav Horns aktuelles Buch „Gegensteuern“ ist im April 2020 im CH. Links Verlag als ebook erschienen.

*Wir entschuldigen die technischen Unstimmigkeiten und hoffen auf Ihr Verständnis.

 

ARI RATH PREIS FÜR KRITISCHEN JOURNALISMUS 2020
FLUCHT – VERTREIBUNG – ASYL

Begrüßung: Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., Gründungs- und Ehrenpräsident des Kreisky Forums
Begründung der Jury: Gertraud Borea d’Olmo, Generalsekretärin des Kreisky Forums

Preisträgerin: Irene Brickner, Der Standard
Laudatorin: Rubina Möhring, Reporter ohne Grenzen

Ehrenpreis: Anneliese Rohrer, Journalistin
Laudator: Oliver Rathkolb, Univ.-Prof. am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Moderation: Birgit Fenderl, ORF

Lesung aus Ari Raths Buch „Ari heißt Löwe. Erinnerungen“: Elisabeth Orth, Schauspielerin
Musik: Shmuel Barzilai, Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien in Wien

Mit freundlicher Unterstützung von WIEN ENERGIE

 

China im Blick online. Kuratiert von Irene Giner-Reichl
DAS KLAVIER
Eine österreichisch-chinesische Liaison

Bai Lin, Leiterin des Taiji Studios Familie Bai, Ko-Gründerin der Klavier-Galerie in Wien und Sandra Gu, Stv. Generalmanagerin der Hailun Art Co. , Ningbo, Gründerin der Hailun Musik-Zentren im Gespräch mit Irene Giner-Reichl, Botschafterin

Rund 500 000 Klaviere werden pro Jahr weltweit erzeugt; 80 % davon werden in China gekauft. Chinas Mittelklasse ist bekannt für ihre Affinität zu klassischer Musik. Auf das Neujahrs-Konzert der Wiener Philharmoniker und den Goldenen Saal des Musikvereins wird man als Vertreter Österreichs in China regelmäßig angesprochen. Internationale Architekten der Star-Klasse haben Opernhäuser und Konzerthallen in ganz China gebaut – Paul Andreu das National Centre of Performing Arts in Peking, Zaha Hadid das Opernhaus in Guangzhou –, in denen die internationale Elite von Solisten, Dirigenten, Orchester routinemäßig vor ausverkauften Rängen auftreten. Unter den 25 ausgewählten Pianisten des Tschaikowsky-Wettbewerbs 2019 waren 5 chinesische; und ein besonderer vierter „Preis für Selbstbeherrschung und Mut“ ging an den 20-jährigen chinesischen Finalisten Tianxu An, dem das Orchester durch einen Logistik-Fehler die beiden Klavierkonzerte nicht in der angekündigten Ordnung spielte, und der trotzdem weder die technische noch die emotionelle Kontrolle verlor.
Die chinesische Klavier-Erzeugung hat in den letzten Jahren durch eine Kooperation zwischen der Wiener Klaviermanufaktur Feurich und Hailun Pianos in Ningbo eine neue Wendung genommen. Das Gespräch zeichnet die Stationen dieser Kooperation auf, fragt nach, wie der Zugang zur Musikerziehung in China ist und welche Veränderungen der chinesische Luxusgüter-Markt im Gefolge der Corona-Pandemie erfährt.

 

Gertraud Borea d’Olmo, Generalsekretärin:
Sommergrüße aus dem Kreisky Forum

 

GENIAL DAGEGEN online LIVE
WER SOLL DAS ALLES ZAHLEN?

Robert Misik im Gespräch mit Jens Südekum, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Düsseldorf

„Der Ökonom der Mächtigen“, nannte unlängst die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ den Volkswirtschaftsprofessor von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. In der größten ökonomischen Krise seit langem hören sowohl der Berliner Finanzminister als auch der Wirtschaftsminister auf den Wirtschaftsforscher, der schon seit Jahren darauf drängt, dass der deutsche Staat mehr investiert, um marode Infrastruktur zu ersetzen oder neue Technologien zu unterstützen. Immer wieder hat Südekum sich kritisch über die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse geäußert, zudem wirbt er für eine stärkere Integration in der Währungsunion. „Dieses Konjunkturprogramm hat wirklich Wumms“, sagt er jetzt und warnt davor, sich allzu sehr auf die Frage zu kaprizieren, wie die aufgenommenen Schulden wieder zurück gezahlt werden sollen. Denn Staaten zahlen ihre Schulden üblicherweise gar nicht zurück. Ob ein Staat „zu sehr“ verschuldet ist, hängt am wenigsten von der Höhe der Schulden ab, sondern von vielen Faktoren. Südekum wird auch für interessierte Laien verständlich erklären, was ein gutes Konjunkturprogramm auszeichnet und warum Staatsschulden unser geringstes Problem sein sollten.
Jens Südekum (geboren 1975 in Goslar) ist seit dem Jahr 2014 Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre am Düsseldorfer Institute for Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Außerdem ist er Research Fellow beim Centre for Economic Policy Research (CEPR), dem CESifo Institut, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und beim Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA).
Robert Misik spricht mit ihm über Politik mit „Wumms“, Konjunkturprogramme und die verbreiteten Ängste, dass den Staaten das Geld ausgehen und eine Schuldenkrise drohen könnte.

 

*** Genial dagegen online LIVETALK ***

THE SWEDISH WAY OF DEALING WITH THE CRISIS

Robert Misik, Author and Journalist
in conversation with
Joakim Palme, Professor of Poltical Science, Uppsala University

During the first few months of the pandemic, the Swedish government followed a path that differed from that of many European countries: a less rigid, partial shutdown that kept large parts of the economy running, balancing anti-pandemic measures and citizen self-responsibility. At times, therefore, Sweden was regarded as highly controversial, a model for some, a dead end for others. The interim results are now much higher lethality rates, but the great catastrophe did not occur either. On the other hand, the Swedish economy has not come through the first phase of the epidemic significantly better than other economies – and may even have to expect more severe shocks. What is behind the Swedish special path? What is its balance? And what has Sweden to expect now in terms of the economy, employment and health risks?

