DI01. Juni, 19:30UHR

UNASKING EUROPE’S JEWISH QUESTION

Reihe: Grenzen
KuratorIn: Hanno Loewy
Vortragende: Brian Klug

Facebook Live

Hanno Loewy in conversation with Brian Klug

“OH, WHAT A TANGLED WEB WE WEAVE”
UNASKING EUROPE’S JEWISH QUESTION

The idea of a post-war Europe, founded on universal values of human rights, justice and peace, goes by the name ‘Project Europe’ (or: ‘New Europe’). In a Jewish perspective Brian Klug offers, Jews, as Jews, are woven into the crisis of New Europe, which simultaneously is a crisis in Judaism. For New Europe is still haunted by Old Europe’s ‘Jewish Question’; and Jews are too. The general sense of this toxic question (whose roots lie in antiquity) is this: “What should Europe do with its Jews?” With the change from Old to New, Jews have gone from foil to model: from internal alien to “the first, the oldest Europeans” (Romano Prodi). The hyphen in ‘Judeo-Christian’ writes Judaism into the European self. At the same time, Europe is written into the Jewish state: “Europe ends in Israel. East of Israel, there is no more Europe” (Benjamin Netanyahu). This entwining of New Europe and the Jews entails the othering of both Islam and Palestinians. “Oh, what a tangled web we weave” (Walter Scott). The lecture will argue that, for the sake of the future, we need to take the web apart at the seams: unweaving it: unravelling Europe’s Jewish Question.

Brian Klug is Senior Research Fellow in Philosophy at St. Benet’s Hall, Oxford; member of the faculty of philosophy at the University of Oxford; Honorary Fellow of the Parkes Institute for the Study of Jewish/non-Jewish Relations, University of Southampton; and Fellow of the College of Arts and Sciences, Saint Xavier University, Chicago. He is Associate Editor of the journal Patterns of Prejudice, and a member of the International Advisory Boards for Islamophobia Studies Yearbook; ReOrient: The Journal of Critical Muslim Studies; and ‚Negotiating Jewish Identity: Jewish Life in 21st Century Norway‘ (a project of The Norwegian Center for Studies of the Holocaust and Religious Minorities). He has published extensively on Judaism, antisemitism, Islamophobia, racism and related topics.

Hanno Loewy, Lecturer on Literature and Media Sciences at the University of Konstanz, Director of the Jewish Museum Hohenems

DI08. Juni, 19:00UHR

LACHEN UND STERBEN

Reihe: Buchpräsentationen
Vortragende: Franz Schuh, Armin Thurnher

YouTube Premiere „Aus Kreiskys Wohnzimmer“

Amin Thurnher und Franz Schuh im Gespräch zum Buch

LACHEN UND STERBEN

 „Franz Schuh ist ein titanisch gebildeter Denker und sprachlicher Stilist von höchster Eleganz. Metaphern, Aphorismen, Wortwitz und Pointen in seiner Art hat es früher einmal gegeben, in den seligen Zeiten von Karl Kraus, Polgar, Kuh und Friedell – seither gibt es nur noch ihn.“
Eva Menasse, Die Zeit

Im Rausch fiel der Bänkelsänger Markus Augustin einst in die Pestgrube und wäre dort begraben worden, wäre sein Lallen nicht gehört worden. Man holte ihn heraus, und unversehrt zog er weiter um die Häuser. Franz Schuh ist in vielem das genaue Gegenteil des lieben Augustin. Was die beiden aber gemeinsam haben, beweist dieses unnachahmliche Buch: Lachend bietet es dem Schicksal die Stirn, rückt ihm zum einen metaphysisch, zum anderen ganz konkret auf den Leib, indem es die Dialektik von Lachen und Sterben an Beispielen aus der Populärkultur (Helmut Qualtinger, Otto Schenk, Lukas Resetarits u. a.) zeigt. Einzigartig und funkelnd ist die stilistische Brillanz von Schuhs schonungslosen Sätzen – „Alle vermehren sich, ich reduziere mich, jeden Tag werde ich weniger.“

Franz Schuh, geboren 1947 in Wien, studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik. Er ist Schriftsteller, Lehrbeauftragter an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und Kolumnist für Zeitschriften und Rundfunkstationen. Er erhielt u.a. 2006 den Preis der Leipziger Buchmesse und 2011 den Österreichischen Kunstpreis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt Sämtliche Leidenschaften (2014) und Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks (2017).

