WER RETTET LIBANON VOR DEM ABGRUND?

GUDRUN HARRER IM GESPRÄCH MIT MONIKA BOLLIGER
WER RETTET LIBANON VOR DEM ABGRUND?
Im Libanon ist die politische Macht nach Quoten für Religionsgruppen verteilt. Ein System, das Minderheiten schützen sollte, hat zu einer Verfestigung religiöser Identitäten und einer Vertiefung der Gräben geführt. Der Bürgerkrieg hat diese Gräben zementiert, und die Warlords von damals beherrschen noch heute das Land wie Mafiabosse – während sie vorgeben, ihre jeweilige Religionsgruppe zu verteidigen. 2019 hat eine breite Protestbewegung versucht, die Gräben zu überwinden, doch da raste das Land bereits auf den Abgrund zu. Nach dem Kollaps der Wirtschaft kam es auch noch zu einer riesigen Explosion am Hafen von Beirut, die weite Teile der libanesischen Hauptstadt verwüstete und ihre Bewohner traumatisierte. Jetzt müssen die Menschen ihre ganzen Kräfte dafür aufwenden, durch den Alltag zu kommen, während die Politiker keinerlei Einsicht zeigen. Libanon braucht einen radikalen Wandel – aber ist das unter den gegebenen Umständen möglich?
Monika Bolliger studierte Geschichte, Arabistik und Völkerrecht an der Universität Zürich. Sie lebte zwischen 2012 und 2018 als Korrespondentin der Neuen Zürcher Zeitung in Jerusalem, Kairo und Beirut. Seit Frühjahr 2021 ist sie Redakteurin des Spiegels mit Schwerpunkt Nahost.
Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien.
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Monika Bolliger:
Tripolis. Der Nahe Osten im Spiegelbild einer Stadt
Rotpunktverlag, Februar 2022; ISBN 978-3-85869-927-5