Joakim Palme (born 18 May 1958) is a Swedish political scientist and sociologist. Since 2009, Palme is a professor of political science at Uppsala University. Since 2002 he has been CEO of the Institute for Future Studies. Between 2003 and 2009, he was adjunct professor of sociology at Stockholm University. He is the eldest son of Olof Palme, who was Prime Minister of Sweden until his assassination in 1986, and his wife Lisbeth Palme.

 

*** ZERRISSENE JAHRE. Kuratiert von Philipp Blom online aus Kreiskys Wohnzimmer ***
IST HEUTE SCHON MORGEN?
Wie die Pandemie Europa verändert

Wie wird die Welt nach Corona aussehen? Ivan Krastev, bulgarischer Politologe und einer der wichtigsten Intellektuellen der Gegenwart, gibt Orientierung in Zeiten der Ungewissheit.
Es gibt Momente, in denen sich unsere Gewissheiten auflösen und sich unsere kollektive Vorstellung von dem, was möglich ist, dramatisch ändert. Die Menschen beginnen, die Gegenwart zu ignorieren und stattdessen über die Zukunft nachzudenken – die Zukunft, die sie sich erhoffen, oder die Zukunft, die sie fürchten.
Irgendwann im März 2020, in der zweiten Woche meiner Covid-19-Isolsation, mailte ein Freund mir ein amüsantes Mengendiagramm. Es zeigte zwölf einander überschneidende Kreise, die jeweils für eine bekannte Dystopie standen. Da waren sie alle: 1984, Schöne Neue Welt, Der Report der Magd, Clockwork Orange und Herr der Fliegen. In der kleinen Fläche, in der sie sich alle überschnitten, stand: „Sie befinden sich hier“. Und tatsächlich – genau dort befinden wir uns. Wir durchleben all diese Alpträume gleichzeitig.

Philipp Blom ist Historiker, Schriftsteller, Übersetzer und wissenschaftlicher Kurator des Bruno Kreisky Forums.

Ivan Krastevs Buch „Seven Lessons from the Corona Crisis“ ist am 15. Juni 2020 unter dem Titel „Ist heute schon morgen. Wie die Pandemie Europa verändert“ (Übersetzung: Karin Schuler) in der Reihe Wissen&Werte. Wirtschaft, Gesellschaft, Politik/Internationale Politik bei Ullstein erschienen.

Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.

 

Auf der Suche nach Europa – online. Kuratiert von Ulrike Guérot
GEDANKEN ZU EUROPA: DER STATUS QUO – Eine Zwischenbilanz zur Pandemie

Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, Gründerin des European Democracy Lab

Europa hat bis jetzt noch keine institutionellen Lehren aus der COVID 19 Krise gezogen. Ob eine europäische Solidarität eingelöst werden wird, ist offen.
Mit der jetzigen Digitalisierung- und Modernisierungsstrategie alleine ist jedenfalls „kein Staat“ zu machen. Wir brauchen dringend eine europäische Strategie, die uns durch die nächste Krise bringen kann. Ohne europäische Vergemeinschaftung ist das nicht möglich. Und dabei müssen die europäischen Bürger*innen im Mittelpunkt stehen.

 

AFRICA. Dimensions of a Continent ONLINE
Curated by Georg Lennkh
THE UPCOMING EU-AFRICA SUMMIT – WILL IT TAKE PLACE?

Georg Lennkh, former Austrian Special Envoy for Africa (2005-2010) and EU Special Representative in Chad (2006-2010)
in conversation with
Geert Laporte, Co-Director ECDPM – European Centre for Development Policy Management

Twenty-twenty should have been the year of a fundamentally new Africa-Europe partnership, culminating in the sixth EU-AU summit in October in Brussels. Ursula von der Leyen, with a delegation of some 20 European commissioners in her wake, recently traveled to Addis Ababa for meetings with their African Union counterparts. In early March, the European Commission and European External Action Service presented a joint communication for a comprehensive strategy with Africa.
But then the COVID-19 health crisis completely blew all that up in the air.
Experts and policymakers are now trying to anticipate the effects of the pandemic for countries in Europe and Africa, but not yet for Africa-Europe relations. Will the two continents be able to jointly deal with the expected health, economic and political consequences? Will the crisis also open new windows of opportunity? And who will be the winners and losers of this crisis?

 

*** GENIAL DAGEGEN online aus Kreisky Wohnzimmer***

Zur Lage der arbeitenden Klassen in Österreich

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian
im Gespräch mit
Robert Misik über Sozialstaat, Gewerkschaften und Solidarität in der Krise

Wolfgang Katzian ist seit zwei Jahren Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes ÖGB und wuchs gerade in den letzten Krisenmonaten in die Rolle der starken, volksnahen Stimme der arbeitenden Klassen hinein.

Die Sozialpartnerschaft, von den Regierungen Kurz I und II schon an den Rand gedrängt, spielte plötzlich wieder zumindest eine gewisse Rolle. Aber schon in den vergangenen Jahren wurden die Klassenkämpfe härter, man denke nur an die Einführung des 12-Stunden-Tages und die „Reform“ der Krankenkassen. Geradezu zwangsläufig werden Gewerkschaften, wenn der Ausgleich am grünen Tisch nicht mehr so gut gelingt, ein kämpferischeres Gesicht zeigen müssen. Zugleich sind sie nicht nur Interessensvertretung, sondern verkörpern auch ein Ideal, das Ideal von Solidarität und Gleichheit aller.

Die Strahlkraft dieser Ideale in die arbeitenden Klassen hinein hat aber in den vergangenen Jahrzehnten auch gelitten. Wie kann man unter diesen Umständen wieder allgemein anerkannte, authentische Stimme der einfachen, normalen Leute sein und das Ideal der Solidarität erneuern? Und was kommt in der schwersten ökonomischen Krise seit langem auf uns zu? Über all das wollen wir mit dem Präsidenten des ÖGB sprechen.