Armin Thurnher, Herausgeber des Falter, Autor

In Zusammenarbeit mit dem Zsolnay-Verlag

Franz Schuh: Lachen und Sterben
Zsolnay, März 2021, 336 Seiten
ISBN 978-3-552-07229-9

MI09. Juni, 19:00UHR

INVISIBLE WALLS

Reihe: Philoxenia
KuratorIn: Tessa Szyszkowitz
Vortragende: Hella Pick

ZOOM Live / Facebook Live

Tessa Szyszkowitz in conversation with Hella Pick

INVISIBLE WALLS
Die ehemalige diplomatische Korrespondentin des “Guardian” über ihr Leben zwischen den Heimaten Wien und London.

35 Jahre lang hat sie für den britischen Guardian die Weltgeschichte begleitet. Fast den gesamten Kalten Krieg hat die Britin, die aus Wien stammte, beschrieben. Die Journalistin hat von JFK bis Michail Gorbatschow die wichtigsten Politiker zwischen Washington und Warschau getroffen und war als eine der ersten Frauen in diesem Job eine stets – auch dank ihrer physischen Größe – herausragende Persönlichkeit.
Jetzt hat Hella Pick ihre Memoiren geschrieben, sie sind diesen Frühling in Großbritannien unter dem Titel Invisible Walls erschienen und haben die 91-jährige Legende des Auslandsjournalismus erneut auf die Bühne britischer Talkshows geholt. Als Kind vor den Nazis aus Wien per Kindertransport nach London geflohen, passte sich die Österreicherin der britischen Kultur so sehr an, dass sie eine der typisch englischen Eigenschaften übernommen hat: die Selbstironie. Sie zieht sich wie ein Leitfaden durch Picks Memoiren, über die sie in einem Live Onlinetalk aus London mit Tessa Szyszkowitz sprechen wird.

Hella Pick  urde 1929 in Wien geboren und kam zehn Jahre später mit einem Kindertransport nach London. Nach ihrem Studium wurde Pick erst Afrikakorrespondentin im Magazin “WestAfrika”, ab 1961 arbeitete sie für ”The Guardian”. 35 Jahre lang blieb sie dessen diplomatische Korrespondentin. Danach wechselte sie zu Geroge Weidenfelds “Institute for Strategic Dialogue”. Sie schrieb eine Biografie über Simon Wiesenthal und eines über ihre alte Heimat: “Guilty victim – Austria from the Holocaust to Haider”.

Tessa Szyszkowitz, Historian, Journalist and Author; UK-Correspondent for PROFIL, Falter und Cicero.

 

Invisible Walls. A Journalist in Search of her life
by Hella Pick, Weidenfeld & Nicolson, ist auf Englisch auch als e-book erhältlich. ISBN-10: 147461373X.

FR11. Juni, 19:00UHR

WELCHE BEDINGUNGEN MUSS EINE GERECHTE GESELLSCHAFT SCHAFFEN, UM GEWALT AN FRAUEN UND FEMIZIDE ZU VERHINDERN?

ZOOM Live / Facebook Live

ELISABETH SCHARANG IM GESPRÄCH MIT CAROLIN EMCKE

WELCHE BEDINGUNGEN MUSS EINE GERECHTE GESELLSCHAFT SCHAFFEN, UM GEWALT AN FRAUEN UND FEMIZIDE ZU VERHINDERN?

Elisabeth Scharang diskutiert mit der Publizistin Carolin Emcke über Strukturen der Misogynie und die Frage, wie sich Gewalt entlarven und verhindern lässt. Welche Bilder und Begriffe prägen unsere Vorstellung von Lust und Unlust? Welche Mechanismen greifen, um sexualisierter Gewalt im öffentlichen Bewußtsein zu verleugnen? In den USA haben sich Frauen im Zuge der #MeToo Bewegung über Sammelklagen zusammengeschlossen, um sich gegen sexuelle Gewalt, die ihnen im Arbeitsleben widerfahren ist, zu wehren und die Täter vor Gericht zu bringen. Die Debatte hat die Perspektive auf sexuelle Übergriffe und die Definition dessen, was gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert wird verändert; und sie hat eine Welle der offenen Solidarität für Opfer von sexuellen Übergriffen ausgelöst. Auf welcher Ebene wird diese Diskussion im deutschsprachigen Raum geführt? Die aktuelle öffentliche Debatte um den Medienmann Wolfgang Fellner und seinen Umgang mit weiblichen Angestellten ist in Österreich eine seltene Ausnahme. Es scheint, als habe die #MeToo Bewegung Österreich und den deutschsprachigen Raum lediglich gestreift. Ein Gespräch über das komplexe Geflecht aus Ignoranz, Verdrängung, Scham, Aggression und Kränkung und über die Fragen: Warum hat #MeToo in Österreich nicht stattgefunden und warum werden in Österreich als einzigem Land in der EU mehr Frauen als Männer ermordet?