 

*** GENIAL DAGEGEN online aus Kreisky Wohnzimmer ***

DER NÄCHSTEN GENERATION DIE TÜREN AUFMACHEN!

Mireille Ngosso
im Gespräch mit
Robert Misik über #blacklivesmatter und ihr Engagement als schwarze Politikerin in der SPÖ

Mireille Ngosso, 1980 in Kinshasa geboren, ist Medizinerin und sozialdemokratische Politikerin. 1984 kam sie nach Wien und wuchs hier auf – und wie jedes schwarze Kind machte sie subtile und auch weniger subtile Diskriminierungserfahrungen.
Sie war stellvertretende Bezirksvorsteherin im ersten Wiener Gemeindebezirk, wurde dann aber bei den parteiinternen Vorwahlen nicht ausreichend unterstützt – womöglich auch, weil man sich als „fremd“ erscheinende Person bei uns doppelt und dreifach beweisen muss. Nun kandidiert sie bei der Wien-Wahl auf aussichtsreicher Stelle für den Gemeinderat.
Zuletzt war sie Mitorganisatorin der „BlackLivesMatter“-Demonstration, zu der überraschend 50.000 Menschen kamen.
Wir sprechen mit ihr über ihre Erfahrungen als schwarze Österreicherin, wie man immer wieder „fremd gemacht“ wird, wie wirksam Bilder und Stigmata des „Anderen“ sind, über die Mehrfachbelastung als Ärztin und Politikerin und auch darüber, wie eine junge Generation aus allen ethnischen Hintergründen gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung aufsteht.

 

Georg Lennkh über AFRIKA. DIMENSIONEN EINES KONTINENTS

Botschafter Georg Lennkh war langjähriger Leiter der Sektion Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium und österreichischer Sonderbotschafter für Afrika, insbesondere für den Tschad. Im Kreisky Forum für Internationalen Dialog kuratiert er die Reihe „Africa. Dimensions of a continent“.
Die seit 2009 bestehende Reihe beschäftigt sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit der Vielfalt und Vitalität von afrikanischer Politik und der Fokus liegt auf den unterschiedlichen Blickwinkeln und Dimensionen des Kontinents und den entwicklungspolitischen Strategien Österreichs sowie der EU-Afrika-Strategie.

 

TRANSATLANTICA online
“WE NEED A PRESIDENT WHO CHOOSES HOPE OVER FEAR”

Eva Nowotny, former Austrian Ambassador in Washington, Curator of the Kreisky Forum
in conversation with
Steven Beller, Historian and Author

A stable transatlantic partnership, albeit never without problems and occasional frictions, used to be a reliable and fundamental factor in the EU’s external relations. In the last three years this has been challenged and we have been dealing with a transatlantic partner, fraught with internal rifts and divisions, which put into question rule of law, reliability of treaties, multilateral diplomacy, the whole structure of international relations and the institutions on which they are grounded. A few months before an important American presidential election, it is thus a good moment for a reality check.
What is happening inside the US, beleaguered as the country is by racism, deep political fractures, growing social injustice?
Is democracy really in danger, as some commentators argue, or are the democratic system and its institutions strong and solid enough to withstand authoritarian flirtations?
What will be the impact of these internal developments on the world at large and on the European partners in particular?
These and some other issues will be explored in a conversation with the distinguished American historian and political commentator Steven Beller.

 

AUS KREISKY WOHNZIMMER online
ES IST EIN GUTES LAND. Kuratiert von Wolfgang Maderthaner

WIEN IN DER NACHKRIEGZEIT
Ein Zeitzeuginnengespräch

Barbara Coudenhove-Kalergi, Journalistin und Herausgeberin
Emmy Werner, Schauspielerin, Theaterdirektorin und Regisseurin
Moderation:
Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Am 13. April 1945 wird in Moskau aus 324 Kanonen Salut geschossen, zum Zeichen, dass die Rote Armee Wien befreit hat – eine Stadt, die vom Kriegsgeschehen schwer gezeichnet ist. Mehr als 20 Prozent des Hausbestandes sind ganz oder teilweise zerstört. Beinahe 87.000 Wohnungen sind unbewohnbar. Im Stadtgebiet werden mehr als 3.000 Bombentrichter gezählt. Zahlreiche Brücken liegen in Trümmern. Kanäle, Gas- und Wasserleitungen haben schwere Schäden erlitten. Vor den Lebensmittelgeschäften bilden sich lange Schlangen, um wenigstens irgendeine Kleinigkeit zu erstehen.
Im August 1945 kommen die Westalliierten nach Wien, am 1. September übernehmen die Truppen der vier Besatzungsmächte ihre Zonen und bleiben bis zur Ratifizierung des Österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955.
Barbara Coudenhove-Kalergi, Jahrgang 1932 und Emmy Werner, Jahrgang 1938 haben diese schwierigen Jahre in Wien erlebt. Mit Wolfgang Maderthaner sprechen sie über ihren Alltag im Nachkriegswien. Und darüber, wie sie diese Zeit geprägt hat.

 

Kooperations-Diskussion von SOHO in Ottakring mit dem Kreisky Forum für Internationalen Dialog
KUNST, DEMOKRATIE UND FREIHEIT NACH DER PANDEMIE

Ruth Wodak, Sprachwissenschaftlerin
Oliver Ressler, Künstler und Filmemacher
Gerhild Steinbuch, Dramaturgin und aktives Mitglied im Verein Die Vielen.
Moderation: Robert Misik, Autor und Journalist, Kurator des Kreisky Forums

Wie „die Welt nach Corona“ aussehen wird, ist völlig unklar.
Wie kann verhindert werden, dass ein autoritärer Kapitalismus zum Gewinner der Krise wird? Oder kann gar eine progressive Agenda, mit Umverteilung und Ausbau von Sozialstaaten reüssieren, weil jetzt wieder der Wert einer guten öffentlichen Infrastruktur allgemein anerkannt ist, einer Infrastruktur, die dem Markt entzogen ist?
Welche Rolle können in diesen Auseinandersetzungen Kunst und Kultur spielen? Und wie agieren Kulturschaffende auf globaler Ebene im Kampf für mehr Demokratie und Meinungsfreiheit gegenwärtig?