Carolin Emcke war von 1998 bis 2006 Redakteurin beim „Spiegel“ und als Auslandsredakteurin in Krisengebieten wie Afghanistan, Pakistan, Kosovo, Iraq, Kolumbien oder dem Libanon unterwegs. Von 2007 bis 2014 schrieb sie als Autorin und internationale Reporterin für DIE ZEIT . Seit 2014 ist sie freie Publizistin und Kolumnistin bei der “Süddeutschen Zeitung” und “El Pais”.
Elisabeth Scharang, freischaffende Filmemacherin, Drehbuchautorin und Journalistin in Wien

 

DI15. Juni, 19:00UHR

AM SEE

Reihe: Zerrissene Jahre
KuratorIn: Philipp Blom
Vortragende: Kapka Kassabova

ZOOM Live / Facebook Live

Philipp Blom im Gespräch mit Kapka Kassabova

AM SEE
Reise zu meinen Vorfahren in Krieg und Frieden

Kapka Kassabova folgt am Ohridsee den Spuren ihrer Familie. Wie in Die letzte Grenze (Zsolnay, 2018) reist sie in ihrem neuen Buch, Am See, auf den Weg in den Osten und in ihre eigene Vergangenheit.

Fischer, Hausierer, Witwen, Waisen – Opfer, Täter und jene, denen es gelungen ist, sich aus den Verstrickungen zu befreien. Wie in einem Brennglas werden die Konflikte und Tragödien von Nationalstaaten in jenem Winkel Europas sichtbar, in den uns Kapka Kassabova führt: das zwischen Nordmazedonien, Albanien und Griechenland aufgeteilte Gebiet um den Ohrid- und Prespasee. Es ist verbunden mit ihrer eigenen Familiengeschichte, und so wird aus der Erkundung einer wunderschönen Gegend, ihrer Historie und politischen Verwerfungen eine Reise in die eigene Vergangenheit. Kassabova versteht es, die Zusammenhänge zwischen Topografie und Biografie bloßzulegen und Menschen zum Erzählen zu bringen, deren Schicksale die Zerrissenheit der Jahrhunderte spiegeln.

Kapka Kassabova wurde 1973 in Sofia geboren und lebt heute in den schottischen Highlands. Sie schreibt unter anderen für The Sunday Times, The Guardian und Vogue. Für Die letzte Grenze (Zsolnay 2018) wurde sie mit dem Nayef Al-Rodhan Prize der British Academy ausgezeichnet. Am See ist im März 2021 in der Übersetzung von Brigitte Hilzensauer bei Zsolnay erschienen .

Philipp Blom lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien und schreibt regelmäßig für internationale Zeitschriften und Zeitungen.

Kapka Kassabova:
AM SEE. Reise zu meinen Vorfahren in Krieg und Frieden
ISBN: 978-3-552-07245-9, 416 Seiten, 26,80 €; 2021, Paul Zsolnay Verlag, Granta

In Zusammenarbeit mit Zsolnay-Verlag

MI16. Juni, 19:00UHR

WOHIN GEHT DEUTSCHLAND?