Das Festival Soho in Ottakring 2020 findet aufgrund der COVID 19 Pandemie online statt. Es steht unter dem Titel “Wie meinen? Über Meinungsfreiheit und das Ringen um sie”. Von 6. Juni – 20. Juni 2020 wird täglich eine neue künstlerische Arbeit präsentiert. Die veröffentlichten Beiträge sind auch nach dem Festival bis 5. Juli zu sehen.

 

CoronaCast Transatlantica
Vivien Schmidt: EUROPE´S CRISIS OF LEGITIMACY. Governing by Rules and Ruling by Numbers in the Eurozone

In ihrem aktuellen Buch „Governing by Rules and Ruling by Numbers in the Eurozone“ nimmt Vivien Schmidt grundsätzliche Fragen in den Bewegungen der Europäischen Union in den Fokus und analysiert die verschiedenen Ebenen von Legitimität. Auch die Auswirkungen der COVID-19 Krise werden beleuchtet.
Vivien Schmidt ist eine renommierte und gewichtige Stimme aus den USA. Sie beschäftigt sich seit langem mit dem US-Blick auf Europa und war bereits mehrmals Gast im Kreisky Forum.

Introduction: Eva Nowotny, former Austrian Ambassador in Washington, Curator of the Kreisky Foru
Vivien Schmidt, Jean Monnet Professor of European Integration, Professor of International Relations in the Frederick S. Pardee School of Global Studies and Professor of Political Science at Boston University

 

Olaf Scholz und Robert Misik: MIT ALLER KRAFT DAGEGEN HALTEN

Genial dagegen / Facebook Live Gespräch
MIT ALLER KRAFT DAGEGEN HALTEN
Ein Bericht aus dem Maschinenraum der Wirtschaftsrettung

Robert Misik, Autor und Journalist
im Gespräch mit
Olaf Scholz, Vizekanzler und Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland

Er ist wahrscheinlich der wichtigste Wirtschaftspolitiker des Kontinents: Olaf Scholz, deutscher Finanzminister und Vizekanzler. In seinem Amt laufen viele Fäden zusammen: mit einem gigantischen Stützungsprogramm („das ist unsere Bazooka“) versucht die deutsche Regierung, die Unternehmen in der Phase des Shutdowns und der Anti-Seuchen-Politik über Wasser zu halten, zugleich muss schon an Konjunkturprogrammen für die Zeit danach gestrickt werden. Und das ohne jede Vorlage: „Es gibt kein Drehbuch für diese Krise“, sagt Olaf Scholz. Zugleich arbeiten die Kanzlerin Angela Merkel und der Finanzminister mit den europäischen Partnern an einem Neustart in der Europäischen Union, an einem Wiederaufbauplan, der ein neuer „Meilenstein“(„Die Zeit“) für die europäische Zusammenarbeit werden soll.
Olaf Scholz ist – zugeschaltet aus dem Berliner Finanzministerium – Gast des Wiener Kreisky Forums und erklärt im Gespräch mit Robert Misik, was getan werden muss, um Unternehmen und Beschäftigung zu stabilisieren und eine Abwärtsspirale zu vermeiden – und welche Ziele wir uns für eine Post-Corona-Ära jetzt schon setzen sollen.

 

PHILOXENIA online
WHO ARE THE WINNERS OF THE CORONA CRISIS? AUTOCRATS OR FEMINISTS?

Tessa Szyszkowitz, UK Correspondent for Profil, Falter, Cicero
in conversation with
Eva Illouz, Sociologist, Hebrew University, Jerusalem; School for Advanced Studies in Social Sciences, Paris

The lessons of the pandemic should be learned fast and furiously. It can help governments and societies worldwide to push reforms in public space and private homes.

Eva Illouz teaches at the School for Advanced Studies in the Social Sciences EHESS in Paris and holds the Rose Isaac Chair in sociology at the Hebrew University in Jerusalem. Born in Fez, Morocco, Illouz today divides her time between Jerusalem and Paris. In 2009, the German newspaper Die Zeit chose her as one of the 12 thinkers most likely to „change the thought of tomorrow“. In 2013, she received the Annaliese Meier International Award for Excellence in Research from the Alexander von Humboldt Foundation. Her book Why Love Hurts. A Sociological Explanation (2013) won the best book award of the Alpine Philosophy Society in France. She also received the 2014 Sociology of Emotions Outstanding Recent Contribution Award and in 2018 the E.M.E.T award, the highest scientific distinction in Israel. Illouz is the author of numerous books and articles that have been translated into eightheen languages.

 

RESILIENZ IN DER KRISE
Isolde Charim im Gespräch mit Stefanie Graefe

In Zeiten wie diesen, wo die Welt aus den Fugen ist, wird der Ruf nach Formen der Krisenbewältigung laut. Das erklärt den Siegeszug eines neuen Konzepts: der Resilienz. Resilienz – das sind Techniken der Widerstandsfähigkeit. Wer resilient ist, so die Botschaft, bleibt auch in unsicheren Zeiten erfolgreich, glücklich und gesund. Was es mit Versprechen und politischen Schattenseiten der Resilienz auf sich hat, das lotet Stefanie Graefe, Autorin des Buches „Resilienz im Krisenkapitalismus. Wider das Lob der Anpassungsfähigkeit„, im Gespräch mit der Philosophin Isolde Charim aus.

 

Irene Giner Reichl/Tatjana Rosito: Spotlights on Current Brazil – China Relations

Brazil and China, both members of BRICS, enjoy intense political and economic relations. In 2019, President Jair BOLSONARO visited Beijing and President XI Jinping attended the BRICS Summit in Brazil. China is Brazil’s most important trading partner with Brazil achieving a year-after-year surplus. China invests significantly in Brazil.
The current COVID-19 pandemic which has undone the slight recovery of the Brazilian economy and ushered in another major recession, the trade frictions between Washington and Beijing now heightened by the US Administrations’ allegations against China connected to the outbreak of the pandemic, strategic interests of both countries and multilateral cooperation: these and other topics will be explored in the conversation with the Coordinator of the China Analysis Group at the Brazilian Center for International Relations (CEBRI), Tatiana Rosito.

Tatiana Rosito , Senior Fellow and Coordinator of the China Analysis Group at the Brazilian Center for International Relations (CEBRI). She is a diplomat and an economist, having worked over ten years in Asia, where she served at the Brazilian Embassies in Beijing and Singapore. She was Petrobras’ Chief-Representative in China and General Manager for Business Development in Asia from 2017 to 2019. Previously, she was Executive Secretary at the Brazilian Foreign Trade Board (CAMEX) and Special Advisor to the Ministers of Finance and Planning, among other roles in the public service. She holds a Master’s degree in International Development from the Harvard Kennedy School and an Executive MBA from INSEAD and Tsinghua University.
Moderation: Irene Giner Reichl
, Ambassador

 

BÜROKRATISCHE DEMOKRATIE, DEMOKRATISCHE BÜROKRATIE
Philipp Blom im Gespräch mit Iris Rauskala und Raoul Kneucker

In Zeiten von Krisen – wie aktuell COVID-19 – erwarten wir, dass die staatliche Verwaltung perfekt funktioniert, zeitgemäß arbeitet und rasch Hilfe organisiert. Doch kaum sind akute Probleme bewältigt, lebt das ewige Paradoxon der Bürokratie wieder auf: Zwar wissen wir, dass es ohne Bürokratie nicht geht, gleichzeitig wird sie als überbordend und teuer kritisiert. Kaum jemand fragt sich, wie Verwaltungsstrukturen mit der rasanten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung Schritt halten können.
Der Verwaltungswissenschaftler und ehemalige Sektionschef Raoul Kneucker hat ein – keineswegs trockenes – Werk über Geschichte und Struktur der Bürokratie in Österreich und Europa verfasst: Bürokratische Demokratie, Demokratische Bürokratie (Böhlau Wien, 2019).
Mit ihm und Iris Rauskala, Wirtschaftswissenschaftlerin und Leiterin der Präsidialsektion im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, spricht unser Kurator Philipp Blom über die Entwicklung von Österreichs Bürokratie von den großen Verwaltungsreformen der Habsburger im 19. Jahrhundert, die das große Kaiserreich zusammenhielten und organisierten, bis zu den staatlichen Strukturen der demokratischen Gegenwart.
Wie hat sich Bürokratie durch Europäisierung, Globalisierung und Digitalisierung verändert? Wie wappnet sich Verwaltung in Bund, Ländern und Gemeinden für aktuelle Herausforderungen der Sozialpolitik, Innovationspolitik oder Ökologie? Stehen betriebswirtschaftliche Kriterien über allem oder misst sich der Erfolg staatlichen Handels nicht doch eher an gelungener Krisenbewältigung, sozialer Stabilität oder kulturellen Leistungen?

 

Isolde Charim: Die smarte Differenzierung

Nach den langen Wochen der strikten Regelungen für alle haben wir nun einen Übergang von Verordnungen zu Eigenverantwortung, vom Gruppenrisiko zum individuellen Risiko. Aber wirklich entlassen sind wir nur bedingt. Wir sehen uns einer smarten Differenzierung gegenüber, deren anderer Name Selektion ist. Es entsteht eine Parallelgesellschaft neuer Art. Und die neuen COVID-19 Gesetze leisten dieser Parallelgesellschaft Vorschub. Wenn man so vorgeht, dann muss man mit offenen Karten spielen. Man muss benennen, was das heißt. Die Schutzselektion ist nur das nette Gesicht, sie ist die freundliche Hülle, die verbirgt, dass es immer auch um eine Effizienzselektion geht.

 

Nina Khrushcheva: RUSSIA IN TIMES OF COVID-19

Russia has currently the second highest number of COVID-19 infections after the USA. Is the Russian leadership following the Chinese model to deal with the crisis or is it following the example of European leaders? Which communication strategy has President Putin chosen?
And how has Russia celebrated the 75th anniversary of the end of World War II in times of pandemic lockdown, while the May 9th commemorations are usually demonstrations of Russia´s military strength?
Listen to the curator of our programme Russia on the World Stage Nina Khrushcheva, Professor of International Affairs at The New School, New York.

 

Aus Kreiskys Wohnzimmer zu 65 Jahre Staatsvertrag:
Bürgermeister Michael Ludwig und Robert Misik

Robert Misik, Autor und Journalist
im Gespräch mit
Michael Ludwig, Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien

Am 15. Mai feiern wir 65 Jahre Staatsvertrag. Österreich hat damit seine Souveränität wiedererlangt. Genauso wichtig war aber auch das Bekenntnis zur Demokratie und zum Rechtsstaat. Und bleibt es bis heute.
Machen Sie mit Robert Misik und unserem Gast Bürgermeister Michael Ludwig, passionierter Historiker und Politikwissenschaftler, einen spannenden Streifzug von den historischen Momenten der Unterzeichnung des Staatesvertrages im Mai 1955 durch die folgenden Jahrzehnte bis in unser Wien der Gegenwart. Natürlich kommen auch aktuelle politische Fragen in der Diskussion nicht zu kurz.