Reihe: Genial Dagegen
KuratorIn: Robert Misik
Vortragende: Wolfgang Schmidt

ZOOM Live / Facebook Live

Robert Misik im Gespräch mit Wolfgang Schmidt

„Wohin geht Deutschland?“

In einer der heikelsten Phasen der Nachkriegsära geht in Deutschland eine Epoche zu Ende: Angela Merkel tritt als Bundeskanzlerin ab, und bei der Bundestagswahl im September könnte das gesamte politische System im gewichtigsten Land der Europäischen Union durchgewirbelt werden. Gegenwärtig liefern sich Grüne und Union einen Zweikampf an der Spitze, die SPD will aus dem Duell noch einen Dreikampf machen. Das allein wäre schon historisch: Dass erstmals drei Parteien die realistische Aussicht auf den Spitzenplatz haben. Und das alles in einem politischen Gesamtumfeld, in dem sich in der Europäischen Union ein wirtschaftspolitischer Paradigmenwechsel anbahnt, weg von neoliberalen Konzeptionen, hin zu modernen Wohlfahrts- und Gleichheitskonzeptionen.
Der Sozialdemokrat Wolfgang Schmidt, Staatssekretär im deutschen Bundesfinanzministerium, ist eine Zentralfigur in all diesen Thematiken: als engster Vertrauter des SPD-Kanzlerkandidaten kann er erzählen, wie die Sozialdemokratie in diesem Wahlkampf noch einmal zurück ins Rennen um Platz eins kommen wollen, und als wesentlicher Architekt einer neuen EU-Wirtschafts- und Finanzpolitik kann er darüber Auskunft geben, wie man Schritt für Schritt einen Kurswechsel hinbekommt.

 Wolfgang Schmidt (* 23. September 1970 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD) und Jurist. Er ist seit März 2018 Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen. Von März 2011 bis März 2018 war er Staatsrat der Hamburger Senatskanzlei und Bevollmächtigter der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, bei der Europäischen Union und für Auswärtige Angelegenheiten.
Schmidt ist ein enger Vertrauter und politischer Weggefährte des deutschen Bundesfinanzministers Olaf Scholz (SPD).

Robert Misik, Autor und Journalist

DO17. Juni, 19:00UHR

WAS TUN WIR MIT EUROPA?

Reihe: Transatlantica
KuratorIn: Eva Nowotny
Vortragende: Raimund Löw, John Kornblum

YouTube Premiere „Aus Kreiskys Wohnzimmer“

Raimund Löw im Gespräch mit John Kornblum und Eva Nowotny

WAS TUN WIR MIT EUROPA?

Bei seiner ersten großen außenpolitischen Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2021 deutete Präsident Biden an, dass zu viel Harmonie mit Europa den USA nicht dienlich wäre. Biden schien direkt zu Merkel und Macron zu sprechen und stellte Europa vor eine Herausforderung: „Hört auf mit den Hirngespinsten über die „strategische Souveränität“ von Amerika, stärkt die zunehmend dysfunktionale Diplomatie und helft dabei, den Westen unter amerikanischer Führung zu stützen. Meine Regierung wird ihren Teil tun, aber ihr müsst auch euren tun.“
In den vergangenen Tag, bei seiner ersten Europa-Reise als US-Präsident, die ihn nach Großbritannien zum G7-Gipfel, nach Brüssel zum NATO-Gipfel und zu Gesprächen mit EU-Vertretern und nach Genf zum Treffen mit Russlands Präsident Putin geführt hat, sind Bidens Vorstellungen und Erwartungen deutlicher geworden.
Wie werden sich die transatlantischen Beziehungen in den kommenden Jahren gestalten?
Welche konkreten Erwartungen haben Biden und seine Administration an Europa und wie geht Europa damit um?

Raimund Löw hat darüber zu Beginn von Bidens Europa-Reise mit dem amerikanische Außenpolitik-Experten John Kornblum gesprochen und zu deren Ende mit unserer Transatlantica-Kuratorin Eva Nowotny.

John Christian Kornblum ist ein pensionierter amerikanischer Diplomat und ehemaliger Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank Lazard.
Eva Nowotny, Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums, Diplomatin i.R., Vorsitzende des Universitätsrates der Universität Wien
Raimund Löw, Historiker und Journalist, Direktor „Falter Radio“ und früherer ORF Korrespondent

MO21. Juni, 18:00UHR

ARI RATH PREIS FÜR KRITISCHEN JOURNALISMUS

Reihe: Ari Rath Preis für kritischen Journalismus
Vortragende: Thomas Seifert, Oliver Rathkolb, Gideon Levy, Alexandra Föderl-Schmidt

Für diese Veranstaltung ist leider keine Anmeldung mehr möglich. Alle Plätze sind ausgebucht!

 

ARI RATH PREIS FÜR KRITISCHEN JOURNALISMUS 2021

Begrüßung: Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., Gründungs- und Ehrenpräsident des Kreisky Forums
Begründung der Jury: Gertraud Borea d’Olmo, Generalsekretärin des Kreisky Forums

Preisträger: Thomas Seifert, stv. Chefredakteur Wiener Zeitung
Laudator: Oliver Rathkolb, Univ.-Prof. am Institut für Zeitgeschichte der Universität WieN

Ehrenpreis: Gideon Levy, Kolumnist und Mitglied der Redaktion der Tageszeitung Ha’aretz
Laudatorin: Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredakteurin Süddeutsche Zeitung

Musik: Isabel Frey, Yiddish singer and social justice activist

 

Der „Ari-Rath-Preis für kritischen Journalismus“ wurde auf der Basis einer Privatinitiative eingerichtet, um im Sinne des im Jänner 2017 verstorbenen renommierten ehemaligen Chefredakteurs der Jerusalem Post Journalistinnen und Journalisten auszuzeichnen, die sich in ihrer Arbeit um eine kritische und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete Berichterstattung über Flucht, Vertreibung und Asyl in hervorragender Weise verdient gemacht haben. Eine Jury von Expertinnen und Experten unter dem Vorsitz von Gertraud Auer Borea d’Olmo, der Generalsekretärin des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog und enge Vertraute von Ari Rath, hat einstimmig Thomas Seifert für den heurigen „Ari Rath Preis für kritischen Journalismus“ vorgeschlagen. Der „Ari Rath Ehrenpreis“ wurde einstimmig Gideon Levy zuerkannt.

Thomas Seifert ist vielen Leserinnen und Lesern als außenpolitischer Experte und Wirtschaftsfachmann bekannt. Der heutige stellvertretende Chefredakteur der Wiener Zeitung war zuvor für News, aber auch Welt am Sonntag und Sunday Telegraph als Reporter in zahlreichen Krisenregionen der Welt unterwegs und hat beeindruckende Berichte verfasst: sei es im Jahr 2000 aus der Ebola Station des Spitals in Gulu, Uganda, oder aus Sierra Leone über Kindersoldaten oder über den Krieg in Tschetschenien. Mutig und engagiert berichtete er aus Afghanistan und 2003 aus dem Irak-Krieg in Mitten des US-Bombardements.
Immer stellt Seifert neben der Gesamteinschätzung der Krisensituation das Schicksal der betroffenen Menschen ins Zentrum seiner Artikel, Berichte und Kommentare. Dem ist auch hinzuzufügen, dass er immer die menschliche Perspektive der von Kriegen, Flucht und Vertreibungen und Naturkatastrophen geplagten Individuen hervorhebt, und damit den Verfolgten in dieser Welt eine Stimme verleiht.

Gideon Levy ist Kolumnist bei Haaretz und Mitglied der Redaktion der Zeitung. Levy kam 1982 zu Haaretz und war vier Jahre lang stellvertretender Herausgeber der Zeitung. Er ist Autor des wöchentlichen Twilight Zone-Beitrags, der die israelische Besetzung im Westjordanland und im Gazastreifen in den letzten 25 Jahren behandelt, sowie Autor politischer Leitartikel für die Zeitung.Levy erhielt 2008 den Euro-Med-Journalistenpreis und den Leipziger Freiheitspreis 2001; der Preis der israelischen Journalistenunion 1997; und der Preis der Vereinigung der Menschenrechte in Israel für 1996; 2016 gemeinsam mit dem lutherischen Pastor von Bethlehem Mitri Raheb den Olof Palme Preis für „seinen Kampf gegen Besetzung und Gewalt“. Sein neues Buch „The Punishment of Gaza“ wurde gerade im Verso Publishing House in London und New York veröffentlicht.

Isabel Frey // Revolutionary Yiddish Music // Vienna

Mitglieder der Jury:

Gertraud Borea d’Olmo, Generalsekretärin des Bruno Kreisky Forums
Fritz Hausjell, Medienhistoriker, Institut für Publizistik, Univ. Wien
Rubina Möhring, Präsidentin Reporter ohne Grenzen
Oliver Rathkolb, Historiker, Institut für Zeitgeschichte, Univ. Wien

Bisherige Preisträger*innen:

2018
Alexandra Föderl-Schmid, seit Juli 2020 stellvertretende Chefredakteurin Süddeutschen Zeitung. Davor war sie Korrespondentin für Israel und die palästinensischen Gebiete. Davor war sie zehn Jahre lang Chefredakteurin und später auch Co-Herausgeberin der österreichischen Tageszeitung Der Standard und des Nachrichtenportals derStandard.at.