 

China im Blick – online. Kuratiert von Irene Giner-Reichl

BUILDING BACK BETTER

Wie wird Chinas Politik in Europa wahrgenommen, was denkt China über Europa? Wie entwickelt sich internationale Zusammenarbeit in Zeiten von Corona? Wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen den USA und China? Und was kommt nach der Pandemie? „BUILDING BACK BETTER“ muss die Devise sein. In Politik und Wirtschaft. „Business as usual“ wird nach Corona nicht möglich sein.
Irene Giner-Reichl, Kuratorin unserer China im Blick-Reihe, war von 2012-2017 Österreichs Botschafterin in Peking, seither vertritt sie Österreich in Brasilia. Sie berichtet auch kurz über die Situation Brasiliens. Das Land befindet sich im Spannungsfeld zwischen China als wichtigstem Handelspartner und den USA, deren Präsident Trump für Brasiliens Staatschef Bolsonaro das große Vorbild ist.

 

Auf der Suche nach Europa – online. Kuratiert von Ulrike Guérot

GEDANKEN ZU EUROPA: ERINNERUNGEN FÜR DIE ZUKUNFT

Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, Gründerin des European Democracy Lab
Für das Kreisky Forum hat Ulrike Guérot in insgesamt fünf kurzen Videos Gedanken zu Europa im Lichte der Corona-Krise formuliert. Das neueste dieser Videos – Erinnerungen für die Zukunft – präsentieren wir Ihnen hier.

 

Konzert aus Kreisky Wohnzimmer: THERE´S A PLACE FOR US

Ein musikalischer Beitrag zum Fest der Freude am 8. Mai aus Kreisky’s Wohnzimmer
Am Klavier: Klaus Laczika, Intensivmediziner am Wiener AKH und Musiker

Das mittlerweile traditionelle Fest der Freude am 8. Mai, veranstaltet vom Mauthausen Komitee Österreich im Gedenken an die Opfer von Krieg und Diktatur und die Freude über die Befreiung von der NS-Terrorherrschaft, muss heuer virtuell stattfinden.
Klaus Laczika hat seinen musikalischen Beitrag zum Fest der Freude 2020 in Kreiskys Wohnzimmer aufgezeichnet. Er spannt seinen musikalischen Bogen von Beethoven über Gershwin zu Gulda.

 

Aus Kreiskys Wohnzimmer: FLUCHT UND VERTREIBUNG
8. Mai – Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht

Ruth Wodak, Sprachwissenschaftlerin, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Bruno Kreisky Forums
im Gespräch mit
Ernst Berger, Psychiater, Professor an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien, Autor

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit einer bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Ruth Wodak und Ernst Berger im Gespräch über Vertreibung, Flucht und Exil damals und heute, über „zeitlose Orte“, Warten ohne Perspektive und die Rückkehr in das Land der Täter*innen
Es geht in dem Gespräch einerseits um das Schicksal von Kindern, die nach dem November Progrom 1938 mit den sogenannten Kindertransporten – übrigens von Privatpersonen initiiert, da die große Konferenz von Evian keine Entscheidung treffen konnte -, alleine das Land verlassen konnten, nicht wissend, ob und wann sie ihre Familie wiedersehen würden. Und in Analogie um die vielen unbegleiteten Minderjährigen und Kinder, die im Flüchtlingslager Moria festsitzen und nur in wenigen europäischen Ländern aufgenommen werden. Österreich weigert sich bis heute, auch nur einige wenige aufzunehmen. Sie wissen nicht, wie es um ihre Zukunft steht, der Verlust von Heimat, Sprache, Familie wird ihr Leben bestimmen – und wieder wird eine Generation mit diesen Belastungen und Traumata aufwachsen.
„Nicht in meinem Namen“ ist ein Appell, diese Kinder nach Österreich zu bringen.

 

ARAB CHANGES – online. Kuratiert von Gudrun Harrer

Ulrike Freitag: SAUDIARABIEN IM WANDEL: HOFFNUNGEN UND ÄNGSTE
Einführung: Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens
Video-Statement: Ulrike Freitag, Direktorin des Zentrums Moderner Orient und Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin
Wie sind die jüngsten Entwicklungen in Saudiarabien zu bewerten? Einerseits sind Fortschritte bei Frauenrechten, Reformen im Strafrecht oder Maßnahmen gegen Korruption positive Signale, andererseits steigt der Druck auf Kritiker des Saudi-Herrschers Mohammed bin Salman. Gudrun Harrer und die deutsche Islamwissenschaftlerin Ulrike Freitag über Hoffnungen und Ängste vor konservativen Rückschritten und brutaler Repression in Saudiarabien.

 

CoronaCast mit Isolde Charim: Demokratische Politik im Krisenmodus

Demokratische Politik im Krisenmodus bedeutet nicht Konsens, sondern Entscheidung. Wir erfahren jetzt ganz deutlich, dass auch Politik auf roher Macht beruht. Dass sie als Macht wirkt, auftritt und vor allem entscheidet. Auch über Leben und Tod. Viele sehen darin ein mögliches Einfallstor für eine autoritäre Verfestigung. Deshalb muss gerade jetzt die Verfassung gewahrt werden. Es muss Kontrolle geben, damit die nackte Macht wieder eingefangen wird. Die Ausnahmesituation darf nicht zum Ausnahmezustand werden.

 

ARAB CHANGES online. Curated by Gudrun Harrer
Thomas Hegghammer: TRACING THE ROOTS OF GLOBAL JIHAD

Introduction: Gudrun Harrer, Author, Senior Editor, Der Standard
Video-Statement:Thomas Hegghammer, Senior Research Fellow at the Norwegian Defence Research Establishment (FFI) and Adjunct Professor of Political Science at the University of Oslo

For nearly two decades, al-Qaida and the Islamic State have held the world’s attention with spectacular acts of violence. But where does jihadism come from and why did it emerge when it did?
Thomas Hegghammer is a Middle East specialist who has worked on militant Islamism since before 9/11. He is the author of many articles and several books on militant Islamism, including Jihad in Saudi Arabia (Cambridge, 2010) and Jihadi Culture (Cambridge, 2017). In his new book The Caravan: Abdallah Azzam and the Rise of Global Jihad (Cambridge, 2020, ISBN 9780521765954), Thomas Hegghammer returns to the 1970s and 1980s in search of the roots of the transnational jihadi movement. The book centers on Abdallah Azzam, the Palestinian cleric who led the mobilization of Arab fighters to Afghanistan in the 1980s. Known as „Bin Laden’s Mentor“ and „the Godfather of Jihad“, Azzam played a crucial role in the internationalization of jihadism before being assassinated by unknown perpetrators in 1989.
In his video-statement, Thomas Hegghammer gives a short presentation. We hope to be able to welcome him personally at Bruno Kreisky Forum in autumn.