2019
Silvana Meixner, Heimat-Fremde-Heimat, ORF
Ehrenpreis: Helmut Brandstätter, KURIER

2020
Irene Brickner, DER STANDARD
Ehrenpreis: Anneliese Rohrer, Kolumnistin DIE PRESSE

Mit freundlicher Unterstützung von Wien Energie

DI22. Juni, 19:00UHR

DER WIENER JUGENDANWALT

Reihe: 2021: Solidarität und Krise
Vortragende: Rudolf Scholten, Ercan Nik Nafs

Rudolf Scholten im Gespräch mit Ercan Nik Nafs

DER WIENER JUGENDANWALT
Über Extremismusprävention und Demokratieförderung

Der Aufgabenbereich des Kinder- und Jugendanwalts ist breit gefächert. Er umfasst sämtliche Kinderrechtsthematiken im Bildungsbereich sowie der außerschulischen Jugendarbeit. Ebenso gehören Themenbereiche wie der Jugendschutz, das Monitoring von Haftanstalten, Gewaltprävention, Jugenddelinquenz, Kriminalität, Gerichtsbarkeit, Religion und Umwelt zum Sachgebiet des Kinder- und Jugendanwalts. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Kinder- und Jugendanwalts stellt darüber hinaus die Extremismusprävention sowie die Förderung der Demokratiekultur im Rahmen des Wiener Netzwerks Demokratiekultur und Prävention dar. Mit welchen gesellschaftlichen Massnahmen Kinder und Jugendliche in Österreich vor Extremismus geschützt werden, darüber spricht Rudolf Scholten mit dem Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs.

Ercan Nik Nafs studierte Politikwissenschaft und war viele Jahre im Bereich der Jugendarbeit tätig. Er ist seit 2014 Kinder- und Jugendanwalt der Stadt Wien.
Rudolf Scholten, Präsident des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog

 

DO24. Juni, 19:00UHR

DSCHIHADISMUS IN ÖSTERREICH

Reihe: Hegemonien und Allianzen
KuratorIn: Walter Posch
Vortragende: Guido Steinberg

Für diese Veranstaltung ist die schriftliche Anmeldung verpflichtend – first come, first serve!
Es stehen 50 Sitzplätze zur Verfügung. Es gilt die „3 G-Regelung“.

Walter Posch im Gespräch mit Guido Steinberg

DSCHIHADISMUS IN ÖSTERREICH
EINE GEFÄHRLICHE SZENE MIT GROSSER IDEOLOGISCHER STRAHLKRAFT

Im Jahr 2020 wurde deutlich, dass die von Organisationen wie dem Islamischen Staat (IS) und al-Qaida ausgehende Gefahr von Terrorattacken nicht gebannt ist. Dass auch Europa weiterhin im Visier dieser Organisationen bleibt, zeigten die Anschläge in Österreich und Frankreich. Im Rahmen einer konsekutiven Studienreihe der Konrad Adenauer Stiftung mit dem Titel Islamistischer Terrorismus in Europa analysieren renommierte Experten die dschihadistische Bedrohungslage sowie die entsprechenden Bekämpfungsstrategien und die politische Debatte in verschiedenen Ländern. Guido Steinberg hat Österreich unter die Lupe genommen, das im November 2020 in Wien den schwerwiegendsten islamistischen Terroranschlag seiner Geschichte erlebt hat. In diesem Gespräch mit Walter Posch präsentiert und diskutiert Guido Steinberg seine Erkenntnisse.

Guido Steinberg, Islamwissenschafter und Autor, Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin
Walter Posch, Senior Fellow Institute for Peace Support and Conflict Management (IFK)

 

Link zur Publikation

DI29. Juni, 19:00UHR

KONFLIKTE UM NACHHALTIGKEIT

Reihe: Genial Dagegen
KuratorIn: Robert Misik
Vortragende: Sighard Neckel

Für diese Veranstaltung ist die schriftliche Anmeldung verpflichtend – first come, first serve!
Es stehen 50 Sitzplätze zur Verfügung. Es gilt die „3 G-Regelung“.