 

ES IST EIN GUTES LAND – Online. Kuratiert von Wolfgang Maderthaner
Wolfgang Maderthaner/Manfred Matzka: DIE REPUBLIK UND IHRE VERFASSUNG

Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der ArbeiterInnenbewegung
im Gespräch mit
Manfred Matzka, Verfassungs- und Verwaltungsrechtler, ehemaliger Sektionschef der Sektion I im Bundeskanzleramt, 2019 Sonderberater der Bundeskanzlerin, Verfasser zahlreicher juristischer und nicht-juristischer Publikationen

Krisen machen Regierungen stärker, schnelles Handeln ist gefragt. Doch das erhöht die Verantwortung, das demokratische Element ernst zu nehmen und das Parlament stark sein zu lassen. In einer Krise wie der momentanen kontrollieren Medien kaum, außerparlamentarische Aktivitäten können kaum stattfinden, die Kultur wird zurück genommen. Umso wichtiger ist es, dass die Maßnahmen nicht mit Erlässen sondern unter Wahrung der Grundrechte vom Parlament als Gesetze beschlossen werden. Handwerk und die Präzision des Managements sind gefragt.
Anlässlich des 75. Jahrestages der Gründung der Zweiten Republik am 27, April 2020 haben Wolfgang Maderthaner und Manfred Matzka im Wohnzimmer des Kreisky Forums ein Gespräch über die Bedeutung der Verfassung in Krisenzeiten geführt.
Wir danken Friedel Hans, ehem. technischer Leiter beim ORF, für Aufzeichung und Schnitt des Gesprächs.

 

Philoxenia CoronaCast: Tessa Szyszkowitz and Avivah Wittenberg-Cox

Why are female leaders particularly good at managing the Coronacrisis? Tessa Szyszkowitz talks to Avivah Wittenberg-Cox
Her recently published article on FORBES, „What do countries with the best coronavirus reactions have in common? Women Leaders“ is very worth reading.

Avivah Wittenberg-Cox is a French-Canadian-Swiss author, coach and the CEO of 20-first, a global gender-balance consultancy. She works with the management of companies to achieve real gender balance by reframing the issue: on leadership, culture and systems. She has written a number of books, including „Seven Steps to Leading Gender-Balanced Businesses,“ and „Why Women Mean Business: Understanding the Emergence of Our Next Economic Revolution.”

 

RUTH WODAK ÜBER POLITISCHE INSZENIERUNG IN CORONA ZEITEN

Ruth Wodak ist emeritierte Professorin für Diskursforschung an der Universität Lancaster und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Kreisky Forums.
Sie konstatiert: Mit der Corona Krise ist Wissenschaft wieder gefragt. Inhalte sind wichtig geworden. Und es geht um Fakten.
Wie allerdings gelingt es, die Bevölkerung zu überzeugen, sich an neue Regeln anzupassen, die sie bisher nicht gewohnt war? Dabei ist die Inszenierung der politischen Kommunikation ausschlaggebend. Und diese Inszenierung kann jeweils sehr unterschiedlich sein.

 

HEINZ FISCHER ÜBER DIE ÄRA KREISKY

Am 21. April 1970 – also vor genau 50 Jahren – wurde SPÖ-Vorsitzender Bruno Kreisky von Bundespräsident Franz Jonas zum Bundeskanzler der Republik Österreich ernannt. Das „Kabinett Kreisky I“ konnte mit seiner Arbeit beginnen. Zunächst als Minderheitsregierung und ab den nächsten Wahlen vom Oktober 1971 von den Wählerinnen und Wählern mit einer absoluten Mehrheit ausgestattet.
13 Jahre sollte Bruno Kreisky Regierungschef bleiben: eine Zeit der Öffnung des Landes, vieler weitreichender Reformen und einer aktiven Außenpolitik.
Heinz Fischer, über viele Jahre Weggefährte Bruno Kreiskys, erinnert in einem Video an die besonderen Momente vor 50 Jahren und die Regierungszeit von Bruno Kreisky.

 

CORONACAST MIT ROBERT MISIK: ÖSTERREICH IN DER KRISE

Österreich, wie viele andere, steckt mitten in einer Gesundheitskrise. Und Österreich, wie viele andere, steckt mitten in einer ökonomischen Krise. Erste Lockerungen der Regierungsmaßnahmen sind erfolgt, einzelne Geschäfte und Betriebe haben wieder geöffnet. Trotzdem wird es aus dieser Wrtschaftskrise auf absehbare Zeit für alle keinen raschen Ausweg geben. Und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Robert Misik zählt sie hier auf.

 

Ulrike Guérots Gedanken zu Europa in der Krise – DIE EU-ZUKUNFTSKONFERENZ

Am 9. Mai 2020 sollte der Startschuss für eine große, auf zwei Jahre angelegte Konferenz über die Zukunft der Europäischen Union erfolgen – und zwar im Austausch in Diskussionsforen mit europäischen Bürgerinnen und Bürgern in allen Mitgliedsländern. Der Beschluss dazu fiel am 4. Dezember 2019 im Europäischen Parlament.
Ob und wann dieser Prozess aufgrund der aktuellen Krise beginnen wird, ist offen. Es wäre jedenfalls eine reelle Chance, eine europäsiche Demokratie aufzubauen, in der die Entscheidungen nicht vom Europäischen Rat, sondern von den europäischen Bürgerinnen und Bürgern getroffen werden – mit einer neuen und starken Parlamentarisierung des europäischen Systems.

 

Ulrike Guérots Gedanken zu Europa in der Krise – AUSSETZUNG DER GRUNDRECHTE

Im Vertrag von Maastricht wurden im Jahr 1992 die Grundrechte der Unionsbürger*innen festgelegt. Durch die Entwicklungen in der aktuellen Krise sind diese Rechte de facto außer Kraft gesetzt. Wir können in Europa nicht mehr frei reisen, müssen an den Grenzen wieder unsere Pässe vorzeigen und dürfen mit einem deutschen Pass nicht mehr nach Frankreich einreisen. In unserer originärsten Defintion von Bürgerschaft sind wir derzeit keine europäischen Bürgerinnen und Bürger mehr.

 

Ulrike Guérots Gedanken zu Europa in der Krise – FEHLENDE RECHTSGLEICHHEIT DER EUROPÄISCHEN BÜRGER*INNEN

Die EU ist eine Rechtsgemeinschaft und hat immer als solche funktioniert. In der jetzigen Krise zeigt sich aber, dass es die Rechtsgleichheit der europäischen Bürgerinnen und Bürger in ihrer politischen Eigenschaft nicht gibt. Die Grenzen werden geschlossen. Und die Bürgerinnen und Bürger werden massiv nach ihrer Nationalität diskriminiert.
Europa kann so weder funktionieren noch souverän sein. Die nächste Stufe nach dem Binnenmarkt und dem EURO muss die Rechtsgleichheit der europäischen Bürgerinnen und Bürger in allen ihren bürgerlichen und politischen Belangen sein, damit in Europa in Zukunft nicht mehr nach Nationalität unterschieden wird. Dieses Freiheitsrecht muss verteidigt werden.

 

Ulrike Guérot ist Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau Universität Krems. Im Kreisky Forum kuratiert sie die Reihe AUF DER SUCHE NACH EUROPA und spricht mit ihren Gästen über politische Utopien für ein dezentrales, demokratisches, nachhaltiges und soziales Europa. In der aktuellen Krise vermisst sie europäische Solidarität. Solidarität und Souveränität gehören für sie hierbei zusammen. Gibt es keine europäische Souveränität, dann gibt es auch keine europäische Solidarität.

 

Hanno Loewy ist Direktor des Jüdischen Museums Hohenems. Im Kreisky Forum kuratiert er die Reihe GRENZEN.
Auch in einer globalisierten Welt werden permanent neue Grenzen und Mauern errichtet – manche sind weithin sichtbar, andere werden durch Sprachtests oder biometrische Verfahren gezogen.
In der aktuellen COVID 19 Krise sind Grenzen präsenter denn je. Es werden nicht nur Grenzen innerhalb der Europäischen Union geschlossen. Auch auch wir selbst sollen Abstand voneinander nehmen und uns distanzieren. Gerade das zeigt uns auf, wie wichtig Zusammenhalt und Solidarität sind.

 

Isolde Charim ist Philosophin und Autroin. In ihrer Reihe DEMOKRATIE RELOADED widmet sie sich jenen Phnänomenen, die unsere Demokratie in Frage stellen.
Mit ihren Gesprächspartner*innen analysiert Charim die gegenwärtigen Entwicklungen – nicht als Krise der Demokratie, sondern als „Zerfall der Ordnungen“, als neue gesellschaftliche Spaltung, die in den unterschiedlichsten Bereichen schlagend wird: im Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft, in Bezug auf die neue Mediensituation, die Religionen und die Thematik, die mit den Flüchtlingsbewegungen aufgetreten ist.

 

Gudrun Harrer ist Autorin und leitende Redakteurin bei der Tageszeitung „Der Standard“. Seit 2011 kuratiert sie die Reihe ARAB CHANGES. Mit ihren Gästen spricht sie über verschiedene Aspekte und Entwicklungen in der arabischen Welt, im Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika und des Islams.
Zur aktuellen Situation meint sie: „Ich selbst bin ziemlich in Sorge über meine Region. Sie können sich alle vorstellen wie es ist, wenn eine Krankheit wie Covid-19 auf völlig darniederliegende Gesundheitssysteme trifft wie zum Beispiel im Jemen, in Libyen oder in Syrien.“

 

Seit 15 Jahren kuratiert der Journalist und Autor Robert Misik im Kreisky Forum die Reihe GENIAL DAGEGEN.
Mit Gästen aus Nah und Fern spürt er diesen Fragen nach:
Was macht der soziale Wandel mit unserer Gesellschaft – und wie strukturiert er die Arbeitsgesellschaft der Zukunft?
Was sind die intellektuellen Grundlagen und praktischen Vorschläge einer linken Wirtschaftspolitik, die in Zukunft ökonomische Gleichheit, Wohlstand für alle und mehr Sicherheit garantieren will?
Und welche politischen Kräfte können in Zukunft Motor dafür sein, die Gesellschaft zu verbesern und voran zu bringen?

 

Tessa Szyszkowitz ist Historikerin, Journalistin und Autorin. Im Kreisky Forum für Internationalen Dialogkuratiert sie die Reihe PHILOXENIA. Das Wort bedeutet Liebe zum Fremden – oder auch: Gastfreundschaft. Besonders in Zeiten, in denen populistische Bewegungen Erfolge verbuchen können, ist Philoxenia von großer Wichtigkeit. Denn es braucht Alternativen zu Angst, Ablehnung und Ausschließung als treibende Kräfte politischer Prozesse. Nur so können Antworten auf die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gefunden werden.

 

Philipp Blom ist ein deutscher Schriftsteller, Historiker, Journalist und Übersetzer. Im Kreisky Forum kuratiert er die Reihe ZERRISSENE JAHRE.
Wie zerrissen sind unsere Gesellschaften? Entlang welcher Linien sind sie zerrissen? Und welche Strategien kann es geben, diese Risse zu heilen?