Robert Misik im Gespräch Sighard Neckel
Konflikte um Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit, also die Umsteuerung in Richtung Dekarbonisierung und der Kampf gegen den Klimawandel, eröffnen unzählige neue Felder von Konflikten. Wer trägt die Hauptlasten, wer muss zahlen, wer muss verzichten? Dabei geht es um gesellschaftliche Auseinandersetzungen und ideologische Muster, man denke nur an die Forderung, „verantwortungsvolle Konsumentinnen und Konsumenten“ sollten die ökologischen Probleme möglichst durch ihre Entscheidungen beim Einkauf lösen. Es geht aber auch um ganz handfeste ökonomische und verteilungspolitische Fragen, etwa, wie Maßnahmen aufgesetzt werden können, die vor allem den Wohlhabenden Verzicht abverlangen, ohne das Leben für einkommensärmere Bevölkerungsteile zu erschweren. Was sind hier die richtigen Formen? Eine CO-2-Steuer? Wie muss sie ausgestaltet sein, dass primär jene zahlen, die einen größeren ökologischen Fußabdruck haben? Oder ist „steuern durch Steuern“ sowieso der falsche Weg und es muss einfach mit Regeln und Verboten operiert werden? Sozialökologische Transformation darf kein Projekt selbstgerechter Gesinnungsethik sein, Nachhaltigkeit muss im Gegenteil als kollektives Gut gedacht werden, das den Schwächsten und Ärmsten nützen muss. Etwaiger Verzicht sollte den Wohlhabenden und Reichen auferlegt werden, und die Transformation darf nicht primär auf individuellen Konsum setzen, sondern auf massive Investitionen in Infrastruktur, Technologie usw.

Sighard Neckel, geb. 1956 in Gifhorn, ist Professor für Gesellschaftsanalyse an der Universität Hamburg. Er hatte nach dem Studium der Soziologie, Rechtswissenschaften und Philosophie in Bielefeld und an der FU Berlin Professuren in Siegen, Wuppertal, Gießen, Wien und Frankfurt.
Unter seinen jüngsten Büchern sind die 2020 von ihm mitherausgegebenen Bände „Gesellschaftstheorie im Anthropozän“ und „Imaginationen von Nachhaltigkeit. Katastrophe. Krise. Normalisierung“ (beide bei Campus).

Robert Misik, Autor und Journalist

MI30. Juni, 19:00UHR

WIE DIE SOZIALE HERKUNFT UNSER LEBEN PRÄGT

YouTube Premiere „Aus Kreiskys Wohnzimmer“

ELISABETH SCHARANG IM GESPRÄCH MIT BETINA AUMAIR UND ESRA ÖZMEN
WIE DIE SOZIALE HERKUNFT UNSER LEBEN PRÄGT

 Dass es für den sozialen Aufstieg in Österreich viel mehr braucht als Leistung, thematisiert das Buch „Klassenreise.“ Die soziale Selektion des Bildungswesens ist längst statistisch erfasst. Nur 15% aus einkommensschwachen Familien schaffen es von unten nach oben. Doch was bedeutet dieser Aufstieg für Menschen aus (Gast)arbeiterfamilien? Durch Entfremdung vom alten sozialen Umfeld und Klassismus in einer neuen Welt, die nicht für sie gemacht zu sein scheint, werden Zugehörigkeiten ständig neu verhandelt. Die Reise in ein bürgerliches Milieu ist nicht mit dem formalen Bildungsabschluss beendet. Ein Blick in die Porträts der Klassenreisenden verrät, dass soziales Kapital nicht mit einem Studium erworben wird und wie sozialer Aufstieg von Geschlecht, Migration und Stadt-Land Gefällen geprägt ist.

Elisabeth Scharang diskutiert mit der Autorin Betina Aumair und der Rapperin Esra Özmen über Bildungschancen in Österreich, welche Rolle der Zufall für Menschen aus einkommensarmen Haushalten spielt und was hinter dem Mythos „Aufstieg durch Leistung“ steckt.

Betina Aumair, Schreibpädagogin, Projektleiterin und Gender und Diversity-Beauftrage in der Erwachsenenbildung mit dem Fokus Jugendliche und junge Erwachsene
Esra Özmen, Rapperin, bildende Künstlerin, Performerin, Songwriter, Kulturarbeiterin, Workshopleiterin in Rap/Gesang/Reimen/Texten.
Elisabeth Scharang, freischaffende Filmemacherin, Drehbuchautorin und Journalistin in Wien